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Allgemeine Fragen und Antworten zum Thema Börse

 

Aufzählung

Was ist die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Börsengeschäfte?

 

Aufzählung

Wie ist an den Börsen grundsätzlich vorzugehen?

 

Aufzählung

Was heißt "spekulieren", wer ist Spekulant"?

 

Aufzählung

Welche Fertigkeiten erfordert ein Erfolg versprechendes Tätigwerden an den Börsen?

 

Aufzählung

Wie hilfreich sind ökonomische Modelle der Wirtschaftswissenschaften bei der Geldanlageplanung?

 

Aufzählung

Für welchen Anlagezeitraum soll ich mich entscheiden?

 

Aufzählung

Worauf ist bei der Anlageplanung zu achten?

 

Aufzählung

Welchen Stellenwert haben Börsennachrichten und Anlagetipps bei der Informationssammlung?

 

Aufzählung

Ich bin Unternehmer in einem börsenfremden Tätigkeitsbereich. Soll ich mich dennoch selber um meine täglichen Anlageentscheidungen an den Börsen kümmern?

 

Aufzählung

Durch Kleinanzeigen, Telefonkontakte und im Internet habe ich erfahren, dass an den Börsen unglaubliche Gewinne innerhalb kürzester Zeit möglich sind. Ist so etwas seriös?

 

Aufzählung

Ich habe an der Börse Geld verloren. – Was nun?

 

Aufzählung

Was zeichnet einen erfolgreichen Investor aus?

 

Aufzählung

Welche Tipps kann ich noch beachten?

 

weiter zu: Spezielle Börsenfragen

 

 

Was ist die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Börsengeschäfte?

Um unternehmerisch tätig zu werden – und um nichts anderes handelt es sich hierbei – ist jeder Händler grundsätzlich gefordert, unbefangen und mit geschärftem Blick aufmerksam nach allen Seiten zu blicken, um die sich darbietenden Chancen an den Märkten rechtzeitig zu erkennen und auszunutzen. Zu diesem Zwecke ist das gesamte verfügbare Wissen, die volle Arbeitskraft ebenso wie das Vergütung suchende Kapital so planvoll und wohl überlegt als möglich einzusetzen.

 

Wie ist an den Börsen vernünftigerweise vorzugehen?

Jeder Handelsabschluss will vorher wohl überlegt sein. Vernünftige Anlageentscheidungen setzen zunächst voraus, sich über seine Anlageziele als auch über seine finanziellen Dispositionsspielräume völlig im Klaren zu sein. In Rechnung zu ziehen ist dabei für jeden persönlich insbesondere: 1.) Ihr Anlagehorizont, 2.) Ihre Liquiditätsvorliebe und 3.) Ihre Einstellung gegenüber dem "Risiko". Das Risiko jeder Geldanlageentscheidung ist bekanntlich in gerader Linie auf mangelnde Kenntnis künftiger Marktentwicklungen zurückzuführen. Der Unsicherheit über künftige Kursentwicklungen sollte ein umsichtiger Investor deshalb grundsätzlich durch planvolles Vorgehen zu begegnen suchen, indem er sich a.) börsentechnisches Spezialwissen anzueignen befleißigt, b.) Informationen aus verschiedenen Quellen sammelt und c.) diese sachkundig auszuwerten versteht. Des Weiteren gehört in diese Abteilung, die eigenen Anlageentscheidungen in ihren möglichen Konsequenzen gründlich vorauszubedenken, und dazu das aus Erfahrung Erlernte mit in seine Überlegungen einzubeziehen. Endlich sind Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet scheinen, Vorsorge gegen den nie ganz auszuschließenden Verlustfall zu treffen.

Bei allen Planungen, die der Beurteilung der nachhaltigen Vorteilhaftigkeit einzelner infrage kommender Kapitalanlagen vorausgehen, ist es entschieden anzuraten, prinzipiell die gesamte Struktur des darin einbezogenen Portfolios mit in Vorbedacht zu beziehen. Für den Fall eines Kaufs auf Kredit ist vorsorglich der Regel zu folgen: Achten Sie darauf, stets Ihre Liquidität und Bonität zu wahren, um und auch bei einer ungünstigen Kursentwicklung nicht zu Notkäufen oder -verkäufen gezwungen zu sein.

 

 

 

 

 

Was heißt "spekulieren", wer ist "Spekulant"?

Der alltäglichen Anschauung zufolge – und dabei freilich ethisch ein wenig angehaucht – wird vielfach unter Spekulant (engl. »speculator, trader«) ein Mensch im Sinne eines glückspielerischen Hasardeurs verstanden, zumal jemand, der sein Geld ohne jeden Skrupel in moralisch anrüchiger Weise investiert, alles in der Hoffnung auf schnelle Vermögensschaffung. Nach dem lateinischen Wortstamm (von speculari, »spähen, beobachten«) dagegen ist ein Spekulant "ein Mann, welcher von einem erhöhten Standpunkt aus in die Ferne späht", und weiter "jemand, welcher neue und unbekannte Wege und Gegenden für das große Heer der Handelstreibenden ausfindig macht und absucht".

(Jean Gustave Courcelle-Seneuil (1813-1892), Professor der Nationalökonomie und französischer Staatsrat)

Ein Spekulant kann darum als eine planvoll handelnde Person bezeichnet werden, die auf Märkten nach lukrativen, zumeist kurzfristig ausgerichteten Investitionsgelegenheiten Ausschau hält und daraufhin ihr Risikokapital auf der Grundlage der dabei gesammelten Wissensvorsprünge gezielt zum Einsatz bringt. Hiernach unterscheidet sich der Spekulant entschieden von einem Spieler ("Zocker"): Ersterer handelt wohlüberlegt, indem er seine Anlageentscheidungen vornehmlich auf ökonomische Ursachen, insbesondere aber auf die Analyse von Preisdeterminanten (z. B. Fundamentalanalyse, Informationsineffizienzen in und zwischen den Märkten) stützt. Letzterer hingegen handelt wahllos und willkürlich, schlechterdings "aus dem Bauch heraus", indem er hauptsächlich seine Spielwut zu befriedigen sucht.

 

Welche Fertigkeiten erfordert ein Erfolg versprechendes Tätigwerden an den Börsen?

Ein erfolgreiches Tätigwerden an den Börsen bedarf eines gewissen Maßes an Selbstdisziplin und einer ebenso raschen Auffassungsgabe wie treffsicherem Urteilsvermögen. Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, lassen sich im Prinzip zwei verschiedene Wege beschreiten: Ein erster Weg geht dahin, sich die dafür nötigen Kenntnisse zu eigen zu machen durch das getreuliche Übernehmen einfallsreicher Handlungen von erfolgreichen Börsenstrategen. Obwohl einem solchen Vorgehen aus leicht begreiflichen Gründen enge Grenzen gesetzt sind, kann ein Anbringen von vervielfältigtem Erfahrungswissen anderer sich in der Praxis durchaus bewähren. Hierbei liegt jedoch die Gefahr sehr nahe, einem besser Geschulten immerfort bloß hinterherzuhinken, was den eigenen Anlageerfolg nicht nur mindern, sondern letztlich sogar ganz durchkreuzen kann.

Praktische Erfahrungen allein reichen i.Allg. aber nicht aus. Ein zweiter, nicht minder aussichtsreicher Weg, um an den Börsen nachhaltig und auf Dauer erfolgreich zu sein, ist – wie bei jedem wirtschaftlichen Handeln – findig zu sein und sich Detailkenntnisse mannigfachster Art anzueignen. Hierzu gehört insbesondere ein gediegenes finanz- und börsentechnisches Sachwissen, zumal die Kenntnis der einzelnen Börsenplätze und ihrer zahlreichen Handelsobjekte, weiterhin sämtliche Feinheiten bei der Ordererteilung, Grundlagen der Markt- und "Charttechnik", nebstdem einige sozial(verhaltens-)wissenschaftliche Einsichten im Hinblick auf Börsenpsychologie im Allgemeinen, aber auch rücksichtlich der eigenen psychischen Disposition, besonders der persönlichen Risikoneigung. Gewiss hilfreich ist ferner das Beherrschen grundlegender Steuerrechts-, allenfalls auch Börsenrechtskenntnisse, und überdies endlich ein gewisses Maß an wirtschaftspolitischen Einsichten. Alles dies ist nötig, um sich mit der Flut täglicher Börsennachrichten nachhaltig auseinandersetzen und dabei verlässliche von unzuverlässigen Informationen trennen zu können. Es ist leicht einzusehen, dass derlei persönliche Fertigkeiten kaum anders als durch Aufbietung anhaltender Zielstrebigkeit zu erlangen sind. Mit einem solchen Rüstzeug versehen, ergänzt um eine adäquate technische Grundausstattung, lassen sich gut fundierte Kursprognosen und Anlageentscheidungen herleiten, welche sich nicht zuletzt dann auch im Nachhinein frei von allem Unbehagen mit kritischem Anspruch rechtfertigen lassen. Die Richtigkeit des eigenen Urteils indes wird sich letztendlich am hervorgebrachten Erfolg des Handelns erproben.

 

Wie hilfreich ist das Studium einschlägiger ökonomischer Modelle der Wirtschaftswissenschaften bei der Geldanlageplanung?

Die meisten Modelle der Wirtschaftstheorie abstrahieren sehr stark von der Wirklichkeit. Sie gehen landläufig von a priori-Annahmen aus, die bereits dem ersten Augenschein nach im Widerspruch mit der alltäglichen Erfahrung stehen – und dabei nicht selten pauschal den Eindruck wirtschaftliche Begriffe verwendender Mathematik erwecken. So trifft man auf diesem Felde immer öfter auf Theorien, die sich verwickelter mathematisch-formalistischer Modelle bedienen, und die dabei vor allem durch (dem Nicht-Mathematiker nicht jedes Mal sofort völlig verstehbare) symbolische Logik und durch "Mathematisierung" über Vektorschreibweise zu bestechen wissen, während der Erklärungsgehalt von empirischen Zusammenhängen oft nur mehr kärglich ausfällt. Oder aber es begegnen einem in Formeln eingehüllte, aus dem Zusammengesetzten gelöste Gedankengänge, deren Nachvollziehen sich darum überaus schwierig gestaltet. Es ist von Wesenheit zu erkennen, dass derartige Modelle nebst der Denkschulung schwergewichtig der didaktischen Vereinfachung dienen, zumal um einzelnen ökonomische Größen, die einer direkten Beobachtung entrückt sind, selbst und mögliche Abhängigkeiten zwischen ihnen zunächst säuberlich herauszukehren. Beispielsweise unterstellen nicht wenige dieser Modelle – praktisch jedoch undenkbar –, es bestehe ein "vollkommener Kapitalmarkt", "symmetrische Informationen" und "homogene Erwartungen" unter allen Marktbeteiligten (so z. B. beim CAPM). Dies aber würde buchstäblich genommen bedeuten, dass jeder einzelne Marktteilnehmer gleich einem abstrakten Durchschnittsmenschen unterschiedslos über ein völlig einheitliches Wissen um Tatsachen, Theorien usw. verfügt (einheitlicher Wissensstand, "alle wissen, dass alle alles wissen"), was ebenso von den gehegten Zukunftserwartungen gilt. Man merke wohl: Alle auf vereinfachende Annahmen sich stützende (und damit noch nicht fertig entwickelte) Deutungen wirtschaftlicher Gesetze können ihre Bestätigung durch die lebendige Wirklichkeit nicht finden. Der Nutzen der auf diesem Wege gewonnenen theoretischen Erkenntnisse soll durch das eben Gesagte aber keineswegs in Abrede gestellt werden; denn verwickelte wirtschaftliche Probleme in der Welt der Wirklichkeit lassen sich vielfach nur auf einem solchen Wege einer Lösung zuführen, der mit Methode erst auf die konstitutiven Elemente zu vereinfachen und daraufhin unter dem Blickwinkel der Abstraktion eindeutige Ursache-/Wirkungszusammenhänge abzuleiten (zu deduzieren) weiß. Fürderhin hat es der Forschende in seiner Macht, einzelne Aspekte und Annahmen von Wesenheit schrittweise hinzuzunehmen, um die Modellaussagen und Sachverhalte auf eine den Erfahrungsmomenten konformere Basis zu wenden und diese nunmehr erneut anhand der Wirklichkeit auf die Probe zu stellen.

