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Aufzählung

 Was ist eine Option?

Optionen (von lat. optio, »das Recht der Wahl«, »der freie Wille«) gibt es auf den Finanzmärkten in den mannigfaltigsten Erscheinungsformen. Dennoch lassen Optionen sich nach ihrer Beschaffenheit allein in zwei verschiedene Haupttypen einreihen: in Kaufoptionen und in Verkaufsoptionen.

Aufzählung

Der Käufer einer Kaufoption ("call option") erwirbt gegen Zahlung des Optionspreises ("Prämie") das Recht, entweder innerhalb einer bevorstehenden Zeitfrist oder an einem bestimmten Stichtag nach Ablauf einer vorher festgesetzten Frist vom Verkäufer der Option eine bestimmte Menge eines zugrunde liegenden Wirtschaftsgutes zu einem bei Abschluss des Optionsgeschäfts vereinbarten Preis zu kaufen oder aber vom Kauf abzusehen und das Optionsrecht verfallen zu lassen.

Aufzählung

Der Käufer einer Verkaufsoption ("put option") erlangt gegen Zahlung des Optionspreises ("Prämie") das Recht, entweder innerhalb einer bevorstehenden Zeitfrist oder an einem bestimmten Stichtag nach Ablauf einer vorher festgesetzten Frist dem Verkäufer der Option eine bestimmte Menge eines zugrunde liegenden Wirtschaftsgutes zu einem bei Abschluss des Optionsgeschäfts vereinbarten Preis zu verkaufen oder vom Verkauf wieder abzusehen und das Optionsrecht verfallen zu lassen.

 

In der obigen Wortformel von Optionen liegt erkennbar eine Zweiteilung eingeschlossen. Diese Zweiteilung stellt ab auf das Zeitintervall, wann die Einlösung der Option dem Berechtigten offensteht. Hiernach lassen sich zwei ausgebildete Bräuche, sog. Stile, in der Ausübung einer Option unterscheiden ("option style"). Der Stil in der Ausübung einer Option, der es ihrem Inhaber in freie Aussicht stellt, das im Vorstehenden angesprochene Recht jederzeit durch die gesamte Dauer der Optionsfrist hindurch, spätestens aber am Verfalltag ("expiration date") vor Eintritt des Verfalls, nach Belieben durch einseitige Willensäußerung geltend zu machen, führt bei uns den Namen "Amerikanische Option" ("American style"). Im Gegenteil dazu kann sich im Geschäftsstil einer "Europäischen Option" der Optionshalter allein und ausschließlich am vertraglich übereingekommenen Verfalltag unmittelbar vor Ablauf der Optionsfrist darüber erklären, ob er seine Option wahrhaftig auszuüben entschlossen ist oder nicht ("European style"). Während der Andauer der Frist ist ihm dies gemäß letztbenanntem Optionsstil allemal versagt. Die Beiworte "amerikanisch" und "europäisch" sind als Attribute von Optionen altüberlieferten Ursprungs. Sie nehmen ausdrücklich Rücksicht auf die vorerwähnten Ausübungsmodalitäten ("exercise style"), und nicht etwa, wie man leicht meinen möchte, auf ihren geographischen Handelsplatz. – Der Optionsbegriff lässt sich demgemäß in folgenden Worten mustergültig definieren:

Eine Option ("financial option") ist ein bedingtes Termingeschäft zwischen zwei Vertragsparteien, das der einen, dem Zahler der Prämie (Prämiengeber), das Recht einräumt, einen nach qualitativen wie quantitativen Merkmalen eindeutig bezeichneten Vertragsgegenstand (den Basiswert), je nach Stil der Option, entweder im Verlaufe oder nur am Ende der anberaumten Optionsfrist zu einem bei Abschlusse des Optionsgeschäfts beredeten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen (= Kaufoption) oder zu verkaufen (= Verkaufsoption), während sie der Gegenpartei, dem sogenannten "Stillhalter" (Prämienzieher), die Pflicht auferlegt, stillzuhalten und nur unter der Bedingung der Geltendmachung des Rechtes von ihm verlangt, den verabredeten Optionsgegenstand zu den festgelegten Optionsbedingungen gegeneinander umzusetzen.

 

 

 

 

Optionen des Finanzmarktes im Sinne dieser Begriffsaufstellung ordnen sich allesamt der Klasse der derivativen Finanzinstrumente ein, der man überhaupt alle Zeitgeschäfte zuweist, deren Werteigenschaften sich in eindeutig nachvollziehbarer Weise herschreiben von mindestens einer ihm unterliegenden originären Sache von variablem Wert ("Derivativgeschäft, Termingeschäft"). Als anerkannte Vertreter der ersten Reihe von Finanzderivaten sind neben den Optionen namentlich Futures, Forwards und Swaps zu berufen. Das charakteristische Hauptmoment jeder Art von Finanzderivat findet sich darin, dass die auf einen Geschäftsabschluss folgende wechselseitige Erfüllung der Vertragsbedingungen erst zeitversetzt, d.i. zum Fälligkeitstermin, möglich oder nötig wird. Gemeinhin ist der Fälligkeitstermin von Derivativgeschäften, so auch bei Optionen, um eine Zeitfrist von mehreren Tagen, meist um Wochen, vielleicht sogar um Monate oder Jahre hinausgeschoben. Optionen können nicht nur als Einzelgeschäfte auftreten ("stand-alone"), sondern auch als Teilgeschäft im Rahmen eines weiter ausgreifenden Finanzierungsprogramms, wie es etwa bei der Begebung von Wandelschuldverschreibungen ("convertible bonds") oder Optionsanleihen ("warrant") in Unternehmungen Brauch und Sitte ist.

