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Volatilität (abgeleitet
von ital. volare »fliegen; Flatterhaftigkeit, Beweglichkeit«)
ist ein in der Finanzwirtschaft geläufiges Maß für das einer marktmäßig
gehandelten Geldanlageform anhaftende (aggregierte) Gesamtrisiko.
Das hiermit angesprochene finanzielle Gesamtrisiko einer Kapitalanlage
erfüllt sich in der für möglich und denkbar gehaltenen künftigen Schwankungsbreite
(Streuung, Variabilität) ihrer Zielgröße (Kurs, Preis, Wert, Rendite)
um deren erwarteten Mittelwert, dem Schwankungszentrum. Je breiter die
Streuung der Zielgröße um diesen Referenzwert sich verteilt, desto höher
liegt die Volatilität, und umso risikoreicher erscheint damit die Investition
als Ertragsquelle. Andrerseits gilt: Der Grad der Gewissheit, dass genau
jenes (Kurs-, Preis-, Wert-, Rendite- etc.) Niveau sich tatsächlich
einspielt, auf das man mit vernünftigem Grund rechnen kann, erhöht sich
ist dem Maße, als die Streuung um den Referenzwert der Zielgröße sich
enger stellt. Oder mit einem Wort: je schmaler die Streubreite, desto
sicherer und zuverlässiger wird die Investition.
Ein
Markt wird als volatil bezeichnet, wenn die auf ihm hervorgebrachten
Preise nicht unbeträchtlich variieren.* Das Investieren in volatilen
Märkten kommt damit von selbst einer gewagten, "unsicheren" Kapitalsanlage
gleich. Genau besehen umschreibt die Volatilität – in der Wirtschaftspraxis
vorzugsweise jene von kurshabenden Wertpapieren
(= Kursvolatilität) – die Häufigkeit
und Stärke der Preisausschläge in der Richtung nach aufwärts wie nach
abwärts. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. So ist es ein elementarer
Erfahrungssachverhalt, dass die Verteilung der Börsenpreise von Aktien
in bewegten, schwunghaften Zeiten heftiger schwankt als in geordneten,
und die Preise der letzteren Klasse der Geldanlage im Ganzen für gewöhnlich
wieder weit stärkeren und rascheren Variationen ausgesetzt sind als
man es unter regelmäßigen Verhältnissen bei den Preisen der festverzinslichen
Wertpapiere ("Bonds") beobachten kann. Gleichviel nun, welche Art von
Wertpapier in Frage steht: Der Natur der Sache nach wird die Volatilität
anwachsen bei plötzlich auftretenden Preiserschütterungen, sie wird
abflauen bei einer Beruhigung der Marktlage.
[* Der Markt befindet
sich damit gewissermaßen im Zustand einer nervösen Spannung, die sich
vermehrt in unruhigen, hastigen Preisfluktuationen äußert. So nämlich,
wenn die Preiskurve im Zickzack verläuft.]
Im
allgemeinsten, abstraktesten Sinn lässt sich über das Risiko aussagen,
dass sein Inerscheinungtreten das Ergebnis, auf das wir es abgesehen
haben, zweifelhaft macht. Unter dem Risikomoment ist so auch die Erlangung
eines wirtschaftlichen Vorteils in gewisser Hinsicht notorisch unsicher.
Ob ein solcher sich überhaupt einstellt und falls so, wann und in welcher
Größenordnung, lässt sich mit Bestimmtheit nicht voraussehen. Mitunter
liegt sogar die Gefahr ansehnlicher Vermögensverluste ganz nah. Hiernach
dürfte ersichtlich sein, dass das in der Volatilität verwendete Begriffsverständnis
von Risiko* nicht allein negative, sondern auch positive Abweichungen
von der erwarteten Zielgröße ausdrücklich mit umfasst. Eine hohe Volatilität
geht demzufolge einher mit einer großen Wertgefahr, gleichzeitig aber
auch mit einer entsprechend großen Gewinnchance; und umgekehrt. Über
die Richtung selbst sagt sie indessen nichts aus. Gelegentlich begegnet
man im finanzwirtschaftlichen Schrifttum noch einem zweiten, verengerten
Begriffsverständnis von Risiko durch Kapitalüberlassung: Danach bedeutet
Risiko entweder, die ursprünglich ins Auge gefasste Mindestverzinsung
zu verfehlen oder aber schlicht und einfach Verlustgefahr ("downside-risk",
"pure risk"). Die Möglichkeit der Realisierung eines den Erwartungswert
übertreffenden Wertes fällt dafür eigens unter den Begriff der "Chance".
