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Zur Berechnung des Beta-Faktors (β)
von Aktien
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Um den Beta-Faktor auch im
praktischen Wirtschaftsleben für vernunftgemäße Entscheidungen im Rahmen
einer operativen Investitionsplanung nutzbar zu machen, ist er zunächst
aus seinem engen Modellbezug zu lösen. Der methodische Ansatz einer
Lösungsidee schlägt dazu den folgenden Gang ein: In einem ersten Schritt
wird ein Schätzwert für den historischen Beta-Faktor (β) eines infrage
stehenden Wertpapiers nach bekannten statistischen Methoden auf rechnerischem
Wege ermittelt. Als Datenmaterial dienen in diesem Abschnitt üblicherweise
relative Kursänderungen in Gestalt empirischer
Renditegrößen, die
zweckerfüllend aus einer Sequenz von vergangenen (Ex-post-)
Kursen zusammengetragen wurden. Da nun aber praktische Anlageentscheidungen
immer mit Bedacht auf die Zukunft zu treffen sind, und die Zukunft bekanntermaßen
sich einer exakten Vorausberechnung entzieht, ist als Nächstes eine
möglichst verlässliche und gehaltvolle Schätzung (Antizipation) von
entscheidungsrelevanten Größen vorzunehmen. Dazu ist in einem zweiten
Schritt der auf einer statistischen Zeitreihenanalyse historischen Kursmaterials
beruhende Beta-Faktor durch Anwendung verfeinerter Extrapolationsmethoden
in die Zukunft auszuformen. Das Ergebnis einer auf diesem Wege gewonnenen
logisch begründeten Prognose bildet fortan die Grundlage für rationale
Handlungsempfehlungen in Situationen unsicherheitsbeladener Investitionsentscheidungen.
Dieser zunächst bloß abstrakt umschriebene Vorgang sei an einem Beispiel
des Genaueren erläutert.
Beispiel zur Berechnung des Beta-Faktors
aus historischen Kursen:
Es sei der historische Beta-Faktor
einer Aktie auszurechnen. Zu diesem Zweck stellen wir vorbereitend die
nachfolgende Arbeitstabelle auf. Diese führt für die in Untersuchung
gezogene Aktie eine Zeitreihe von 13 Monatsschlusskursen (sagen wir,
von Dezember bis Dezember) vor, welche der Spalte 2 der Tabelle zu entnehmen
ist. Der Aufeinanderfolge der einzelnen Monatsschlusskurse der Aktie
wurden in Spalte 3 die entsprechenden 13 Monatsschlussstände eines als
repräsentativ betrachteten Aktienindex
zur Seite gestellt. Aus den vorliegenden realisierten Kursen und Indexständen
werden als nächstes nun die Monatsrenditen von Aktie und Index berechnet.
Wir erhalten jeweils 12 Renditegrößen, die in den Spalten 4 bzw. 5 der
Arbeitstabelle eingestellt werden. Von Dividendenzahlungen, Bezugsrechtserlösen
und sonstigen Erträgen, die prinzipiell mit einzubeziehen wären, sei
hier der Einfachheit halber abgesehen. Die in den Kolonnen 6 und 7 der
Tabelle eingetragenen Überschussrenditen ergeben sich aus der Differenz
der jeweiligen Monatsrenditen zum sicheren Anlagezinssatz. Als Sicherheitszinssatz
sei in unserem Beispiel ein Zinsfuß von nominal
3 % aufs Jahr berechnet
(bzw. 0,25 % pro Monat)
angenommen.
