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   Was ist ein Aktienindex?

Aktienindizes ("equity indexes", "stock market indices") verkürzen den Wertestand einer bestimmt gegebenen Auswahl von Aktien in jedem Zeitteilchen auf eine einzige anschauliche Kennzahl. Genauer geschildert, macht ein Aktienindex einen wirtschaftsstatistischen Messwert aus (= festgemachte Messzifferngröße, Indexziffer, Laufziffer), dessen Bestimmung es ist, Stand und Wertfortgang eines nach ganz bestimmten ökonomischen Kennzeichen und Vorhaben aufgebauten ("notionellen", vorgestellten) Korbs (Portfolios) von Aktien im Zeitlauf als ein möglichst treues Abbild in Zahlen widerzuspiegeln. Ein so gefasster Korb ("basket") liegt der damit verfolgten Absicht gemäß nach Art und Zahl der ihn begründenden Aktienwerte auf Dauer fest. Dennoch finden Anpassungen bei der Zusammensetzung des Index in gewissen Zeitabschnitten statt, um ihn mit Rücksicht auf seinen Aufbau zurück in innere und äußere Übereinstimmung mit den fallweise sich wandelnden Grundverhältnissen und Bedingungen auf dem von ihm umfassten Wirtschaftgebiet zu bringen. Nach dem Gesagten ist leicht einzusehen, dass ein Aktienindex bloß etwas künstlich Erdachtes ohne körperliche Erscheinung sein kann, was allein ein rechnungsmäßiges Dasein führt. Ein Aktienindex als begrifflicher Vorstellungsgegenstand darf darum alles eher als mit einem gegenständlich daseienden (empirischen, physisch vorhandenen) Wertgegenstand − sei es ein dinghaft handgreiflicher Vermögenswert ("asset"), sei es ein Wertpapier ("security") etwa in Gestalt einer Aktienurkunde − vertauscht oder gleichgesetzt werden. Vielmehr trägt ein Aktienindex stets den Zuschnitt einer berechneten, veränderlichen und vertretbaren (repräsentativen) Bezugsgröße entfernterer Ordnung, die aus allerlei Zweckmäßigkeitsgründen zur Vertretung des Preisstandes der Gesamtheit ihrer Einzelwerte herangezogen wird.

Ein gemeinsamer Grundzug jeder als Index anzusprechenden Finanzkennziffer besteht darin, dass sie von dazu berufenen Einrichtungen (Instanzen, wie es Börsen, Banken, Wirtschaftsverlage usw. sind) aufgestellt und nach zweckmäßig erscheinenden, eigens ausgewählten mathematisch-statistischen Verfahren als fortgesetzte zeitliche Entwicklungsreihe berechnet und veröffentlicht werden (Laufindexe) − bei dem seit dem 1. Juli 1988 berechneten Deutschen Aktienindex DAX® beispielsweise (ISIN DE0008469008 | WKN 846900), dem Leitindex der Deutschen Börse AG, geschieht dies (vom 2. Januar 2006 an) sekündlich (vordem alle 15 Sekunden). Ein Aktienindex wird somit von sich und von sich selbst aus zu einer allseitig verständlichen Größe.

Die Berechnung eines Aktienindex nimmt ihren Ausgangs von einem eigens ausgewählten, genau bestimmten Zeitpunkt oder Zeitraum (Basisperiode), auf den sein Anfangsstand in Anlehnung an anerkannt ausgesuchte mathematisch-statistische Regeln fest normiert, gleichsam indexiert wird. Die nachfolgend aufgestellte Reihe der Ausprägungen der Indexzahl "Aktienindex" im Kalenderzeitablauf spiegelt fortan die vergangenheitsbezogene Wertentwicklung (Performance) der im unterliegenden hypothetischen Aktienportfolio beschlossenen Aktienwerte in ihrer Gesamtheit wider. Und so ist es erklärlich, dass ein Aktienindex nicht nur regelmäßig als Vergleichsmaßstab (Referenzwert, "benchmark") zur Beurteilung des Wertegangs eines eigens darauf ausgerichteten Aktienportefeuilles in Gebrauch gestellt wird, sondern ebenso gern und oft auch im Rahmen des Portfoliomanagements als Entscheidungshilfe bei der Nachbildung eines repräsentativen Aktienindex ("tracking") seine vorzügliche Verwendung findet. Doch im Wesentlichen leisten Aktienindices ganz ordentliche Dienste als ein zwar einfacher, aber nichtsdestoweniger nützlicher Gradmesser, der über wirkende Stimmungen und Strömungen an den Aktienbörsen Auskunft gibt ("Börsenbarometer"), und der die allgemeine Entwicklungsrichtung, sei es für bestimmte Volkswirtschaften, sei es für besonders abgegrenzte Wirtschaftsbereiche oder Gewerbszweige (Branchen, Sektoren), oder endlich für sonstige Marktplätze von allseitiger Bedeutung, in einer einzigen zusammenfassenden Kennzahl in einem Zug bündig zum Ausdruck bringt.

