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Die
Geschichte der Börsen reicht in eine recht frühe Zeit hinauf. Sie beginnt
auf dem europäischen Kontinent mit der Errichtung größerer Markt- und
Börsenplätze auf holländischem Boden im Zeitalter der Renaissance, also
ab ca. 1350. Zwar kam es bei dieser Gelegenheit zu regelmäßigen Versammlungen
an festliegenden Plätzen; die erste Wertpapierbörse, die diesen Namen
auch wahrhaft verdiente, entstand jedoch erst eine reichliche Zeit später
im Jahre 1611 in Amsterdam (Niederlande). Die ersten Gesellschaftsanteile,
die dort regulär umgesetzt wurden, waren Anteile der United East
India Company. Auch gab es am Börsenplatz Amsterdam zu dieser Zeit
bereits frühe Ansätze eines geregelten Terminhandels. Die älteste und
bis auf die Gegenwart noch aktive Warenterminbörse der USA, der unlängst
in die CME Group
aufgegangene Chicago Board of Trade (CBOT), wurde späterhin im
Jahre 1848 gegründet. Letztere begann ihren Betrieb mit dem Handel von
sogenannten Forwards,
denen eine Auswahl wichtiger Agrarprodukte zugrunde lagen.
In
den Vereinigten Staaten von Amerika trifft man gegenwärtig auf neun
größere und daneben auf zahlreiche kleinere Börsen, das elektronische
Handelssystem der einstigen Händler am "Over-the-Counter-Markt" (OTC),
NASDAQ,
mit einbezogen. Der US-amerikanische Kapitalmarkt gilt damit bereits
seit vielen Jahren als der größte und am stärksten diversifizierte Kapitalmarkt
der Welt.
Zur Geschichte der NYSE
Schon
um das Jahr 1700 wurden in der Stadt New York Wertpapiere in
Umlauf gebracht. Zu jener Zeit schufen Händler erste organisierte Wertpapiermärkte
für Emissionen von Schuldtiteln der US-amerikanischen Bundesregierung,
nebenher aber auch solche für neu gegründete Unternehmungen, die in
gehäufter Zahl just in dieser Zeit entstanden.
Die
traditionsreiche Geschichte der New York Stock Exchange begann
an sich ganz unspektakulär. Am 17. Mai 1792 fand eine kleine Gruppe
von anfangs nur 24 Geschäftsleuten sich gewohnheitsmäßig an einem Platz
unter freiem Himmel vor einem bestimmten Kastanienbaum in New York zusammen.
An diesem Zusammenkunftsort gingen sie auf der Grundlage einer vorab
handschriftlich fixierten Vereinbarung (Buttonwood-Abkommen) zu festen
Kommissionen regelmäßig dem Handel mit Aktien und Anleihen nach. Der
Handel gedieh rasch, und durch den sich einstellenden Erfolg ermutigt,
gründete die Gruppe dann am 8. Mai 1817 einen Brokerverband. Dessen
Mitglieder verpflichteten sich dazu, als die Veranstalter des Marktes
in regelmäßiger Folge fortan zu ganz bestimmten Zeiten den dortigen
Platz aufzusuchen, um einen organisierten Handel in Wertpapieren zu
betreiben. Zu diesem Zweck fassten die teilnehmenden Händler eine eigens
darauf zugepasste Satzung ab, auf deren Basis in weiterer Folge dann
der New York Stock and Exchange Board (das zuständige Börsenaufsichtsgremium)
entstand.
Mehr
als hundert Jahre später, und gut fünf Jahre nach dem Wall Street Crash
am 24. Oktober 1929, wurde diese Körperschaft schließlich durch die
Securities Exchange Commission (SEC,
US-Börsenaufsichtsbehörde über den Wertpapierhandel) abgelöst, die seither
als die Institution für die Regulierung des Wertpapierhandels nicht
nur an der New Yorker, sondern auch für sämtliche in den USA ansässigen
Wertpapierbörsen verantwortlich zeichnet.