 

Für welchen Anlagezeitraum soll ich mich entscheiden?

Zunächst ist zwischen Handlungszeitraum und Planungszeitraum zu unterscheiden. Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildet der Handlungszeitraum, der als solcher die gesamte Zeitspanne festlegt, für die ein Wirtschafter Börsengeschäfte zu unternehmen gedenkt. Welche Zeitspanne der Handlungszeitraum im Einzelnen konkret durchmisst, hängt ab allein von seinen persönlichen Handlungsmotiven und kann daher ganz unterschiedlich angeschlagen werden: Selbiger kann ebenso gut bis zu einem fest vordefinierten Zeitpunkt reichen, beispielsweise über die nächsten 25 Jahre oder etwa bis zum Erreichen des Rentenalters usw., als auch unbestimmt bleiben und sich damit bis zum (ungewissen) Lebensende erstrecken.

Der Planungszeitraum umfasst jene Zeitspanne, für die detaillierte Einzelanlageentscheidungen beschlossen sind. Er bestimmt die Halteperiode eines Investments. Handlungszeitraum und Planungszeitraum sind im Regelfall aber nicht identisch. Wegen der mit zunehmender Zeitdauer ansteigenden Ungewissheit über die Zukunft und der damit steigenden Kosten der Informationsbeschaffung mag es sich nicht lohnen, den Planungszeitraum auf länger als ein Jahr auszudehnen. Der Planungszeitraum ist mithin meist kürzer als der Handlungszeitraum. Die praktische Folge einer Aufteilung des Handlungszeitraums in einzelne Planungszeiträume bedingt, dass jeweils zu Beginn eines Planungszeitraums ausreichende finanzielle Mittel parat stehen müssen, um damit die Geschäfte in laufender Folge weiterführen zu können.

Wie lässt sich nun die Länge einer einzelnen Planperiode bestimmen? Der Planungshorizont wird hauptsächlich durch drei Faktoren bestimmt:

1.) durch den Handlungszeitraum; dieser legt die obere Grenze Ihres Planungszeitraums fest.

2.) durch das fragliche Investitionsobjekt: Wenn Sie bspw. in Anleihen mit 6-monatiger Laufzeit investiert sind, folgt daraus, isoliert betrachtet, eine Untergrenze des Planungszeitraums von eben 6 Monaten, bei anderen Anlageformen dagegen, wie Aktien oder Finanzderivaten, kann der Planungszeitraum durchaus auf einen Tag (wie z. B. im Daytrading) zusammenschrumpfen.

Da in der Praxis die zur Disposition stehenden finanziellen Mittel in gewissen Intervallen auf eine Reihe verschiedener Anlageformen verteilt werden, ist es sinnvoll, die Untergrenze der Planungsperiode mit der Abrechnungsperiode gleichzusetzen. Die Abrechnungsperiode ist der Zeitraum, der durch zwei Zahlungszeitpunkte, einem Anfangs- und einem Endpunkt, begrenzt wird (z. B. Anschaffungsausgaben für einen Aktienkauf und Einnahmen aus dem Verkauf) und innerhalb eines solchen folglich keine weiteren Zahlungen mehr anfallen.

3.) Durch die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und -auswertung in Bezug auf das Anlageinstrumentarium Ihrer Wahl. Besitzen Sie z. B. Wissensvorsprünge hinsichtlich ganz bestimmter Aktien, so wird Ihr Planungszeitraum von der durch einen gewissen Zeitraum erwarteten Rendite abhängen, auf den sich Ihre Informationen beziehen. Der optimale Planungszeitraum wird sonach bestimmt durch die individuellen Anlagemöglichkeiten und den hierzu vorhandenen oder beschaffbaren zweckdienlichen Informationen.

Theoretisch müssten für optimale Investitionsentscheidungen die Preise einer jeden Geldanlage bis hin zum Planungshorizont richtig prognostiziert werden. Aus der Befristung in der Kapitalbindungsdauer einzelner Anlagen und dem durch die Ungewissheit über die Zukunft bedingten Informationsrisiko folgt aber, dass der Planungszeitraum von Periode zu Periode unterschiedlich lang anzusetzen ist.  Um das Informationsrisiko zu begrenzen, werden nach Ablauf einer Planperiode die Erkenntnisse einer jeden Periode unter Beobachtung der neuen Ausgangsbedingungen vollständig in die Planung für die nächste Periode einbezogen. Diese stetige, auch als "rollende" Planung bezeichnete Vorgehensweise hat sich allgemein bewährt und bildet das Fundament für eine solide, gut überdachte Anlagestrategie.

 

Worauf ist bei der Anlageplanung zu achten?

Um nicht vorschnell das Wagen vor das Wägen zu stellen, ist zu allem Anfang darauf Acht zu geben, dass die für eine durchdachte Anlageplanung entscheidungsrelevanten Informationen so vollständig und zutreffend zusammengetragen werden als irgend möglich. Bringen Sie die summarischen Informationen hiernach in einen logischen Sachzusammenhang, tunlichst unter Berücksichtigung bewährter theoretischer Einsichten als auch unter Auswertung Ihres Erfahrungswissens. Hüten Sie sich bei der Analyse der Zusammenhänge vor Denkfehlern und logischen Schnitzern. Halten Sie Fehlentscheidungen im Zaune und vermeiden Sie insbesondere ein Handeln nach bloßem Wunschdenken.

Richten Sie Ihren Blick immer aufs Ganze. Ziehen Sie dazu grundsätzlich alle möglichen Zukunftsentwicklungen mit in Ihre Planung ein, um nachträglich keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Kennen Sie Ihre Anlageziele und die zur Auswahl stehenden Anlageinstrumente. Analysieren Sie Ihre persönlichen Fähigkeiten zur Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten von Zukunftslagen und versuchen Sie zu "erlernen", wohin sich der Markt bewegt. Beziehen Sie dabei Hypothesen über das Verhalten anderer Marktbeteiligter ausdrücklich mit ein, indem Sie deren mögliche Reaktionen vorwegbedenken. Anderweitige oder zeitlich starke Arbeitsbeanspruchung bzw. Unbequemlichkeiten bei der Informationsbeschaffung dürfen nicht als Entschuldigung für das Übersehen erkennbarer Entwicklungen herhalten. Kontrollieren Sie das Ergebnis Ihrer Planung abschließend nochmals gründlich, ehe Sie eine Order erteilen. Kommt es hernach trotz alldem zu einem Versehen, so gestehen Sie es sich rückhaltlos ein; denn wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht bekanntlich einen zweiten.

Zu erwägen ist außerdem, dass der wirtschaftliche Erfolg jeder Anlageplanung entscheidend von der Güte der eingebrachten Prognosen und der zutreffenden Beurteilung ihrer Folgen, in praxi nicht zuletzt aber auch von der Schnelligkeit in der Umsetzung der Entschlüsse in konkrete Kauf- bzw. Verkaufentscheidungen abhängen wird.

 

Welchen Stellenwert haben Börsennachrichten und Anlagetipps bei der Informationssammlung?

Neuigkeiten, die Ihnen als Tatsache verkauft werden, sind stets mit äußerster Vorsicht zu genießen. Was der eine als sicher zu wissen vermeint oder ausspricht, deckt sich häufig nicht mit dem, was ein anderer beim selben Sachverhalt zur selben Zeit als sichere Tatsache betrachtet. Informationen werden meist unbewusst unter dem Blickwinkel der eigenen subjektiven Erfahrungen und Wertungen, wenn nicht gar vermengt mit (zuweilen gefährlichem) "Halbwissen" verbreitet. Hier ist Ihre Fähigkeit zur richtigen Einschätzung von vermeintlichen Tatsachen gefordert, eine Fähigkeit, deren Wert nicht hoch genug in Anschlag gebracht werden kann. Eine der gehaltvollsten Börsenregeln lautet daher: Das Nicht-Hereinfallen auf fadenscheinige, oder gar in Täuschungsabsicht verbreitete Anlageempfehlungen Dritter gehört zu den besten Methoden zur Vermeidung von Verlusten.

Aber verifizierte Tatsachen allein reichen nicht aus, mögliche künftige Kursentwicklungen begründet zu antizipieren. Dazu bedarf es zusätzlich eines ganzheitlichen Wissens über Tatsachen, erklärende Theorien und über Erwartungen anderer Marktteilnehmer.

In diesem Zusammenhang sei die Bedeutung herausgestellt, die sich darin ausspricht zu ergründen, über welches Wissen andere Markteilnehmer gegenwärtig verfügen; denn andere bilden aus dem, was sie als Tatsachen betrachten, ihre Erwartungen und auf dieser Grundlage letztlich auch ihre Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen. Erfolgreiche Spekulanten richten ihre Bemühungen deshalb darauf, die Einschätzungen anderer zu antizipieren und so den Markt zu durchblicken, bevor sie eigene Anlageentscheidung treffen.

 

Ich bin Unternehmer in einem börsenfremden Tätigkeitsbereich. Soll ich mich dennoch selber um meine täglichen Anlageentscheidungen an den Börsen kümmern?

Nein, Sie können nicht gleichzeitig praktizierender Zahnarzt und Trader sein. Das Ausüben von Tätigkeiten, die nicht in Ihr Fach schlagen, wie dem eigentlichen Geschäftsbetrieb fremden Börsenhandel, führte letztlich nur dazu, sich an seinen allzu verschiedenen Aufgaben zu verzetteln. Bündeln Sie besser Tätigkeiten auf diejenigen Aufgaben, die Ihnen als Angehöriger Ihrer Berufsart liegen, und überlassen Sie das Tagesgeschäft an den Börsen handelstechnisch begabten und im täglichen Geschäft eingebundenen Börsenhändlern Ihres Vertrauens. Die Inanspruchnahme der Dienste von sachkundigen Betreuern von Bank- und Brokerhäusern oder von anderen wohlgeübten Spezialisten empfiehlt sich zumal dann, wenn Sie anderweitig viel beschäftigt oder dazu aus welchen Gründen immer selbst nicht genügend befähigt sind. Berufshändler und Spezialisten verfügen – so ist immerhin zu hoffen – über die nötigen Wissensvorsprünge und über mehr Können, was letztlich Ihrem wohlverstandenen Interesse sehr zugute kommt.

 

Durch Kleinanzeigen, Telefonkontakte und im Internet habe ich erfahren, dass an den Börsen unglaubliche Gewinne innerhalb kürzester Zeit möglich sind. Ist so etwas seriös?

Um Geld aus den Taschen anderer Leute zu ziehen und dabei selbst Kasse zu machen, gaukeln selbsternannte "Anlageberater" gutgläubigen Gemütern immer wieder exorbitant hohe Renditen vor, die sich angeblich mühelos aus allerlei dubiosen Steuersparmodellen, Versicherungen, programmgesteuerten Handelssystemen, Warentermingeschäften, den exotischsten Aktien (Pennystocks etc.) obskuren Zertifikaten oder aus anderen zweifelhaften Papieren erzielen lassen. Zwar erscheinen die darauf gewendeten beredten Versprechungen (nicht selten umgeben von Blendwerk und begleitet von allerlei Schmeicheleien, unter Heraufbeschwören von vermeintlichen Gefahren, dem Besorgen des Verpassens von einmaligen Gelegenheiten, oder gar verbunden mit dunklen Drohungen) oft zunächst glaubhaft und verheißungsvoll, stellen sich jedoch nicht selten erst im Nachhinein als raffinierte Täuschungsmanöver heraus. Leider gibt es genug oft Unvernünftige, die in der Hoffnung auf das schnelle Geld den windigen Verführungskünsten und Taktiken jener zwielichtigen Gestalten aufsitzen, und ihnen ihr Erspartes freimütig anvertrauen. Doch gar mancher, der blindlings der Lockung gefolgt ist, hat deswegen in Kürze schon ein Vermögen durchgebracht. Steuerausweichhandlungen und Profitgier sind zwar nur all zu menschliche Neigungen, doch führt ein blauäugiges Hereinfallen auf Vorgaukeleien solcher Art, um nicht zu sagen, Überrumpelungsmanöver, mit regelmäßiger Sicherheit in ein nachhaltiges finanzielles Debakel. Man tut wohl gut daran, angesichts derartiger Versprechungen sofort stutzig und zweifelhaft zu werden. Besser ist es allemal, ihnen von vornherein mit kühlem Misstrauen zu begegnen und diese vornehmlich als ein deutliches Warnsignal aufzufassen.