Richtet sich das Augenmerk hinwiederum weniger auf das gesamte, "aggregierte"
Risiko einer Investition für sich allein genommen, sondern vornehmlich
und speziell auf das
marktbezogene Risiko
als besonderen Teil des Gesamtrisikos eines Investitionsobjekts im Rahmen
der Portfolioauswahl, so vermag der Beta-Faktor
den allgemeinen Vorzug vor dem Volatilitätsmaß zu behaupten, da Ersterer
nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Finanzpraxis sich für
diesen Zweck vielfach als die weitaus tauglichere Maßgröße erwiesen
hat.
[* Aus diesem Gesichtspunkt
steht das Moment des Risikos hier im Text im entscheidungstheoretischen
Sinne in Verwendung, nämlich als Ausdruck für eine idealisierte Erscheinungsform
von Unsicherheit.]
Die
Volatilität an sich ist weder eine nützliche oder schädliche noch eine
indifferente Erscheinung. Zwar ist sie als Markttatbestand objektiv
feststellbar; sie ist aber erst an ihren Aufgaben zu bemessen und zu
beurteilen. Sie wird allemal dann von nutzbringendem Einfluss sein,
wenn Informationen über marktrelevante Zeitereignisse mit ihrem Eintreffen
sich getreu und unverzüglich in den Preisen niederschlagen können. Sie
wird jedoch verderblich sein, wenn sie durch entsprechende Informationen
nicht motiviert und ganz ohne innere Berechtigung ist ("noise")*.
Das Amt einer Börse kann es darum auch nicht sein, die Volatilität prinzipiell
an ihrer Entfaltung zu hindern.
[* Letzteres scheint
weniger die Ausnahme als die Regel zu sein. Empirische Studien weisen
darauf hin, dass ein guter Teil der Volatilität nicht durch einen von
außen kommenden Anstoß, sondern durch den Handel selbst erzeugt wird,
da dieser zur eigenen Motivation ein stetes Oszillieren der Preise erfordert.]
Das
Risiko einer kurshabenden Geldanlage lässt sich sowohl nach quantitativen
wie nach qualitativen* Maßstäben messen. Die quantitative Erfassung
des Risikos nimmt ihren Ausgangspunkt anstatt
von absoluten Kursgrößen fast immer von Kursrelationen. Sie greift
dabei vornehmlich auf die Verhältniszahl
Rendite (Gewinn-
oder Profitrate,
Kapitalrente,
interner Zinsfuß, "rate
of return") als die maßgebende Zielgröße des Kalküls zurück.
Die Rendite stellt diejenige Ertragskennzahl dar, welche in Wirtschaftstheorie
und kaufmännischer Praxis die weiteste Verbreitung als Beurteilungsmaßstab
für die Vorteilhaftigkeit (Performance) finanzwirtschaftlicher Maßnahmen
gefunden hat. Die realisierte Rendite (vor Steuern) eines untersuchten
Investitionsobjekts bemisst sich nach dem finanziellen Ergebnis (Vermögenszuwachs/-minderung),
welches das während einer spezifischen Abrechnungsperiode anfänglich
eingesetzte und darin gebundene Eigen- und/oder Fremdkapital hervorgebracht
hat, indem es zur Größe des Letzteren ins Verhältnis gesetzt wird. So
sagt eine Rendite von beispielsweise "10%"
(bzw. "0,1") aus, dass jede anfangs investierte Geldeinheit zum Periodenende
10 Prozent über ihren ursprünglichen Wert hinaus verdient, und sich
damit auf 1,1 Geldeinheiten vermehrt hat
(= Kapitalzuwachs).**
[* Die qualitative
Risikobeurteilung dagegen stellt auf die Bonität ab und umfasst vornehmlich
die Einstufung in verschiedene vordefinierte
Rating-Kategorien durch Ratingagenturen.]