Heute
ist die NYSE mit ihren rund 2800
gelisteten Aktiengesellschaften,
die ein Aktienkapital in einem kolossalen Gesamtwert von mehr als 10
Billiarde US-Dollar verkörpern, bei einem täglichem Handelsvolumen in
diesem Jahr von durchschnittlich 4,5 Mrd. Anteilsscheinen als Präsenzbörse
die größte Aktienbörse der Welt. Die NYSE war bis zum 2. März 2006 eine
(non-profit) juristische Person mit
1366 festen Mitgliedern, und
zwar wie folgt: Sie hat eine Satzung und ein fest definiertes Regelwerk
(Marktmodell), auf dem ihre Funktionsweise beruht und dem ihre Mitglieder
verpflichtet sind. Der aus 27 Personen bestehende Aufsichtsrat wird
von den Mitgliedern gewählt und überwacht sämtliche Börsenaktivitäten.
Der personellen Zusammensetzung nach sind zwölf der Direktoren Mitglieder,
zwölf weitere sind sogenannte öffentliche Direktoren, jedoch keine Mitglieder.
Die restlichen drei Direktoren sind der "chairman", der "executive vice-chairman"
und der Präsident.
Nach
213 Jahren endlich ging die NYSE als NYSE Group, Inc. am 7. März
2006 selbst an die Börse. Ihre Aktien (die nach Akquisition von Archipelago
Holdings Inc. einschl. ihrer elektronischen Handelsplattform nunmehr
auch deren Werte enthält und mit dem Tickersymbol "NYX“ notiert) ging
nach Börseneinführung am 8. März 2006 mit einer erstmaligen Schlussnotierung
von 67 US-$ aus dem Handel. Nach dem Zusammenschluss mit der Mehrländerbörse
Euronext im April 2007 firmiert die Börse heute unter dem Namen
NYSE Euronext. Der NYSE Euronext gehört die New York Stock Exchange,
dazu Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Terminbörse
NYSE Liffe.
Funktionsweise der NYSE
Um
Mitglied der NYSE zu werden und in den Genuss der damit verbundenen
Privilegien zu kommen, muss einer der begehrten Sitze ("seat",
vergleichbar mit einem (elitären) Mitgliedsausweis) von einem derzeitigen
Mitglied und Inhaber eines Sitzes erworben werden, der hierbei unter
Vorbehalt der Übertragung allein auf natürliche Personen übertragen
werden kann. Zudem muss der Applikant um einen Sitz einen guten Leumund
vorweisen, von mindestens zwei aktiven Mitgliedern gesponsert sein und
vom Börsenvorstand der NYSE für würdig befunden werden, diesen Sitz
zu übernehmen. Darüber hinaus muss der Erwerber eine spezielle schriftliche
Prüfung erfolgreich ablegen.
Nur
über einen solchen Sitz erhält ein neues Börsenmitglied Zugang zu den
umfangreichen Handelssystemen, die die NYSE ihren Mitgliedern bei der
Orderabwicklung und der Durchführung des Handels anbietet. Da der größte
Teil an Transaktionen in Wertpapieren, und zwar sowohl im Hinblick auf
Marktkapitalisierung als auch auf Zahl der gehandelten Werte, an der
NYSE abgewickelt wird, besitzt dieses Privileg nicht selten einen beachtlichen
Vermögenswert. Der bisherige Spitzenpreis, den ein Sitz an der New Yorker
Börse erzielte, betrug immerhin 3,25 Mio. US-Dollar.
Angesichts
der erheblichen Vorteile, die eine Mitgliedsstelle an der Börse bietet,
überrascht es nicht, dass weitaus der größte Teil der rund 500 US-amerikanischen
Brokerhäuser zugleich auch zu den Mitgliedern der NYSE zählt. Manche
Brokerfirmen sind sogar mehrfach Mitglied und sie alle nennen sich dementsprechend
auch "member firm".
Mitglieder der NYSE lassen
sich jeweils einer der folgenden Kategorien zuordnen, abhängig davon,
welche Funktionen sie ausüben:
-
Commission- oder Floor-Broker: Sie nehmen
Orders entgegen, die
Kunden den Brokerfirmen, für die sie tätig werden, erteilen und
versuchen diese in eigenem Namen auf Rechnung des Kunden am Parkett
umgehend in deren Sinne auszuführen. Für ihre Dienste erhalten sie
von den jeweiligen Auftraggeber eine Provision, z.B. einen konstanten
Promillesatz am Umsatz, evtl. zudem einen Mindestbetrag und einen
nach der Umsatzhöhe gestaffelten Promillesatz. Die Brokerfirmen,
in deren Auftrag sie arbeiten, erhalten darüber hinaus von ihren
Kunden für ihren Service eine Maklergebühr ("commission",
"brokarage fee", "fee"), welche i.
d. R. sämtliche auflaufenden Kosten des Hauses abdeckt. Floor-Broker
dürfen jedoch niemals für eigene Rechnung handeln.