Aufzählung

Natur, Eigenschaften und grundlegende Handelstechniken von Optionen

Jedes Kaufgeschäft (Umsatzgeschäft, "trade"), welches es auch sei und in welcher Gestalt es uns im täglichen Wirtschaftsleben entgegentritt, soll es rechtskräftig zustande gebracht werden, setzt das Vorkommen sowohl eines Käufers als auch eines Verkäufers voraus, die miteinander einen Vertrag aufsetzen, worin sie über Kaufsache und Preis übereinkommen. Nicht anders ist es mit Optionsgeschäften bestellt: Der Kauf* einer Option setzt voraus, dass es einen Verkäufer gibt, der die Fähigkeit als auch den Willen hat, den Gegenstand des Kaufgeschäftes, die Option, an den Käufer zum Kaufpreis (Prämie) herzugeben. Der Verkauf einer Option bedingt, dass ein Käufer da ist, der bereit und imstande ist, die Option dem Verkäufer zum Einigungspreis abzunehmen und dadurch das Recht aus ihr zu erlangen. Der Verkäufer einer neu geschaffenen Option heißt Still(e)halter, Aussteller, Steller oder auch Schreiber (Prämienzieher; englisch "option seller", "writer" oder "grantor"). Er nimmt die "Short-Position"** an dem Optionsgeschäft ein ("short call", "short put"). Sein Kontrahent, der Optionskäufer (Prämienzahler; "option buyer"; "option holder"), hat ihm gegenüber die "Long-Position" an dem Optionsgeschäft inne ("long call", "long put"). Es gilt dies von Call- wie von Put-Optionen gleichermaßen.

[* Der Kaufbegriff sei hier und im Folgenden jenseits der Jurisprudenz, und damit auch jenseits der eigentümlichen Rechtsverhältnisse eines Landes verstanden. Käufer sei kurzweg jene Partei, die das Geld (die Optionsprämie als Preisgut) gibt, Verkäufer ist die Gegenpartei ("counterparty"), die ihr im Gegenzug für das gelöste Geld das Optionsrecht (als Kaufgut) einräumt. Der Kaufbegriff will sonach im vorliegenden Sachzusammenhang bloß als gefällige Ausdrucksform verstanden sein, die alleinig die im Optionsgeschäft eingenommene Position eines Optionshändlers (Optionsberechtigter / Optionsverpflichteter) kenntlich macht.]

[** Die polaren Begriffe "Long" und "Short" nehmen im vorliegenden Sachzusammenhang Bezug ausdrücklich auf die Stellung als Käufer oder als Verkäufer der Option (Positions-Typ). Nähme man dagegen, wie sonst üblich, auf die mit dem Optionseröffnungsgeschäft verbundenen Preiserwartungen Bedacht, so wäre der Käufer einer Kaufoption "long the option", der Käufer einer Verkaufsoption demgegenüber "short the option". Ein Gleiches gälte in umgekehrter Stellung auch für den Verkäufer einer Option.]

Ein Optionsgeschäft gilt als rechtsgültig angetreten, wenn sich für die in Rede stehende Option ein Käufer und ein Verkäufer zusammenfinden, die sich beiderseits, neben allen übrigen Vertragspunkten, auf einen Kaufpreis für die Option zu verständigen vermögen. Handelseins werden können sich beide entweder nach dem Regelwerk einer Optionsbörse, an der die Option geführt wird, oder aber an der Börse vorbei in einer privaten Geschäftsverbindung unter der Führung bilateraler Verhandlungen ("over-the-counter", OTC), worin sie sich gegenseitig ihren Willen dahin erklären, die Option umzusetzen. Unter Marktbedingungen im freien Wettbewerb an einer Börse ausgehandelt, spiegelt der Preis der Option alsdann den gängigen Marktpreis der Option zum Einigungs- und Abschlusszeitpunkt wider, sonst den aus den subjektiven (Tausch-)Wertschätzungen der Geschäftspartner hervortretenden Einzelpreis. Den für eine Option als Gegenleistung ausgemachten Geldbetrag (d.i. der Optionspreis) selbst benennt man allgemein als Prämie der Option, Optionsprämie, Prämiengeld oder kurz als Prämie ("option premium", "option price"). Der Optionskäufer bezahlt im Gegenzug für den Erwerb des Optionsrechtes dem Verkäufer die ausbedungene Optionsprämie, wie es üblich ist, gleich zur Zeit der Vereinbarung des Optionsgeschäfts (Barprämie, Bezugsprämie, Vor- bzw. Rückprämie, Lieferungs- bzw. Empfangsprämie; "up-front"; ein Aufschub der Preiszahlung in Form einer Nachprämie, Reugeld u.dgl. ("deferred premium") ist nach heutigen Verhältnissen nicht mehr üblich). Der größtmögliche Geldverlust des Optionskäufers ist von Anfang bis zu Ende auf den Belauf der im Austausch hingegebenen Optionsprämie beschränkt ("debit").* Mehr an Geld, als er für die Option ausgegeben hat, kann er auch im ungünstigsten Fall durch sein Optionsgeschäft nicht verlieren. Für den Optionsverpflichteten, den Prämienzieher und Stillhalter, bildet die eingestrichene Optionsprämie hingegen alles, was er an seinem Optionsgeschäft verdienen kann ("credit"). Mit ihr muss er sich bestenfalls begnügen. Allerdings ist für ihn das Maximalrisiko eines möglichen Verlustes weitaus größer als das aufseiten des Optionskäufers – aus Gründen, die, ohne vorgreifen zu wollen, im weiteren Verlauf der Erörterung noch einleuchtend werden. Allein den Stillhalter können sohin Vermögensverluste treffen, die in ihrem Umfang mitunter erheblich über den Betrag der eingestrichenen Prämie hinausgehen können ("Übersubstanzrisiko").

[* Genau genommen, einschließlich der auflaufenden Zinsen für das durch den Optionskauf gebundene Kapital. Zur näheren Begründung siehe noch unten.]