[** Der methodische
Vorzug relativer Veränderungsraten von Kursen
(= Renditen) besteht außer
in der dadurch möglich werdenden direkten Vergleichung von Ergebnissen
selbst von unterschiedlich hohen Investitionssummen insonderheit darin,
dass ihre Verwendung ein konsistentes Arbeiten mit wahrscheinlichkeitstheoretischen
Zufallsgesetzmäßigkeiten erlaubt und diese hierbei zu gefälligen mathematischen
Lösungen führen. Dies gilt nicht am wenigsten von logarithmierten Renditegrößen.]
Grundsätzlich
weist man unter jedem System rationeller Wirtschaftsführung disponible
finanzielle Mittel der Reihe nach in die lukrativsten Verwendungsgelegenheiten
ein. Eine zu beurteilende Investition bringt für sich allein genommen
immer dann einen wirtschaftlichen Vorteil heim, wenn ihre Rendite den
zur Finanzierung veranschlagten Zinsfuß übersteigt (positiver Kapitalwert).
Im Falle der Eigenkapitalfinanzierung wird die maßgebende Zinsrate sich
ausrichten an der nächstbesten alternativen (entgangenen) Rendite innerhalb
der jeweiligen Risikoklasse, die um ihretwillen nicht mehr verwirklicht
werden kann (Opportunitätskostenprinzip). Alle Investitionen,
deren Renditen hinter der in Ansatz gebrachten Zinsrate zurückbleiben,
gelten als unrentabel. Retrospektiv lässt sich die Rendite der Haltezeit
(= Ex-post-Rendite, historische
Rendite) stets exakt ermitteln und entsprechend würdigen; für praktische
Anlageentscheidungen indes ist die prospektive (zukunftsbezogene, d.i.
die voraussichtliche, erwartete Rendite = Ex-ante-Rendite, ausgedrückt
gemeinhin durch den mathematischen "Erwartungswert" der Rendite) maßgebend.
Der methodische Ansatz zur rechnerischen
Ermittlung der historischen (empirischen) Volatilität einer Kapitalanlage
basiert auf der Berechnung der statistischen Standardabweichung
(σ; gr.: kl.
Sigma).
Als Urmaterial dienen ihr üblicherweise Zeitreihen von erfolgten Investitionsrenditen
im untersuchten Markt. Die Standardabweichung σ ihrerseits, welche
man in der Statistik gemeinhin als zentrales Moment 2. Ordnung, allgemein
auch als "Streuung", "Dispersion", "mittlere quadratische Abweichung"
oder "mittlerer Fehler" kennt, stellt sich bekanntlich durch die positiv
genommene Wurzel der Varianz σ2 heraus. Die Standardabweichung
σ misst hiernach die durchschnittliche Abweichung der einzelnen während
einer bestimmten Untersuchungsperiode beobachteten (Tages-, Wochen-,
Monats-, Jahres- usw.) Investitionsrenditen von ihrem Mittelwert (μ;
gr.: kl. My).
Das
für die Beurteilung der vergangenheitsorientierten Wertbewegung genutzte
Prinzip ("performance evaluation") lässt sich vorwärtsschauend
auf erwartete (zukunftsbezogene und damit unsichere, zufällige) Werte
übertragen, sofern man unterstellt, dass vergangene Renditeausprägungen
bestimmend ("indikativ") für zukünftige Renditeentwicklungen sind. Die
Standardabweichung vom Erwartungswert der Rendite steht bei diesem Vorgang
dann stellvertretend als Maß für das Risiko der als bekannt vorausgesetzten
gesamten Wahrscheinlichkeitsverteilung der Renditen einer Investition*.
Wie die praktische Anschauung lehrt, erhöht sich das mutmaßliche Risiko
in dem Grade, als die Renditeerwartungen steigen, und umgekehrt ("risk/return
tradeoff"). Die in der Standardabweichung gemessene Volatilität
eines Kapitalpostens liefert mithin einen praktikablen Anhaltspunkt,
mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein angestrebtes Kursziel erreichen
lässt.