-
Floor-Trader
("competitive trader", "registered trader"): Natürliche
Personen, die einen Börsensitz käuflich erworben haben und ausschließlich
für eigene Rechnung handeln dürfen.
-
Sog.
2$-Broker (auch Floor-Broker): Sie unterstützen andere Mitglieder
bei hohem Orderfluss und erhalten dafür einen Anteil der von Kunden
zu entrichtenden "commissions".
-
Spezialisten
("specialists"), die seit neuem unter dem Namen "designated
market makers" bekannt sind: Ihnen kommt die Aufgabe zu, einen fairen
und ordentlichen Handelsablauf zu gewährleisten. Je nach Marktlage
können sie zur Erledigung dieser Aufgabe wahlweise entweder die
Funktion eines Floor-Brokers oder die eines Floor-Traders ausüben.
Als Gegenpartei für andere Akteure bewirken sie durch ihre ständige
Transaktionsbereitschaft einen insgesamt stabilen, kontinuierlichen
Handel im betreuten Handelsinstrument ("Marktpflege") und sorgen
so für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.
Von
den 1366 Mitgliedern entfielen rund 700 auf Floor-Broker, 400 auf Spezialisten,
225 auf 2$-Broker und der Rest auf Floor-Trader. Im Zuge des Trends
hin zu einem immer schnelleren elektronischen Handel hat sich indessen
ihre Zahl heutigentags mehr als halbiert.
Eine
zum Handel an der NYSE ("Big Board") zugelassene Aktie wird als "listed
stock" bezeichnet. Jede Aktiengesellschaft, die ihre Aktien an der
NYSE notiert sehen will, muss dazu vorher einen entsprechenden Antrag
auf Börseneinführung bei der zuständigen Zulassungsstelle der Börse
einreichen. Die diesbezügliche erste Kontaktaufnahme mit Vertretern
und Mitgliedern der NYSE ist im Allgemeinen zunächst mehr nur informeller
und vertraulicher Art. Hierbei wird insbesondere die Frage geprüft,
ob eine Zulassung zum Handel überhaupt mehrheitsfähig ist. Ist dies
zu bejahen, erfolgt kurze Zeit später in aller Regel die interne Billigung
durch die Börse nach. Im Anschluss daran wird die Unternehmung ihren
Antrag auf Zulassung zum Handel nun auch offiziell in der Fachpresse
publizieren. Aufgrund der bereits stillschweigend erfolgten Sanktionierung
des vertraulichen Antrags ist die Gestattung der Börsenzulassung in
diesem Stadium nichts weiter als eine reine Formsache.
Die
Zulassungskriterien richten sich insonderheit nach 1.) dem Grad des
nationalen Interesses an dem neu zu listenden Unternehmen, 2.) seine
relative Position und Stabilität innerhalb seiner Branche, und 3.) danach,
ob Aussicht besteht auf zum Mindesten eine Aufrechterhaltung der relativen
wirtschaftlichen Stärke innerhalb einer sich entwickelnden Branche.
Die
gelisteten Aktiengesellschaften verpflichten sich außerdem, jährlich
pekuniäre Beiträge von gewisser Höhe zu entrichten sowie ganz bestimmte
unternehmerische Informationen, fallweise und auf regelmäßiger Basis,
vor die Öffentlichkeit zu bringen.
Wie
aber, wenn das Interesse der Anleger an der notierten Aktiengesellschaft
mit einem Male schwindet, sodass ihre Anteile kaum noch umgesetzt werden?
Nun, in diesem Falle kann die NYSE die betreffende Aktie wieder streichen.
Sobald dies einmal beschlossene Sache ist, wird die Aktie ganz einfach
außer Kurs gesetzt und steht damit dem Handelsverkehr auch nicht mehr
zur Verfügung ("delisting"). Gleiches gilt sinngemäß für Fusionen
bzw. Übernahmen. Davon strikt zu trennen ist das zeitweise Aussetzen
der Notierung im laufenden Handel an der Börse (= "trading halt")
infolge wichtiger Neuigkeiten oder selbsttätig wirkender "circuit breaker".