Vom Optionspreis gedanklich streng zu trennen ist der für die zugrunde gelegte Sache verabredete Kaufpreis (das ist das Austauschverhältnis zwischen beiden). Das angelegentliche Basisgut bildet seinerseits den Gegenstand des Optionsrechtes. Selbes Gut ist im Falle der Auslösung der Option von einer Partei des Optionsgeschäftes auf die andere zu übertragen und von dieser sodann zu vergüten. Den als Äquivalent für das Grundobjekt zu entrichtenden Preis ist man mit dem Namen Ausübungspreis oder Basispreis (Grundpreis, Kursbasis, "exercise prise", "strike-" oder "striking price") der Option zu bezeichnen gewohnt. Dieser kann gemäß gegenseitiger Abrede jeden beliebigen Wert annehmen, oder aber im börsenmäßigen Verkehr durch eine Optionsbörse in normierten Abstufungen zur Auswahl gestellt schon fertig vorgegeben sein. Eben jener Ausübungspreis ist im Fall der Geltendmachung des Optionsrechtes im Austausch für den Grundgegenstand tatsächlich auszulegen.

Das Basisobjekt einer Option (Basisgut, Basiswert, Basisinstrument, "underlying", "notional") bildet demnach den Gegenstand des Optionsgeschäftes, das ist das Kauf- oder Tauschgut, auf dessen bedingten Austausch sich das Recht aus dem Optionsvertrag bezieht. Grundsätzlich können alle marktgängigen Güter, Finanztitel, ja selbst wieder Derivate als auch sonstige wirtschaftliche Vorteile den Gegenstand eines Optionsgeschäftes abgeben. Folgerichtig spricht man von Warenoptionen, Aktienoptionen, Zinsoptionen, Futures-Optionen usw. usw. Nimmt sich nun der Käufer und Halter einer Kaufoption (Call) die Freiheit, sein Optionsrecht den Optionsbedingungen gemäß wirklich auszuüben ("call away"), so geht der nämliche Basisgegenstand vom Verkäufer und Stillhalter des Call in den Besitzstand des Halters über. Im Gegenzug hat der Optionsausübende den Basispreis ("strike price") in der übereinkunftsmäßigen Höhe – ungeachtet des im Ausübungszeitpunkt tatsächlich bestehenden Marktwertes des Underlyings – an den Stillhalter der Kaufoption hinzugeben. Nimmt demgegenüber der Käufer* und Inhaber einer Verkaufsoption (Put) sein Verkaufsrecht in Anspruch, so kann dieser dem Verkäufer der Verkaufsoption den Erhalt des Basispreises abverlangen und hat dafür den Basisgegenstand – wiederum ungeachtet seines derzeitigen Marktwertes – dinglich auf ihn zu übertragen ("to put away").**

[* Von Wichtigkeit in diesem Zusammenhang ist, sich über die Einordnung der Begriffe "Käufer" und "Verkäufer" vollkommen im Klaren zu sein. Der Käufer einer Verkaufsoption (Put) etwa wird im Falle der Ausübung zum Verkäufer des Basisobjektes.]

[** Im Verkehrsleben des Optionshandels schafft vermehrt ein alternativer Weg der Effektuierung Ersatz für das Verfahren einer physischen Andienung des Basisgutes. An die Stelle des Anspruchs auf effektive Zubringung des Basiswertes kann nämlich, falls so vereinbart, der Anspruch auf Erfüllung durch Wertausgleich (Cash Settlement) treten. Dies Verfahren ersetzt dann bei Fälligkeit das Arrangement der wechselseitigen Übertragung der in Rede stehenden Wirtschaftsgüter durch Barabgeltung, ohne dabei eine Partei gegenüber dem Fall einer tatsächlichen Abwickelung finanziell schlechter zu stellen.]

Optionen haben in aller Regel eine im Voraus begrenzte Laufzeit (Gesamtlaufzeit; Kontraktlaufzeit, "time to expiration", "term to expiration", "time to maturity"). Nur binnen dieser kann das Optionsrecht geltend gemacht werden. Der Stichtag, d.i. der "Termin", an oder bis zu dem das durch eine Option begründete Kauf- bzw. Verkaufsrecht letztmals eingelöst werden kann, heißt Verfalldatum (Verfalltag, "expiration date" bzw. "expiry date" oder "maturity (date)"). Das Verfalldatum ist herkömmlich auf das Ende der vereinbarten Laufzeit der Option gelegt. Das Verfalldatum ist zu unterscheiden von Ausübungsdatum* (Erklärungstag; "exercise date"). Das Ausübungsdatum bezeichnetet denjenigen Kalendertag, wo das Optionsrecht der Sache nach durch Kündigung resp. Ankündigung umgesetzt werden kann. Stilreine "Europäische Optionen" können, wie eingangs aufgezeigt, nur am Verfalltag zur Ablaufszeit ("cut") ausgeübt werden. Im Falle von "Amerikanischen Optionen" hingegen kann der Ausübungstag – vielleicht erst nach Verstreichen einer verhandelten Sperrdauer –, sowie vom Halter beansprucht, auf einen beliebigen Tag innerhalb der Optionsfrist fallen.** Eine nach gänzlichem Durchlaufen der Optionsfrist nicht beanspruchte Option gerät in Verfall und ist fortan wertlos. Das Optionsrecht ist mit Fristablauf endgültig erloschen. Sohin ist nichts mehr da, wofür sich ein Preis zu entrichten lohnte (Extinktion).

[* Des Weiteren ist ein Unterschied zu ziehen zwischen Ausübungstag und Erfüllungstag (Regulierungstag). Der Ausübungstag ist der Tag des Wirksamwerdens der Entschließung durch Erklärung (Kündigung des Käufers, Ankündigung des Verkäufers; Prämienerklärung, Prämienbeantwortung), der Erfüllungstag jener, der den daran schließenden Vollzug von Leistung für Gegenleistung anhebt. Der Ausübungstag kann dem Erfüllungstag durchaus einige wenige Tage voraufgehen.]

[** Neben den einfachen, hier beschriebenen Allerweltsoptionen ("plain vanilla options") trifft man an den Optionsmärkten des Weiteren auf sogenannte Exotische Optionen ("exotic options"), die durch allerlei zusätzliche Merkmale glänzen. Hierzu zählen, um nur eine herauszugreifen, "Bermuda Optionen". Dieserart Optionen kennzeichnen sich dadurch, dass sie gleich über mehrere fixierte Ausübungstage verfügen, die in gewissen Zeitabschnitten voneinander abstehen. Ferner finden sich noch eine Reihe anderer Exotische Optionen vor, vertreten durch Gebilde der Namen Barrier-Option, Asiatische Option, Russische Option, Lookback-Option, Chooser Option, Range Option und Cliquet. Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich außerdem sogenannte "Binäre Optionen", die gleichermaßen unter die Exotischen Optionen fallen.]