 

 

 

 

Zu den rühmlich bekannten und besonders aufmerksam verfolgten Aktienindices zählen ohne Zweifel:

  der Dow Jones Industrial Average (DJIA)*, der sich aus 30 verschiedenen großen amerikanischen Aktienwerten zusammensetzt;

nächstdem der von der Standard & Poors Company im Jahre 1957 entworfene Leitindex ("Benchmark-Index") S&P 500 Index (USA) mit seinen 500 der meistumgesetzten, großen börsennotierten amerikanischen Aktiengesellschaften aus 11 Bereichen der Wirtschaft ("sectors");

des Weiteren hierzulande der schon oben angeführte deutsche Aktienindex DAX®, der die 40 (bis zum 17. September 2021 waren es nur 30) größten und am meisten umgesetzten deutschen Aktienwerte enthält,

sowie der mannigfach als europäischer Leitindex angenommene STOXX® Europe 600, bestehend aus 600 der größten, mittelgroßen und kleineren Aktiengesellschaften aus 17 europäischen Ländern, welche ungefähr 90% der Kapitalisierung dieser Aktienmärkte abbilden;

alsdann drei europäische Aktienindices der nach Deutschland größten Volkswirtschaften in Europa: erstens der FTSE 100-Index aus Großbritannien, zweitens der CAC 40, ein kapitalgewichteter Index der 40 bedeutendsten französischen Aktiengesellschaften an der Börse Euronext Paris, und ferner drittens der FTSE MIB, der die 40 meistgehandelten italienischen Aktienwerte der Mailänder Börse in sich schließt; danach weiter nach Asien, der Nikkei 225 Index (Japan), der Shanghai Composite (China), sowie der BSE SENSEX der Bombay Stock Exchange (Indien), sodann zurück nach Amerika, der Major Market-Index von 20 an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelten Blue Chips sowie der Value Line Index (beide aus den Vereinigten Staaten), und hier weiter ausholend, der seit dem Juli 1966 notierte NYSE-Index, d.i. ein breit angelegter Index ("broad-based index"), der alle an der New York Stock Exchange gehandelten Aktien umschließt (gegen 2000 an der Zahl), als dann noch der NASDAQ-Index, der sämtliche der etwa 3200 Aktien des NASDAQ-Handelssystems beherbergt und der seit dem 5. Februar 1971 fortlaufend notiert wird. Die vorstehend genannten Indices erfüllen zugleich alle wichtigen und sehr notwendigen Voraussetzungen für eine Kapitalanlage in den Index, welche namentlich den hohen Anforderungen genügen, die an einen Wert oder Vermögensgegenstand gar erst zu stellen sind, um sowohl für einen geregelten Handel mit Aktienindex-Terminkontrakten (als Underlying von Index-Futures), Index-Optionen, Indexzertifikaten, "strukturierten Produkten" sowie sonstigen Finanzderivaten als endlich auch für den börsenmäßigen Handel mit Investmentfonds und Exchange-Traded Funds (ETF) tauglich zu sein.

[* Der Dow Jones Industrial Average wurde zum ersten Mal herausgegeben von dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Charles Henry Dow am 16. Februar 1885, nächst ihm von seinem Gehilfen Edward Davis Jones, und zwar zunächst für 10 verschiedene Aktientitel. Der Dow Jones Industrial Average ist damit, sofern als Aktienindex angesprochen, der älteste Aktienindex überhaupt.]

