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Über Spekulation und Terminmärkte
Wer sein Kapital wagt, will gewinnen. Dies ist eine aus der gewöhnlichen Lebenspraxis allbekannte Tatsache. Es ist jedoch eine ebenso notorische Tatsache, dass Spekulationsgewinne von anderen erst zu erhandeln sind. Mangelnde Kenntnis von der Zukunftslage macht es erforderlich, vor einer Investitionshandlung zuerst einen Akt der Voraussicht zu üben. Im Streben nach Verwirklichung von Spekulationsgewinnen hält der findige Investor üblicherweise Ausschau nach Margen zwischen Kaufpreisober- und Verkaufspreisuntergrenzen von Investitionsobjekten, von denen er annimmt, dass es sich lohnt, diese durch Tätigwerden in den Märkten zu seinen Gunsten geldlich auszuwerten. Für ihn beansprucht die altüberkommene Weisheit Geltung: Kaufe billig und verkaufe teuer!*. Ziel seiner Bemühungen ist es sonach, über die künftige Realisierung erwarteter Markteinschätzungen einen finanziellen Vorteil (mehr Einkommen) zu erlangen. Der schlussendliche Erfolg eines solchen taktischen Bestrebens, sprich: das aus spekulativen Positionierungen in den Spot- bzw. Terminmärkten erzielte finanzielle Ergebnis (der Privatgewinn oder Verlust, vor Steuern), beruht damit jedes Mal auf der verwirklichten Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis einer (meist auf sehr kurze Frist ausgelegten) Investition, bereinigt um allfällige Brokergebühren, Zinsaufwendungen und sonstige Handelskosten. Eine Besonderheit auf diesem Feld verkörpern überdies sog. Spreads sowie vergleichbare kombinierte Positionen, welche die internationalen Zukunftsmärkte darbieten. Von ihrem Gebrauch verspricht und erhofft sich der Spekulant, bei einer sich einspielenden Änderung in der Kursdifferenz zweier oder mehrerer in ihrer äußeren Form zwar ungleichartiger, in einzelnen Ausprägungen ihrer Merkmale immerhin aber ökonomisch ähnlicher Engagements, Nutzen zu ziehen. [* Geschieht dies praktisch gleichzeitig, so handelt es sich hierbei um eine sogenannte Arbitrage. Arbitrage im weiteren Sinne umfasst auch Spekulationen, die zeitliche Preisunterschiede ausnützen.] Im börslichen Terminhandel ist es – anders als z. B. auf dem deutschen Aktienkassamarkt, und daher für den Neuling womöglich gewöhnungsbedürftig – tägliche Übung, in Erwartung nachgebender Kurse anfangs Terminkontrakte (leer) zu verkaufen (= Short), um nach Verstreichen einer erst noch ungewissen Zeit alsdann im rechten Moment einen eindeckenden, das Ergebnis realisierenden Kauf folgen zu lassen ("bearish"-Strategie)*, wie es ebenso gängige Praxis ist, umgekehrt in Erwartung steigender Kursnotizen zuerst den Kauf (= Long) und danach den Verkauf zu tätigen ("bullish"-Strategie). Durch den späteren Abschluss eines Gegengeschäfts im Terminmarkt können Marktakteure jedes bisherige Engagement nahezu jederzeit mit Leichtigkeit wieder beenden, sich dadurch ihres Marktrisikos entledigen und auf diese Weise in einem Atem ihre erwirtschafteten Gewinne verwirklichen resp. auflaufenden Verluste begrenzen**. Vermittels eines regulären Gegengeschäfts solcherart befreien sie sich außerdem endgültig von jeglicher persönlichen Haftung aus dem eingangs begründeten Termingeschäft. Die betreffenden Positionen gelten hiernach immer und notwendig als final geschlossen. Die Reihenfolge selbst, in der Käufe und Verkäufe in den Zukunftsmärkten statthaben, verschlägt infolge davon an dem daraus erzielten finanziellen Ergebnis nichts. Es herrscht insofern vollkommene Gleichrangigkeit in der Verfahrensweise (Vgl. hierzu auch: Wertpapierleihe). Aus diesem Grunde kehrt, wie die Erfahrung sattsam bezeugt, an den Terminmärkten eine tendenziell stärkere Ausgewogenheit zwischen Hausse- und Baissespekulation ein als an