 

Ich habe an der Börse Geld verloren ("mich verspekuliert"). – Was nun?

Selbstredend lässt sich das Vorgetane nicht mehr rückgängig machen. Verfehlte und durch die Wirklichkeit getäuschte Anlageentscheidungen, einmal ins Werk gesetzt, haben auch noch im Nachhinein Bestand. Manch einer mag sich darüber grämen und dies tief betrauern. Andererseits aber gestattet das Zurückbleiben des Erreichten hinter dem ursprünglich Beabsichtigten ein Lernen aus der Erfahrung und hilft damit vermeiden, abermals in den gleichen Fehler zu verfallen. Diejenigen Verlustgeschäfte dagegen, denen von niemandem zu erkennende, ganz unvorhersehbare Vorkommnisse ursächlich sind, lassen sich im tätigen Handel natürlich auch niemals zur Gänze fern halten. Vor Fehleinschätzung der Zukunft ist niemand gefeit! Hier mag es hilfreich sein, einmal gemachte Fehler bei der Geldanlageplanung sich frank und frei einzugestehen und der Aufforderung zu folgen "Sei wachsam!", um Marktentwicklungen mit großen Verheißungen in Zukunft rechtzeitig zu erkennen und unmittelbar wahrzunehmen. Aus dem gesammelten Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen der Vergangenheit lässt sich dann, so ist zu hoffen, für künftige Geschäfte umso treffender Nutzen ziehen.

 

Was zeichnet einen erfolgreichen Investor aus?

Ein erfolgreicher Investor zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er findig ist und außerdem schnell und richtig auf den Eintritt nicht vorhergesehener Marktentwicklungen zu reagieren vermag. Zwar auch er ist nicht unfehlbar, doch er fehlt niemals prinzipiell. Seine Anlageentscheidungen stützt er zweckmäßigerweise auf zweierlei Säulen: einerseits auf die Verwertung allen bewährten Erfahrungswissens und andererseits auf Erkenntnisse bisher gut bestätigter, gestaltender Theorien, zumal wirtschaftlicher Theorien, aber auch Theorien anderer Fachbereiche, wie z. B. der Psychologie und anderer Sozialwissenschaften.

Das bewährte Erfahrungswissen kann dabei durchaus irrational in dem Sinne sein, dass Anlageentscheidungen improvisierend oder impulsiv erfolgen, aber gleichwohl den gewünschten Erfolg zutage bringen. Gerade bei Anlageentscheidung unter Zeitdruck (bspw. in der Hektik täglicher Geschäfte des Daytrading) können selten alle Aspekte vernünftig gegeneinander abgewogen werden. Dies erfordert ohne Zweifel die Aufbringung eines gewissen Geschicks, das sich wohl nur durch reichliche Übung gewinnen lässt. Wohlgemerkt: Auch ein noch so reiches Erfahrungswissen erübrigt das Planen und Ausarbeiten einer vernünftig durchdachten Anlagestrategie nicht.

 

Welche Tipps kann ich noch beachten?

Suchen Sie nach kompetenten Partnern, die Ihnen zur Seite stehen und mit denen Sie Ihre Kräfte vereinigen können! Denn bringen mehrere Personen ihr Spezialwissen zu einem gemeinschaftlichen Projekt zusammen, verspricht dies durch Bündeln von Wissensvorsprüngen im Allgemeinen auch bessere Anlageerfolge. Neben die intellektuelle Nutzwirkung einer Wissensspezialisierung tritt ein weiterer wesentlicher Vorzug: Setzen nämlich mehrere Personen jeweils gewisse Teile ihres Vermögens ein, so gestattet solches ein Vorgehen eine größere Zahl von Mischungen zwischen risikoärmeren bzw. risikoreicheren Strategien gegenüber dem zur Verfügung stehenden Anlagespektrum bei alleinigem Handeln. Dies erleichtert es, exakt jenes Ausmaß an Risikoübernahme zu verwirklichen, das Ihrer persönlichen Risikoneigung am weitesten entgegenkommt.

 

Spezielle Börsenfragen

 

Aufzählung

Wann kommt ein Abschluss im Markt zustande?

 

Aufzählung

Heißt das, dass ich immer dann eine Aktie kaufen sollte, wenn ihr Börsenkurs unter meiner persönlichen Wertvorstellung liegt?

 

Aufzählung

Wie entstehen Börsenkurse?

 

Aufzählung

Folgen Börsenkurse einem "Zufallpfad" ("Random Walk")?

 

Aufzählung

Was lässt sich aus einem verwirklichten Börsenkurs tendenziell ersehen?

 

Aufzählung

Welche Bedeutung kommt der Liquidität eines Marktes zu?

 

Aufzählung

Was im Einzelnen zählt zu den Transaktionskosten?

 

Aufzählung

Was genau ist ein "market-maker"?

 

Aufzählung

Stimmt es, dass sich durch Arbitragegelegenheiten risikolos Gewinne erwirtschaften lassen?

 

Aufzählung

Ich bin ein Freund der "technischen Analyse" ("chart analysis") und bevorzuge deshalb Charts für meine Anlageentscheidungen. Lassen sich denn allein mit Hilfe der Charttechnik, von Zufallstreffern abgesehen, auf längere Sicht überhaupt überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielen?

 

Aufzählung

Nun gibt es aber Spekulanten, die nachweislich nur mit Hilfe der technischen Analyse überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielt haben. Warum vermag Charttechnik dennoch nicht das zu leisten, was sie verspricht?

 

Aufzählung

Ist die Verwendung EDV-gestützter Börsensoftware zur Anlageplanung zu empfehlen?

 

Aufzählung

Welchen Nutzen könnten Termingeschäfte für mich haben?

 

Aufzählung

Was sind Hedgegeschäfte, wer ist Hedger?

 

Aufzählung

Was ist der Unterschied zwischen einem Termingeschäft und einem Terminkontraktgeschäft?

 

Aufzählung

Immer wieder ist im Zusammenhang mit Termingeschäften von einem "Hebeleffekt" zu hören. Was versteht man eigentlich unter dem Begriff "Hebeleffekt"?

 

Aufzählung

Was sind Zertifikate?

 

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Wann kommt ein Abschluss im Markt zustande?

Eine (freiwillige) Transaktion in Aktien, Anleihen, Terminkontrakten, Optionen oder sonstigen Marktinstrumenten kommt unter einer doppelten Voraussetzung zuwege: Zum einen müssen beide Vertragspartner bei gegebenem Wissensstand im Zeitpunkt der Auftragerteilung für sich einen persönlichen Vorteil sehen und zum anderen müssen Käufer und Verkäufer unterschiedliche bis gegensätzliche Erwartungen über  den "wahren" inneren Wert* (z. B. bei Aktien über künftige Dividenden, bei Veranlagung auf kurze Frist vor allem aber über den zukünftigen Veräußerungserlös zu einem i. Allg. heute noch nicht bekannten Verkaufstag) des betreffenden Handelsgegenstandes hegen. Ungleiche Erwartungen auch bei gleichem öffentlich zugänglichen Wissen resultieren aus der unterschiedlichen Interpretation dieses Wissens. So wird der Käufer einer Aktie entweder einen anderen Wissensstand als der Verkäufer haben, oder aber, beide gelangen im Falle gleichen Wissens zu verschiedenen Markteinschätzungen. Ein kontinuierlicher Handel an der Börse erfordert somit nicht nur divergierende, sondern notwendig auch im Zeitablauf veränderliche Erwartungen.

[* auch als "intrinsic value" bezeichnet. Hierbei handelt es sich regelmäßig um ein Denkkonstrukt, das definitorisch dem (nicht beobachtbaren) Ertragswert aus der Investitionstheorie entspricht. Letzterer ist der in eine Summe zusammengefasste Wert aller künftiger Nutzleistungen aus dem fraglichen Marktinstrument.]

 

Heißt das, dass ich immer dann eine Aktie kaufen sollte, wenn ihr Börsenkurs unter meiner persönlichen Wertvorstellung liegt?

Ja. Aktien werden an den Börsen einer permanenten Wertschätzung unterzogen. Aktien werden von jenen gekauft, die sie für unterbewertet, und von jenen verkauft, die sie für überbewertet halten. Sinkt das Kursniveau, so wird latente Nachfrage zur wirksamen Nachfrage, steigt das Kursniveau, so wird latentes Angebot zum wirksamen Angebot. Konkreter gesprochen: Sofern Sie keine lukrativere Alternativverwendung für Ihr Geld haben, sollten Sie nach Maßgabe Ihrer persönlichen Wertschätzung eine Aktie allemal dann Ihrem Portefeuille beifügen, wenn ihr Kurs niedriger ist als es ihre Zukunftsaussichten an sich zu rechtfertigen scheinen. Die persönliche Wertschätzung (Preisgrenze) für eine Aktie ist theoretisch bestimmt durch das Sicherheitsäquivalent der finanzmathematischen Barwerte aller mit dem Besitz der Aktie verbundenen künftigen Einnahmen und Ausgaben, die sich jeweils in einzelnen denkbaren Zukunftslagen ergeben können. Praktisch ist hierzu jedoch sowohl die Kenntnis der Wahrscheinlichkeitsverteilung der Renditen der Aktie als auch die Ihrer persönlichen Nutzenfunktion (soweit solche überhaupt existieren) erforderlich. Auf über- bzw. unterbewertete Aktien trifft man mit prinzipieller Tendenz umso häufiger, je weniger der an sich verfügbaren Informationen vollständig und richtig im Kurs ihren Widerschein gefunden haben ("eskomptiert sind"), was vornehmlich auf sog. informationsineffiziente Märkte im Sinne der Theorie zutreffen dürfte.

 

Wie entstehen Börsenkurse?

Verwirklichte Börsenkurse sind Ergebnis der Bündelung von Kauf- und Verkaufsentscheidungen Einzelner. Jene Einzelentscheidungen wiederum werden neben anderem stimuliert von Momenten, wie der Kaufkraft, den Möglichkeiten einer alternativen Mittelverwendung sowie den Zukunftserwartungen. Zukunftserwartungen ihrerseits basieren nicht zuletzt auch auf Prognosen, welche Einschätzungen andere Börsenteilnehmer über die künftige Kursentwicklung des jeweiligen Marktgegenstandes hegen. Wird etwa in Antizipation künftiger Kursentwicklungen ein vorliegender Börsenkurs von Geldanlegern als vermeintliche Fehleinschätzung des Marktes über den "wahren" (fairen) Wert ("intrinsic value") interpretiert, resultieren daraus konkrete Kauf- bzw. Verkaufshandlungen in der Hoffnung, dass der Markt diese Fehleinschätzung in naher Zukunft korrigiert und ihnen dadurch einen Gewinn beschert. Sämtliche dieser verwirklichten Anlageentscheidungen stellt der Markt in der Folge auf die Probe, um je nach eingeschlagener Richtung Gewinne oder Verluste auszuwerfen. Gewinne und Verluste entstehen für Geldanleger demnach geradewegs aus ihren Einschätzungen der Marktlage, die sich im Nachhinein entweder als richtig oder unzutreffend erweisen. So gesehen ändert sich der Zustand eines Marktes fortlaufend, vergleichbar mit einem endlosen Strom von Wissensänderungen im unaufhörlichen Spiel und Widerspiel fortlaufender Erwartungsanpassungen und darauf aufbauender Anlageentscheidungen. In diesen endlosen Strömen von Wissensänderungen ist die unversiegbare Quelle zu erblicken, aus der auf den Märkten Investitionsgewinne bzw. -verluste entspringen.

Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass in effizienten Märkten grundsätzlich nur überraschende, unvorhergesehene, außerhalb des Gesichtsfeldes belegene Nachrichten einen spürbaren Einfluss auf Börsenkurse üben. Erwartete Neuigkeiten haben sich mit regelmäßiger Sicherheit bereits in den aktuellen Kursen niedergeschlagen, sie sind darin "eingepreist". Tendenziell gilt zudem: Mit steigender Unsicherheit in einem Markt nimmt die Volatilität (das Schwankungspotenzial) der Kurse zu.

