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Aufzählung

  Das Margen-System und die Bedeutung des "initial margin"

 

Aufzählung

Margin und das Trading-Konto

Wer sich auf den Handel mit Termin- und Optionskontrakten einlässt, bedarf zuallererst eines eröffneten Trading-Kontos ("trading account", vereinzelt auch "commodity account"; "individual brokerage account"). Der Privathändler, dem an Finanzgeschäften solcher Art gelegen ist, wendet sich in dieser Angelegenheit ordentlicherweise an ein Kommissionshandelshaus* (Bank, Maklergeschäftsfirma, "Broker" – oder ein sonstiges Wertpapierdienstleistungsunternehmen, das sich die Vermittlung von Börsenterminkontrakten zum Geschäft gemacht hat) seiner Wahl mit dem Ersuchen um Anlegung eines Handelskontos. Die Berechtigung, zur selbständigen Vornahme von Börsentermingeschäften ein eigenes Trading-Konto einzurichten, steht grundsätzlich einem jeden zu, der einige wenige, im Wesentlichen rein formale Bedingungen des Handelshauses zu erfüllen vermag.

[* Der unumschränkte Zugang zur Börse ist privaten Händlern kleinerer Kapitalien gewöhnlich durch allerlei institutionelle Marktzutrittsschranken und sonstige äußere Hemmungen beschwert, wenn nicht gar andauernd verschlossen. Sie sind gehalten, ihre Börsengeschäfte über ein Kommissionshandelshaus abzuwickeln. – Hinweis: Eine Auflistung deutscher als auch ausgewählter internationaler Brokerhäuser, die einen deutschsprachigen Service vorzuweisen vermögen, ("futures commission merchants" FCM) finden Sie auf folgender Seite.]

Nach Unterbreitung des Antrags auf Kontoeröffnung und Rückerhalt des Vertragsentwurfs bleibt es dem Kunden in spe nicht erspart, die einzelnen Formulare des Vertragswerks der Reihe nach gewissenhaft zu studieren, sie mit den erforderlichen persönlichen Eintragungen zu versehen, ferner die in schriftlicher Abfassung über Risiken belehrenden Hinweise sich ins Bewusstsein zu bringen, dazu die diesbezüglichen besonderen Befragungs- und Aufklärungsschriften ("risk disclosure statements"; Risikoinformationsschrift, oder kurz "Merkblätter") mit Namensunterschrift zu versehen, als sich endlich mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Hauses einverstanden zu erklären. Die auf dem Geschäftsfeld des Terminhandels verkehrenden Handelshäuser sehen sich mit Rücksicht auf bestehende gesetzliche Regelungen in die Pflicht genommen, in eigenem Interesse ebenso wohl wie zum Schutze des Privatkunden detaillierte vorvertragliche Auskunftsmittel über die mit der Ausführung von Termingeschäften einhergehenden besonderen Anforderungen vorzubringen und wieder einzuholen.* Gleich darauf, nach Eingang, Prüfung und Bewilligung der überstellten Unterlagen des Kontoeröffnungsvertrags durch das kontoführende Handelshaus, steht dem Kunden das neu eingerichtete Trading-Konto als rechtmäßigem Inhaber zur Durchführung seiner Terminkontrakt- und Optionsgeschäfte vollumfänglich zur Verfügung.

[* Vgl. hierüber nach deutscher Gesetzgebung etwa §31 Gesetz über den Wertpapierhandel WpHG. – Anmerkung: Alle hier und im Folgenden vorgebrachten Erörterungen über die Anbahnung, die Geschäftsabwicklung von Futures und das Margensystem selbst sind jenseits der Rechtslehre eines Landes zu verstehen. – Hinweis: Eine Mehrheit der Brokerhäuser und Finanzdienstleister bietet ihren Kunden gleich beim Antrag auf Kontoeröffnung Unterstützung durch dienstfertige Kundenbetreuer (engl. "registered representatives" oder "account executives") an. Diese helfen nicht nur über mögliche Klippen bei der Ausfüllung von Vordrucken und Formularen hinüber, sondern stehen im Bedarfsfall auch nachträglich bei der seinerzeitigen Vornahme von Börsentermingeschäften dem Kunden als ständige ansprechbare dienstbare Fachkräfte mit Rat und Tat zur Seite.]