Aktiengesellschaften
können grundsätzlich an mehreren nationalen und internationalen Börsen
parallel notieren. Das ist insbesondere bei nicht-US-amerikanischen
Aktiengesellschaften oft der Fall, die nicht allein für den börsenmäßigen
Handelsverkehr in ihrem jeweiligen Heimatland bestimmt sind. Doch handelt
es sich bei jenen Anteilsscheinen dabei nicht immer um "echte" Aktien
der Aktiengesellschaft, die dann an der NYSE Euronext notieren, sondern
normalerweise um sog. "American Depository Receipts" (ADRs).
Dies sind von US-Banken emittierte Finanzierungsvehikel, die indirekte
Eigentümeransprüche an einer bestimmten Anzahl von Aktien einer ausländischen
Kapitalgesellschaft verbriefen. Die eigentlichen Aktien werden bei einer
Bank im Heimatland der Gesellschaft fest unter Verschluss gehalten.
Der Handelsablauf
an der NYSE
Es
gibt an der NYSE grundsätzlich zwei unterschiedliche Handelsformen (Marktkoordinationsformen):
Den sogenannten Auktionsmarkt
und den Dealer-Markt (Market-Maker-System).
Hierzu ein Beispiel:
Ein geerbtes Gemälde
von gewissem Kunstwert soll verkauft werden. Das Bild wird zu einem
Auktionshaus gebracht, wo der Auktionator Angebote dafür akzeptiert.
Derjenige, der das höchste Preisangebot abgibt, erhält den Zuschlag.
Eine hierzu alternative Möglichkeit besteht nun darin, das besagte Gemälde
zu einem Kunsthändler zu bringen, der es ankauft mit dem Plan, es gewinnbringend
weiterzuverkaufen.
Der
Handelsablauf an der NYSE wird vorwiegend bestimmt vom Prinzip des kontinuierlichen
Auktionsmarktes. Dieser vollzieht sich dabei ganz konkret an einem physischen
Ort, dem sog. Parkett ("trading post", in einer Gesamtgröße von
27000 square
feet), wo die im Verkehr stehenden Wertpapiere von zahlreichen persönlich
anwesenden Brokern
und Händlern fortlaufend gehandelt werden.
Jedem
gelistetem Wertpapier wird einer von 20 verschiedenen Posten, das ist
einer jener bestimmten physischen Orte auf dem Parkett, zugewiesen (dieser
ist in seiner Form meist oval oder sechseckig). Gewöhnlich werden mehr
als eine Aktiengattung an diesem zugeteilten Platz gehandelt, niemals
aber werden Aktien einer Aktiengattung gleichzeitig an mehreren Orten
auf dem Parkett gehandelt.
An der
NYSE stehen die Spezialisten ("specialists", "designated market
makers") im Mittelpunkt des Handelsgeschehens. Jede dort gelistete
Aktie wird einem bestimmten vom Börsenvorstand beauftragten Spezialisten
unmittelbar zugeordnet. Diese Zuordnung schließt Vorzugsaktien bzw.
Optionsanleihen der betreffenden Aktiengesellschaften mit ein. Industrieanleihen
("bonds") werden von den Spezialisten jedoch nicht betreut. Es
gibt aber auch einige Aktien, die von zwei oder mehr Spezialisten geführt
werden: So kommen auf Konto der 400 Spezialisten ca.
1600 Stammaktien.
Bis
vor kurzem noch wurde jede einzelne Kauf- bzw. Verkaufsorder im Zuge
des Orderflusses physisch zu jenem Ort transportiert, der dieser Aktie
zu Zweck ihrer Zusammenführung im Handelsverkehr von der Börse explizit
zugeteilt worden ist, also jener Ort auf dem Parkett, wo der Spezialist
während der Handelszeit an der NYSE durchgehend präsent ist. Diese Aufgabe
wird heutzutage jedoch vollständig auf elektronischem Wege erledigt.
Jede von außen hereinkommende Order wird an der Präsenzbörse entweder
an ihrem zugewiesenen Ort eines der beiden großen Handelsräume auf der
Stelle ausgeführt oder – soweit eine Ausführung im Markt nicht sofort
möglich ist – verbleibt diese im Orderbuch des zuständigen Spezialisten
zwecks späterer Ausführung.