[* Methodologisch
zu prüfen wäre, ob es überhaupt am Platze ist, die Unsicherheit in der
Vorausbestimmung von Börsenkursen auf Standardabweichung und Erwartungswert
einer statistischen Verteilung zu verdichten.]
Gesetzt
den Fall, die Renditeverteilung einer Investition ist an statistische
Regelmäßigkeiten gebunden, wie etwa durch die
Gaußsche Normalverteilung
zum direkten Ausdruck gebracht, so lässt sich das Risiko vollständig
beschreiben. Gehorcht sie Letzterer, so gilt demgemäß: Im Bereich
[μ – 1σ | μ + 1σ] liegen 68,268
% der Renditen, im Bereich [μ – 2σ | μ + 2σ] liegen
95,45 % und im Bereich
[μ – 3σ | μ + 3σ] liegen 99,73
% der Renditen.
[Anmerkung: Statistische
Verteilungen beschreiben Zufallsgesetzmäßigkeiten. Bei der Gaußschen
Normalverteilung ist eklatant, dass die Wahrscheinlichkeit dafür,
dass die tatsächliche Rendite zwischen
+/– einer Standardabweichung
vom Erwartungswert liegt, etwa 2/3 beträgt und infolge davon jeweils
etwa 1/6 dafür, dass sie unterhalb bzw. oberhalb dieses Intervalls liegt.
Diese Aussage hat jedoch ihrer asymmetrischen Gestalt wegen keine Geltung
für logarithmierte Normalverteilungen.]
 |
Beispiel zur Berechnung der Renditen und der historischen Volatilität
einer Aktie:
|
Für die ABCD-Aktie
wurden im abgelaufenen Jahr an der Börse eine Veränderungsreihe folgender
Monatsschlusskurse festgestellt (einschl. Dezember des Vorjahres):
|
Monat |
Dez |
Jan. |
Feb. |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug. |
Sept. |
Okt. |
Nov. |
Dez |
|
Kurs |
100,00 |
108,00 |
113,40 |
111,70 |
116,50 |
117,90 |
110,00 |
105,60 |
109,30 |
105,80 |
102,00 |
107,10 |
114,60 |
a.) Berechnung der
Monatsrenditen der ABCD-Aktie: 1.Schritt:
Angenommen, nach einer
Datenerhebung liege eine Kurssequenz von Monatsschlusskursen der ABCD-Aktie
gemäß der vorstehenden Tabelle als gegeben vor. Es sollen hier nun die
Periodenrenditen für die einzelnen Monate (in unserem Beispielsfall
also jene der Monate Januar bis Dezember) berechnet werden. Dazu wird
der Schlusskurs der jeweiligen Periode durch den Schlusskurs der Vorperiode
dividiert (vgl. in der nachstehenden Tabelle die mittlere Zeile "1 +
Rendite"; engl. "value relative"). Nach Abzug von 1 und Multiplikation
mit 100 erhalten wir im Ergebnis die folgenden 12 Monatsrenditen
(in Prozenten), wie in der letzten Zeile der nachstehenden Tabelle aufgezeigt:
|
Monat |
Dez |
Jan. |
Feb. |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug. |
Sept. |
Okt. |
Nov. |
Dez |
|
Kurs |
100,00 |
108,00 |
113,40 |
111,70 |
116,50 |
117,90 |
110,00 |
105,60 |
109,30 |
105,80 |
102,00 |
107,10 |
114,60 |
|
1+Rendite |
– |
1,080 |
1,050 |
0,985 |
1,043 |
1,012 |
0,933 |
0,960 |
1,035 |
0,968 |
0,964 |
1,050 |
1,070 |
|
Rendite |
– |
8 % |
5% |
–1,5% |
4,3% |
1,2% |
–6,7% |
–4% |
3,5% |
–3,2% |
–3,6% |
5% |
7% |
2.Schritt:
Um bei der Kalkulation
der Volatilität nicht gegen entscheidungstheoretische Plausibilitätsannahmen
zu verstoßen, wird im Schrifttum gefordert, dass dem Investor eine sog.
"quadratische Bernoulli-Nutzenfunktion" zuzuführen sei und/oder
dass die Renditen des Investitionsobjekts normalverteilt sein müssten.