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1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
|
Monat |
Aktienkurs |
Indexstand |
Rendite der Aktie |
Rendite des Index |
Überrendite der Aktie |
Überrendite des Index |
| 12 |
21,00 € |
3000 |
– |
– |
– |
– |
| 1 |
21,70 € |
3090 |
3,3333 % |
3,0000 % |
3,0833 % |
2,7500 % |
| 2 |
23,50
€ |
3190 |
8,2949 % |
3,2362 % |
8,0449 % |
2,9862 % |
| 3 |
25,80
€ |
3300 |
9,7872 % |
3,4483 % |
9,5372 % |
3,1983 % |
| 4 |
25,50
€ |
3290 |
– 1,1628 % |
– 0,3030 % |
– 1,4128 % |
– 0,5530 % |
| 5 |
27,00
€ |
3400 |
5,8824 % |
3,3435 % |
5,6324 % |
3,0935 % |
| 6 |
25,00
€ |
3310 |
– 7,4074 % |
– 2,6471 % |
– 7,6574 % |
– 2,8971 % |
| 7 |
25,00
€ |
3200 |
0,0000 % |
– 3,3233 % |
– 0,2500 % |
– 3,5733 % |
| 8 |
24,50
€ |
3250 |
– 2,0000 % |
1,5625
% |
– 2,2500 % |
1,3125 % |
| 9 |
26,00
€ |
3400 |
6,1224 % |
4,6154 % |
5,8724 % |
4,3654 % |
| 10 |
25,80
€ |
3360 |
– 0,7692 % |
– 1,1765 % |
– 1,0192 % |
– 1,4265 % |
| 11 |
27,30
€ |
3500 |
5,8140 % |
4,1667 % |
5,5640 % |
3,9167 % |
| 12 |
28,60
€ |
3600 |
4,7619 % |
2,8571 % |
4,5119 % |
2,6071 % |
Arbeitstabelle 1
Nun wird die Überschussrendite
der Aktie gleich Y, die Überschussrendite des Index gleich
X gesetzt, und darauf folgend die Werte für Y² und X²
sowie für X * Y
ausgerechnet. Die in den einzelnen Tableau-Spalten enthaltenen Zahlenreihen
sind hiernach noch aufzusummieren, wie im Resultat die letzte Zeile
der folgenden Arbeitstabelle illustriert (wegen der leichteren
Übersicht gerundet auf 4 Nachkommastellen).
|
Monat |
Überrendite Aktie = Y |
Überrendite Index = X |
Y² |
X² |
X * Y |
|
1 |
3,0833 % |
2,7500 % |
9,5069 |
7,5625 |
8,4792 |
|
2 |
8,0449 % |
2,9862 % |
64,7209 |
8,9177 |
24,0241 |
|
3 |
9,5372 % |
3,1983 % |
90,9588 |
10,2290 |
30,5027 |
|
4 |
– 1,4128 % |
– 0,5530 % |
1,9960 |
0,3058 |
0,7813 |
|
5 |
5,6324 % |
3,0935 % |
31,7234 |
9,5695 |
17,4235 |
|
6 |
– 7,6574 % |
– 2,8971 % |
58,6359 |
8,3929 |
22,1840 |
|
7 |
– 0,2500 % |
– 3,5733 % |
0,0625 |
12,7682 |
0,8933 |
|
8 |
– 2,2500 % |
1,3125 % |
5,0625 |
1,7227 |
– 2,9531 |
|
9 |
5,8724 % |
4,3654 % |
34,4857 |
19,0566 |
25,6355 |
|
10 |
– 1,0192 % |
– 1,4265 % |
1,0388 |
2,0348 |
1,4539 |
|
11 |
5,5640 % |
3,9167 % |
30,9576 |
15,3403 |
21,7922 |
|
12 |
4,5119 % |
2,6071 % |
20,3573 |
6,7972 |
11,7632 |
|
SUMME |
29,6567 |
15,7799 |
349,5063 |
102,6972 |
161,9797 |
Arbeitstabelle 2
Eine gebräuchliche auf die Herleitung des
Beta-Faktors β geprägte algebraische Formel lautet:
Beta = [(N
* ∑ XY) – (∑ Y *
∑ X)]
/ [(N *
∑ X2) – (∑
X)2]
mit:
N : Anzahl der Beobachtungsperioden,
∑ : Summensymbol,
wobei in unserem Beispiel die Summe über alle 12 Monate läuft.
Vorstehende Formel
basiert auf der Definition von Beta β = COVY,X
/ σ2X.
Der Zähler entspricht hierbei der geschätzten Kovarianz zwischen untersuchter
Aktie und dem Index, der Nenner der geschätzten Varianz des Index.
Von der abstrakten Formel
ins Praktische übertragen und die Daten aus obiger Tabelle in die Formel
eingesetzt, so erhält man:
Beta
= [(12 * 161,9797) – (29,6567
* 15,7799)]
/ [(12 * 102,6972)
– (15,7799)2]
= 1,5 .