Der Leser beachte wohl, dass jede Option ihrem Ersteher nichts als das bloße Recht auf den Bezug ( = Kaufoption) bzw. die Veräußerung ( = Verkaufsoption) des in Rede stehenden Basisgutes gewährt. Ja, ihr ganzes Wesen liegt in ihrer Bedeutung als Recht auf ein solches Anrecht: nämlich das Recht zu wählen. Mit diesem Wahlrecht hält sich der Optionsbefugte für eine gewisse Spanne Zeit die Möglichkeit offen, das fragliche Wirtschaftsgut zu dem ausgemachten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Das Recht, wie ein Optionsrecht als solches es ist, muss der Wahlberechtigte indessen nicht beanspruchen. Der Optionsinhaber kann und darf sich also auch die Freiheit nehmen, sein Recht aus der Option ungenützt vergehen zu lassen und von dem Geschäft zurückzutreten, zu abandonnieren. Dieses Merkmal macht den grundlegenden Unterschied von Optionen zu den unbedingten Termingeschäften ("symmetrisches Termingeschäft"; "unconditional forward transaction") aus, zumal zu der Klasse der Futures und Forwards. Mit den letzterwähnten Geschäften verpflichten sich die kontrahierenden Parteien rechtswirksam, sofern ein befreiendes Gegengeschäft vorher ausbleibt, den zugrunde liegenden Wert zum Fälligkeitstermin zu kaufen (als Terminkäufer, Long) resp. zu verkaufen (als Terminverkäufer, Short). Optionsgeschäfte hinwieder zählt man wegen ihrer Bedingtheit aufseiten nur einer Vertragspartei vom Rechtsstandpunkt deshalb schulmäßig zu den einseitig verpflichtenden "bedingten Termingeschäften" (Prämiengeschäften; "conditional", "contingent claims"); Futuresgeschäfte und Forwards sind hiergegen den zweiseitig verpflichtenden "unbedingten (fixen) Termingeschäften" beizurechnen.

Rechte und Pflichten sind beim Optionsgeschäft sichtlich höchst asymmetrisch verteilt. Die Rechte aus einer Option liegen ganz einseitig allesamt auf Seite des Prämiengebers. Nur er ist der Wähler. Es gilt dies ungeschmälert auch von den Hauptpflichten aus einem solchen, die ebenso ungleichseitig verteilt ausnahmslos allein aufseiten des stillhaltenden Prämienziehers gelegen sind. Insoweit kommt eine Option einem einseitig verpflichtenden Vertrag gleich (contractus unilateralis). Der Verkäufer einer Option übernimmt mit dem offenen Verkauf derselben ("option writing") grundsätzlich die Verpflichtung, während der Andauer der Optionsfrist bezw. nur an deren Ende auf Verlangen des Käufers der Option der Leistungsübergabe nach Maßgabe der Optionsbedingungen uneingeschränkt nachzukommen. Im Gegensatz zum Optionsbefugten, der sein Optionsrecht gegen Entgelt erworben hat (Käufer der Option) und der das Recht bei Geneigtheit geltend machen kann, ist der Prämienzieher (Verkäufer, Stillhalter) der Option mithin zur Passivität verurteilt. Ihm ist nach Optieren des berechtigten Optionskäufers die Verpflichtung auferlegt, den Optionsinhalt in vollem Umfang sachlich zu erfüllen (Asymmetrie von Rechten und Verpflichtungen). Er kann gegen die Geltendmachung des Optionsrechtes nichts einwenden. Er hat keine Wahl, er muss sich unter dieser Bedingung der Willenserklärung des Optionsinhabers fügen (resolutive Potestativbedingung).*

[* Aus leicht begreiflichen Gründen trägt bei allen individuell ausgemachten Optionen das Ausfallrisiko (Gegenparteienrisiko, "counterparty risk", "credit risk") grundsätzlich jeder einzelne Optionshalter selbst. Bei den börsenmäßig abgewickelten Optionsgeschäften dahingegen geht selbes gleichzeitig mit dem Geschäftsabschluss von allein auf das eingeschaltete Clearinghaus über.]

Da nun der Halter einer "Amerikanischen Option" den Zeitpunkt der Ausübung ("exercising") frei wählen kann, muss der Stillhalter während der gesamten Optionsfrist, sofern überhaupt andienungsfähig, in jedem Augenblick auf eine gegenständliche Auslieferung bzw. Übernahme und Bezahlung des Basiswertes vorbereitet sein. Für "European style"-Optionen gilt dies sinngemäß nur für den Stichtag, an dem allein ihre materielle Verwertung möglich wird. Ein anderes ist es mit dem Fall unanbringlicher Marktgegenstände. Sämtliche der aus Marktwertänderungen von Optionsgeschäften solcher Art herrührende Gewinn- und Verlustsalden, denen der Gattung nach abstrakte oder nicht lieferbare (oder nicht lieferwürdige) Basiswerte unterlegt sind, wie z.B. Indices, Zinssätze, Volatilitäten usw., sind statt dessen gegen bare Zahlung auszugleichen ("cash settlement"). Durch einen regelrechten Barausgleich sind beide Seiten eines Optionsgeschäftes finanziell gleichgestellt, falls ein Vollzug durch dingliche Übertragung des Basiswertes ("physical settlement") wahrhaftig vorgenommen worden wäre (Wertäquivalenz). Sowie der Inhaber einer landläufigen "Amerikanischen" Option für deren Auslösung optiert, gleichviel ob während der Andauer ("early exercise") oder am Schluss ihrer Laufzeit, hat er mit diesem Akt seinen Anspruch aus ihr ein für alle Mal durchgesetzt und kann ihn darum fortan kein zweites Mal mehr geltend machen. Mit Beanspruchung des Rechtes wird die Option in sich hinfällig, ihr Recht ist hernach rettungslos verwirkt. Verzichtet der Optionsinhaber bis zum Ende auf Ausübung seiner Option, so erlischt das Recht aus ihr von selbst mit Erreichen ihres Verfalltages.