Ein Index-Derivat, wie es beispielsweise ein Aktienindex-Futures ist ("stock index futures"; Aktienindex-Derivate) − als einem von einem synthetischen Aktien-Portfolio abgeleiteten Finanzinstrument −, lässt sich in gewisser Weise als ein Stellvertreter hernehmen für den Besitz der in einem solchen Index verkörperten Wertgesamtheit, hier also die im Portefeuille enthaltenen Aktien; jedoch mit der Eigenheit, dass die Haltedauer eines daraus hervorgehenden Vermögenspostens aufgrund fest bestimmter Laufzeiten von Derivaten solcherlei Art bereits im Vorhinein eindeutig begrenzt ist und darüber hinaus einen Hebeleffekt in sich birgt. Ein Verpflichtungsgeschäft mit Index-Futures ist im Gegenhalt zu einem unmittelbaren Erwerb der einzelnen Titel überdies durch die Eigenheit gekennzeichnet, dass mit seiner Hilfe sich die Finanzierungskosten erheblich mindern lassen, weil zur Positionsöffnung von Terminkontrakten hergebrachtermaßen nichts als ein vergleichsweise schmaler Betrag für den Ersteinschuss (Margin, Sicherheitsmarge) erfordert wird. Anderseits ist dem Halter eines Postens von Aktienindex-Futures weder ein unmittelbarer Anspruch auf Dividendenausschüttung noch auf sonstige Zahlungen aus dem Besitz von Aktien beschieden. Aber nicht nur börsengehandelte Instrumente, wie Futures und "traded options", sondern auch eine Reihe anderweitiger Arten derivativer Finanzinstrumente, so etwa eine ganze Bandbreite von OTC-Optionen als auch von mancherlei Optionsscheinen und Zertifikaten o. Ä., gründen sich vermehrt auf ausgewählte Aktienindices.

Weitere, über die Landesgrenzen hinaus beliebte und vertraute europäische Aktienindices sind: der AEX (Niederlande), ATX (Österreich), BEL 20 (Belgien), FTSE/Athex 20 (Griechenland), HEX (Finnland), IBEX 35 (Spanien), ISEQ 20 (Irland), MOEX und RTS Index (Russland), OBX (Norwegen), OMX Copenhagen 25 (Dänemark), OMX Stockholm 30 (Schweden), PTX (Polen), SMI (Schweiz), wie auch der MDAX, SDAX und TecDAX (Deutschland). Hinzu gesellen sich bedeutende paneuropäische und weltumspannende Indices. Zu den Ersteren zählen vor allem jene der größten und angesehensten Aktiengesellschaften Europas (Blue Chip-Indices), namentlich der Euro STOXX® 50 der größten Aktiengesellschaften des Euro-Währungsraums, welche oft als Leitindex des Euroraumes verwendet wird, nebst den breiter gefassten, übrigen STOXX®-Indices ("broadbased Indices"), die auch den Wertverlauf von Titeln aus Dänemark, Großbritannien, Norwegen, Tschechien, Schweden und aus der Schweiz beobachten; zudem verdienen Erwähnung der Euronext 100 und die FTSE4GOOD Index Serie. Zu den bekanntesten Welt-Aktienindizes endlich zählt der Dow Jones Global Titans 50 Index sowie der am 31. Mai 1986 auf die Bühne getretene MSCI World, der die größten, aber auch viele mittelgroße Aktiengesellschaften aus 23 führenden Wirtschaftsnationen* enthält. Mit seinen 1563 Titeln deckt er ungefähr 85 Prozent der Marktkapitalisierung jedes seiner Länder ab.

[* Zu den Ländern gehören: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Hong Kong, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, sowie das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.]

Noch andere außereuropäische Aktienindices von weit umspannender Bedeutung sind endlich: der All Ordinaries und der S&P/ASX200 aus Australien, der Bovespa Index (Brasilien), Hang Seng (Hongkong), KOSPI 200 (Südkorea), TOPIX (Japan), JSE (Südafrika), die RUSSEL 1000, 2000 und 3000 Aktienindices-Familie, die jeweils ungefähr ebenso viele Aktiengesellschaften mit Sitz in den Vereinigten Staaten umfassen, und schließlich der Dow Jones Wilshire 5000 Composite Index (USA), der breiteste aller in den Vereinigten Staaten vorzufindenden Aktienindices überhaupt, der sich überdies dadurch auszeichnet, dass er die Performance* von mehr als 5000 börsennotierten amerikanischen Beteiligungstiteln stellvertretend nachvollzieht.