Da logarithmierte (stetige) Aktienrenditen gegenüber einfachen (diskreten)
Renditen eher als normalverteilt angesehen werden können*, werden
in diesem Schritt die Kursverhältnisse aus der Zeile "1 + Rendite"
der obigen Tabelle mit dem natürlichen Logarithmus** logarithmiert.
Als Ergebnis (wiederum multipliziert mit 100) erhalten wir eine Zeitreihe,
wie sie der letzten Zeile der folgenden erweiterten Arbeitstabelle zu
entnehmen ist ("log. Rend.", in Prozenten, gerundet auf zwei
Nachkommastellen).
|
Monat |
Dez |
Jan. |
Feb. |
März |
April |
Mai |
Juni |
Juli |
Aug. |
Sept. |
Okt. |
Nov. |
Dez |
|
Kurs |
100,00 |
108,00 |
113,40 |
111,70 |
116,50 |
117,90 |
110,00 |
105,60 |
109,30 |
105,80 |
102,00 |
107,10 |
114,60 |
|
1+Rendite |
– |
1,080 |
1,050 |
0,985 |
1,043 |
1,012 |
0,933 |
0,960 |
1,035 |
0,968 |
0,964 |
1,050 |
1,070 |
|
Rendite |
– |
8% |
5% |
–1,5% |
4,3% |
1,2% |
–6,7% |
–4% |
3,5% |
–3,2% |
–3,6% |
5% |
7% |
|
log. Rend. |
– |
7,70% |
4,88% |
–1,51% |
4,21% |
1,19% |
–6,94% |
–4,08% |
3,44% |
–3,25% |
–3,67% |
4,88% |
6,77% |
[* Die Annahme
einer logarithmierten Normalverteilung von Aktienrenditen beachtet die
Restriktion, dass der Aktionär niemals mehr Geld verlieren kann als
die Geldsumme ausmacht, die er auf den Kauf seiner Aktien ausgelegt
hat. Als eine für den Finanzpraktiker sich günstig erweisende Eigenschaft
logarithmierter Renditen tritt hinzu, dass mittels Letzteren, zumal
bei Grenzwertuntersuchungen, sich methodisch in konsequenter, folgerichtiger
Weise rechnen lässt.]
[** Der natürliche
Logarithmus hat die Konstante e = 2,71828... als Basis,
dem zugestrebten
Grenzwert der Folge (1+1/n) n, mit n
→ ∞.]
3. Schritt:
Nun wird der arithmetische
Durchschnitt (Mittelwert) μ der vorliegenden 12 logarithmierten Monatsrenditen
ausgerechnet. Das arithmetische Mittel einer gegebenen Anzahl beobachteter
Vergangenheitsrenditen r einer Investition ergibt sich allgemein nach
der Formel:
μ = (1/n) ·
Σ
rt
,
mit
n : Anzahl der der Rechnung zugrunde liegenden Renditen
rt : Rendite der Betrachtungsperiode t (mit t =
1, ..., n) und
Σ : Summensymbol
(gr. Sigma, nach dem achtzehnten
Buchstaben des griechischen Alphabets).
Die modifizierte Formel zur Errechnung
des logarithmierten Mittelwerts (μln)
lautet dann:
μln = (1/n) ·
[Σ ln(1 + rt)]
.
Die Division der Summe der logarithmierten
Monatsrenditen (gerundet, in Prozenten) durch 12 liefert in unserem
Beispiel also den gesuchten Mittelwert μln:
μln = (7,70
+ 4,88 – 1,51 + 4,21 + 1,19 – 6,94 – 4,08 + 3,44
– 3,25 – 3,67 + 4,88 + 6,77) / 12 = 1,135.
Ergebnis: Die
durchschnittliche logarithmische Monatsrendite der ABCD-Aktie beträgt
1,135
%.
b.) Berechnung der Varianz σ2
und der Standardabweichung σ der logarithmierten Renditen:
1. Schritt:
Um Aussagen über das (isolierte) Risiko
der ABCD-Aktie treffen zu können, ist zunächst die Varianz zu berechnen.