Letztlich wirkt die Publizität des Preisgeschehens durch die Börsen gleichsam als Signal, wo vorteilhafte Handelsmöglichkeiten bestanden haben oder in Zukunft denkbar sind. In effizienten Märkten wird das hierdurch angelockte Kapital im Wettbewerb stets in die ergiebigsten Investitionen fließen, hierbei das Preisgefüge stabilisieren und so zu einer sinnvollen, da gemeinwohlfördernden, Umverteilung knapper wirtschaftlicher Ressourcen beitragen.

 

Folgen Börsenkurse einem "Zufallpfad" ("Random Walk"*)?

Nein, eine wirklich regellose Abhängigkeit der Marktverhältnisse vom Zufall kann bestenfalls dann behauptet werden, wenn zweifelsfrei keinerlei Ursachen für die in Rede stehende Änderung im Kurse eines Marktinstruments in dieser oder jener Richtung zu ergründen ist. Es darf also nicht schon deshalb von einer "zufälligen Kursbewegung" gesprochen werden, wenn offensichtlich ökonomische Ursachen benannt, sie aber in ihrem Zusammenwirken und Einfluss auf den Kursbildungsprozess nicht durchschaut werden können ("aleatorische Komponente"). Aber selbst dann, wenn die äußeren Gründe für eine Kursbewegung ganz im Dunkeln bleiben, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine solche die Folge der Wiederkehr gewisser innerer Gründe ist. So werden mit Sicherheit Momente des wirtschaftspolitischen Umfeldes, wie bspw. Wachstumsraten und Konjunkturzyklen, die Geldpolitik oder die Ausstattung der Wirtschaft mit finanziellen Mitteln, fernerhin aber auch physisch-psychisch vorzufindende Verbraucherwünsche auf dem angehenden Geschäftsfeld, Hoffnungen und Befürchtungen – also die "Stimmungen und Strömungen an der Börse" – sowie sonstige Fremdereignisse, zu einem gewissen Grade einen Einfluss auf die Bildung von Börsenkursen ausüben. Ob bzw. dass der realisierte Kursverlauf einer Aktie, Währung, Ware etc. dem Augenschein nach einem pfadlosen Zufallslauf gleicht (und womöglich auch in Zukunft gleichen wird), steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt, und betrifft eine Frage, mit der sich insbesondere die Theorie des Random Walk intensiv auseinanderzusetzen liebt.

[* Die Entstehung der Random Walk-Hypothese lässt sich zurückdatieren auf das Jahr 1900, und zwar auf Louis Bacheliers Werk "Théorie de la Spéculation". Finanzierungstheoretisch versteht man heutigentags allgemein unter "Random Walk", dass, in Bezug auf einen bestimmten künftigen Zeitpunkt, für jeden derzeit herrschenden Kurs die Wahrscheinlichkeit für einen Kursanstieg um einen beliebigen Prozentsatz sich immerfort gleichstellt der Wahrscheinlichkeit für einen Kursrückgang von prozentual gleicher Höhe. Aufeinander folgende Kursänderungen sind damit statistisch voneinander unabhängig. Als Varianten des "Random Walk-Modells in seiner strengen Form sind zu nennen erstens, das weniger restriktive "Martingale-Modell", das keine Annahme zur Wahrscheinlichkeitsverteilung unterstellt, und zweitens das restriktivere Modell eines "Wiener Prozess" (benannt nach dem Mathematiker Norbert Wiener), das auch als "Brown'sches Modell" bezeichnet wird.]

 

Was lässt sich aus einem verwirklichten Börsenkurs (tendenziell) ersehen?

Durch verwirklichte Börsenkurse erfährt der Börsenkundige, wie hoch andere Marktteilnehmer eine Aktie, Anleihe, Währung etc. augenblicklich in ihrem Werte einschätzen. Börsenkurse als empirische Markterscheinung, die in funktionsfähigen, effizienten Märkten ausgehandelt und festgestellt werden, legen Informationen offen und werten Wissen aus, über das der einzelne Geldanleger in seiner Gesamtheit de facto nicht verfügen kann. Idealerweise, d.h. nur im theoretischen Fall eines "Marktgleichgewichts" und unter sogenannter "Informationseffizienz", spiegelt der Börsenkurs zu jedem Zeitpunkt das gesamte Wissen und die gesamten Erwartungen der einzelnen Marktteilnehmer über die zukünftige Wertentwicklung des fraglichen Marktgegenstandes treu und unverzüglich wider.

Ein heute an der Börse verwirklichter Kurs lässt sich mitunter als Signal für den folgenden Handel deuten, indem dieser sonst weit verstreutes Wissen nutzbar macht. Zur Verdeutlichung, was mit Signalfunktion von Preisen gemeint sein kann, mag ein arg vereinfachtes Beispiel zu Geld- und Briefkursen ("bid"- und "ask-prices") dienen: Die Beobachtung, dass jemand soeben eine Aktie zu 20 € verkaufen wollte, dafür aber keine Interessenten als Gegenpartei auffand, erhöht die Wahrscheinlichkeit, daraufhin zu 20 € oder billiger kaufen zu können gegenüber der Situation, dass das gesamte Angebot auch zu 20 € sofort umgesetzt werden konnte.

Schließlich sei ausdrücklich ausgesprochen, dass nicht notwendigerweise jeder Börsenkurs ein hinreichend verlässliches Signal liefert. So wird in realen (unvollkommenen), von Unsicherheit geprägten Märkten z. B. niemand in der Lage sein, den "wahren" inneren Wert einer Aktie mit hinreichender Verlässlichkeit anzugeben.

[Anmerkung: Ein laufender Börsenkurs reflektiert nur unter sehr engen Modellannahmen den "wahren" inneren Wert eines in Untersuchung stehenden Wertpapiers: nämlich unter Informationseffizienz, bei einheitlichem Wissensstand aller Marktteilnehmer, identischen Präferenzen rücksichtlich des Anlagezeitraums sowie unter Risikoneutralität.]

 

Welche Bedeutung kommt der Liquidität eines Marktes zu?

Unter Liquidität (Markt-Liquidität) wird im vorliegenden Zusammenhang nicht die Zahlungsfähigkeit einzelner Marktteilnehmer (= Bonität), sondern speziell der Tatbestand verstanden, dass bei insgesamt niedrigen Handelskosten jedes zusätzliche Angebot laufend abgenommen bzw. jede zusätzliche Nachfrage im Markt laufend und zur Gänze befriedigt werden kann, ohne dadurch in unabsehbarer Weise allzu stürmische Kursschwankungen auszulösen ("Sensitivität" des Preises, Ausbleiben eines "market impact"). Durch die Mechanik eines liquiden Marktes wird es – auch bei sehr umfangreichen Transaktionen Einzelner – keinem Markthändler gelingen, einen spürbaren Einfluss auf die Bewegungsrichtung des aktuellen Marktpreises auszuüben. Ein liquider Markt geht im Allgemeinen einher mit einer vergleichsweise geringen Kurs-Schwankungsbreite (Volatilität) als auch mit einem entsprechend hohen Umsatzvolumen.

Von vorstehendem Liquiditätsbegriff, der sich zugleich als Qualitätsmaßstab eines Börsenplatzes begreifen lässt, ist die absolute Liquidität (Liquidierbarkeit, Geldnähe) eines Vermögensgegenstandes zu unterscheiden: Ein Vermögensgegenstand ("asset") wird in diesem Sinne als liquide betrachtet, wenn es dem Investor möglich ist, diesen jederzeit in einer von ihm erwünschten Frist zu einem fairen Preis zu veräußern ("zu verflüssigen").

Die Liquidität eines Marktes hängt nicht unwesentlich von der Zahl als auch der Heterogenität der Handelsmotive seiner Marktteilnehmer ab (= Marktbreite): Je größer die Kopfzahl bzw. je unterschiedlicher die Handelsmotive der Marktbeteiligten sind, desto enger werden die einzelnen Geld- zu Brief-Kurse beieinander liegen und umso schneller, einfacher und verlässlicher lassen sich i. d. R. damit auch umfangreiche Orders zum letztgehandelten oder zu gut annähernd übereinstimmenden Kursen ausführen (= Markttiefe). An manchen Börsenplätzen erhöhen sog. "market-maker" die Liquidität eines Marktes dadurch, dass sie während der Marktzeit laufend Preise stellen, zu denen sie in Eigengeschäften jeweils zu kaufen oder zu verkaufen bereit sind. Ein gebräuchliches Maß für die Liquidität eines Marktes stellt neben den effektiven Umsatzzahlen ("volume") die Marktspanne in Form einer Geld/Brief-Spanne ("bid/ask spread") dar. Im Allgemeinen erhöht sich der Liquiditätsgrad eines Marktes in dem Maße, als sich die auf ihm hervorgebrachten Geld- und Brief-Kurse enger stellen. Nur in einem liquiden Markt lassen sich Anpassungsentscheidungen an neu eintreffende Informationen über entsprechende Käufe und Verkäufe blitzschnell und ohne Reibungsverluste umsetzen ("market immediacy").

Ein ganz wesentlicher Bestimmungsfaktor für einen liquiden Markt ist grundsätzlich in der Höhe der Transaktionskosten belegen. Hohe Liquidität steht im regelmäßigen Verlauf in enger Wechselbeziehung zu niedrigen Transaktionskosten. Außerdem erhöhen geringe Transaktionskosten üblicherweise die Attraktivität und damit in gerader Linie auch die Liquidität eines Marktes – und zwar für Geldanleger, Hedger und Arbitragehändler gleichermaßen. Die Liquiditätsverhältnisse an den Effektiv- und Terminmärkten sind oftmals unterschiedlich verteilt. Die Liquidität in den Futures-Märkten etwa überragt zumeist jene ihrer Spotmärkte.

 

Was im Einzelnen zählt zu den Transaktionskosten (Was sind "Kosten des Börsenhandels")?

Als Transaktionskosten schlechthin bezeichnet man die in eine Summe zusammengezogen Kosten eines Börsenengagements, die im großen Zusammenhang mit Finanzmarktgeschäften insgesamt zur Entstehung kommen. Diese sollten aus leicht begreiflichen Gründen von allen Seiten so gering wie nur irgendmöglich gehalten werden. Dieses Postulat ist nicht allein für den einzelnen Händler von außerordentlicher Wichtigkeit, sondern, neben anderem, auch eine notwendige Voraussetzung für einen funktionstüchtigen, liquiden Finanzmarkt selbst. Unmittelbar einleuchtend ist dies insofern, als Transaktionskosten die eingebrachten Gewinne schmälern bzw. die anfallenden Verluste vergrößern. Um überhaut einen Gewinn zu erzielen, müssen bei jedem Handel alle damit verbundenen Transaktionskosten selbstverständlich zunächst erst wieder eingebracht werden. Überdies wirken Kosten des Markthandels störend insofern sie die nötige prompte Informationsverarbeitung in den Märkten verteuern und damit beeinträchtigen.

Zu den Transaktionskosten gehören grundsätzlich sämtliche durch ein Engagement an der Börse verursachte Kosten. Hierzu zählen im Einzelnen: Kosten für die Anbahnung und den Marktzutritt (z.B. Informations- und Telefonkosten, Online-Gebühren für Standleitungen etc.), Makler-, Börsen- und Clearingprovisionen, Kommissionen, Depotgebühren sowie Ausführungskosten in Form von Geld-/Brief-Spannen ("bid-/ask-spreads") und "price-impacts", Opportunitätskosten aus entgangenen Zinseinnahmen, ggf. Kosten für eine Wertpapierleihe, "up-tick"-Regelungen bei Wertpapierleergeschäften oder Andienungsgebühren bei Futures- bzw. Forwardgeschäften und nicht zuletzt allgemeine Such- und Entscheidungsfindungskosten für Börsengeschäfte.

Vorstehende Auflistung deutet bereits darauf hin, dass die faktische Zuordnung einzelner Kostenkomponenten im Einzelfall auf Schwierigkeiten stoßen kann. Durch eine zweckmäßige Trennung der Transaktionskosten in explizite und implizite Kosten lässt diese sich aber zum Teil beheben: Explizite Transaktionskosten sind solche Handelskosten, die einer Transaktion a priori und direkt zugerechnet werden können. Implizite Transaktionskosten lassen sich dagegen erst im Nachhinein, oftmals nur pauschal, zuschlagen. Die exakte Höhe der gesamten (Ex-post-) Transaktionskosten einer Markthandlung hängt dabei nicht unwesentlich vom jeweiligen Verkehrsgegenstand, dem Grad der Markteffizienz sowie von der Ausgangssituation und der Marktstellung des Investors ab.