Eine Option hat für ihren Halter Wert, weil sie ihm ein Recht bewilligt, dem keinerlei übernommene Verpflichtung wechselseitig gegenübersteht. Das Recht liegt in der Voranwartschaft, zum Ausübungspreis ("strike price") kaufen (Call) resp. verkaufen (Put) zu dürfen, selbst wenn sich dieser gegenüber dem vom betreffenden Markt hergenommenen Tagespreis günstiger stellt, andererseits aber zurückhalten und vom Kauf bzw. Verkauf Abstand nehmen zu dürfen, falls der Tagespreis für ihn ein vorteilhafter ist. Für den Halter der Option liegt die äußerste Gefahr darin, die verausgabte Optionsprämie ganz einzubüßen. Das Optionsgeschäft für sich genommen ist daher für ihn von vornherein ein Geschäft mit begrenztem Risiko.

Das hier angesprochene Recht des Optionskäufers birgt für den Verkäufer der Option, dem Optionsverpflichteten, seinerseits wieder ein gewisses Risiko. Dieses Risiko wird dem eben Bemerkten gemäß immer dann schlagend, wenn, wie in dem ersten Falle einer Kaufoption (Call), der Halter der Option erklärt, sie ausüben zu wollen und damit dem Stillhalter das Basisobjekt zum Basispreis abfordert, während sich der betreffende Marktgegenstand zu gleicher Zeit im Effektivmarkt zu höheren Preisen umsetzt; oder umgekehrt in dem zweiten Fall einer Verkaufsoption (Put), wenn ihr Inhaber von seinem Optionsrecht Gebrauch macht und den Basiswert zum Basispreis abgibt, während der betreffende Marktgegenstand im Effektivmarkt billiger zu haben ist. Im einen wie im anderen Fall wird der Stillhalter eine Vermögensschädigung erleiden, deren Belauf stets dem absoluten Unterschied zwischen dem laufenden Marktpreis des Underlying und dem angehenden Ausübungspreis gleichkommt. Diese Eventualität gibt dem Stillhalter Anlass, für den Abschluss eines Optionsgeschäfts einen Preis in Form einer Optionsprämie zu beanspruchen, in deren Vereinnahmung sein zu tragendes Risiko endlich eine angemessene Vergütung findet. Die erste Aufgabe der Optionspreistheorie ist es, zweckentsprechende Optionsbewertungsmodelle aufzustellen, die es gestatten, unter einem gesetzten Bedingungsrahmen für jeden Moment der Laufzeit den "fairen" und angemessenen Geldwert ("fair value") für die Prämie einer Option herzuleiten.

Aus dem oben Gesagten ergeben sich sachlich und logisch vier Grundpositionen des Optionsgeschäftes:

1.) Kauf einer Kaufoption ("Long-Call"): Käufer zahlt die Optionsprämie und erwirbt damit das Recht, den Basiswert zu kaufen (aktive Position, "Prämie auf Nehmen"). Der Käufer eines Call setzt auf steigende Kurse.

2.) Kauf einer Verkaufsoption ("Long-Put"): Käufer zahlt die Optionsprämie und erwirbt damit das Recht, den Basiswert zu verkaufen (aktive Position, "Prämie auf Geben"). Der Käufer eines Put setzt auf fallende Kurse.

3.) Verkauf einer Kaufoption ("Short-Call"): Stillhalter erhält Optionsprämie und muss bei Ausübung den Basiswert zum Ausübungspreis liefern (passive Position). Der Verkäufer eines Call rechnet auf einen sich gleichbleibenden Kursstand oder aufs Kursfallen.

4.) Verkauf einer Verkaufsoption ("Short-Put"): Stillhalter erhält Optionsprämie und muss bei Ausübung den Basiswert abnehmen und den Kaufpreis in Höhe des Ausübungspreises bezahlen (passive Position). Der Verkäufer eines Put rechnet auf einen sich gleichbleibenden Kursstand oder aufs Kurssteigen.

 

Aufzählung

1. Beispiel: Kaufoption

Versetzen wir uns in die Lage eines Optionskäufers, der einen Optionskontrakt "Europäischer Kaufoptionen" auf 100 XYZ-Aktien abgeschlossen hat ("long call"). Der Optionskontrakt möge einen Ausübungspreis von 100€ haben. Angenommen, der gegenwärtige Aktienkurs der XYZ-Aktie liege bei 98€, das Verfallsdatum des Kontrakts sei in zwei Monaten erreicht und die Optionsprämie betrage 5€ für je 1 Aktie (Hinweis: Die an den Börsen notierten Aktienoptionen umfassen stets einen ganz bestimmten Mindestschluss als Standardschlusseinheit eines Optionskontraktes ("option contract"), zumeist von 100 Aktienoptionen, wie auch in unserem Beispiel für den Kontrakt vorausgesetzt sei.). Bei angenommen 100 Aktienoptionen per Kontrakt ergibt sich demgemäß eine besonders berechnete Gesamtprämie ("total premium") von 500€ für den Optionskontrakt. Durch den Kauf eines Kontrakts von Call-Optionen erwirbt der Käufer das Recht, in zwei Monaten 100 XYZ-Aktien für 100€ pro Aktie erstehen zu können, ungeachtet der zwischenzeitlichen Kursentwicklung und ganz gleich wie der Börsenkurs der Aktie zum Ausübungszeitpunkt notiert. Da ein Aktienkurs, wie man weiß, keine obere Schranke kennt, sind die Gewinnaussichten für den Halter einer Call-Option unbegrenzt, während das Verlustrisiko sich auf die hergegebene Optionsprämie beschränkt. Die Optionsprämie ist in der üblichen Weise sogleich mit Zustandekommen des Optionskontakts an den Optionsverkäufer zu entrichten. Dieser darf die eingestrichene Prämie behalten, gleichviel ob der Optionskäufer seine Option nachher ausübt oder nicht.