Doch ehe der Terminhändler endlich autorisiert ist, ein erstes Handelsgeschäft in einem ausgewählten Börsenterminkontrakt vorzunehmen, ist er angehalten, sofern noch nicht geschehen, für die Obliegenheiten aus dem angehenden Kontrakt eine ausreichend bemessene Sicherheitsleistung in barem Gelde auf ein beim Broker separat geführtes Verrechnungskonto ("Margin-Konto", "margin account", "equity account", Einschusskonto; "segregated account") zur Gutschrift einzuzahlen. Ein solches im Voraus eigens einzubringendes Gelddeposit stellt die notwendige materielle Grundbedingung für eine gesicherte Teilnahme am Terminverkehr dar und ist allgemein unter dem Namen Margin* (= "Ersteinschuss", "initial margin") bekannt. Dessen Bestimmung liegt entschieden in der Rolle eines Garantiemittels zum Schutze gegen präsente wie voraussichtliche und denkbare Erfüllungsrisiken. Ein Margin solcherart wird grundsätzlich mit Eröffnung eines Futuresgeschäfts gleich zur Zeit des Handelsabschlusses fällig und mit dessen Vollzug vom Broker zeitnah eingefordert werden. Der Bedarf an Margin wiederholt sich mit jedem weiteren Eröffnungsgeschäft in Futures.

[* In wörtlicher Auslegung soviel wie: Handelsspanne, Deckungsbeitrag, Marge. – Anmerkung: Es gilt die im Text angeführte Deutung des Marginbegriffs sinngetreu gleichermaßen im Kundschaftsverhältnis von Brokerhäusern des Devisenhandels (Forex-Broker). Auf Wertpapiergeschäfte bezogen steht der Begriff Margin stattdessen in der Deutung eines auszulegenden Anteils am Preis für die umgesetzten Papiere, dessen Rest durch den Broker kreditiert wird.]

Das Erfordernis, für riskierte Termingeschäfte ein Margin zu einzubringen, stellt jede Terminbörse für sich auf, womit sie der Gesetzgebung Folge leistet. Diejenige Börse, an der der in Aussicht genommene Futures gelistet und notiert ist, gibt zugleich die einzulegende Mindesthöhe an Margin für die Verpflichtung aus dem Kontrakt öffentlich vor.  Die Terminbörsen bringen nach Maßgabe der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen von Haus aus für jeden Futuresmarkt gesondert ein Margin von genau festgesetzter Höhe in Ansatz, das im aufgeführten Betrag stets auf je einen Kontrakt gewendet ist. Wer mehrere Futures davon auf einmal zu handeln beabsichtigt, hat ein entsprechendes Vielfaches an dem aufgeführten Marginsatz einzubringen. Den angeschlossenen Bank- und Brokerhäusern steht es wieder frei, von ihren Kunden für die von ihnen eingeleiteten Börsentermingeschäfte Margen zu beanspruchen, die sich in ihrem Belauf über die börsenseitig festgesetzten Mindestsummen erheben. Wovon das Maß eines (risikogerechten) Margin im Einzelnen abhängig ist, wird noch unten einer eingehenden Erörterung unterzogen.* Bei der Mehrheit der Brokerhäuser hat sich die Sitte ausgebildet, gleich zur Zeit der Kontoeröffnung einen im Voraus einzuzahlenden Pauschalbetrag (Ersteinlage, "opening margin balance"; "deposit") zu erbitten, verknüpft mit dem Recht, diesen als disponible Geldsumme gegen das jeweilig erhobene Margin ohne Zeitverlust auf dem Konto zu verrechnen. Wie dem auch sei: Ist ein solches Margenkonto erst einmal fertig eingerichtet, werden in weiterer Folge sämtliche Gewinn- und Verlustsalden, die sich bei den schwebenden Börsentermingeschäften (Futures, Short-Optionen und deren Mischungen) durch Marktwertänderungen einspielen, darüber abgerechnet und nach deren Egalisierung am Ende alsdann finanziell abgewickelt. Es sei dies am Beispiel von Geschäften in Futures des Genaueren erläutert:

[* So gelten beispielsweise an der Terminbörse Eurex die Bestimmungen zum "Risk-Based-Margining (RBM)".]