[* Unter Performance versteht man allgemein die auf einen bestimmten Zeitabschnitt bezogene Wertentwicklung, meist die Rendite, eines Vermögensgegenstandes oder Portfolios im Verhältnis zu einem Vergleichsmaßstab (Benchmark). Zum Performance-Begriff fachwissenschaftlicher Art vgl. auch: Sharpe-Ratio.]

Aufzählung

Wie entsteht ein Aktienindex?

Ein jeder Aktienindex ist von Haus aus so erschaffen, dass er die Entwickelung des Aktienmarktes auf einer ganz bestimmten Ebene − zumeist auf der eines gegebenen, abgegrenzten Wirtschaftsraums (sei es ein nationaler, sei es ein zwischen- oder überstaatlicher, sei es ein weltumspannender Aktienindex) oder Gewerbezweigs (= Branchenindex) − so repräsentativ als möglich nachzuzeichnen imstande ist. Ob und in welchem Grade ihm dies tatsächlich gelingt, hängt in erster Reihe ab von der Zweckmäßigkeit der Zusammensetzung der Aktienauswahl als solche und deren Innenfügung. Aber auch die Tauglichkeit des zur Anwendung kommenden Rechnungsverfahrens für die Ausmittlung der Indexziffer ebenso wie die Gewichtung der einzelnen Anteile des zugrunde gelegten hypothetischen Index-Portfolios selbst spielt in diesem Stück eine wichtige Rolle. Je nach dem verfolgten Zweck kann eine angemessene Zusammenstellung von Aktienwerten zur Bildung eines Aktienindex dem Grundsatz nach abstellen auf sämtliche der Aktiengesellschaften eines ins Auge gefassten Marktbereichs (= Gesamtmarktindex oder "all-share-index") als auch auf eine ganz eigene, nach besonderen Gesichtspunkten festgelegte Auswahl an Aktienwerten aus einem solchen (= Auswahlindex).

Nachdem zu diesem Zweck in einem ersten Schritt über Art und Umfang der in das hypothetische Portfolio aufzunehmenden Aktienwerte auf dem Wege der Auslese eine feste Auswahl getroffen worden ist, wird in einem Folgeschritt über den am meisten zu empfehlenden Aufbau und über die innere Fügung zwischen den einzelnen Arten von Beteiligungstiteln, die in ihrer Gesamtheit den Aktienkorb ausmachen, zu befinden sein. Daran schließt sich zu guter Letzt noch die Vornahme einer zweckentsprechenden Gewichtung der einbezogenen Werte. Das Gewichtungsverhältnis der einzelnen Aktienwerte im Index kann hierbei ausgerichtet sein entweder erstens an dem Preis (Börsenkurs) der betreffenden Titel oder zweitens an der Marktkapitalisierung oder − wenngleich im Börsenleben nur von untergeordneter Bedeutung − drittens an dem Grundkapital der Aktiengesellschaften.

Dient etwa die Marktkapitalisierung als Gewicht ("market capitalization-weighted index", "value-weighted index"), so kommt denjenigen Aktiengesellschaften, die mit einem Vorsprung in der Zahl an emittierten Anteilscheinen auftreten, ein größeres Gewicht zu als anderen Titeln, die zwar den gleichen Aktienkurs notieren, die jedoch weniger Aktien herausgegeben haben. Ganz Entsprechendes gilt auch, sofern das Grundkapital das Gewicht bestimmt. Im Falle eines preisgewichteten Aktienindex ("price-weighted index") hingegen hängt das Gewicht einzelner Aktienwerte im Index allein und ausschließlich vom Stand ihrer augenblicklichen Aktienkurse ab. Der Schwachpunkt aber, der dem letzten Verfahren eigentümlich ist, liegt darin, dass kleinere Aktiengesellschaften allein wegen ihres verhältnismäßig hohen ausgewiesenen Kursstandes in Wahrheit größere Aktiengesellschaften, die aber gerade mit einen vergleichsweise niedrigen Börsenpreis daherkommen, unberechtigterweise im wirtschaftlichen Wert zu übertrumpfen scheinen.