den Spot- und Kassamärkten. [* Anmerkung: Da bei Termingeschäften der tatsächliche Vollzug der Vertragserfüllung durch Lieferung, Abnahme und Bezahlung des Handelsgegenstandes erst in der Zukunft ("zum Termin") vorgesehen ist, kann es – auch wenn es für den Fernstehenden im ersten Augenblick paradox klingen mag – durchaus vorkommen, dass der Verkäufer von Terminkontrakten Waren veräußert, die sich zum Zeitpunkt des Handelsschlusses gar nicht in seiner Habe finden, die womöglich erst im Werdezustand sind oder die selbst in der äußeren Form noch gar nicht körperlich zu existieren angefangen haben!] [** Zwingende Voraussetzung hierfür ist jedoch ein richtig funktionierender, liquider Markt, der Gegengeschäfte zu jeder Zeit und dabei zu durchweg fairen Preisen ermöglicht.] Gewinnbringende Spekulationen in und zwischen den Terminmärkten gehen, vorbehaltlich von Zufälligkeiten, zurück auf eine zutreffende Antizipation künftiger Kursentwicklungen. Eine Profit bringende Ausnützung sich darbietender Gewinnchancen wird dabei umso eher gelingen, je frühzeitiger sich vermutete Fehleinschätzungen des Marktes hinsichtlich fundamentaler Werte ("Ungleichgewichtspreise") auffinden lassen. Das In-Erscheinung-Treten derartiger Fehlbeurteilungen seinerseits lässt sich i. d. R zurückführen auf a.) bestehende Marktunvollkommenheiten, b.) die dadurch bedingten und sie bedingenden Unsicherheiten und/oder c.) auf das eingangs angeführte zergliederte Wissen und Können ("asymmetrische Informationen") unter den einzelnen Marktakteuren. Das von Spekulanten in den Zukunftsmärkten tatsächlich an den Tag gelegte Verhalten steht damit aber, bewusst oder unbewusst, in flagrantem Widerspruch mit der von der Finanzierungstheorie aufgestellten These, die besagt, dass der derzeitige Terminkurs als empirische Markterscheinung die bestmögliche Markteinschätzung des künftigen Kassakurses in sich vereint (Konsensuspreis). Nimmt nun ein aufmerksamer Händler eine darauf zugestimmte spekulative Positionierung ein und korrigiert der Markt solche vermeintlichen Fehleinschätzungen über die Kursentwicklung, so erwachsen ihm daraus in gerader Linie die erhofften Spekulationsgewinne. Erweisen sich seine Prognosen dagegen als falsch, drohen aus verfehlten Spekulationen empfindliche Vermögensverluste. Gewinne oder Verluste sind demzufolge das Ergebnis des in Märkten bewerteten Handelns. Dem Erwirtschaften von Gewinnen und Verlusten auf den verschiedenen Handelsplätzen in Rivalität mit anderen und den hierdurch ausgelösten Wissensänderungen unter den teilnehmenden Spekulanten kommt mithin gleichsam die Bedeutung eines qualitativ hochwertigen "Entdeckungsverfahrens" ("price discovery") zu; denn im Trachten nach Gewinnerzielung werden als Parallelerscheinung über publizierte Börsenpreise anderen Marktteilnehmern Informationen vermittelt, wo im Einzelnen vermeintliche Möglichkeiten zur Gewinnerzielung sich darboten bzw. wo Verluste drohten. Die hierdurch angelockten Spekulanten werden alsbald ihrerseits auf der Wettbewerbsebene jede lohnenswert erscheinende Gelegenheit zum eigenen Vorteil zu nutzen suchen, dadurch das Preisgefüge als gemeinwohlfördernde Begleiterscheinung tendenziell nivellieren* und überdies endlich zu einer – hoffentlich – sinnvollen Umverteilung knapper Ressourcen in einer Volkswirtschaft einen Beitrag leisten (wenn dem so geschieht, spricht man von einer "allokationsverbessernden Wirkung" der Spekulation). [* Nicht auszuschließen ist, dass es in angespannten Situationen, zumal bei erkannten Fehlspekulationen, kurzfristig zu Übertreibungen in den Derivatemärkten ("overshooting", "Überschießen") kommen kann. Abgesehen davon darf man in einem ethisch wertenden Lichte nicht von vornherein davon ausgehen, dass