Wann immer auf einem Konto eine Nettoposition in Futures zur Entstehung gelangt – sei es durch einen öffnenden Terminkauf (= Long-Position) oder sei es durch einen öffnenden Terminverkauf (= Short-Position) resp. eine Kombination der beiden in Gestalt eines sogenannten Spreads –, beansprucht das kontoführende Finanzinstitut (Bank- bzw. Brokerhaus) von demselben Augenblick an von dem Kunden obligatorisch die Stellung von Sicherheiten. Der im Rahmen eines Kommissionsgeschäftes in Terminkontrakten als Schutzmittel gegen damit übernommene Risiken angesetzte Geldbetrag wird mit dem Ausdruck "initial margin"*, "customer margin" oder vielfach auch mit "performance margin" bezeichnet. Demnach handelt es sich bei einem "inital margin" um eine zum Voraus, spätestens aber zeitgleich mit dem Eröffnungsgeschäft zu erbringende finanzielle Sicherheitsleistung zur Abdeckung von Verlustrisiken im Börsenterminhandel (Sicherheitsmarge, Einschuss, Hinterlegungsgeld, Depositen; "collateral deposit", "couverture", "up-front margin"). Eine solche reelle Sicherheit hat der Terminhändler als Kunde eines Handelshauses (Kommittent) bei Begründung einer Terminposition gegen bare Zahlung oder auch anstelle baren Geldes allenfalls in Form eines geldnahen ("mündelsicheren") Wertpapiers bzw. Wertrechtes fristgemäß auf das vordem eingerichtete gesonderte Margin-Konto (s.o.) einzubringen.** Bereits eingebrachte und parat liegende Summen werden dem Gegenwert des jeweiligen Margensatzes entsprechend belastet.

[* Allgemein versteht man unter "initial margin" die zur Begründung ("opening transaction") und Behauptung einer einem Marktpreisänderungsrisiko ausgesetzten Position einzuschießende Summe Geldes, die von der Clearingstelle der Börse in ihrer Höhe festgesetzt und eben zu diesem Zweck als Sicherheitsleistung vorsorglich erhoben wird. Der Name "initial margin" ist allerdings schwankend und steht in Börsenkreisen unter dem Zeichen der Mehrdeutigkeit. An der europäischen Terminbörse Eurex bspw. wird er für sog. Nicht-"Spread"-Positionen oft mit dem Namen "additional margin" in synonymer Bedeutung gebraucht (man vergl. die Börsenregeln über das Risk-Based-Margining (RBM) der Eurex Clearing AG, dem integrierten Clearinghaus der Eurex). An der US-amerikanischen Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME Group) wird demgegenüber die Bezeichnung "performance bond" bevorzugt.]

[** Nicht nur für die Kunden eines Handelshauses, sondern auch für die angeschlossenen Handelshäuser selbst zählt es zu den Obliegenheiten, zur Eröffnung von Terminpositionen, die auf eigene Rechnung geführt bzw. im Auftrag von Kunden entgegengenommen und in eigenem Namen weitergereicht werden, bei der Verrechnungsstelle der jeweiligen Terminbörse ein Margin in der erforderten Höhe zu hinterlegen. Ein Margin solcherart wird auch als "original margin" benannt. Vgl. darüber "clearing margin" der nächsten Seite.]