Der Stand des Aktienindex wird sich ändern, wenn sich der Wert der in ihm beschlossenen Aktien im Ganzen ändert. Ändert sich der Kurs einer vergleichsweise schwergewichtigen Aktie um einen bestimmten Betrag, so wird der Kurs des Aktienindex c.p. hierdurch in stärkerem Maße bewegt werden, als wenn eine vergleichsweise leichtgewichtige Aktie um den gleichen Betrag schwankte. Gleichzeitig verschiebt sich damit von selbst ihr wahrhaftiges Gewicht innerhalb des Index. Um dem Verständnis dieses Zusammenhangs nachzuhelfen, sei folgendes Beispiel der Berechnung eines Aktienindex vorgeführt:

Aktie Anzahl emittiert Aktienkurs Markt-
kapitalisierung
Preis-
gewichtung
A-Aktie  500000 $ 100 $  50 Mio. 100
B-Aktie  700000 $  50 $  35 Mio.  50
C-Aktie  900000 $  50 $  45 Mio.  50
D-Aktie  200000 $ 120 $  24 Mio. 120
SUMME 2300000 $ 154 Mio. 320

Tabelle: Berechnung eines Aktienindex

Die Marktkapitalisierung einer Aktiengesellschaft errechnet sich als Produkt aus der Anzahl der in Umlauf gesetzten Aktien und ihrem Aktienkurs. Demnach weist im vorigen Beispiel die A-Aktie die höchste Marktkapitalisierung auf. Die gesamte Marktkapitalisierung ergibt sich aus den in eine Summe zusammengefassten Marktkapitalisierungen der einzelnen Aktienwerte des Index, im oben gegebenen Fallbeispiel also mit 154 Mio.$. Als angenommener Bestandteil eines preisgewichteten Index dagegen käme der D-Aktie das höchste Gewicht zu.

Um bei der Schaffung eines neuen Aktienindex, bestehend aus dem gegebenen Datenbestand der oben aufgeführten Tabelle, nun eine bequeme und möglichst einfach zu verwendende Indexnummer als Anfangswert zu erhalten, wird die entsprechende Summe aus der letzten Zeile der Tabelle durch einen hierfür zweckmäßigen Divisor geteilt. Zur Normierung eines marktkapitalisierungsgewichteten Index im Basiszeitpunkt auf eine handliche Indexzahl von etwa 1000 Indexpunkten wäre die Gesamtmarktkapitalisierung von 154 Mio.$ durch die Zahl 154000 zu teilen. Im Vergleich dazu wäre bei einem preisgewichtetem Index die Summe der Kurse aller Aktien im Betrag von 320 durch die Zahl 0,32 zu teilen, um wieder den Ausgangswert von 1000 zu erhalten.

Ändern sich in der Folgezeit die Kurse der Aktien des Index, bspw. gemäß folgender Tabelle, ergeben sich infolge davon auch veränderte Indexstände − und somit auch entsprechende Wertänderungen des abgebildeten Aktienportfolios:

Aktie Anzahl emittiert Aktienkurs Markt-
kapitalisierung
Preis-
gewichtung
A-Aktie  500000 $ 130 $  65 Mio. 130
B-Aktie  700000 $  60 $  42 Mio.  60
C-Aktie  900000 $  40 $  36 Mio.  40
D-Aktie  200000 $ 140 $  28 Mio. 140
SUMME 2300000 $ 171 Mio. 370

Tabelle: Marktkapitalisierung und Preisgewichtung

Der Indexstand des nach Marktkapitalisierung gewichteten Aktienindex beträgt nunmehr 171 Mio. $/154000 = 1110,39 Indexpunkte, während der preisgewichtete Index sich mit 370/0,32 = 1156,25 Indexpunkten beziffert. Die unterschiedliche Indexentwicklung bei gleichen Kursbewegungen der Aktien hat ihren Grund darin, dass absolute Kursänderungen in einem rein preisgewichteten Index (wie z. B. beim DJIA oder beim MMI) allein und ausschließlich durch diesen Umstand einen unmittelbaren Einfluss auf den Indexstand üben, während absolute Kursänderungen der Aktien in einem marktkapitalisierungsgewichteten Aktienindex, je nach Höhe der Marktkapitalisierung der einzelnen Aktien, stets erst durch deren anteilsmäßige Gewichte in ein dementsprechendes Verhältnis gesetzt werden.