Trotz aller Mühseligkeiten, die ihre exakte Bestimmung im Einzelnen auflegen, ist es dennoch möglich, Transaktionskosten über die Annahme durchschnittlicher Kostensätze antizipando in die Investitionsplanung einfließen zu lassen. Auf diesem Wege lässt sich die erwartete Rendite, nach Abzug von Transaktionskosten (= Nettorendite), in zweckerfüllender Weise kalkulieren.

 

Was genau ist ein "market-maker"?

Market-Maker (auch "Designated Sponsors" oder "Market Experts" genannt) sind ständig ansprechbare spezielle Marktakteure in wohlorganisierten Märkten, die in oberster Linie in einer Ausgleichfunktion für Angebot und Nachfrage stehen. Als Kursmakler (Handelsmakler) geben sie während der Börsenzeiten für die von ihnen betreuten Werte (permanent oder auf Anfrage) selbst einen verbindlich gestellten Kauf- (Geldkurs, "bid") bzw. Verkaufspreis (Briefkurs, "ask", "offered") allein oder diese zusammengepaart öffentlich bekannt, die von anderen Marktteilnehmern – Kauf- und Verkaufslustige gleichermaßen – verwertet werden können. Market-Maker als solche treten prinzipiell ebensowohl in einem traditionellen Auktionsmarkt mit Rufhandel als auch im Handel über ein elektronisches Handelssystem auf. Die für spezifische Handelsinstrumente von ihnen ausgehenden Kursnennungen, welche beide Seiten – sowohl den "bid"- als auch den "ask"-Kurs – einschließen, werden als Quotationen (Quotierungen, Kotierung, "quotes") bezeichnet. Der Kursmakler betätigt sich damit gleichzeitig als Anbieter und Nachfrager im Markt und wird in Ausübung dieser Funktion dann als "market-maker", "(broker)-dealer" (an der NYSE als "specialist", im deutschen Sprachraum auch als "Betreuer", oder salopp als "Marktmacher") benannt.

Wann immer Market-Maker ihre Quotationen stellen, adjustieren sie diese in vorderster Linie nach der jeweils herrschenden Auftragslage. Andererseits aber können solche Quotationen, je nach Funktion des Market-Maker, die er im Markt bekleidet, sich zum Teil auch auf seine eigenen Prognosen über die künftige Preisentwicklung im fraglichen Markt stützen. Ein "market-maker" darf die von ihm gestellten Kurse bei fortlaufender Notierung und fortlaufenden Abschlüssen zwar jederzeit ändern, ist indes grundsätzlich verpflichtet, auf Anforderung anderer Marktteilnehmer ("quote request") – für ein minimales Volumen, gewöhnlich aber nur bis zu einem vorgegebenen maximalen Volumen – über einen festgelegten Zeitraum ("Mindesthaltefrist") zu den genannten Kursen (den "quotes") auf eigene Rechnung zu kaufen bzw. zu verkaufen (Kontrahierungszwang; "quote driven market"). Die Vergütung für seine Leistungsabgabe "jederzeitige Handelsbereitschaft ("immediacy")" und das dabei auf sich genommene Risiko sucht und findet der "market-maker" zum guten Teile darin, dass er von einer Seite billig nimmt und nach anderer Seite teuer gibt, d.h. in der Spanne zwischen Geld- und Briefkurs ("Preisspreizung", "bid-/ask-spread"). Dieses Moment unterscheidet ihn von einem Broker, dessen Hauptaufgabe darin besteht, zwischen den Marktparteien Geschäfte zu vermitteln, wofür er im Gegenzug eine Kommission als Vergütung in Anspruch nimmt. Market-Makern werden oft Vergünstigungen und Anreize zur Übernahme einer Market-Maker-Funktion in Aussicht gestellt. Diese bestehen i. d. R. in Form ermäßigter Börsenspesen, der völligen oder teilweisen Erstattung von Handelskosten als auch in einem umfassenderen Zugriff auf spezifische Handelssystemfunktionen einer Börse.

Mitunter werden im Maklerwesen Market-Makern auch erweiterte Handlungsmöglichkeiten eingeräumt: So werden ihnen unter bestimmten Marktmodellen in bestimmten Märkten eigene Spekulationen ("Selbsteintritt") extra ermöglicht, oder aber, sie fungieren selbst gleichzeitig als "market-maker" und Broker im Auftrage von Kunden (sog. "broker-dealers", oder seltener auch "dual capacity traders" genannt).

Die Hauptaufgabe eines Market-Maker besteht darin, die Liquidität wie auch die Transparenz des Marktes zu befördern, indem er darauf hinwirkt, als Gegenpart anderer Marktteilnehmer durch jederzeitige Transaktionsbereitschaft einen stabilen, kontinuierlichen Handel im jeweiligen Handelsinstrument zu gewährleisten ("Marktpflege"; "qualified liquidity provider"). Da gemeinhin die hierbei zur Entstehung kommenden offenen Posten einer alsbaldigen Deckung (Eindeckung, Hedging) bedürfen, liegt es in der Natur der Sache, dass "market-maker" in erster Linie die Funktion eines Hedgers oder Arbitragehändlers versehen, statt jene eines Spekulanten.

 

Stimmt es, dass sich durch Arbitragegelegenheiten risikolos Gewinne erwirtschaften lassen?

Nein, reale Arbitrageprozesse sind vom Zeitmoment untrennbar. Sie vollziehen sich nicht nur in einem einzigen logischen Zeitpunkte, sondern sind in Wahrheit in der Kalenderzeit beobachtbare in sich geschlossene Handlungsabfolgen. Man benennt jene Marktteilnehmer, die sich darauf verlegt haben, auf verschiedenen Märkten gleichzeitig Umschau zu halten nach Preisunterschieden ("Anomalien") zwischen den sich darbietenden Kaufpreis-Obergrenzen und Verkaufspreis-Untergrenzen eines und desselben gleichartigen Marktinstruments (Handlungsalternativen), von denen es lohnt, sie zum Zwecke der Gewinnerzielung mit einem Schlage auszunützen (Differenzarbitrage), als Arbitrageurs. Neben der nötigen Achtsamkeit und Sachkenntnis ist technische Voraussetzungsbasis für ein systematisches Erkennen und eine prompte Ausnützung von offenstehenden Arbitragefenstern ein direkter, ungehinderter Marktzugang vermittelst eines reaktionsschnellen Handelssystems.

Zur praktischen Umsetzung der Arbitrage kauft der Arbitrageur (vorwiegend in nominell sehr hohen Handelsvolumina) das billigere bei möglichst zeitgleichem (theoretisch simultanem, uno actu!) Verkauf des teureren Instruments, ohne dass in der Gesamtbilanz hernach nennenswerte Nettoausgaben auf seine Rechnung gehen. Verläuft alles dem Vorhaben gemäß, erhält er davon als Resultierendes gleichsam ein sich selbst finanzierendes Portfolio, das einen der Gewissheit nahekommenden Reinertrag erwarten lässt. Individuelle Risikoneigungen, Erwartungswerte der Renditen oder Zeitpräferenzen des Disponierenden sind für die den Arbitragehandlungen vorausgehenden Überlegungen fast immer ohne Belang. Das finanzielle Ergebnis einer idealen Arbitrage beziffert sich allemal nach der realisierten preislichen Differenz (Marge) beider Instrumente, gewendet auf den Aufhebungszeitpunkt der Transaktion.

Sieht man indes genauer zu, so klafft zwischen der Entscheidung zur Arbitragedurchführung und ihrer tatsächlichen Umsetzung in den Märkten eine zeitliche Lücke: Der Arbitragist handelt, auch wenn die Handlungszeitpunkte noch so nahe aneinandergerückt sind, nur fast zur gleichen Zeit auf unterschiedlichen Marktplätzen. Das Zeitintervall aber, welches eine solche bei jeder Arbitrage ausfüllt, ist unabweisbar von Zufallsereignissen bestimmt; ergo sind (erwartete) Arbitragegewinne stets auch unsichere. Überdies müssen bei jeder praktischen Arbitrageumsetzung immerzu allfällige Transaktionskosten einkalkuliert und auch getragen werden, womit aus sich heraus jeder in Aussicht gestellte Arbitrageertrag a priori fraglich wird. Nach dem Gesagten wird offenbar, dass allein rein "akademische" Arbitragen gänzlich risikolos sein können.

Der Arbitrage wird im Allgemeinen eine wichtige ökonomische Funktion bei der Herbeiführung fairer Preise zugeschrieben: So wird wiederholt die Präsenz einer stattlichen Zahl an zur Durchführung von Arbitragen bereitstehender Akteure, die das Marktgeschehen pausenlos mit wachsamen Augen zu verfolgen wissen (dies sind zumeist professionelle Händler von Hedge- und Investmentfonds, Banken und Versicherungen etc.), als eine wesentliche Voraussetzung genannt für die Verwirklichung einer empirischen Tendenz zu einem arbitrage-freien Gleichgewicht ("fair value") zwischen Termin- und Kassamarkt ("Zeitarbitrage"). Der durch einmal erkannte Arbitragechancen ausgelöste Ausgleichsprozess vollzieht sich dann generell in der Weise, dass jeder über den gleichgewichtigen genug weit emporsteigende Marktpreis durch Abstrom von Finanzmitteln wieder auf das Gleichgewichtsniveau herabgedrückt, jeder unterhalb desselben genug weit abfallende durch Zustrom von Finanzmitteln wieder auf das Gleichgewichtsniveau emporgehoben wird. Die vordem vorhandene Entfernung des Marktpreis vom Gleichgewichtsniveau ist durch die nivellierende Kraft der Arbitrage hiernach wieder getilgt.

Von der eben skizzierten zeitlichen und örtlichen Arbitrage streng zu trennen ist der Begriff der "Risikoarbitrage", welche auch oft als "merger arbitrage" benannt ist: Auf Risikoarbitrage trifft man wiederholt z. B. im Zusammenhang mit Unternehmungsübernahmeversuchen durch Aufkäufe von Aktien der angehenden Gesellschaft. Die spekulierenden Risiko-Arbitrageurs erweben hierbei Aktien der zu übernehmenden Unternehmung und (leer-)verkaufen gleichzeitig Aktien der aufkaufenden Unternehmung. (Einen noch gänzlich anderen Begriffsinhalt erfährt der Arbitragebegriff im deutschen Handelsrecht: Danach geht es um Vereinbarungen vor einem Schiedsgericht ("arbitration"). Mitglieder von Börsen sind übrigens ebenso wie Broker i. d. R. verpflichtet, Streitigkeiten vor einem solchen Schiedsgericht beizulegen.)

Arbitrage (aus lat. arbitrium, »die Entscheidung, das Gutachten«, oder auch aus franz. arbitrer, »entscheiden«, »urteilen«) beruht im konzeptionellen Zusammenhang auf dem großen "Gesetz der Unterschiedslosigkeit der Preise" ("Law of One Price"), das für ökonomisch gleichwertige Handlungsalternativen allenthalben Preise von gleicher Höhe postuliert. Eben dieses Prinzip bildet überdies einen Grundpfeiler der ökonomischen Bewertungstheorie. Lohnenswerte Arbitragegelegenheiten setzen als ein wesenbestimmendes Merkmal die Beobachtung von "Ungleichgewichtskursen" voraus, welche in aller Regel selbst wiederum auf Uneinheitlichkeit des Wissenstandes unter den Marktakteuren zurückgehen. Doch sind auf realen Märkten solcherart beständige Preisungleichgewichte von gesichertem Erfolg ("free lunch"-Situationen) offenbar keiner langen Dauer fähig, da dies praktisch der Existenz einer Geldmaschine ("money machine") gleichkäme. Marktvorkommnisse einer Arbitrage dürften sich in Wirklichkeit allenfalls sporadisch und intermittierend einstellen. Dies aber lehrt, dass Erfolg verheißende Arbitragegelegenheiten letztenendes immer nur auf und zwischen im Sinne der Kapitalmarktgleichgewichtstheorie ineffizienten Märkten möglich sein können; denn soviel ist gewiss: Solange auf einem Markte noch Spielraum für gewinnträchtige Arbitragemöglichkeiten verbleibt, wird derselbe sich kaum in einem Gleichgewichtszustand befinden.