Da es sich bei dem infrage stehenden Optionsgeschäft um einen Kontrakt "Europäische Stils" dreht, darf der Optionshalter allein am Verfalltage von seinem Ausübungsrecht Gebrauch machen. Sollte der Aktienkurs der XYZ-Aktie sich zu diesem Zeitpunkt unter 100€ stellen, wird er freilich von einer Ausübung seines Optionsrechtes absehen. Es wäre unsinnig und unvernünftig, eine Aktie, die einen Marktwert von weniger als 100€ hat, mittels eines Optionsrechtes trotzdem für 100€ zu kaufen. Bei diesem Hergang verliert der Optionshändler seinen ursprünglichen Investitionsbetrag von 500€ vollständig, der Kontrakt verfällt mithin wertlos.

Gesetzt nun, der Aktienkurs liege am Verfalltage über 100€, sagen wir, er habe sich zur Verfallzeit auf 115€ festgesetzt, so wird der Halter nicht anstehen, seine Option auszuüben. Durch Ausübung seiner Option ist der Optionsinhaber nunmehr in der glücklichen Lage, sich 100 Aktien im Werte von 115€ je Stück zu einem Stückpreis von 100€ in sein Vermögen zu rechnen. Wollte unser Optionshändler seine Aktien zum herrschenden Kurs an der Börse sogleich wieder losschlagen, so ließe sich damit ein barer Sofortgewinn von 15€ je Aktie erzielen, was zusammengerechnet also 1500€ erbringt – von Transaktionskosten, wie Brokergebühren usw., abgesehen. Werden die ursprünglichen Kosten des Optionskaufs (mit Vernachlässigung von Zinseffekten) in den Kalkül einbezogen, so trägt das Optionsgeschäft im Ergebnis hier einen Reingewinn vor Transaktionskosten und Steuern ("profit", "net payoff") von 10€ je Option bzw. 1000€ insgesamt ein. Gescheiterweise wird der Inhaber einer Kaufoption nur dann gewillt sein, diese auszulösen, wenn der Preis des Basisobjektes über dem Ausübungspreis liegt. Hieraus ergibt sich der Satz: Der Käufer einer Kaufoption (Long-Call), der diese aus spekulativen Gründen hält, hofft und erwartet, dass der Kurs des Underlying noch im Lauf der Optionsfrist steigt (Spekulation à la hausse). Anders liegen die Dinge im Falle einer Verkaufsoption. Hier gilt: Der Käufer einer Verkaufsoption (Long-Put) erhofft sich bald fallende Kurse im Underlying (Spekulation à la baisse), wie am nachstehenden Beispiel klar gemacht.

 

Aufzählung

2. Beispiel: Verkaufsoption

Greifen wir hierzu den Illustrationsfall eines Händlers (Trader) auf, der aus dem Spekulationsmotiv Verkaufsoptionen europäischen Stils auf Aktien kauft. Je ein Optionskontrakt mag wieder 100 ABCD-Aktien umfassen. Der Ausübungspreis betrage 70€, der Aktienkurs der ABCD-Aktie möge gegenwärtig bei 75€ liegen, der Verfallstermin der Option sei in drei Monaten und die Optionsprämie betrage 7€ pro Aktienoption. Da es sich hierbei um einen Optionskontrakt europäischer Spielart handelt, kann das Optionsrecht nur zum Verfallsdatum zur Ausübung gebracht werden. Es wird ausgelöst werden, wenn sich der Aktienkurs der ABCD-Aktie an diesem Tage unter 70€ (dem Ausübungspreis) feststellt.

Nehmen wir an, drei Monate später habe sich der Aktienkurs der ABCD-Aktie auf 50 € gestellt. Der Optionshalter wird nun 100 Aktien zu 50 € je Stück an der Börse kaufen und in gleichem Zuge das Recht aus seiner Verkaufsoption geltend machen. Er wird die soeben erstandenen Aktien zu 70 € das Stück an den Stillhalter gleich wieder verkaufen. Aus dieser Transaktion kann er einen Sofortgewinn von 20€ je Aktie ziehen. Bei einem Kontraktumfang von 100 Aktien für den Optionskontrakt erlangt er also einen Gewinn von zusammen 2000€. Direkte und indirekte Transaktionskosten mögen hierbei wieder ausgeklammert bleiben. Unter Einbeziehung der ursprünglichen Kosten des Optionskaufs beträgt der Reingewinn unseres Optionshändlers folglich 13€ je Aktie, oder 1300€ insgesamt.*

[* Von Zinseffekten mit Rücksicht auf die unterschiedliche Zeit des Anfalls von Zahlungen wurde hier ebenfalls abgesehen.]

Steht dagegen der Aktienkurs am Verfalltage über 70 €, so wird der Optionskäufer von der Beanspruchung seines Optionsrechtes absehen, wonach seine Verkaufsoption wertlos verfällt. Der Optionsinhaber muss sich sonach einen Verlust des ursprünglich für die Optionsprämie ausgelegten Barbetrages von 7 € und für den ganzen Kontrakt von 700 € gefallen lassen. Einen darüber hinausgehenden Verlust hat er nicht zu besorgen, da die größtmögliche Verlusthöhe eines Optionskäufers, wie wir wissen, schon vom Anfang an auf die zum Erwerb der Option ausgegebene Optionsprämie beschränkt ist. In der Sache wird der Inhaber einer Verkaufsoption diese nur dann auslösen wollen, wenn der Preis des Grundobjektes unter dem des Ausübungspreises zurückbleibt.

Wie das erste Fallbeispiel einer Kaufoption (Call) deutlich macht, zahlt der Käufer der Kaufoption (Long) am Tage ihrer Ausstellung 500€ an den Verkäufer der Kaufoption (Short). Damit erwirbt der Käufer das Recht, am Fälligkeitstage der Option 100 XYZ-Aktien für 100€ das Stück zu kaufen oder aber das Recht aus der Option ungenutzt verfallen zu lassen. Im zweiten Falle einer Verkaufsoption (Put) zahlt der Käufer der Verkaufsoption dem Stillhalter 700 € für das Recht, ihm am Fälligkeitstage 100 ABCD-Aktien zu verkaufen oder das Recht wieder verfallen zu lassen. Beide Mal gleicht der Vermögensgewinn des einen (Transaktionskosten und Nutzenaspekten abgerechnet) dem Vermögensverlust des anderen. Aus diesem Grunde pflegt man in diesem Stück oft und gerne von einem Nullsummenspiel ("zero-sum game") zu sprechen.