Ergebnis: Der hier in Untersuchung stehenden Aktie ist nach der
Formel ein individuelles historisches Beta von +1,5 beizuzählen. Dieser
Wert stellt den besten Schätzwert für den wirklichen, aber nicht direkt
beobachtbaren Beta-Faktor der Aktie dar. Der empirische Gehalt dieser
Ziffer lässt sich mit Worten übersetzt folgendermaßen ausdrücken: Jede
Renditeänderung des Marktindex um einen gewissen Prozentsatz in dieser
oder jener Richtung führt auf die Dauer und im großen Durchschnitt eine
gleichgerichtete, jedoch überproportionale Renditeänderung der Aktie
um das 1,5-fache mit sich ("aggressive stock"). Variiert die
Rendite des Marktindex beispielsweise um einen Prozentpunkt, kann unter
ungeänderten Kausalverhältnissen im großen Ganzen von einer gleich ausgerichteten
Renditebewegung der Aktie um 1,5 Prozentpunkte ausgegangen werden.
Unserem tabellarischen Beispiel wurde der Anschaulichkeit halber eine
Stichprobe von lediglich 12 Vergangenheitsrenditen zugrunde gelegt.
Um aber eine zumindest halbwegs verlässliche Aussage über den "wahren"
Wert des einer direkten Beobachtung allerdings entrückten Beta-Faktors
einer untersuchten Kapitalanlage allein aus vergangenen Renditegrößen
treffen zu können, wird im Schrifttum empfohlen*, im Falle von
Aktien mindestens 300 aufeinander folgende Monatsrenditen in die statistische
Aufbereitung einzubringen. Zwar stellt in Anbetracht moderner leistungsfähiger
Kalkulationsprogramme eine solche vorauszusetzende Informationsanforderung
heute kein prinzipielles Hindernis mehr dar; eine Schwachstelle des
vorstehenden Ansatzes ganz anderer Art ist jedoch in der empirisch mehr
als fragwürdigen Annahme der "Stationarität" entscheidungsrelevanter
Größen, also der Stabilität der Renditeerwartungen und des ihnen korrespondierenden
Beta-Faktors in der Zeit, zu erblicken. Denn bei der Bestimmung von
β aus historischem Kursmaterial wird implizit unterstellt, dass Beta
auf die Länge der Zeit konstant bleibt. Blieben die den Beta-Faktor
bestimmenden Größen tatsächlich von Periode zu Periode konstant, so
ließe β sich aus einer hinreichend großen Zahl vergangener Kursdaten
mit trefflicher Aussagekraft abschätzen.**
[* Vgl. Jobson,
J. D., Korkie, B.: "Estimation for Markowitz Efficient Portfolios.",
in: Journal of the American Statistical Association 75, no. 371.]
[** Maßgeblichkeit
vergangener Renditen für zukünftige Renditeverläufe und stochastische
Unabhängigkeit der periodischen Renditeverteilungen ist hierbei überdies
als zusätzliche Annahme zu unterstellen.]
Zur Beurteilung der Verlässlichkeit (der "Signifikanz") berechneter
Parameter wird häufig auf das statistische Maß des Standardfehlers
zurückgegriffen: Unter den eben angeführten Voraussetzungen sagt das
Maß des Standardfehlers aus, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa
2/3 der tatsächliche Beta-Faktor in einem Intervall von [β + 1 Standardfehler
| β – 1 Standardfehler] liegt.
Sind die Beta-Faktoren der einzelnen Aktien eines untersuchten individuellen
Wertpapierportefeuilles bekannt, so ist es eine Sache einfachen mathematischen
Kalküls auch das Portefeuille-Beta βP
zu errechnen: Das Portefeuille-Beta βP ergibt sich schlicht
und einfach aus der mit den Portefeuille-Anteilen gewichteten Summe
der individuellen Wertpapier-Betas:
Portefeuille-Beta βp =
∑ xi * βi
,
d.
h., bei i = n Aktien*:
βP = X1 * β1 +
X2 * β2 + ... + Xn * βn
,
mit
xi = prozentualer Wert-Anteil des Portfolios (in dezimaler
Schreibweise), der auf die Aktie i entfällt, wobei
sich die Gesamtheit der Anteile stets auf 1 summiert, also:
∑ xi = 1
.