Die
Funktionsweise der NYSE lässt sich am besten anhand eines
Beispiels erläutern: Herr K. fragt seinen Broker
telefonisch nach dem aktuellen Aktienkurs von General Motors. Der Broker
prüft daraufhin die Kursnotierungen auf einem Handelsbildschirm und
stellt fest, dass der Geldkurs bei 61 US-$ ("bid") und der Briefkurs
bei 61,25 US-$ ("ask") liegt. Er erkennt zudem, dass der Spezialist
auf dem Parkett gewillt ist, bei diesem Geldkurs mindestens 100 Aktien
zu kaufen und nicht weniger als 400 Aktien zum genannten Briefkurs zu
verkaufen. Nachdem Herr K. diese Informationen von seinem Broker erhalten
hat, erteilt er einen Auftrag, 300 General Motors Aktien bestens – "at
the market" – zu kaufen. Sofort übermittelt der Broker diese
Kauforder an seine Hauptgeschäftsstelle in New York, von wo aus die
Order sofort an den Stand der Brokerfirma am Börsenparkett weitergeleitet
wird. Der für die Brokerfirma vor Ort tätige Commission-Broker transportiert
die Order sodann zu jenem festen Handelsplatz, wo General Motors Aktien
regelmäßig gehandelt werden.
Eine
im Markt wirkende, derzeit jedoch nicht ausführbare Kauforder zu angenommen
61US-$ zeigt auf, dass gegenwärtig
niemand zum oder zu weniger als zu diesem Kurs zu verkaufen bereit ist;
eine noch nicht ausgeführte Verkaufsorder zu angenommen 61,25US-$
gibt zu erkennen, dass kein höherer Kaufpreis bezahlt zu werden braucht,
um jene Aktie gleich jetzt zu erstehen. Falls ein solcher Spread
– also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs – nur genügend groß
ist, führt dies zu einer Preisspanne möglicher "Trades" (Einigungsbereich)
und es beginnt naturgemäß eine Auktion zwischen den einzelnen Commission-Brokers,
wobei es zu Umsätzen zu allen Kursen kommen kann, die zwischen den vom
Spezialisten vorgegebenen Geld- und Briefkursen liegen. Allein durch
die Marktmacht (Marktprozess und Anpassungshandlungen) wird hierbei
der tatsächliche Kurs festgesetzt. Diese Art von Auktion bezeichnet
man als "doppelseitige Auktion", da Kauf- und Verkaufsinteressenten
gleichermaßen an ihr beteiligt sind.
Aber
was passierte, wenn Herrn K.s Order auf keine Resonanz stieße? In diesem
Falle hätte der Spezialist die Gegenposition eingenommen und 300 General
Motors Aktien zu einem Stückpreis von 61,25 US-$ an Herrn K.s Broker
verkauft. Der tatsächliche Verkäufer in diesem Beispiel kann einmal
der Spezialist selbst oder ein dritter Verkäufer sein, dessen Limitorder
im Buche des Spezialisten zwischenzeitlich zur Ausführung offen stand.
Ist
der Geld-Brief-Spread relativ gering, so dass dieser nur schwerlich
einen Spielraum zum Handeln einräumt, wird der Spezialist die Order
als Marktorder (Bestens- bzw. Billigst-Order) unmittelbar selbst ausführen.
Seit
der Übernahme von Archipelago Holdings Inc. arbeitet die NYSE
nunmehr neben dem traditionellen Parketthandel auch über deren elektronische
Handelsplattform.
Eine
triviale Börsenweisheit lautet: "Kaufe billig und verkaufe teuer!".
Der weit überwiegende Teil der Investoren spekuliert auf Gewinne, indem
sie Aktien zunächst kaufen in der Hoffnung, diese später teurer verkaufen
zu können. Bei Leerverkäufen
wird dieser Prozess indes umgekehrt: Der Investor verkauft zuerst, nachher
kauft er (hoffentlich mit Profit zu tieferen Kursen) zurück.
Leerverkäufe
in Wertpapieren werden an den Kassabörsen regelmäßig eingeleitet durch
Verkauf geschuldeter Stücke, zu deren Verschaffung die Vornahme einer
Wertpapierleihe Voraussetzung ist. Ein daraus hervorgegangener Kredit
in Wertpapieren wird zu einem gelegen Zeitpunkt wieder getilgt durch
Erwerb und Rückstellung von Wertpapieren gleicher Art und Menge. Der
Unterschied von einem herkömmlichen Kredit liegt darin, dass es sich
bei der ausgeliehenen Sache nicht um Euro oder Dollar etc. handelt,
sondern um Urkunden (diese Zertifikate verkörpern selbstverständlich
einen bestimmten Wert, der sich wiederum in Euro bzw. Dollar beziffern
lässt). Oder was in anderen Worten dasselbe sagen will: Der Kreditnehmer
stellt den Kredit dadurch zurück, dass er dem Kreditgeber die gleichen
(nicht zwangsläufig dieselben, da vertretbare) Urkunden in gleicher
Zahl zurückgibt. Damit einher geht aber notwendig der Verzicht auf den
Anspruch auf die in den Urkunden verbrieften Zins- und Dividendenzahlungen.