Im Folgenden seien Optionen einer Marktwertbetrachtung unterzogen. Der Marktwert einer Option schwankt c.p. immerfort und unablässig mit dem Marktwert ihres Underlying. Demgemäß zerfällt der Marktwert ("market value"; Verkehrswert) einer Option zu jedem gegebenen Betrachtungszeitpunkt in zwei Teile: 1.) in den inneren Wert ("intrinsic value", "parity value", "exercise value") und, falls vorhanden, 2.) in den Zeitwert ("time value", "speculative value"). Der innere Wert einer Option ist der Wert, der dem Optionskäufer nach ihrer Auslösung rein verbleibt, d.h. die Summe Geldes, die er behält, wenn er seine Option ausübt. Wenn er den Gegenwert wirklich in bar benötig, wird er zu gleicher Zeit im Effektivmarkt das Basisobjekt gegen Kassa zum herrschenden Marktpreis umsetzen. Der innere Wert einer Option kommt sonach stets ihrem Ausübungswert ("exercise value") gleich. Er ist der kleinstmögliche (positive) Wert, den eine (Amerikanische) Option annehmen kann. Getreu dem obigen Beispiel ad 1 etwa konnte der Optionsinhaber durch Ausübung seiner Kaufoption eine Gesamtheit von hundert Aktien zum Basispreis von 100€ je Stück erstehen und diese praktisch gleichzeitig zu einem Kurswert von 115€ auf dem Kassamarkt wieder losschlagen. Der Unterschied im Preise von 15€ liefert den inneren Wert des Calls auf je eine Aktie. Ihr am Markt zu lösender Geldwert ("payoff", "exercise value") ist hiernach ein positiver.

Demgemäß lässt sich die folgende Regel aufstellen: Der innere Wert einer erworbenen Kaufoption (Call) entspricht, falls größer als null, dem Unterschied "Preis des Underlying minus Basispreis", sonst null. Der innere Wert einer (amerikanischen)Verkaufsoption (Put) entspricht, falls größer als null, der Differenz "Basispreis minus Preis des Underlying", sonst null. Man sagt von einer Option, die positiven inneren Wert hat, sie liegt "im Geld" ("in-the-money" ITM). Genauer formuliert: Der innere Wert einer Option beläuft sich auf den Kopf genau auf denjenigen Betrag, mit dem sie im Geld liegt. Wie leicht einzusehen, wird niemand bereit sein, eine erkaufte Option, die "im Geld ist", unter ihrem inneren Wert wieder herzugeben. Desgleichen wird eine Option nirgends und niemals einen negativen Marktwert annehmen; denn niemand ist dazu verbunden noch würde sich irgendeiner, wenn er nicht töricht ist, aus freien Stücken dazu verstehen, seine Option auszuüben, falls ihm das einen sofortigen Verlust bescherte, den er sonst nicht hätte. Denn genau darin liegt ja der Wesenskern einer jeden Option: nämlich in dem Recht zu wählen. Kurzum, der innere Wert einer Option kann äußerstenfalls auf Null herabsinken, die Option ihren Ausübungswert damit vollständig einbüßen.

Darüber hinaus gibt es Optionen, die zwar einen Marktwert, aber keinen inneren Wert haben. Derartige Optionen werden mit dem Sprachkürzel "aus dem Geld" ("out-of-the-money" OTM) liegend umschrieben. Eine Kaufoption (Call) ist "aus dem Geld", wenn und insoweit der Marktpreis ihres Underlyings niedriger steht als ihr "exercise price". Eine Verkaufsoption (Put) wieder ist aus dem Geld, wenn und insoweit ihr "exercise price" unter dem Marktpreis ihres Underlyings zurückbleibt. Eine Option, die "aus dem Geld" ist, hat keinen inneren Wert. Ist eine Option endlich weder aus noch im Geld, liegen also ihr Basispreis und ihr Marktpreis zum Mindesten fast genau auf einer Höhe, so befindet sich die letzterwähnte Option "am Geld" ("at the money" ATM, "pari"). Sie ist damit gewissermaßen auf der Schneide zwischen "im Geld" und "aus dem Geld". Das Konzept, dass das Verhältnis von Ausübungspreis und herrschendem Marktpreis des Basiswertes einer Option erfasst, wird gemäß der englisch-amerikanischen Lehre allgemein mit dem Ausdruck "moneyness" benannt.

Das soeben Gesagte auf den kürzesten Ausdruck gebracht ergibt:

Marktwert einer Option (Prämie) = innerer Wert + Zeitwert    .

Bezeichnet X den Ausübungspreis ("exercise price") einer Option und St den zum Zeitpunkt t herrschenden Marktpreis ihres Basisobjektes, so erhält man, in abkürzender formeller Schreibweise, den in der folgenden tabellarischen Übersicht dargestellten Zusammenhang:

"Moneyness" CALL PUT
 Im Geld St > X St < X
 Am Geld St = X St = X
 Aus dem Geld St < X St > X

Da nun, wie eingangs geschildert, sich der Wert einer Option zusammensetzt aus dem innerem Wert und dem Zeitwert, ergibt sich daraus folgender logisch zwingender Schluss: Eine Option hat einen Zeitwert, der gleichkommt der Differenz aus der Optionsprämie und dem inneren Wert der Option; oder in förmlicher Schreibweise ausgedrückt: Zeitwert = Marktwertinnerer Wert.