starke Preisschwankungen (Volatilität) grundsätzlich verwerflich seien.] Verwirklichte und ausgewiesene Spekulationsgewinne bzw. -verluste erzeugen demnach über die Publizität des Preisgeschehens ein Signal an das übrige Marktpublikum, wo sich erfolgreiche Investitionsgelegenheiten boten bzw. verlustbringende bevorstanden, und aus naheliegenden Gründen auch, wo solche in naher Zukunft denkbar sind. Da aber andererseits das nachhaltige Erzielen von Gewinnen im Wettbewerb umso eher versanden wird, je leichter erfolgreiche Handelstechniken von Rivalen nachzuahmen sind, wird der kundige Spekulant tunlichst darauf achten, einträgliche Investitionen vor anderen zu verbergen. Marktunvollkommenheiten bewirken, dass nicht immer alle Marktsituationen auch zwangsläufig verlässliche Signale abgeben, und so bestimmen häufig einfach die Wechselfälle von Glück oder Pech zu einem guten Teil mit, wem der Gewinn letztlich zufällt. Unzuverlässige Signale wiederum führen isoliert betrachtet zu Fehlurteilen über die Erwartungen anderer Marktteilnehmer, welche die Vernünftigkeit der eigenen Anlageentscheidung zu mindern imstande sind. In letzter Linie hängt der dauerhafte Erfolg spekulativer Engagements jedoch entscheidend von der geistigen Fähigkeit des Disponierenden ab, laufend zutreffende Prognosen über die künftige Marktentwicklung und ihre Folgen zu entwickeln. Ganz gleich, wie man persönlich zu ihnen steht: Spekulierende erfüllen vom wissenschaftlichen Standpunkt eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion. Sie sind nämlich die natürlichen Abnehmer der aus den Händen von Gewerbetreibenden kommenden (nicht diversifizierten) Risiken. Erst die ständige Bereitschaft jener ungleich großen Gruppe von Marktteilnehmern betriebliche Risiken von Produzenten und deren Weiterverarbeitern (d. h. von Hedgern) zu übernehmen, gewährleistet überhaupt kontinuierlich liquide und damit hinreichend wirkungsvolle Märkte zum Nutzen aller. Des Weiteren wird Spekulanten oftmals eine preisstabilisierende, dämpfende Funktion zugeschrieben, die gerade bei überraschend eintreffenden, richtungweisenden Nachrichten über nicht vorhersehbare (nicht eingeplante) Fremdereignisse ("shocks", nicht antizipierte drastische Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld) in Wirkung tritt. Voraussetzung dafür ist jedoch eine beiderseits sattsam große Anzahl von Marktakteuren mit den unterschiedlichsten Handlungsmotiven (= Marktbreite), wodurch sich der Preis dann auf eine ausgewogenere, solidere Basis stellen kann. Ein weiterer Umstand von Wesenheit, der die Erfüllung der Spekulanten beigemessenen ökonomischen Aufgabe ungemein fördert, ist zweifellos in der Praktik der vorgelagerten Standardisierung zur Wahl stehender Handelsinstrumente zu erblicken. Für das erfolgreiche Fortbestehen der Produktreihen von Futures und Optionen an den internationalen Terminbörsen ist Standardisierung und Normierung sogar als unerlässlich anerkannt. Eine solche begünstigt insbesondere die Möglichkeit einer nahezu jederzeitigen, reibungslosen, flexiblen und kostengünstigen Loslösung von einer zuvor eingeleiteten Risikoposition durch nur einen singulären Umsatzakt. Indem der Markthandelnde sich schlicht eines weiteren Börsengeschäfts, dem sog. "Gegengeschäft", bemächtigt und zur Ausführung bringt – ein eingeübtes Verfahren, was die Attraktivität der Märkte offenbar spürbar hebt – wird er seiner Risikoposition ledig. Gleichzeitig kommt es hiernach zur Verwirklichung eines sich einstellenden Gewinns oder Verlustes. Die Motive, die Hedger wie auch weite Kreise von Arbitrageurs zur Teilnahme am Terminhandel bewegt, sind gänzlich andere als die von Spekulanten, offenbar allein schon deshalb, weil im Gegensatz zu jenen Letztere im