Zur Ermittlung der Varianz einer Grundgesamtheit von Werten bedient
man sich allgemein der folgenden Formel:
σ2 = (1/n) · [Σ
(rt –
μ)2]
,
wobei unter der Summe die Einzelausprägungen
der Grundgesamtheit laufen. Die Varianz σ2 ist demnach definiert
als die Summe aus den ins Quadrat erhobenen Abweichungen der Einzelausprägungen
vom Mittelwert geteilt durch die Zahl der Einzelausprägungen.
Wird aus einer Stichprobe ein Schätzwert
für die Varianz einer Grundgesamtheit gesucht, so führt die Statistik
uns vor, dass zum Ausgleich von Stichprobenschätzfehlern der Nenner,
hier: n, um 1 zu vermindern ist, um eine weitgehend erwartungstreue
Schätzung zu erreichen. Eine solche Anpassung ist insbesondere immer
dann vonnöten, wenn – wie hier am Beispiel der ABCD-Aktie vorgeführt
– nur einige wenige Beobachtungswerte vorliegen. Wir erhalten also:
σ2 = [1/(n
–
1)]
· [Σ (rt
– μ)2]
.
Die Varianz wird hier
unter Verwendung des oben errechneten logarithmierten Mittelwertes von
μln = 1,135 bestimmt, indem dieser Wert von den einzelnen
logarithmierten Monatsrenditen subtrahiert und daraufhin quadriert und
aufsummiert wird. Anschließend wird noch durch (n
– 1) geteilt. Die modifizierte Formel lautet
dementsprechend:
σ2 = [1/(n
– 1)] ·
[Σ (ln (1 + rt) –
μln)2]
.
Die Beispielswerte eingesetzt
ergibt die folgende Varianz:
σ2 = [(7,70
– 1,135)2
+ (4,88 – 1,135)2 + (–1,51 – 1,135)2 + (4,21
– 1,135)2 + (1,19 – 1,135)2 + (–6,94 – 1,135)2
+ (–4,08 – 1,135)2 + (3,44 – 1,135)2 + (–3,25
– 1,135)2 + (–3,67 – 1,135)2 + (4,88 – 1,135)2
+ (6,77 – 1,135)2]
/ 11 = 259,39/11 = 23,58.
2. Schritt:
Da die gesuchte historische
Volatilität eines Investitionsobjekts in der Standardabweichung σ gemessen
wird, ist zu ihrer Kalkulation als nächstes die positive Quadratwurzel
aus der oben berechneten Varianz σ2 zu ziehen:
σ =
[(1/(n – 1))
· [Σ (ln (1 + rt)
– μ)2]]½
, bzw.
σ = √23,58 = 4,856
%.
Man beachte wohl, die Standardabweichung σ ist im Gegensatz zur Varianz
σ2 inhaltlich kommensurabel mit ihren Ursprungswerten. Sie
hat insbesondere die gleiche Dimension wie die zu ihrer Berechnung verwendeten
Zahlengrößen, d.i. in unserem
Beispiel also die Dimension Prozent (%).
Hinweis: Die Berechnung der Standardabweichung
(σ) der logarithmierten Renditen einer Aktie kann alternativ zu Schritt
1 und 2 auch nach der Formel
σ = [∑rln2
/ (n–1) – [(∑rln)2
/ n · (n–1)]]1/2
erfolgen, wobei rln die logarithmierten Renditen der Aktie
bezeichnet.
3. Schritt:
Um Renditen einzelner
Investitionen, die über unterschiedlich lange Zeiträume laufen, vergleichbar
zu machen, bedient man sich in der Wirtschaftspraxis aus Gründen der
Zweckmäßigkeit der Annualisierung von Renditen. So ist es bspw. bei
Kreditgeschäften eine Gepflogenheit, nach Prozenten per annum zu rechnen,
bekannt auch unter der Bezeichnung "effektiver Jahreszins" ("annual
rate of return"). Ähnlich verhalten sich die Dinge bei der Vergleichung
von statistischen Standardabweichungen. Die auf ein Jahr bezogene ("hochgerechnete")
Standardabweichung (Jahresvolatilität) ergibt in ihrer Form das gesuchte
Risikomaß, das in die Finanzierungslehre unter der Bezeichnung
Volatilität eines Investitionsobjekts
Eingang gefunden hat.