Der Tatsacheninhalt der vorsorgenden Bereitstellung von Deckungsmitteln lädt leicht zu Verwechselungen ein. Ein "margin" im Terminhandel darf weder als Leistung oder Teilleistung eines für den Futures zu bestreitenden "Kaufpreises"* noch als sein für das zugrunde liegende Kaufgut vorab zu verausgabender Terminpreis auch nicht als Kredit oder noch weniger als ausbedungene Optionsprämie o.dgl. der Missdeutung ausgesetzt werden; Kaufpreis jeder Art hier, und anfänglich auszulegende Margendeckung ("initial margin") dort, sind allemal sorgfältig auseinanderzuhalten. Der vollständige Kaufpreis aus einem Futuresgeschäft wird – falls überhaupt beansprucht – erst zur Erfüllungszeit, d.i. mit Eintritt des Regulierungstages fällig:** Im Falle eines Lieferungsgeschäfts auf anbringliche Ware ("actual physical delivery") geschieht dies im Zeitmoment des vorgesehenen künftigen Erfüllungstermins des Kontrakts, also bei Endabwicklung durch Vollzug der tatsächlichen Lieferung in Natur gegen Zahlung des Schlussabrechnungspreises (Effektiverfüllung). Eine vorfriste Bewirkung der Leistung aus dem Kontrakt ist indessen unter allen Umständen für jede Seite strengstens untersagt. – Neben der Sicherheitsmarge "inital margin" fallen für die Einleitung einer Transaktion in Futures außer den üblichen Brokerspesen*** ("brokerage fees", "commissions") in diesem Stück sonst keine weiteren Geldbewegungen mehr an.

 

 

 

[* Unmittelbar einzusehen ist dies insofern, als der Verkäufer eines Futures (Short) aus dem Verkauf des Futures kein Geld löst, sondern vielmehr ebenso zur Hinterlegung eines Margin angehalten ist. Auch hierdurch hebt sich ein "initial margin" von einem Margin im Rahmen eines Wertpapiergeschäftes auf Kredit ab.]

[** Es ist dies allzu selbstverständlich; denn der bloße Abschluss eines Futures schafft für sich allein keine "assets", welche Anlass zur augenblicklichen Zahlung eines Kaufpreises geben könnten. Daher wäre richtiger zu sagen: der Austausch der zum maßgeblichen Terminpreis ausgemachten Geldsumme gegen das festgeschriebene Lieferquantum des Kontraktgegenstandes bei Endfälligkeit gemäß Standardvertrag des Futures.]

[*** Anmerkung: Im Gegensatz zu Optionsgeschäften, deren Kommissionen zu allermeist für jeden Geschäft einzeln abgerechnet werden, werden Kommissionen bei Futuresgeschäften traditionell auf "round turn"-Basis berechnet. Futures führen somit erst zum Aufhebungszeitpunkt des Börsentermingeschäfts zu effektiven Ausgaben.]

 

Aufzählung

"initial margin": der Ersteinschuss bei Futures- und Optionsgeschäften

Wer den börslichen Terminhandel in Futures beginnen will, ist ohne Unterschied in der Ausrichtung der erwogenen Position vor die Notwendigkeit gestellt, der Einleitung seines Engagements die Erbringung eines Einschusses in Geld voranzustellen (Ersteinschuss, "margin requirement"). Die Hinterlegung der erforderten Summe bildet gewissermaßen die notwendige materielle Voraussetzung für eine Operation auf den Futures-Märkten. Aus gutem Grund. Denn sowohl der eröffnende Kauf (= Long, Terminkaufvertrag, Plusposition) als auch der eröffnende Verkauf von Futures (= Short, Terminverkaufsvertrag; "Leerverkauf", Minusposition) sowie deren Mischung bei Spread-Geschäften führen immer und ausnahmslos eine mit einem nicht unbeträchtlichen Erfüllungsrisiko behaftete vertraglich bindende Vereinbarungen mit sich. Das hiermit angesprochene Erfüllungsrisiko ist Ausdruck möglicher Störungen, dessen Grad vom waltenden Preisrisiko auf den Terminmärkten in gerader Linie abhängt. Angesichts der Größe der damit auf dem Spiel stehenden Vermögensbelange ist nicht zu verwundern, dass sich der beauftragte Broker im Kundschaftsverhältnis durch Stellung einer anfänglichen Sicherheitsleistung über die Ernsthaftigkeit jedes einzelnen Börsengeschäfts zu vergewissern sucht. Das Erfüllungsrisiko von fehlgeschlagenen Termingeschäften ("performance risk") seiner Kunden ginge im Falle nicht gestellter Sicherheiten für die eingegangenen Verpflichtungen in letzter Konsequenz nämlich auf Gefahr und Rechnung des Brokers selbst. Er hätte bei Uneinbringlichkeit der Verbindlichkeiten für diese dann selbsthaftend einzustehen ("default risk"). Überdies stehen die Brokerhäuser ihrerseits, wie schon oben angesprochen, gegenüber den Terminbörsen in der Pflicht, für alle ihre geöffneten Posten zusammengenommen Ersteinschüsse in der jeweilig erforderten Höhe aufzubringen und als "clearing margin" an die Verrechnungsstelle der betreffenden Börse ("clearing house") zur Hinterlegung weiterzuleiten. Mit diesen Beträgen suchen die Clearinghäuser und ihre Mitglieder sich ihrerseits gegen jedes Risiko sicherzustellen.