Normalfall nur ein laues Interesse an der Lieferung der den einzelnen Terminkontrakten bzw. Optionen zugrunde liegenden effektiven Werte ("underlying assets") nehmen. Spekulanten wünschen vielmehr, durch eine kalkulierte und bewusste Inkaufnahme von Risiken (Wagnis) an dem Auf und Ab der Kursnotierungen von Finanzderivaten zu partizipieren. Aus diesem Grunde werden Termingeschäfte im Übrigen rechtlich auch als Differenzgeschäfte (und in der Alltagssprache als Börsenspiel) bezeichnet. Übertragen auf die Ebene von Zahlungsströmen gilt dabei Folgendes: Wenn man bei Geschäften mit unbedingten Finanzderivaten, wie sie z. B. Futures oder sog. Forwards verkörpern, unter Vernachlässigung von allfälligen Transaktionskosten (als auch von Steuern) den Gewinn der einen Marktseite vom Verlust der anderen Marktseite in Abzug bringt, so muss sich die Rechnung auf Null stellen (Nullsummenspiel)*. Das aber heißt, ein Mehr hier geht immer zugleich auf Kosten eines anderen, womit immerhin die Chancen im Ganzen in etwa gleich verteilt wären. Überdies sind derlei spekulative Positionierungen nicht nur allesamt immerzu von völliger Entwertung bedroht, sondern können nach einer Schieflage schlechterdings weit darüber hinausreichende Verluste einspielen Die Quelle der Gefahr für den Terminhandel liegt überhaupt dort, wo durch einen allzu leichten Marktzugang auch jene Personen in verantwortungsvolle Stellung als Händler gelangen können, die weder berufsmäßig geübt noch die persönlichen oder die fachlichen Voraussetzungen dafür mitbringen. Zur Vermeidung greller Verluste (als freilich auch zur Absicherung von zufallenden Gewinnen) erheischen offene Terminpositionen daher prinzipiell eine durchgehende und minuziöse Überwachung. [* Zwar lässt sich argumentieren, dass der Eine sich mit dem Schaden eines anderen bereichert. Man beachte wohl, dass auf gesamtwirtschaftlicher Ebene dennoch positive, da gemeinwohlfördernde Effekte entstehen können. Stichworte hierzu sind: Steigerung der Marktliquidität, Abbau von Informationsasymmetrien, Separation von Risiken, Verbesserung der Risikoallokation resp. der Faktorverwendung.] Das treibende Motiv eines mit derivativen Finanzmarktinstrumenten Spekulierenden, das sein Spekulationsfiber wohl vollends entfacht, liegt in dem Umstand begründet, mit relativ wenigen eigenen Mitteln am Terminmarktgeschehen überverhältnismäßig partizipieren zu können. Mit ihrem Einsatz lassen sich selbst bei nur geringfügigen, Kursänderungen die Chancen auf eine verhältnismäßig große Vermögensmehrung wahren. (Nutzung des sog. Hebel- oder Leverage-Effekts). Aufgrund der hochgradigen Hebelwirkung vieler Derivate sind manchenorts, und nicht am wenigsten in den schwankungsanfälligen ("volatilen") Terminmärkten, auf den hinterlegten Ersteinschuss ("inital margin") bezogene Gewinne von teilweise mehreren 100 Prozent innerhalb kürzester Zeit keine Seltenheit. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch niedrige An- und Verkaufskosten ("commissions") für das Einleiten und Glattstellen von Engagements in Börsentermingeschäften. Die von allen Akteure geringsten Transaktionskosten entrichten die vor Ort auf einem Börsenparkett tätigen Spekulanten, die man gemeinhin auch unter der Bezeichnung "floor broker", "floor trader" oder "locals" kennt. Termingeschäfte stehen allseits fürwahr in keinem guten Rufe. Sobald jemand das Wort Termingeschäft im Munde führt, drängt sich breiten Schichten der Öffentlichkeit unwillkürlich die Vorstellung von hochspekulativen, über alle Maßen riskanten Geschäften auf. Diese wohl unauslöschlich ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungene Anschauungsweise zeichnet indes ein sehr einseitiges und schiefes Bild von der Praxis des Terminhandels, um