[* Hinweis:
Die Additivitätseigenschaft von Beta folgt aus der Lineraritätseigenschaft
der Kovarianz.]
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Regressionsanalyse
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Zur quantitativen Ermittlung historischer Betawerte von Wertpapieren
bedient man sich häufig der linearen Einfachregression ("Methode
der kleinsten quadratischen Abweichungen"). Graphisch erhält man
einen Standardschätzwert für den historischen β-Faktor auf der Basis
gegebener Renditesequenzen (Tage, Wochen, Monate etc.) als Steigung
(tan α) der linearen Regressionsgeraden (Ausgleichsgerade; die sog.
Ex-post-"characteristic line"; Marktmodell*) durch
die Punktwolke der Renditepaare, indem in einer Zeichnung eines Streudiagramms
die Überschussrenditen einer bestimmten Aktie i bzw. eines individuellen
Aktien-Portefeuilles ip an der Ordinate gegen die Überschussrendite
des Marktindex M an der Abszisse abgetragen (regressiert) werden (siehe
nachfolgende Abbildung). Die Überschussrendite ist definiert als die
rechnerische Differenz zwischen der Rendite der Aktie i bzw. des Marktindex
M und dem Sicherheitszinssatz rf während eines bestimmten
Betrachtungszeitraums, also derjenige Renditebetrag, der über die Rendite
einer nominal risikolosen Anlage hinausgeht bzw. sie unterschreitet.
[*
William F. Sharpe: "A
Simplified Model for Portfolio Analysis", Management of Science, 1963,
S.277 ff.]

Abb.: Beispiel:
Regressionsmodell
Formal gehorcht die Kleinst-Quadrate-Regressionsgerade der Gleichung:
ri – rf
= αi + (Rm – rf)
* βi + εi
,
mit ri = Rendite des Wertpapiers i, rf = Sicherheitszinssatz,
αi = Absolutglied des Wertpapiers i, Rm = Rendite
des Marktindex, βi = Regressionskoeffizient Beta des Wertpapiers
i, und εi = Störterm (gr. kl. Epsilon).
Wie unschwer zu durchschauen, gibt die Regressionsanalyse einigen Aufschluss
über den Verlauf der funktionalen Abhängigkeit der Überrenditen der
Aktie i bei alternativen Überrenditen des Marktindex M.
Der übergelagerte Störterm
εi (Residuum) misst den Abstand der Punkte der Renditepaare
von der Regressionsgeraden (nach obiger Abbildung in vertikaler Richtung).
Jener Renditeteil lässt sich damit nicht linear durch den Marktindex
erklären. Für den Störterm εi wird unterstellt, er sei normalverteilt
mit der Standardabweichung σ, habe einen Erwartungswert von null und
sei zu allen anderen Renditen und Störtermen unkorreliert, d.
h. Cov (εi, εj) = 0, mit i ≠ j. Dies impliziert,
dass Renditeänderungen des Wertpapiers i nur über den Marktindex M erklärt
werden. Die exakte Lage der Ausgleichsgeraden wird formell in der Weise
festgelegt, dass die Summe der Werte der quadrierten Störterme (∑εi2)
minimal wird.
Der Schätzwert αi
lässt sich hierbei als durchschnittliche "unsystematische" Überrendite
des Wertpapiers i interpretieren und bildet den Wert des Ordinatenabschnitts
mit der Regressionsgeraden. Für den Koeffizienten αi = (∑
Y / N) – (βi * ∑ X / N) erhält man: (29,6567 / 12) – (1,5
* 15,7799 / 12) = + 0,498 (gerundet). Hinweis: Wenn statt
mit Überrenditen mit den ursprünglichen Renditen gerechnet wird, so
hat dies merklich verzerrende Auswirkungen auf den erwartungstreuen
Schätzwert für αi, während βi hierdurch kaum beeinflusst
wird.
Ließe sich die Höhe der Überrenditen der Aktie i stets perfekt durch
die jeweiligen Ausprägungen der Überrenditen des Marktindex erklären,
so lägen alle durch Punkte im Diagramm dargestellten Renditepaare passgenau
auf der Regressionsgeraden (in diesem Falle wäre εi jedes
Mal gleich null). Da aber ein perfekter linearer Zusammenhang der Renditen
in der Realität kaum anzutreffen sein dürfte, werden die Renditepaare
mehr oder weniger stark um die Ausgleichsgerade streuen.