Nicht ohne Berechtigung hat das "initial margin" für den Broker regelrecht die Bedeutung eines bona fide Garantiepostens für den glatten Vollzug eines jeden Termingeschäfts erlangt. Das kassierte Margin hält ihn frei von der Verlegenheit, dass der handelnde Kunde sich womöglich im Nachhinein eines anderen besinnt und mit seiner obliegenden Verpflichtung zurückhält (Erfüllungsunwilligkeit). Dasgleiche gilt von der Eventualität des Aufkommens eines größeren Spekulationsverlustes, falls der Auftraggeber nicht genug solvent ist, die nötigen finanziellen Mittel zur Begleichung seiner Schuld aufzubringen (Erfüllungsunfähigkeit). Im angelsächsischen Sprachraum wird der Ersteinschuss ("initial margin") darum bisweilen auch sehr treffend mit Bezeichnungen wie "earnest money", "good faith deposit" oder "performance bond" umschrieben.

Doch nicht nur für Transaktionen in Futures, sondern auch für die Einnahme von Stillhalterpositionen in Optionen ("short options") respektive für Leerverkäufe von Wertpapieren ist die Einforderung einer Margendeckung aus selbigem Grunde das weithin in Übung stehende Verfahren. Speziell für die Eingehung von börslichen Optionsgeschäften verlangt die Clearingstelle ordentlicherweise von nur einer Seite, nämlich vom Options-Verkäufer (Short), die Stellung von Sicherheiten. Dem Options-Käufer (Long) werden demgegenüber grundsätzlich keine Sicherheiten abverlangt, da im Unterschied vom Verkäufer einer Option das Verlustrisiko eines Options-Käufers begrenzt ist auf die eingangs ("upfront") bereits bezahlte Optionsprämie* ("total premium"). – Unterhält ein Kunde mehr als eine Kontoverbindung bei verschiedenen Brokerhäusern, so muss aus naheliegenden Gründen jedes einzelne der Margin-Konten vollständig eingezahlt sein.

[* Eine Ausnahme hierzu besteht beim sog. Futures-style-Verfahren für Optionen auf Futures ("futures options"), wonach die Prämie ("total premium") entweder erst innerhalb der Laufzeit oder seinerzeit bei Ausübung bzw. Verfall der Option wirklich zu bezahlen ist (Rückprämie, Nachprämie). Eine Sicherheitsleistung ("premium margin") wird hier nicht erhoben, da unter dem Futures-style-Margenverfahren ebenso wie bei Futures zwischen den Parteien ein tagtäglicher Verlustausgleich ("marking to market") durchgeführt wird.]

Das "initial margin" ist eine sofort zu zahlende Summe. Demgemäß wird ein "initial margin" in jenem Augenblick erfordert und durchgesetzt, da sich der Händler riskant aufstellt. Auf die Person des Händlers selbst kommt dabei nichts an, wenn er nur das fällige Margin erlegt. Der Belauf der Besicherungsforderung für die Einnahme einer bestimmten Position auf dem Terminmarkt lehnt sich im Regelfall an dem generellen Zweck derselben (Spekulation oder Kurssicherungsgeschäft?) und dem daraus hervorgehenden Grad des Risikos insgesamt an. Das einem gesonderten Kundenkonto beigemessene Gesamtrisiko bezieht für gewöhnlich finanzielle Risiken aus sämtlichen der darauf geführten offenen Posten* in den verschiedenen Märkten mit ein, wobei die historische, untertägige als auch die "implizite" Kursvolatilität regelmäßig den letzten Maßstab für die Beurteilung des Risikos abgibt. Demnach greift unter Bedacht auf das Risiko der Erfahrungssatz durch: Je volatiler sich der Markt zeigt, desto größer schlägt das Verlustrisiko an und um ebensoviel höher wird in derselben Folgerichtigkeit das erforderliche "initial margin" gegriffen. Entsprechend knapp wird das "initial margin" umgekehrt bei abgeschwächten Preisschwankungen bemessen.