das augenscheinlich mancherlei Irrungen ihr Spiel treiben. Meist zeugt selbige sogar von einer völligen Verkennung ihres Wesens. Derlei vorgefertigte Meinungen und Nebenvorstellungen, die oft bis zu einer tief ins Bewusstsein geprägten Scheu und Abneigung reichen, rühren hauptsächlich von dem Tatbestand her, dass Verluste, wie sie aus unsachgemäßem Umgang Unberufener – exempla sunt odiosa – mit einer Handvoll komplexer modischer Finanzderivate in jüngster Vergangenheit verschiedentlich hervorgegangen sind*, theoretisch genommen in ihren Ausmaßen nicht mehr spezifizierbar sind. Isoliert betrachtet kann die Verlusthöhe aus fehlgeschlagenen Geschäften mit Finanzderivaten gedanklich buchstäblich bis ins Uferlose reichen. Entsprechend groß scheinen angesichts der gemachten Erfahrungen die sich daraus erhebenden Bedrohungen für das gesamte Finanzsystem zu sein. [* Stellvertretend hierfür stehen Namen wie: Midland Bank (1990), Orange County (1994), Barings (Frühjahr 1995), Daiwa Bank (Herbst 1995), Kidder Peabody, Long-Term Capital Management (1998), Sumitomo (90er Jahre). Mit Allfirst (2002), China Aviation Oil (2004), WestLB (2007), Societé Générale (2008) setzt sich die Aufzählung auch in diesem Jahrtausend fort. Dabei wäre es ein Leichtes, diese Liste noch zu verlängern.] Demnach nimmt es nicht wunder, dass in Anbetracht der spezifischen Verlustgefahren, die, vielfach im Bunde mit ihrer Komplexität, von einer unsachgemäßen Anwendung von Termingeschäften ausgehen, Derivativgeschäfte in fast allen Ländern rund um den Erdball einer besonderen Aufsicht und Reglementierung unterliegen. So ist etwa jeder Privatanleger, der in Deutschland im Begriffe ist, Börsentermingeschäfte abzuschließen, nach § 31 Abs. 1 – 3 Gesetz über den Wertpapierhandel ("Wertpapierhandelsgesetz" WpHG; früher § 37d WpHG, davor § 52 ff. BörsG) von Gesetzes wegen gehalten, zu seinem eigenen Schutze wie auch zum Schutze Dritter sich über spezielle Risiken im Zusammenhang mit Termingeschäften grundlegend und in verständlicher Sprache vorher schriftlich aufklären zu lassen (Termingeschäftsfähigkeit "kraft Information", individuelle Risikoaufklärung). Von Zeit zu Zeit wird ob der Derivaten scheinbar immanenten Gefahren sogar der Ruf nach einem gänzlichen Verbot von Börsentermingeschäften laut. Doch verbieten hieße nicht unterbinden. Das Betätigungsfeld der Spekulation würde dadurch nur auf andere Schauplätze verschoben, und bei uns an sich gewünschte Finanzkraft damit woanders aufkommen. Offensichtlich stellt das Empfinden einer besonderen Gefährdung auch nichts den einzelnen Finanzderivaten direkt Anhaftendes dar. Vielmehr steht diese untrennbar in Beziehung zum Anwender selbst. Erst mangelndes Gefahrenbewusstsein sowie der leichtfertige Umgang damit, sei es aus Ungeschick, vom Unverstand geleitet oder aus Stümperei, birgt eine stete Gefahr, großes Übel zu stiften. Geschäftsgewohnte Spekulanten sind sich dieses Sachverhaltes sehr wohl bewusst. Sie begegnen derselben im Allgemeinen dadurch, dass sie bereits im Vorwege den Quellen derlei Verlustrisiken wirksame Kontrollmechanismen als auch allerlei ausgeklügelte Techniken hindernd in den Weg stellen. So kann beispielsweise schon der gezielte Einsatz des Spektrums an Orderarten das Risiko von bis in den persönlichen Ruin reichenden Verlusten infolge eines Fehlschlags an den Zukunftsmärkten drastisch mindern. Ein weiteres Instrumentarium zur Risikobegrenzung verkörpern Optionen, die riskanten Position dagegen gehalten werden. Finanzinstitute und institutionelle Investoren schützen sich gegen solche und andere Risiken nebstdem durch Anwendung bewährter risikopolitischer Instrumente. Durch den Einsatz separater Kontrollsysteme etwa, die zusätzlich zu den bestehenden