Zu Aussagen über die Güte des durch die Kleinst-Quadrate-Regressionsgerade
beschriebenen linearen Zusammenhangs verhilft das in der Statistik gebräuchliche
Bestimmtheitsmaß R² (als Quadrat des Korrelationskoeffizienten
ki,m, d. h.
R² = k²i,m), und nebstdem auch
die Varianz des Störterms εi. Ersteres, das Bestimmtheitsmaß
R², misst den Anteil der durch das Modell erklärten Renditeänderungen
der Aktie i, der hierbei auf Änderungen der Renditen des Marktindex
M zurückzuführen ist. R² hat einen Definitionsbereich von 0 bis +1,
Letztere mit inbegriffen. Je weiter R² sich dem Wert +1 annähert, desto
näher rücken die beobachteten Renditepaare im Durchschnitt an die Regressionsgerade
heran.
Im obigen Beispiel erhält man das Bestimmtheitsmaß aus der Formel
R² = β² * (σ²x/σ²y).
Die Zahlen eingesetzt ergibt: R² = 2,25 * (7,45/25,11) = 0,668
(gerundet auf 3 Stellen rechts vom Komma). Rund
66,8 % der Schwankungen der
Überrenditen der Aktie ließen sich demnach durch Schwankungen der Überrenditen
des repräsentativen Index erklären.
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Grenzen für die
Anwendung von β
|
Soll
der mithilfe einer Regressionsanalyse ausgemittelte Stand des Beta-Faktors
auch im praktischen Gebrauch Eingang in die Anlageentscheidung finden,
so hat man sich klar vor Augen zu halten, dass dabei methodologisch
stets von der Annahme einer im Zeitablauf konstanten Steigung der "characteristic
line" (Stationaritätsannahme) und damit implizit letztlich auch
von bis in alle Ewigkeit stationären Kausalverhältnissen ausgegangen
wird. Solange die Struktur der Kausalität der Renditen in ihren Grundzügen
aufrecht erhalten bleibt, mag diese Vorgehensweise vertretbar sein.
Verbesserte, weil realitätsnähere Ergebnisse, verspricht indes der Gebrauch
von Adjustierungsverfahren für die auf empirischen Daten beruhende Schätzwerte
(insb. "mean-reverting"-Verfahren und solche, die aktuelle bzw. kurzfristig
zu erwartende Entwicklungen in angemessener Weise berücksichtigen, wie
etwa sog. "multiple Regressionsansätze"). Die Adjustierung mittels eines
geeignet scheinenden Verfahrens solcher Art wäre zum Zwecke der Steigerung
der Verlässlichkeit der Prognose künftiger Beta-Werte wahlweise in einem
sich an die Ermittlung des historischen Beta-Faktors anschließenden
Schritt vorzunehmen.
Es verdient zum Schluss noch einmal ausdrücklich ins Gedächtnis gerufen
zu werden, dass es geboten erscheint, bei sämtlichen mit statistischen
Verfahren ermittelten, auf Vergangenheitsdaten beruhenden Kennzahlen
äußerte Zurückhaltung im Hinblick auf ihre praktische Nutzanwendung
auf dem Gebiet der Voraussicht zu üben. Keine Kennzahl oder Formel,
auch wenn sie noch so gefällig scheint, vermag die Zukunft zu entschleiern.
Dem Praktiker werden mit allen Projektionen von Werten in die Zukunft
bestenfalls Näherungslösungen für seine intendierten Anlageentscheidungen
an die Hand gegeben; dies zumal alle realen Investitionsentscheidungen
vorausgehende Prognosen, die sich auf historisch-statistische Kennzahlen,
wie auf den Faktor Beta (β), stützen, schwerlich den im Sinne der Theorie
für notwendig befundenen strengen Anwendungsvoraussetzungen und Messbarkeitsanforderungen
zu genügen die Kraft haben werden.
Fonds,
Aktien, Optionsscheine, Zertifikate, Futures und Optionen - alles aus
einer Hand!
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