Im Jahre 1921 fand sich
in zweiter Generation eine Gruppe junger Börsenhändler zusammen. Diese
spezialisierte sich auf Transaktionen in solchen Aktien und Anleihen,
welche sich aufgrund ihres eher geringen Marktvolumens nicht für eine
Notierung an der NYSE qualifizieren konnten und gründeten eine eigens
hierauf ausgerichtete Organisation. Diese Organisation, die seit 1953
den Namen "American Stock Exchange (AMEX)" trägt, stieg schnell
empor zu der zweitwichtigsten Präsenzbörse für Aktien und Optionen in
den Vereinigten Staaten. Seit Anfang 2009 gehört die American Stock
Exchange der NYSE Euronext an, die sie übernahm. Ebenso wie
die New York Stock Exchange ist auch die AMEX ein zentraler Finanzplatz,
an dem ihre Mitgliedsfirmen vor Ort tätig sind, jede von ihnen spezialisiert
auf den Handel mit bestimmten Emissionen unter gleichzeitiger Wahrnehmung
von "market-maker"-Funktionen.
Rund 25 solcher Firmen handelten in mehr als 900 Aktien und Optionen
einschließlich einer beträchtlichen Anzahl ausländischer Wertpapiere.
Einige dieser Papiere wurden gleichzeitig auch an der NYSE notiert.
Da die Zulassungsbestimmungen an der AMEX großzügiger gehandhabt wurden
als an der NYSE, wurden hierdurch vor allem relativ junge Unternehmen
zu einem Gang an die Börse ermutigt. Insbesondere ebnete die AMEX Firmen
im Bereich technologischer Produktinnovationen den Weg zu einem Börsengang.
Die Funktionsweise der AMEX war von jeher mit jener der NYSE gut zu
vergleichen, abgesehen von kleineren Unterschieden in der technischen
Ausstattung und in der Rolle der Spezialisten.
Das
elektronische Kursnotierungssystem der Wertpapierhändler (NASDAQ
= National Association of Securities Dealers Automated Quotation
System) der National Association of Securities Dealers, hat die
USA zum größten elektronischen OTC-Markt (Over-the-Counter-Market
= Freiverkehrsmarkt) der Welt gemacht. Hier werden derzeit ca. 3200
verschiedene Aktiengesellschaften gelistet. Manche betrachten NASDAQ
sogar als Vorläufer eines weltumspannenden Aktienmarktes der Zukunft,
auf dem Investoren aus aller Welt rund um die Uhr mit Hilfe eines durchweg
auf Computerbasis arbeitenden Systems Handel treiben können. Das NASDAQ-System
nahm am 8. Februar 1971 den Handel auf mit dem Ziel, die Effizienz des
OTC-Marktes zu stärken. Zum Einsatz kam dabei die für damalige Verhältnisse
modernste Technologie, die seinerzeit dem neuesten Wissensstand entsprach.
Sie kann damit als die erste "Computerbörse" der Welt angesehen werden.
NASDAQ gilt inzwischen als größtes elektronisches Börsenhandelssystem
in den USA.
NASDAQ
wurde in der Absicht entwickelt, kleineren Firmen, die wegen stringenterer
Zulassungsbestimmungen sonst nicht an den großen Börsen notiert werden
können, den Zugang zum OTC-Markt zu öffnen. Das System wird von den
NASDAQ-Händlern (ein sich selbst regulierender US-Wertpapierhändlerverband)
verwaltet, dem rund 3000 Händler,
500 Brokerhäuser sowie die angesehensten Investmentbanken (Spekulationsbanken)
angeschlossen sind. Das weltweite Kommunikationsnetzwerk der NASDAQ
ermöglicht den angeschlossenen Brokern die sofortige Kenntnis sämtlicher
Kursinformationen aller teilnehmenden Dealer (Market-Maker)
in allen einbezogenen Wertpapieren. Die Koordinierung des Handels
durch Pensionskassen und durch große Versicherungsunternehmungen ausgenommen,
welche normalerweise recht umfangreiche Aktienpakete halten, werden
überdies Angebot und Nachfrage von solchen Privatfirmen über Computerterminals
zusammengeführt, die beabsichtigen, Stückelungen in größerem Maßstab
umzusetzen. Infolgedessen konnten die Provisionen deutlich gesenkt werden.