Sicherungsinstrumenten implementiert werden, sollen die aus dem Handel mit Derivaten resultierenden Risiken abgewendet, in ihren Folgen gemildert bezw. weithin eingegrenzt werden. Doch trotz aller Sicherungsvorkehrungen und aller noch so ausgeklügelten Kautelen lässt sich trotzdem nie ganz ausschließen, dass ein ungelöster Rest von Gefahren bleibt. Planvoll eingesetzt, lässt sich mit Hilfe von derivativen Finanzinstrumenten im Zusammenspiel mit anderen Formen der Geldanlage (also im Rahmen des Gesamtportefeuilles) tatsächlich nahezu jede beliebige "Risiko-Rendite-Kombination" verwirklichen ("asset-allocation"). So lässt sich zum Beispiel das sog. systematische Risiko (Marktrisiko) eines Wertpapierportfolios, das mit konventionellen Anlageinstrumenten allein nicht weiter diversifizierbar ist, mittels Futures weiter reduzieren oder sogar gänzlich ausschalten (Hedging; Verringerung des sog. "net exposure"). Auch können Index-Terminkontrakte einem bestehenden Aktienportfolio beigesteuert werden, um so von erwarteten Kurssteigerungen im Aktienmarkt überproportional zu profitieren (ggf. unter Erhöhung des "net exposure"). Die Erschließung neuer Wege auf diesem Gebiete durch die finanzwirtschaftliche Forschung, begleitet von Fortschritten in der Informationstechnologie, werden das Spektrum der Gestaltungsmöglichkeiten an derivativen Finanzinstrumenten in nächster Zukunft noch zusätzlich erweitern. Der Schlussstein ist hier also lange noch nicht gesetzt. Derivative Instrumente zählen sohin heutzutage zweifellos zu den indispensablen Bestandteilen eines modernen Investment- und Portfoliomanagements.
Der Zeithorizont eines Traders kann bisweilen extrem kurzfristig sein: angefangen von wenigen Sekunden ("scalping") über einige Minuten – beide Male unter ständigem Abwägen von Augenblickschancen – bis zu Stunden ("intraday-trading"), kann aber mitunter auch längere Zeiträume abdecken, die sich dabei über mehrere Wochen oder seltener gar über Monate erstrecken ("position-trading" oder "long-duration trading"). Im Einzelnen lassen sich nach der Fristigkeit ihres Erwerbsstrebens die folgenden Gruppen von Marktteilnehmern auseinanderhalten: Scalper handeln als Mitglieder einer Präsenzbörse i. d. R. am Platz direkt auf dem Parkett ("locals", "Börsenkulisse"), wodurch sich insbesondere die sonst üblichen Gebühren einsparen lassen. Scalper erhoffen, Spekulationsgewinne dadurch zu erzielen, dass sie vermöge ihrer berufsbedingten Wissensvorsprünge früher als andere von marktrelevanten Tatsachen erfahren, die sich unmittelbar verwerten lassen. Sie kaufen und verkaufen in mitunter großer Zahl Terminkontrakte für nur sehr kurze Zeiträume in einem fort und suchen dabei auch kleinste Kursdifferenzen (bis zu 1 "tick") gewinnbringend auszunützen. Dies kann zuweilen soweit gehen, dass sie quasi gleichzeitig relativ hohe "bids" und relativ niedrige "offers" akzeptieren, womit sie praktisch zu Arbitrageurhändlern werden. Durch ihre Aktivitäten tragen Scalper in gewichtiger Weise zu einer Erhöhung der Liquiditätslage der Terminmärkte bei. Daytrader sind ebenfalls kurzfristig orientierte Spekulanten, auf deren Konten sich selten oder nie zu Beginn und am Ende eines Börsentages noch offene Positionen finden. Daytrader agieren mit der Entwicklung und Verbreitung elektronischer Handelssysteme zunehmend auch außerhalb des Börsenparketts, doch handeln sie nicht in der Häufigkeit wie es Scalper tun. Position-Trader dagegen richten ihre Bemühungen darauf, nach Möglichkeit vollständig von längerfristigen Trends in den Terminmärkten zu profitieren, entweder mithilfe von gewöhnlichen Long- oder Short-Positionen ("Outrightgeschäfte") oder durch Kombinationen derselben in Gestalt von Spreads. Aufgrund ihrer längerfristigen