[* Beim sog. Risk-Based-Margining (RBM) der Eurex Clearing AG werden hierzu sämtliche Futures- und Optionspositionen, die entweder den gleichen oder einen Basiswert von verwandter wirtschaftlicher Natur aufweisen, unter Berücksichtigung der sich kompensierenden Positionen zu einer einzigen Grundposition zusammengefasst und mit "margin" unterlegt.]

Die auf den Terminmärkten herrschende Ungewissheit, und damit auch die Eventualität größerer Verluste, nimmt mit der Länge der Haltedauer der Terminkontraktgeschäfte zu. Der im Futureshandel allgemein gebräuchliche tägliche Buchungsschnitt ("marking to market") ermöglicht dennoch eine Rechnung nur auf kurzfristiges Kalkül mit dem äußeren Erfolg einer durch ermäßigte Margin-Sätze verringerten Beanspruchung der Liquidität auf Seite der Handeltreibenden. Die Bemessung der risikogerechten Höhe der Besicherungsforderung kann sich sohin im regelmäßigen Verlauf der Dinge analog dem im fraglichen Markt für möglich gehaltenen "worst-case"-Szenario ("worst-case-loss", denkbar ungünstigste Verlustfall) allein mit Blick auf die kommende Handelsphase richten. Da indes die morgige Marktvolatilität, und so auch die der nächsten Zukunft, aller Erfahrung nach im Zeitlauf mitunter erheblichen Schwankungen unterworfen sein kann, deren konkretes Ausmaß sich naturgemäß jeder exakten Vorausberechnung entzieht, liegt füglich auch die Höhe eines "inital margin" keineswegs ein für alle Mal fest. Das Margin kann und wird also, sofern notwendig, von den betreffenden Börsen je nach der Verschiedenheit der Marktverhältnisse bei den einzelnen Produktgruppen postwendend an ein geändertes Spannungsfeld angepasst werden.

Der Stand des einer offenen Position im Terminmarkt gegenüberstehenden Margin wird unausgesetzt überwacht. Es bleibt in Höhe des jeweiligen Satzes für das hinterlegte "initial margin" bis zum Ende der Haltedauer der Position jeder weiteren Verfügung durch den Kontoinhaber entzogen. Die Mitteleinheiten sind einstweilen an die Position gebunden, der Zugriff darauf ist gesperrt, wodurch eine anderweitige Bestimmung über die Mittel aufgehoben ist. Erst bei Auflösung der Position werden diese wieder freigegeben. Überhaupt ist es das erstrebte Ziel der spekulativ motivierten Händlerschaft (Trader), aus ihren Handelsgeschäften in Terminkontrakten mit der seinerzeit bei Glattstellung der Terminposition rückgestellten, um einen Differenzgewinn erhöhten Margin-Summe einen Überschuss über das vorher eingeschossene und gebundene Depositum herauszuziehen (vgl. Margin-Rendite).