Das Kursmaterial für
die Volatilitätsberechnung selbst ist hergeholt von einer regelmäßigen
Beobachtung des Kurses der in Untersuchung gezogenen Aktie. Die im Vorausgehenden
angestellte Rechnungsoperation beruht beispielsweise auf Basis einer
monatlichen Kursfeststellung. Ebenso wohl können andere fixe Zeitintervalle
herangezogen werden. Da nun die meisten Finanztitel auf den Märkten
heutzutage täglich umgesetzt werden, dienen einer Volatilitätsberechnung
aus naheliegenden Gründen in aller Regel auch tägliche, auf Schlusskursen
beruhende Kursänderungen zur Grundlage. Gleichviel indes, ob der Rechnung
ursprünglich Tages-, Wochen-, Monats- oder Quartalsschlusskurse und
entsprechende Renditen zugrunde lagen, lassen diese sich auf einfache
Weise in die intendierte Jahresvolatilität transformieren. Dazu wird
ganz einfach die Standardabweichung σ mit der Quadratwurzel aus der
Anzahl der Beobachtungszeiträume multipliziert.
Als allgemeine Formel
für die annualisierte Standardabweichung
(= Volatilität) erhält man
somit:
σann =
σ · √n
.
[Anmerkung: Die Verwendung der
Volatilität als Risikomaß einer Kapitalanlage impliziert sohin, dass
das Risiko einer Investition mit zunehmenden Anlagehorizont nicht linear
(degressiv) zunimmt.]
Ist
die Standardabweichung, wie hier im Fallbeispiel, das Ergebnis monatlicher
Renditen, so hat die Multiplikation der (monatlichen) Standardabweichung
σm demnach mit der Wurzel aus 12 zu erfolgen,
d. h. σm x
√12 = gesuchte historische Volatilität σann
der ABCD-Aktie. Die obigen Werte eingesetzt ergibt:
σann
= σm · √12 = 4,856%
· 3,4641 = 16,8217
% = Volatilität der ABCD-Aktie.
(Gerundet bis auf 4 Stellen
hinter dem Komma.)
Die
Volatilität der ABCD-Aktie fällt für den untersuchten Referenzzeitraum
vergleichsweise gering aus. Aktien als kurshabende Vermögenswerte ("asset
class") haben gewöhnlich Jahresvolatilitäten, die im langfristigen
Durchschnitt zwischen ungefähr 15 und 60%
gelegen sind. Sogenannte Blue Chips dagegen, also Aktien ersten
Ranges, welche z.B. auch im
DAX®
oder im Dow Jones
(DJIA) enthalten sind, weisen je nach Aktiengattung Volatilitäten
zwischen grob 20 und 40% vor.
Demnach lässt sich die hier betrachtete ABCD-Aktie der Kategorie "Defensive
Issue" (Anlagepapier) zuordnen. Aktien des vorgenannten Typs zeigen
sich überwiegend unbeirrt von allgemeinen Wirtschaftszyklen und gehören
meist entweder zu den altbegründeten, soliden Unternehmungen der Nahrungsmittelbranche
oder zu ebensolchen Versorgungsunternehmungen (den sog. "utilities").
Abschließende Anmerkungen: Da das Kalenderjahr aufgrund von Handelspausen
an Wochenenden und Feiertagen je nach Land lediglich über ca. 250 Börsenhandelstage
verfügt und empirische Befunde überdies darauf hindeuten, dass eher
Börsenhandelstage als Kalendertage für die Bestimmung der Volatilität
einer Aktie maßgeblich sind, multipliziert man zur Annualisierung der
Standardabweichung im Falle vorliegender Tagesrenditen mit der
Wurzel aus 250, statt aus 365, d.
h. σann
= σt · √250.