Auch ließ sich eine höhere Geschwindigkeit bei der Abwicklung einzelner
Transaktionen erzielen mit der Folge, dass sich viele namhafte Firmen
– wie z.B. Apple Computer oder
MCI Communications, die sich ohnedies fraglos für eine Zulassung zur
NYSE oder zur AMEX qualifiziert hätten – dazu entschlossen, im OTC-Markt
zu bleiben. Tendenziell wuchs die Zahl der Unternehmungen, die zum NASDAQ-System
überwechselten, weil ihnen die Notierung im Freiverkehr, der durch mitunter
recht scharfen Wettbewerb der einzelnen "market-maker" gekennzeichnet
ist, im Hinblick auf ihre spezifischen Bedürfnisse vorteilhaft erschien.
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In den USA gibt es
noch eine dritte, kleinere Börse: Die National Stock Exchange
NSX handelt Wertpapiere kleinerer Firmen ausschließlich auf vollelektronischem
Wege.
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Chicago entwickelte
sich in den letzten Jahren zum zweitwichtigsten Finanzzentrum in
den USA. Hier war einst die Midwest Stock Exchange beheimatet,
die 1882 unter dem Namen Chicago Stock Exchange gegründet
wurde und nach dem Zusammenschluss mit Börsen aus St. Louis, Cleveland,
Minneapolis – St. Paul und New Orleans umbenannt wurde.
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Chicago ist darüber
hinaus auch das größte Handelszentrum für Futures-Kontrakte und
für standardisierte Optionen. Diese sog. "Derivativen
Instrumente" werden schwerpunktmäßig unter einem Dach, aber
an zwei unterschiedlich Bezeichnungen tragende Terminbörsen ("commodity
exchanges") gehandelt: An der Chicago Mercantile Exchange
(CME) und am Chicago Board of Trade (CBOT). Beide haben sich
unlängst zusammengeschlossen zur
CME Group Inc.
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Weitere Börsenplätze gibt es noch in Boston,
Cincinnati und San Francisco (Pazifik).
Wenngleich alle bedeutsamen
Börsenplätze getrennt voneinander und eigenständig arbeiten, stehen
diese dennoch über ein elektronisches Computer-Kommunikationssystem
direkt miteinander in Verbindung. Letzteres wird überdies von der US-Börsenaufsichtsbehörde
SEC, welche prinzipiell auch als Mitbetreiberin verstanden werden kann,
laufend minuziös überwacht. Alle Börsenplätze unterstehen mithin unmittelbar
der Kontrolle der SEC. Jede Börse, an der Handel über die Grenzen eines
US-Bundesstaates hinaus betrieben wird, muss dazu bei der SEC registriert
oder im Besitze einer entsprechenden Sondergenehmigung sein (die momentan
einzig die Börse von Honolulu besitzt). In jedem Falle aber ist jede
Börse in den USA an gesetzliche Bestimmungen gebunden, die an
anderer Stelle noch näher
beleuchtet werden sollen.
Obwohl der US-Anleihemarkt sich nur schwerlich als
eine in sich geschlossene Einheit betrachten lässt, weist er heute einen
Gesamtwert von mehr als 9000
Mrd. US-Dollar auf und ist damit unangefochten der größte der Welt.
Die wachsende Flut an Emissionen soll der Übersichtlichkeit halber drei
Gruppen zugeordnet werden:
-
Obligationen auf
Bundesebene (zu denen die Treasury-Bonds, Treasury-Notes und ähnliche
Schatzpapiere und -obligationen gehören),
-
Emissionen bundesstaatlicher
und lokaler Behörden ("municipal bonds" genannt – in etwa
mit unseren Kommunalobligationen vergleichbar) und
-
Anleihen von privaten Unternehmungen und von
auswärtigen Emittenten.
Vgl. darüber auch: Bond-Rating
und Ratingagenturen.
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