Erfahrungsmäßig ändern sich von Zeit zu Zeit die Marktgegebenheiten, wonach eine Anpassung des Divisors zwingend notwendig wird. Dies gilt gleichermaßen, wenn es bei den im Index aufgeführten Aktiengesellschaften zu besonderen Kapitalmaßnahmen kommt, etwa aus Anlass einer Kapitalherabsetzung durch sogenannte "Aktiensplits", oder bei Unternehmungszusammenschlüssen (Fusionen) bzw. Unternehmungsaufspaltungen oder endlich nicht minder, wenn anderweitige Aktien die des Index zu ersetzen bestimmt sind. In jedem dieser Fälle wird eine entsprechende Anpassung erforderlich, womit die verlangte Aussagekraft des Index unausgesetzt erhalten bleibt. Auch Exchange-Traded Funds (ETF) und andere Fond-Gesellschaften müssen die Index-Veränderungen mit vollziehen, indem sie Aktien der zum Index gehörenden Aufsteiger am jeweiligen Stichtag kaufen und jene der Absteiger verkaufen, um den Index möglichst getreu nachzubilden. Die mit der Geschäftsführung beauftragten Vorstände der betreffenden Aktiengesellschaften legen ihres Teils großen Wert darauf, dass durch derartige Kapitalmaßnahmen die Einbeziehung in den Index nicht ohne dringende Notwendigkeit aufs Spiel gesetzt oder gefährdet wird. Eine auf längere Zeit hinaus andauernde Mitgliedschaft zu einem weithin bekannten Index ist für eine Unternehmung gewöhnlich sehr erwünscht, nicht zuletzt von dem Gesichtspunkt aus, dass eine solche sowohl ihren guten Ruf und ihr Ansehen im Wirtschaftleben hebt als auch ihre Kapitalkosten senken hilft.

Als geläufige Beispiele für preisgewichtete arithmetische Indizes lassen sich aufführen: der Dow Jones Industrial Average der 30 bedeutendsten US-amerikanischen Aktiengesellschaften (DJIA), der Nikkei225-Index der 225 wichtigsten japanischen Aktiengesellschaften (der 1. Sektion), sowie der auf 20 US-amerikanische Blue Chips fußende Major Market Index. Unter einem preisgewichteten geometrischen* Index (hierbei finden prozentuale, d.h. verhältnismäßige Preisänderungen Berücksichtigung) fallen der breit gefasste Value Line Index, der den Kursverlauf von rund 1700 nordamerikanischen Aktien widerspiegelt sowie die sämtlichen Indizes der seit dem Februar 1998 notierten EURO STOXX®-Familie. Demgegenüber stellen der im Jahre 1926 begründete S&P 500-Index der 500 leitenden US-amerikanischen Aktiengesellschaften, der NASDAQ mit seinen ungefähr 4000 Aktien und ferner der NYSE Composite-Index der New York Stock Exchange (NYSE) mit seinen etwa 1500 Aktien Schulbeispiele dar für einen marktkapitalisierungsgewichteten Aktienindex.

[* Bei einem "geometrischen Index" werden im Gegensatz zu den sonst üblichen "arithmetischen Indizes" die Renditen aller N Aktien miteinander multipliziert, anschließend wird mit N radiziert und das Ergebnis dann mit dem Indexstand der Vorperiode multipliziert. Bei "geometrischen Indices" sind sämtliche der einbezogenen Aktientitel gleich stark gewichtet.]

Lesen Sie auf der nächsten Seite:

Beispielhafte Beschreibung eines Aktienindex: der DAX® (Performance)

 Deutsche Bank

   Siehe auch:

 

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Stand: 22. September 2021. Alle Rechte vorbehalten.