Grundorientierung sind die Gewinne pro Kontrakt zumeist größer als dies bei Daytrader oder gar bei Scalper der Fall ist. Auch spielen bei Position-Tradern die Transaktionskosten eine weniger bedeutende Rolle als bei den anderen Gruppen von Tradern. Aus konzeptioneller Sicht lässt sich ein Engagement in Terminkontraktgeschäften trotz von Natur aus limitierter Laufzeit der einzelnen Kontrakte vollkommen beliebig bis ins Endlose ausdehnen. Um beispielsweise einen langfristig als stabil angesehenen Trend wahrzunehmen, werden dazu die standardisierten kurzen Fristen transformiert, indem in steter Folge der nahe Terminmonat – i. d. R. noch vor dem "first notice day" – unter gleichzeitigem Aufbau einer neuen Position im nun nachfolgenden Termin glattgestellt wird ("roll-over", oder auch "switching" genannt). In Ermangelung an Liquidität bei Wahl von späteren Terminmonaten und als Folge der grundsätzlichen Befristung von Terminkontraktgeschäften verbietet sich jedoch im praktischen Normalfall die Spekulation unter Aufrecherhaltung ein und derselben Position über einen längerfristigen Zeitraum. Dergleichen erklärt und begründet, warum die am häufigsten anzutreffende Spekulationsweise im Terminhandel die kurzfristig angelegte Spekulation ist (Trading). Zur Erwirtschaftung von Erträgen aus Termingeschäften ist – neben einem gehobenen Maß an Erfahrung, Selbstdisziplin, Wissen sowie einer raschen Auffassungsgabe – eine minuziös geplantes und äußerst geschicktes, akkurates "Timing" unentbehrlich: So reicht es demnach nicht aus, bloß die Kursrichtung und das mögliche Ausmaß der Kursänderung zutreffend zu prognostizieren; vielmehr ist auch der Zeitraum, innerhalb dessen die erhoffte Kursbewegung eintreffen soll, mit klarem Blick in die Zukunft richtig vorherzusehen (sog. taktische Asset Allocation).
Fazit: In direkter Gegenüberstellung mit den anderen aktiv beteiligten Klassen von Marktakteuren (Hedger, Arbitragehändler) üben Spekulanten auf den Finanz- und Terminmärkten nicht selten den gewichtigsten Einfluss auf die allgemeine Kursentwicklung aus. Die von den Spekulanten hierbei üblicherweise ausgelegten gewaltigen Summen an Risikokapital bewirken regelmäßig ein Doppeltes. Sie üben durch diesen ihren Mitteleinsatz auf eine im Umfang verhältnismäßig knapp bemessene Zahl an ausgewählten Finanzinstrumenten eine konsolidierende Wirkung auf die Märkte aus. Sie tragen damit in ihrer Schlusswirkung nicht nur zu einer Erhöhung der Liquidität in den einzelnen Marktsegmenten bei, sondern führen im Ganzen damit auch zu einer Vervollständigung der Märkte für Unsicherheitsübernahmen. Sie bilden unter diesem Blickwinkel sogar eine organische Notwendigkeit moderner Volkswirtschaften; denn sie ermöglichen dadurch erst die wirkungsvolle Nutzung der Terminmärkte zur Absicherung von Kursrisiken (Motiv der Wertesicherung, Hedging): Volkswirtschaftlich gegebene Risiken lassen sich erst durch Einbringung des Selbstinteresses von Spekulanten marktgerecht bewerten und gegen eine angemessene Renditeerwartung auf kostengünstige wie einfache Weise umverteilen. Nicht zuletzt spiegelt sich in der Effizienz von Kurssicherungsgeschäften die zentrale ökonomische Bedeutung spekulativ motivierter Marktteilnehmer wider. Nur darf man in der Zuneigung nicht zu weit gehen. Wie von jeder sonstigen menschlichen Institution geht auch von der Spekulation eine Gefährlichkeit erst durch Missbräuchen ihrer Mittel und Methoden aus. Spekulation als solche wird insbesondere immer dann schädlich sein, wenn sie auf ungerechte Übervorteilung anderer gerichtet ist.
Siehe auch:
"Es
ist aber bey allen Mitteln, welche ein Mensch ergreiffen kann, zu gewinnen und reich
zu werden, |
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