 

Ich bin ein Freund der "technischen Analyse" ("chart analysis") und bevorzuge deshalb Charts für meine Anlageentscheidungen. Lassen sich denn allein mit Hilfe der Charttechnik, von Zufallstreffern abgesehen, auf längere Sicht überhaupt überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielen?

Nein, hinter sämtlichen Analysen und Methoden der Markt- und "Charttechnik" mit ihren zahllosen mathematisch-statistischen Kennzahlen steckt nicht mehr als allein der Schein und Glaube, von Beobachtungen vermeintlicher Preisregelmäßigkeiten der Vergangenheit voraussehend auf die Zukunft schließen zu können. Ohne erkenntnistheoretischen Begründungszusammenhang ist dieser Glaube aber nichts anderes als barer Aberglaube. Das Genauere dazu siehe Thema 14: Kritik der Charttechnik.

 

Ist die Verwendung EDV-gestützter Börsensoftware zur Anlageplanung zu empfehlen?

Computer-gestütztes Software zur börslichen Anlageplanung erleichtert zwar die graphische Darstellung und Übersichtlichkeit von Börsenkursen, vermag letztlich aber auch nicht viel mehr zu leisten, als die bereits vorliegenden Informationen stilgerecht aufzubereiten, die ohnehin schon durch realisierte (Ex-post-) Kurse vorhanden sind. Im Übrigen verliert in Bezug auf Börsensoftware zur Anlageplanung das vorstehend zur "Charttechnik" Skizzierte kein Jota an Geltung. Das Genauere dazu siehe Thema 14: Kritik der Charttechnik.

 

Welchen Nutzen könnten Termingeschäfte für mich haben?

Termingeschäfte sind besondere Formen von Zeitgeschäften, die schuldrechtliche Verträge über erst künftig zu erbringende Rechtsgeschäfte begründen (Verträge über andere "Verträge"). Sie zeigen sich jedenfalls verschieden zu den Bargeschäften, welche unmittelbar zu erfüllen sind. So werden übereinstimmend alle jene Zeitgeschäfte, deren gemeinsame Wurzel der Sachverhalt ist, dass Vertragsschluss und Erfüllung durch Vollzug eines darauf gerichteten Handelsgeschäftes (das ist i. d. R. ein Kauf- oder Tauschgeschäft) zwei oder mehr gänzlich verschiedenen Zeitschichten angehören, unter dem Namen Termingeschäft* zusammengefasst. Der Schlüsselgedanke, der sich um alle Formen von Termingeschäften rankt, ist mithin der, dass das Nacheinander von gegenseitiger Einwilligung in den Vertrag und Erfüllung desselben zum anvisierten Termin um eine gewisse Zeitdifferenz von gemeinhin mehreren Tagen, meist aber um Wochen oder sogar um Monate auseinanderliegt.

[* Termingeschäfte unterscheiden sich damit nicht nur streng von Bargeschäften, sondern auch von gewöhnlichen Kreditgeschäften. Bei Ersteren vollzieht sich der Leistungsaustausch nahezu synchron im Moment des Abschlusszeitpunktes. Bezeichnend für Letztere dagegen ist, dass die Leistung der einen Partei, die des Gläubigers, in die Gegenwart, die Gegenleistung(en) der anderen, des Schuldners, in die Zukunft fällt (fallen).]

Termingeschäfte zeichnen sich im ökonomisch-technischen Sinne erkennbar durch eine ungemeine Vielseitigkeit aus, als sie zweckorientiert in Abhängigkeit zu allerlei anderweitigen Rechtsgeschäften und Fremdereignissen gesetzt werden können (= Derivative Instrumente, Derivativgeschäft; von lat. "derivare" = ableiten). Durch den sachgerechten Einsatz von Termingeschäften in Gestalt von Derivativen Finanzmarktinstrumenten* auf den Finanzmärkten erweitert sich das Entscheidungsfeld des Disponierenden (als Ergebnis alternativer Vertragsgestaltungen) um eine Vielzahl von Handlungsalternativen, grundlegende ebenso wie bedarfsgerecht kombinierte. Der besondere Vorzug der derivativen Finanzinstrumente liegt damit auf der Hand. Vermöge ihrer ausgedehnten Variationsbreite lassen sie sich präzise ausrichten auf die konkrete Markterwartung ihres Anwenders nicht minder als auf seine psychische Disposition. Letztere umfasst insbesondere die persönliche Einstellung gegenüber wirtschaftlichen Unsicherheiten, d.i. die individuelle Risikoneigung des Disponierenden.

[* Anmerkung: Das Instrumentelle ist keine dem Termingeschäft besonders anhaftende Eigenschaft, sondern immer in Beziehung zu derjenigen Person zu verstehen, die es sich zunutze macht.]

Aufgrund der Vielzahl und der teils eigentümlich komplizierten Natur von Finanzderivaten erscheint es schlechterdings unmöglich, dieselben in ihrer gesamten Angebotsfülle allein nach abstrakten Kriterien kennzeichnen zu wollen. Nach weithin akzeptiertem Begriffsverständnis lassen sich Finanzderivate wohl definieren als Termingeschäfte, welche die Eigenschaft teilen, dass sie ihren Preis, Wert und ihre Zahlungsstruktur in eindeutig nachvollziehbarer (positiver) Weise herleiten von einer oder einer gewissen Anzahl von originären Variablen ("Derivativgeschäft", "contingent claims").* In Form Derivativer Finanzmarktinstrumente werden sie auf den Finanzmärkten unterschiedlichsten Zwecken dienstbar gemacht, zumal Preissicherungs-, Arbitrage- und Spekulationszwecken.

[* Bemerkung: Ließe man in der obigen Deutung das Satzglied "in eindeutig nachvollziehbarer (positiver) Weise" außen vor, so erweiterte sich der Kreis der Finanzderivate nicht unbeträchtlich. Dieser schlösse dann selbst Aktien ein, deren Wert ja in gewisser Weise auch vom Betriebsergebnis der betreffenden Aktiengesellschaft abhängt.]

Einen ersten Eindruck von der Weitflächigkeit der Erscheinungsformen derivativer Finanzinstrumente vermittelt die folgende Auflistung allein der bedeutendsten unter den Derivaten ("core derivatives"). Im Gattungsbegriff Finanzderivate eingeschlossen sind hiernach einerseits alle Vertragsformen, verkörpert durch "unbedingte" (fixe) Termingeschäfte (Festgeschäfte, Termindirektgeschäfte, "unconditional forward transaction", allgem.: Zeitgeschäfte), als deren Hauptrepräsentanten die Futures (= Terminkontraktgeschäfte), Forwards und speziell FRAs (Termingeschäfte i. e. S.), Kreditderivate und bestimmte Arten von Swaps zu nennen sind, sowie andererseits eine Reihe verschiedener Erscheinungs- wie auch Mischformen ("umstrukturierte Finanzprodukte"), verkörpert durch "bedingte" Termingeschäfte ("conditional forward transaction"), wie vornehmlich Optionen, Optionen auf Optionen ("compounded options"), optionsähnliche Derivate, so etwa Zinsbindungsabsprachen (Zinsbegrenzungsverträge) in Gestalt von Caps, Floors, Collars, Swaptions u. dgl. m. einschließlich Optionsscheine und ansonsten noch die bei uns jüngst in Mode gekommene Beimischung: die reiche Zahl an Zertifikaten und Hebelprodukten (verbriefte Derivate), als endlich auch sog. "contracts for difference" CFDs. Die Zufuhr an neuen Erkenntnissen auf dem Feld der finanzwirtschaftlichen Forschung (die emsig betrieben wird nicht zuletzt in der Absicht, bestimmte bestehende Regulierungen zu umgehen, um so ein zusätzliches Gewinnpotenzial abzuschöpfen; "regulatory management", "regulatory arbitrage") sowie weitere Fortschritte auf dem Gebiete der Informationstechnologie werden das Spektrum der Gestaltungsmöglichkeiten derivativer Finanzinstrumente in Zukunft noch weiter verbreitern. Der Schlussstein ist mit vorstehender Auflistung also noch keineswegs gesetzt!

Ein zentrales Moment von derivativen Instrumenten ist das Zurückleiten auf originäre Werte, von denen sie sich herschreiben und ohne deren Dasein sie undenkbar wären. Unmittelbarer Verkehrsgegenstand von Finanzderivaten sind demzufolge nicht etwa die einzelnen unterstehenden physischen Gesamtheiten von Waren oder Wertpapieren, wie die in Urkunden verbrieften Rechte selbst, sondern vielmehr (verbriefte oder unverbriefte) gegenseitige Verträge über künftig zu erfüllende Tauschgeschäfte (Verfügungsrechte). So trifft es sich, dass Kurse und Werte von derivativen Finanzinstrumenten sich regelmäßig nach den bekannten Preisen und Maßen (allgem.: "Zustände") ihnen zugrunde liegender und bereits im Termin- oder Spotmarkt gehandelter (originärer) Werte – den sogenannten Basisinstrumenten ("underlying") – richten. Zum Kreise jener Werte zählen üblicherweise Devisen, Wertpapiere, Referenzzinssätze, Indices als auch Waren und Rohstoffe ("commodities") etc. Kurse und Werte von Finanzderivaten können aber auch abhängig sein von anderweitigen äußeren Bestimmgrößen, wie etwa von klimatischen, geologischen oder sonstigen physikalischen Variablen bis hin zu Eintritt und Größenordnung von bestimmten externen Ereignissen (beispielsweise Katastrophen u. dgl.m.). Voraussetzungsgemäß müssen alle originären Wertegrößen hierbei lückenlos, zumal bei fortgesetzt handelbaren Derivaten, resp. spätesten bei Fälligkeit derselben unzweifelhaft verifizierbar sein. Typisch für Termingeschäfte ist außerdem der sog. Hebeleffekt. Letzterer hat zum Erfolg, dass bereits verhältnismäßig geringe Wertänderungen bei der untergebenen Variablen genügen, um vergleichsweise große Wertänderungen bei der bezüglichen Terminposition auszulösen.

Termingeschäfte werden in einer über fixe Regeln geordneten Institution, im Terminmarkt (Zukunftsmarkt) gehandelt und abgewickelt. Einig über den Preis (Abrechnungspreis, "delivery price") als auch über die sonstigen Merkmale des untergebenen Handelsgegenstands werden sich, wie oben geschildert, beide Vertragsparteien bereits im Zeitpunkt des Vertragsschlusses, während der reale Vollzug des Leistungsaustausches erst nach Ablauf einer vertraglich vereinbarten Frist an einem (über technisch-organisatorische Erfordernisse hinausgehenden) deutlich späteren Termin bzw. innerhalb eines späteren Zeitraums (i. d. R. nach mehr als zwei Tagen) in der zukünftigen Gegenwart vorgesehen ist.

Terminmärkte zählen zu den Zukunftsmärkten. Diese ergänzen die bestehenden Spot- und Kassamärkte und fördern einander wechselseitig. Terminmärkte existieren, weil wirtschaftliche Unsicherheiten unvermeidbar sind und weil Menschen auch bei gleichem öffentlich zugänglichen Wissen unterschiedliche Erwartungen bilden. Jede einzelne der vielfältigen Erscheinungsformen von Finanzderivaten ist ihrer Konzeption nach dazu berufen, Unsicherheiten bei Einkommen und Vermögen zwischen den unterschiedlichen Gruppen von Marktteilnehmern zu verlagern, Preisungleichgewichte zwischen Märkten auszunützen, oder sie in eine spekulativen Verwendung einzuweisen. Werden zu den eben erwähnten Zwecken Verträge in standardisierter Form fortlaufend für eine vordefinierte Auswahl an Marktgegenständen unter einem genau bestimmten Handlungs- und Regelsystem abgeschlossen, so spricht man von dem Institut einer Terminbörse.

 

Was sind Hedgegeschäfte, wer ist Hedger?