Mit einem auf einem Trading-Konto ausgewiesenen, über das Ausmaß der erforderten Margensumme hinausreichenden Überschuss ("excess margin"), einerlei ob dieser dem Konto aus den auf den Terminmärkten bisher unternommenen Börsengeschäften im Reinergebnis zugewachsen ist (Buchgewinn, Margen-Gutschrift; "credit balance") oder allenfalls von überschüssigen Einzahlungen stammt, kann der Kontoinhaber und Kunde eines Brokerhauses nach Gutdünken und eigenem Ermessen verfahren ("free equity"). Er kann jenen im Kontokorrent stehenden Differenzbetrag entweder als Kassenbestand auf seinem Geldkonto bar in Bereithaltung lassen, etwa um ihn bei späterer Gelegenheit für die Vornahme von weiteren Börsengeschäften auf harmonische Weise beschäftigen zu können ("open trade equity", OTE), oder, falls es ihm so beliebt, diese seine zeitweilig nicht beschäftigten flüssigen Mittel ebenso gut jederzeit auch ganz oder teilweise zurückziehen ("withdraw funds"), um sie beispielshalber einstweilig anderwärts zinsgünstig werbend unterzubringen. Darüber hinaus steht das ursprünglich hinterlegte "initial margin" in Geld, sofern im Betrage durch Verluste nicht geschmälert oder gar aufgezehrt, dem Kunden nach Glattstellung der ihm gegenüberstehenden Terminkontrakte ("reversing trade", "closing transaction") nun wieder in voller Höhe (vermehrt um Gewinne) oder eben in einer um Teilverluste verminderten Höhe zur freien Disposition*. Wie soeben schon gestreift, sind Einzahlungen von Barmitteln zur Gutschrift auf das Trading-Konto allemal zulässig, selbstverständlich auch über den Belauf eines erforderten Ersteinschusses hinaus, so vielleicht um den vorrätigen Guthabenstand vorsorglich zu erhöhen. Die angesammelten Mittel lassen sich fortan der Abdeckung von künftigen Futures-Geschäften dienstbar machen als nötigenfalls auch heranziehen, um im Falle eines Fehlschlags die Forderung eines "variation margin call" zu bestreiten.

[* Dienen zugelassene geldwerte Papiere der Dotierung mit Margin, so erhält der Händler zusätzlich auch die für diese inzwischen aufgelaufenen Zinsen zurück.]

Zweckmäßigerweise sollte der Kunde eines Kommissionshauses ("retail client") sich Klarheit darüber verschaffen, ob, und im bejahenden Fall, zu welchen Konditionen sein dort eingelegtes Geld verzinst wird; dies zumal die Vergütung von Zinsen für Margin-Guthaben besonders für größere Konten heutzutage nicht mehr ganz unüblich ist. Zu guter Letzt ist dem Umstand zu gedenken, dass ungeachtet bereits geleisteter Margin-Zahlungen für jede an den Börsenterminmärkten abgeschlossene Transaktion überdies Brokergebühren (Orderprovision, "commissions", "brokarage fee") als Vergütung für die Vermittlungstätigkeit des Brokers erhoben werden. Diese Gebühr beläuft sich erfreulicherweise im Normalfall nur auf einen mäßigen Betrag von einigen wenigen Euro, Dollar, Pfund oder Franken.*

[* Die Höhe der fälligen Brokerspesen wird vom kontoführenden Finanzinstitut (FCM), wie oben bereits erwähnt, für Futures-Geschäfte in der Regel auf der Grundlage eines "round turn" berechnet. Die Gebühren werden üblicherweise unbesehen der verschiedenen Futures-Märkte, Fälligkeitstermine und Ordertypen für alle Kontraktarten einheitlich angeschlagen.]

Hält man aus den bisherigen Betrachtungen über das Margining alles Wesentliche zusammen, so ist Folgendes festzustellen: Die zur Durchführung des Handels mit Finanzderivaten zwingend erforderte Eigenkapitalunterlegung durch das "inital margin" dient dem Zweck, durch Mindesteigenkapitalanforderungen die Anspruchsberechtigten zu schützen und im Zusammenspiel mit weiteren Sicherheitsvorkehrungen auf diese Weise am Ende die Makellosigkeit und das Vertrauen der Marktteilnehmer in das Finanzsystem Börse im Ganzen außer allen Zweifel zu stellen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite:

Mindesteinsatz an Margin und Clearing-Margin

 

 

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Das Clearinghaus und das Clearing-System

Aufzählung

Das Margin-System und "maintenance margin"

Aufzählung

Übersicht: Margin-Tabelle

 

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"Das Risiko ist die Bugwelle des Erfolgs".
Carl Amery, dt. Schriftsteller, * 9. April 1922 , † 24. Mai 2005

 

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2017 Bert H. Deiters
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Stand: 14. November 2017. Alle Rechte vorbehalten.