Im
Interesse einer Steigerung des Aussagegehaltes bei der Ausmittlung der
Volatilität einer Aktie empfiehlt es sich, im Falle von Tagesrenditen
den Rechnungsgrößen die letzten 90 bis etwa 180 Handelstage zugrunde
zu legen, bei Monatsrenditen mindestens 36 Monatsrenditen. Zwar steigt
die Genauigkeit einer Schätzung grundsätzlich mit zunehmender Zahl der
in die Berechnung einfließenden Renditen. Da sich indessen der Belauf
der Volatilität erfahrungsgemäß auf die Länge der Zeit ändert*,
und älteren Renditen oftmals wenig oder gar keine Aussagekraft für heute
zu treffende Prognosen und Anlageentscheidungen zukommt, kann die Berücksichtigung
von mehr als zirka 180 Renditen mitunter sogar kontraproduktiv sein.
[* Die Nutzung
der historischen Volatilität ("realized volatility") zur Schätzung
der zukünftigen Volatilität ("future volatility") impliziert,
dass die Volatilität auch in den künftigen Perioden konstant bleibt.
Sog. (G)ARCH-Modelle versuchen in jüngerer Zeit, den zeitlichen
Änderungen der Volatilitäten mit verfeinerten mathematisch-statistischen
Mitteln Rechnung zu tragen. GARCH ist die Abkürzung von "Generalized
Autoregressive Conditional Heteroskedasticy".]
Wenngleich
auch Renditeausprägungen, die einkalkulierte Dividenden- und Bezugsrechtserlöse
umfassen, sich auf einfache Weise in die Bestimmungsformel der Volatilität
einer Aktie einbeziehen lassen, bleiben solche Renditen praktisch zumeist
außer Ansatz. Jene methodische Vorgangsweise ist neben anderem zurückzuführen
auf den Umstand einer von Fall zu Fall unterschiedlichen steuerlichen
Handhabung der einzelnen Ausschüttungserträge aus Aktien im Empfängerkreis
der Investoren.
Für andere häufig genutzte
Zeitintervalle gilt analog:
σann =
σw · √52 für Wochenrenditen,
und σann =
σq · √4 für Quartalsrenditen.
Zur Ausmittlung der Volatilität wird eine Zeitperiode von einer gewissen
Länge herangezogen, die sich für den jeweiligen Zweck am meisten empfiehlt.
Im obigen Beispiel etwa wurde die Volatilität aus Monatsrenditen durch
ein ganzes Jahr berechnet. Die Berechnung der Volatilität ist grundsätzlich
jedoch mit beliebigen Zeitintervallen möglich. Liegen ihr beispielshalber
Tagesrenditen der letzten 30 Handelstage zugrunde, die auf das Jahr
hochgerechnet wurden, so spricht man von einer 30-Tage-Volatilität p.a.
Hier wie auch im Falle einer 250-Tage-Volatilität p.a.
– beide sind in der Wirtschaftspresse besonders häufig anzutreffen
– bedarf es einer Annualisierung nicht mehr, da sie der gesuchten Kennzahl
"historische Volatilität, σann" bereits entsprechen.
Um bei
der Gegenüberstellung von Aktien, die sich sowohl rücksichtlich ihres
Risikos als auch ihrer Renditeerwartungen unterschiedlich zeigen, Aussagen
mit Anspruch auf erhöhte Zuverlässigkeit zu machen, greift man neben
anderen häufig auf ein relativiertes Streuungsmaß zurück: den sog.
Variationskoeffizienten v. Der Variationskoeffizient
v ist definiert als das Verhältnis von Standardabweichung σ zu
Erwartungswert der Rendite μ, d.
h. v = σ/μ. Es beziffert damit
das übernommene Risiko pro Renditeeinheit. Die hier untersuchte
ABCD-Aktie hat demnach einen auf einen Monat bezogenen Variationskoeffizienten
von 4,856 / 1,135 = 4,278.*
[* Es sei darauf
hingewiesen, dass v, ungleich seiner Bestimmungsgrößen, als dimensionslos
zu betrachten ist.]
Der
sachliche Nachteil indes, der dem Variationskoeffizienten v aus
sich anhaftet, beruht auf seiner hohen Reagibilität, besonders, wenn
er sich auf vorliegende Tagesrenditen bzw. auch sonst auf Renditerealisationen
von nur sehr geringer Höhe stützt. Dies macht ihn letztlich für viele
praktische Zwecke nur in eng begrenztem Maße tauglich.
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