Hedger ("Absicherer") sind risikoaverse Marktteilnehmer. Sie stehen dem Markte grundsätzlich anders gegenüber als etwa Spekulanten. Zur Gruppe der Hedger zählen jene Personen bzw. Organisationen, die in ihren Geschäften auf dem Kassa- oder dem Terminmarkt zuvörderst Vorsorgemaßnahmen zur Preisrisikokompensation erblicken. Speziell dienen diese dem Zweck der Absicherung offener Posten ("risk exposure") gegen Ertrags- bzw. Vermögenswertverluste. Insoweithin sind Finanzgeschäfte nicht Ausfluss von Glücksspielen, sondern mit dem Versicherungsgedanken stehen sie Letzteren direkt entgegen. Eingerichtet werden Hedgegeschäfte durch Aufbau von korrespondierenden Positionen im Kassa- oder Terminmarkt, deren Preisunsicherheitsursachen zwar abhängig voneinander sind, jedoch in entgegengesetzter Richtungen laufen. Die Versicherungswirkung von Hedgegeschäften ist freilich nicht kostenlos zu erlangen, sondern ist prinzipiell mit einem Opfer belegt, dem Preis von Hedging. Dieser besteht entweder in einer explizit auszulegenden Geldsumme oder manifestiert sich beim Hedging mit unbedingten Termingeschäften (Futures, Forwards) implizit in Opportunitätskosten, zumal in reduzierten Renditeerwartungen. Mit dem Namen Hedger werden demgemäß jene Marktteilnehmer bezeichnet, welche primär die Ungewissheit über zukünftige Marktpreise abgenommen haben wollen und bereit sind, dafür eine "Versicherungsprämie" zu zahlen. Hedger werden mit Spekulanten insofern häufig in Beziehung gestellt, als Letztere es sind, die ihnen das Kursrisiko gegen ein angemessenes Entgelt in Form einer entsprechenden Renditeerwartung abzunehmen bereit sind. So gesehen bewirken Hedgegeschäfte, beispielsweise durch Aufbau einer Gegenposition im Terminmarkt mithilfe derivater Instrumente (risikokompensatorische Maßnahme), eine Verlagerung von Preisunsicherheiten weg vom Hedger eine Instanz weiter zu anderen Marktteilnehmern, die in der Lage und willens sind, diese zu schultern. Das gute Gelingen jedes Kurssicherungsgeschäftes beruht maßgeblich auf einer preisausgleichenden Wirkung der Kursbewegungen des Grundgeschäftes durch jene eines ergänzenden, aber entgegengerichteten Engagements in Finanzderivaten, kurz, durch Erzeugung gegenläufiger Zahlungsflüsse. Bei einer Parallelbewegung der Terminkurse zu den Cash-Kursen eines abzusichernden Marktgegenstandes gleichen die anfallenden Kursgewinne und Kursverluste sich idealerweise vollständig aus. Hedger sind in ihrer Funktion zumeist institutionelle Akteure, wie etwa Banken und ihre Vertreter, Versicherungen, Pensionskassen, Investmentgesellschaften, Industrie- und Handelsunternehmungen, und eher seltener einzelne private Wirtschafter.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Termingeschäft (= "Forward") und einem Terminkontraktgeschäft (= "Futures")?

Ein Termingeschäft (Forward-Kontrakt, "forward commitment", oder kurz "Forward") in seiner Grundform geht hervor aus einer wechselseitig bindenden, rechtsgültig zustande gekommenen Übereinkunft zweier Vertragsparteien, zwischen einem Käufer (Long) und einem Verkäufer (Short), welche zum Inhalt hat, einen in seinen Qualitätsmerkmalen genau definierten Vertragsgegenstand (wie z. B. ganz bestimmte Waren, Wertpapiere, Devisen, Zinsinstrumente oder sonstige Verfügungsrechte) in einer bedungenen Menge (bzw. im Geldeswert eines bestimmten Finanzinstruments), zu einer festgesetzten zukünftigen Zeit (dem "Termin"), gemäß dem bei Geschäftsabschluss stipulierten fixen Austauschverhältnis (Preis, Terminkurs) zu vertauschen. Das Eigentümliche an Termingeschäften ist demnach, darauf deutet der Name bereits hin, dass ihr Vollzug – bei Handelswaren etwa durch Lieferung, Übergabe, Abnahme und Bezahlung des Vertragsgegenstandes zum Einigungspreis – auf eine entlegenere Zukunft hinausgeschoben ist. Vertragsabschluss und Erfüllung fallen mithin zeitlich sichtlich auseinander. Der Terminkurs selbst wird in den vorangehenden Vertragsunterhandlungen frei beschlossen. Wie bei allen Kaufgeschäften, so auch hier, adjustiert seine Höhe sich nach den höchstpersönlichen Vorstellungen des Käufers von seiner Preisober- und die des Verkäufers von seiner Preisuntergrenze für das fragliche Gut, gewendet indes auf den hinausgeschobenen Erfüllungszeitpunkt des Termingeschäfts. Momente, wie Margin-Zahlungen oder eine tägliche Neubewertung ("marking to market"), die für die vordefinierten Futuresgeschäfte kennzeichnend sind, sind bei Forwards ebenso Verhandlungssache wie alle übrigen Vertragspunkte; Letztere, bei Futures obligatorisch, treten in der Praxis der Forwards indes weitaus seltener in Erscheinung. Forwards zählt man demgemäß den nicht börsengehandelten, nicht standardisierten, unbedingten (fixen) Termingeschäften bei. Zu den in der Wirtschaftspraxis bedeutendsten Erscheinungsarten von Forwards gehören ohne Zweifel Devisen- und Zinstermingeschäfte.

Den durchgreifenden Unterschied zwischen Forwards und Futures begründet der Umstand, dass Forwards das direkte Ergebnis von auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene gegenseitige Vertragsabstimmungen zweier rechtlich gleichgestellter Vertragspartner sind (individualisierte Kontrakte), während Futures einseitig vordefinierte, vorweg normierte Verträge abgeben, die an den Terminbörse eingeleitet und dortselbst nach fixen Regeln fortgesetzt gehandelt werden. Auf Individualität kommt Letzteren dabei nichts an. Demgegenüber gestattet der von Forwards beschrittene Weg freier bilateraler Vereinbarungen, eine für beide Parteien bessere Vertragsgestaltung auszubedingen als es die hochgradig vorbestimmten Futures vorsehen. So kann es nicht ausbleiben, dass Forwards prinzipiell ein viel breiteres Spektrum der möglichen Arten an Vertragsgegenständen ("underlying asset") umschließen als Futures. Eine weitere sachliche Verschiedenheit bekundet die Art der Zweckbeziehung: Bei Forwards ist die effektive Lieferung des unterliegenden Vermögensgegenstandes im Regelfall der Praxis ausdrücklich gewollt, bei Futures stellt sie dagegen mehr nur die Ausnahme dar.

Ein Wesensmerkmal von Forwards ist ferner, dass sie weit überwiegend in gerader Linie "an der Börse vorbei" im sogenannten "Telefonhandel" eigens angebahnt und erst bei Einigung über sämtliche Vertragseinzelheiten fix abgeschlossen werden (= OTC-Geschäft, "Dealer-Markt"). Die Umstände, unter denen individuelle Abmachungen solcherart zustande gebracht werden, sind aus naheliegenden Gründen mit allerlei Anbahnungs- und Abwicklungskosten beladen. Solche unter den Begriff der Transaktionskosten fallenden Aufwendungen übertreffen in ihrer Gesamtsumme bei Forward-Geschäften meist jene, welche für die unter Börsenbedingungen fortlaufend abgewickelten Futuresgeschäfte gleichen Umfangs anzuschlagen sind. Darüber hinaus unterliegen Forwards im Gegensatz zu Futures einem gewissen Erfüllungsrisiko ("counterparty risk", "performance risk"), das die jeweilige Gegenpartei bis auf weiteres zu tragen hat; denn eine dritte Partei, die bei Geschäftsabschluss mechanisch dazwischentritt und die Geschäfte sichert, gibt es bei Forwards grundsätzlich nicht.

Forwards werden für gewöhnlich bedarfsgerecht auf Laufzeiten von Monaten abgeschlossen, Futures dagegen werden schablonenhaft zu ganz bestimmten standardisierten Terminen fällig. Da es sich bei einem nicht standardisierten, nicht börslichen, unbedingten Termingeschäft also um feste bilaterale Absprachen handelt, durch die die gegenseitigen individuellen Rechte und Pflichten in allen Punkten verbindlich festgeschrieben sind, lassen sich Forwards, anders als Futures, auch nicht ohne weiteres vorfristig wieder aufheben. Sie lassen sich erforderlichenfalls grundsätzlich nur dann auf Wunsch wieder lösen, wenn es gelingt, im guten Einvernehmen vorher das Einverständnis der anderen Vertragspartei einzuholen und diesem Vorhaben überdies vom Rechtsstandpunkt auch sonst keine Hindernisse entgegenstehen (d.i. geringe Fungibilität durch fehlenden oder schwach ausgeprägten Sekundärmarkt). Eine vorfristige Aufkündigung unter Bruch früher getroffener vertraglicher Vereinbarungen hätte dagegen notwendig eine empfindliche Konventionalstrafe zur Folge. Ein zunehmendes Bedürfnis seitens der Wirtschaft hat nun auch bei Devisentermingeschäften unter Banken ("forex forwards") zu der heutzutage in weitestem Umfang akzeptierten Möglichkeit geführt, durch Einnahme einer entsprechenden Gegenposition ein zuvor abgeschlossenes "forward"-Geschäft im Bedarfsfall umgehend wieder glattzustellen (OTC Clearing). Zudem hat in jüngster Zeit der zunehmende Gebrauch von standardisierten Rahmenvereinbarungen (bspw. jene der ISDA) diesbezüglich auch bei OTC-Geschäften für eine gewisse Erleichterung in der Abwicklung gesorgt.

Futures haben sich aus Forwards entwickelt, indem sie standardisiert und damit im Verkehr leicht übertragbar gemacht wurden. Beide Instrumente ergänzen einander und haben hier wie dort ihre eigenen spezifischen Nutzanwendungen und Vorteile. Ihnen ist daher auch das gleiche symmetrische Gewinn-/Verlust-Profil eigen (aufgrund ihrer graduellen Verschiedenartigkeit haben sie jedoch ein unterschiedliches Risikoprofil!) und so lassen sie sich auch in vergleichbar wirkungsvoller Weise zum Zwecke einer effizienten Absicherung (Hedging) gegenüber einer künftigen unsicheren Preisentwicklung im zugrunde liegenden Risikoposten einsetzen.

 

Immer wieder ist im Zusammenhang mit Termingeschäften von einem "Hebeleffekt" zu hören. Was versteht man eigentlich unter dem Begriff "Hebeleffekt"?

Mit Hilfe eines Hebels von genügender Stärke lassen sich relativ schwere Objekte mit relativ wenig Kraftaufwand bewegen. Ein ganz ähnliches Verhalten legen gehebelte Termingeschäfte an den Tag: Mit verhältnismäßig kleinen Summen Geldes, die für den Erwerb von Derivaten aufzubringen sind, lassen sich bei hinlänglichem Hebel vergleichsweise große Kapitalbeträge steuern – ein Mechanismus, der bei zutreffender Prognose der Kursentwicklung die Aussicht auf erhöhte Vermögensgewinne verheißt. Derart verlockenden Gewinnchancen stehen indes am anderen Ende des Hebels unverbrüchlich grundsätzlich nicht minder hohe Verlustrisiken gegenüber. Der Erklärungsgrund dieser Erscheinung ist folgender: Wer ungedeckte, unbedingte Termingeschäfte, wie etwa Futures-Kontrakte, abschließt, hat grundsätzlich für den Gesamtwert des Kontraktumfangs geradezustehen, unbeschadet des Umfangs des verlangten Margin, also selbst dann, wenn für den Abschluss eines Futuresgeschäfts anfangs regelmäßig nur ein kleiner Bruchteil von etwa 5 bis 15 Prozent des jeweiligen Kontraktgegenwerts als Einschuss ("initial margin") zu hinterlegen ist. Aber eben weil der Mindesteinschuss für ein Engagement in Futures (gleichwie der Erlangungsaufwand allerhand anderer Derivate) nur solch einen geringen Teil des jeweiligen Kontraktgegenwertes ausmacht, können diese Instrumente vermöge ihrer Konstruktionsweise aus sich heraus einen entsprechend starken Hebeleffekt in Bewegung setzen (auf Neudeutsch: "Leverage-Effekt", "risk-return-leverage"). Wenn dem so ist, steht das einfache Prinzip in Geltung: je schwächer der prozentige Anteil des eingeschossenen Kapitals, desto kraftvoller kann, bei vorgegebener Ausstattung eines gehebelten Derivats, der Hebeleffekt seine Wirkung entfalten (= Hebelwirkung sinkender Ersteinschüsse auf die Eigenkapitalrentabilität, Margin-Rendite etc.).