Das Ausmaß des Zeitwertes einer Option wird vom Stand zweier mitwirkender Momente ganz wesentlichen bestimmt: einesteils von der verbleibenden Restlaufzeit der Option, andernteils von der voraussichtlichen Volatilität im Markt ihres Bezugsobjekts, d.i. dasjenige Preis-Schwankungspotenzial, das ihrem Basisgegenstand während der Frist bis zu ihrem Verfall vom Markt implizite beigelegt wird. Wie die Praxis der Optionsgeschäfte erweist, führt eine erhöhte (implizite) Volatilität auf dem nämlichen Markt, unter sonst gleichen Umständen, zu einem sich hebenden Zeitwert der Option; und umgekehrt. Dieser Befund findet seine Begründung in dem unmittelbar einleuchtenden Satz: Der Wert einer Option erhöht sich in dem Maße, als die Wahrscheinlichkeit dafür emporsteigt, dass diese während der verbleibenden Laufzeit ins Geld rückt resp. ihren bereits vorliegenden inneren Wert mehr und mehr ausbaut. Zwar hängt grundsätzlich an jeder Option, während sie andauert, durchweg auch die Gefahr einer Werteinbuße (bis hin zum gänzlichen Verfall der Prämie); doch wird in Ansehung des asymmetrischen Gewinn-/Verlust-Profils von Optionen eine solche Eventualität aus Sicht des Optionshalters in seiner subjektiven Wertschätzung regelmäßig hinter dem Vorteil einer in Aussicht stehenden weit ausgedehnten Gewinnspanne zurückbleiben. Mit zunehmendem Zeitverfluss und Herannahen des Verfalltermins an die Gegenwart wird ganz analog der Zeitwert der Option aus eben demselben Grunde nachgerade (indes in der Zeit überproportional) abschmelzen ("wasting asset"). Alles andere als unverändert vorausgesetzt erreicht eine Option ihren verhältnismäßig höchsten Zeitwert in jeder gegebenen Marktlage im Normalfall dann, wenn sie "am Geld" ("at-the-money") liegt. Eine Option, die am oder aus dem Geld liegt, leitet ihren Wert demzufolge, wie leicht zu durchblicken, allein aus ihrem Zeitwert her. Eine Option kann aus naheliegenden Gründen nur vor Erreichen ihres Verfalltermins einen Zeitwert gewähren; bei Eintritt des Verfalls wird er sich mit innerer Notwendigkeit immerfort auf null stellen. Der Wert der Option kommt hiernach ihrem inneren Wert gleich ("parity").

Es erhebt sich nun nach alledem die theoretische Frage, wovon der Wert einer Option abhängt? – Offenbar von sechs verschiedenen Gestaltungsgrößen: 1.) vom präsenten Preis ihres Basisobjekts, 2.) vom Ausübungspreis, 3.) von der Restlaufzeit, 4.) vom Marktzinsfuß für sichere Geldanlagen, berechnet auf die Laufzeit, 5.) von den Erträgnissen des Basisobjekts (z.B. den Dividenden), die während der Laufdauer anfallen, sowie 6.) von der mutmaßlichen künftigen Breite und Kraft der Preisschwankungen des Basisobjekts, d.i. die voraussichtliche Volatilität desselben. Bis auf den letztgenannten, die Volatilität, sind sämtliche der aufgezählten Parameter bei der Optionspreiskalkulation mehr oder weniger bestimmt gegebene Elemente. Auf alle diese Größen baut das weithin bekannte Black-Scholes-Merton-Modell auf, das zur Bestimmung des theoretischen Optionspreises erschaffen wurde. Die bestimmt gegebenen Elemente in die Modellformel eingesetzt und nach der unbekannten Größe der Volatilität aufgelöst, ergibt die sogenannte "Implizite Volatilität", auf die hier abgestellt wird. Augenfällig ist, dass die sonst bedeutende "erwartete Rendite" des Basisgegenstandes bei der Optionspreisberechnung keine Rolle spielt.

Abschließend seien noch einige Begriffe aus der Optionsterminologie näher erläutert, die bei der praktischen Anwendung von Optionen häufig auftauchen:

Als Klasse einer Option ("option class") werden alle Optionen übereinstimmenden Typs und Stils – also beispielsweise "alle Amerikanischen Kaufoptionen", oder auch "alle Europäischen Verkaufsoptionen" – auf ein und denselben infrage stehenden Basiswert (z.B. auf ABCD-Aktien oder auf den DAX®) benannt. Demnach gehören alle Amerikanischen Kaufoptionen auf die ABCD-Aktie zu einer Klasse, wohingegen alle Amerikanischen Verkaufsoptionen auf die ABCD-Aktie zu einer anderen Klasse gehören.

Innerhalb jeder Klasse bilden alle Optionen mit dem gleichen Verfallsdaten eine eigene Laufzeit-Klasse ("maturity class"), beispielshalber alle Amerikanischen Kaufoptionen auf die ABCD-Aktie, die auf den kommenden Juli-Termin befristet sind.

Als Optionsserie ("option series") bezeichnet man alle Optionen, die innerhalb einer Laufzeit-Klasse den gleichen Ausübungskurs aufweisen. Alle Europäischen Verkaufsoptionen auf die XYZA-Aktie mit Verfallsdatum im kommenden Juli und einen Ausübungskurs von 10 € gehörten demnach zu ein und derselben Optionsserie.

Optionen lassen sich des Weiteren danach auseinanderhalten, ob sie an hoch organisierten Märkten (Börsen) notiert und gehandelt werden oder ob sie das Ergebnis direkter individueller Vertragsabstimmungen zweier rechtlich gleichgestellter Vertragspartner sind. Im ersten Fall spricht man von "exchange traded options", im zweiten Fall von "over-the-counter-options" (OTC) oder "dealer options". Während der Majoritätsfall der am Sekundärmarkt Börse gelisteten Optionen vom Typ "American style" ist, geben OTC-Optionen ein weitaus gemischteres Verhältnis zu erkennen.

 

 

 

 

 

Weitere Informationen zum Thema Optionen:

 

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"Die größtmögliche Steigerung von Genüssen durch die größtmögliche Minderung von Ausgaben erlangen,
das ist das ökonomische Verhalten in seiner Vollkommenheit."
François Quesnay (1694-1774), Leibarzt der Pompadour

 

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2016 Bert H. Deiters
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Stand: 13. Mai 2016. Alle Rechte vorbehalten.