Der Händler in Terminkontrakten kann mithilfe eines Hebels mehr gewinnen oder verlieren als er erwirtschaften würde, wenn er bei gleichem Kapitaleinsatz den Hebel entbehren müsste. Auf manchen Terminmärkten – zumal auf jenen, die wiederholt heftigen Schwankungen unterworfen sind – vermag ein glücklich arbitrierender Händler kraft der beträchtlichen Hebelwirkung, die (zwar kein wesenbestimmendes Merkmal für die Klasse der Finanzderivate überhaupt, aber) einer ganzen Reihe von Derivaten eigentümlich ist, in kürzester Zeit auf das hinterlegte Kapital ("initial margin" bzw. auf eine Optionsprämie) bezogene Gewinne einzustreichen, die mitunter Größenordnungen weit jenseits der 100 %-Marke belegen. Und so fügt sich, dass es dem einen oder anderen beschieden ist, im Nu ein Vermögen aufzuhäufen. Diesen beachtlichen Gewinnchancen hält jedoch unweigerlich, wie soeben geschildert, auf der anderen Seite die Wertgefahr (Verlustrisiko, Gefährdung des Vermögens, Insolvenzrisiko) das Gegengewicht. Da nämlich der Hebel nicht allein bei sich erfüllender Markterwartung, sondern prinzipiell in gleichem Maße, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, auch bei Misslingen der Handelsabsicht seine Kraft entfaltet, sind hierbei jederzeit ebenso grelle Verluste möglich. Insofern ist jedes Engagement in gehebelten Finanzmarktprodukten wahrhaft als ein zweischneidiges Schwert zu betrachten. Bei einer ganzen Anzahl von Formen von Termingeschäften, so etwa bei Short-Futures, Short-Forwards und Short-Call-Optionen u. dgl. m., ist das Verlustpotential, zumal bei gröblicher Unachtsamkeit, sogar ein überaus hohes. Der Belauf potenzieller Geldvermögensverluste aus einem verfehlten Einsatz vorstehend berührter Instrumente ist bezeichnenderweise nicht auf Ersteinlagen oder Prämien beschränkt, sondern kann in äußerster Konsequenz weit darüber hinausreichen, ja selbst bis zu einer unbestimmbaren Grenze buchstäblich ins Ungeheuerliche wachsen. Theoretisch gedacht sind hier dem Verlust bei steigenden Marktpreisen also gar keine Schranken gesetzt. Demnach muss für spekulativ motivierte Engagements in Termingeschäften konsequenterweise die grobe Faustregel greifen, dass nur so viel Risikokapital aufs Spiel gesetzt werden sollte und darf, dass ein damit auf sich genommenes Risiko jederzeit tragbar bleibt. Dieser Vorsatz schützt nicht nur gegen die Unannehmlichkeiten eines kurzfristigen Liquiditätsengpasses, sondern soll 1.) ein Hineinmanövrieren in eine existenzgefährdende Situation als Folgeerscheinung eines möglichen Fehlschlags vermeiden helfen, und 2.) dafür Gewähr leisten, dass der gewohnte standesgemäße Lebensfuß zwischenzeitlich keinen Abbruch erleidet und auch in fernerer Zukunft sonst nicht schwindet.

Beispiel Hebeleffekt: Der Ersteinschuss für einen Euro-Bobl-Futures der Terminbörse Eurex (Produktkürzel: FGBM) mag 1000€ betragen. Kauft ein Händler diesen Futures bei einem Börsenterminkurs von, sagen wir, 105,00 %, so bewegen Kursänderungen des Futures, trotz des vergleichsweise geringen Einschussbetrages, immer den Gesamtwert der zugrunde liegenden Anleihe, hier also in Höhe von 105000 € (d.h. 105,00 % von 100000 € Nominalwert) insgesamt. Steigt der Futureskurs in der Folgezeit beispielsweise auf 115,00 %, so gewinnt der Investor 10000 € hinzu. Bezogen auf seinen ursprünglich hinterlegten Einschuss von 1000 € – den der Investor natürlich zusammen mit seinem Gewinn bei Glattstellung des Futures zurückerhält – errechnet sich eine Margin-Rendite von (10000/1000) × 100 = 1000 %.

Ergebnis: Der Hebeleffekt bewirkt, dass bereits relativ geringfügige Kursänderungen von Finanzderivaten prozentual relativ große Variationen in der Margin-Rendite hervorrufen.

Brokergebühren, die neben evtl. entgangenen Zinseinnahmen einen Großteil der externen Kosten für eine Teilnahme am Terminhandel darstellen, verändern regelmäßig den Hebeleffekt einseitig zu Lasten des Investors; denn die Brokergebühren müssen zunächst zurückverdient werden und schmälern somit etwaige Gewinne bzw. erhöhen anfallende Verluste.

 

Was sind Zertifikate?

Zertifikate und andere umstrukturierte Finanzprodukte* von sachverwandter Natur stehen in ihrer äußeren Schlussform mit den Kernderivaten, verkörpert durch Futures, Forwards und Optionen, streng genommen in einer nurmehr losen Beziehung. Allein durch die Verwertung der Gemeinsamkeit ihres Grundgedankens, der ihnen zur Folie dient, bringen sie in ihren Ergebnissen einige äußere Ähnlichkeit hervor. Derivative Finanzmarktinstrumente sind bekanntlich Termingeschäfte, deren Wert nach bekannten Prinzipien in stringenter Weise ableitbar ist von einem gegebenen, originären Marktwert (einer bekannten Variablen). Inhaltlich aber beruhen beide auf wesentlich verschiedenen Grundzügen.

[* Im Jargon der Marketing-Strategen der Banken steht dafür allein der Name "strukturierte Produkte" ("structured products") in Übung. Meines Erachtens ist der Name "umstrukturierte Finanzprodukte" zu befürworten, weil durch ihn der Sachverhalt weitaus trefflicher und bezeichnender zum Ausdruck kommt, dass derartige Finanzmarkttitel in aller Regel einen Komplex bilden, der sich neu zusammenträgt aus ineinander gepassten Bausteinen herkömmlicher Formen von Finanzanlagen nebst allerlei alteingeführter Derivate, zumal Futures und Optionen.]

Zertifikate ("...-linked certificates of deposite") sind rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibung. Sie unterliegen damit selbstverständlich auch den üblichen Bonitätsrisiken des Emissionshauses als Schuldner, und nicht am wenigsten dem Insolvenz- und Kreditrisiko der Bank oder Sparkasse (Emittentenrisiko). Der Käufer von Zertifikaten nimmt, im Gegensatz etwa zu Fonds, welche stets geschütztes Sondervermögen bilden, durch den Erwerb solcher Papiere die Stellung eines Gläubigers gegenüber dem ausgebenden Kreditinstitut ein. Wie alle Welt weiß, können Banken gleich anderen Schuldnern in Verlegenheit geraten oder fallieren. Aus eben diesem Grunde gibt es bei Zertifikaten überhaupt keine 100%ige Garantie auf Rückzahlung des investierten Kapitales an den Käufer desselben – selbst dann nicht, wenn es sich beim fraglichen Zertifikat um ein sog. Garantiezertifikat handelt oder, wie es gelegentlich vorkommen mag, es vorher mit kaptivierenden Argumenten als zusätzlich besichert angepriesen, beworben oder das Schuldnerrisiko schlicht wegeskamontiert wurde!

Zertifikate in ihrer ganzen Komplexität reihen sich allesamt der Klasse der verbrieften derivativen Finanzinstrumente an. Von Haus aus sind diese von vornherein so beschaffen, dass sie vornehmlich den privaten Investor ("retail client") apostrophieren. Der kommerziellen Tüchtigkeit der mit unermüdlicher Schaffenskraft begabten Emissionshäuser ist es wohl zu verdanken, dass es, zumal auf deutschem Boden, derzeit eine schier unüberschaubare Flut von Zertifikaten und ähnlichen umstrukturierten Produkten verschiedenster Couleur gibt ("financial engineering"). Und so bleibt es nicht aus, dass jenem, der sich auf diesem Felde um Überblick bemüht, nach einer ersten mehr nur flüchtigen Sichtung des Produktenmarktes das Angebot an derartigen Papieren in tausendfältiger Gestalt förmlich entgegenzuspringen scheint.

Der eigentliche Nutzen von Zertifikaten für den Anleger mag nun darin liegen, dass er, ebenso wie schon von jeher mit Optionen und anderen Finanzderivaten, dank ihrer gegebenen Angebotsfülle mit den entsprechenden Papieren an der Marktentwicklung fast jedes Basiswertes (Underlying) zu partizipieren vermag, sei es nun an steigenden oder an fallenden, sei es an gleichbleibenden oder pfadlosen Preisen eines solchen. Hierbei sind die unterschiedlichsten Konstruktionen denkbar: ein proportionales Beteiligungsversprechen an der Kursentwicklung ebenso wohl wie ein von der Gestaltung gewisser Verhältnisse abhängig gemachtes. Auch wenn streng genommen laufend Kurse gestellt werden sollen: In Krisenzeiten indes, soviel hat sich herausgestellt, erwiesen sich derartige Papiere bisweilen als schwer oder gar nicht handelbar – eine jener Unfertigkeiten, die einer gedeihlichen Entwicklung von Zertifikaten überaus hinderlich sind.

Zertifikate werden sowohl an gesonderten Börsenplätzen als auch im außerbörslichen Bereich (OTC) umgesetzt. An Basisobjekten von Zertifikaten kommt grundsätzlich das gesamte Spektrum von Anlageinstrumenten und Marktvariablen sowie deren Mischungen in Betracht. Analog spricht man von Index-/Tracker-Zertifikaten, Rohstoffzertifikaten, Basket-Zertifikaten, Airbag-Zertifikaten, Discount-Zertifikaten, Bonus-Zertifikaten, Express-Zertifikaten, Knock-out-Zertifikaten usw. usw. Die Laufzeit von Zertifikaten (das Kreditverhältnis) kann auf eine bestimmte Frist begrenzt ("closed end") oder auch unbegrenzt ("open end") sein, oder aber, der Emittent behält sich gar unter gewissen für ihn vorteilhaften Bedingungen ein Kündigungsrecht im Emissionsprospekt ausdrücklich vor.

Zertifikate schienen bis vor kurzem noch auf der Beliebtheitsskala von Privatanlegern ganz oben zu stehen. Zur gleichen Zeit fanden, angelockt durch abnorm hohe Gewinnsätze im Emissionsgeschäft mit Zertifikaten und den damit verwandten (Hebel-)Produkten, hierzulande immer mehr Bankhäuser ein weites Betätigungsfeld vor, auf dem sie die jüngst erworbenen Einsichten der modernen Finanzierungsforschung im großen Stile anzubringen und mit ihren Pfunden zu wuchern verstanden. Für viele Sparer wohl überzeugend genug, der Versuchung zu unterliegen ihr Erspartes in sie hineinzustecken. Kurzum, der Markt für Zertifikate erlebte fürwahr eine Blütezeit und konnte dabei immer mehr Boden gewinnen. Doch mit dem Untergang der Investmentbank (Spekulationsbank) Lehman Brothers Inc. und den herben Verlusten, die Zertifikatehalter seither zu verschmerzen hatten, hat sich gerade auch angesichts der mit einem Male wegbrechenden Umsätze mittlerweile starke Ernüchterung in der Zertifikatebranche eingestellt, so zwar, dass selbst das Vertrauen in den Reihen ihrer treusten Anhänger schwankend geworden ist.

Im Hinblick auf die Gewinnmarge, die den Banken aus der Begebung von Zertifikaten zufällt, bleibt letztlich noch zu bemerken, dass jene, die am Finanzmarkt einen gegebenen Einkommensstrom aus herkömmlichen Instrumenten (Aktien, Anleihen, Futures und Optionen) unter Einsparung von Gebühren in einen anderen, dazu äquivalenten zu transformieren wissen, nicht gewillt sind, andere, die dies für sie tun, dafür zu bezahlen.

 

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Börse folgen in Kürze.

 

 

 

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"Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste,
zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste."
Konfuzius (551 - 479 v.Chr.), chin. Philosoph

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 26. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.