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Kontraktpreis und Kontraktwert von kurzfristigen
Zins-Futures
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Zins-Futures in
Geldmarktinstrumenten ("money market futures") sind ebenso
wie alle anderen Arten von Futures hochstandardisierte Finanzmarkt-Kontrakte.
Sie werden an den Börsen demgemäß nach einheitlichen Prinzipien gehandelt
und abgewickelt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Geldmarkt-Futures
von ihrem unterliegenden Zinsinstrument, welches jedes für sich strikt
nach eigenen, überlieferten Verfahren gehandhabt wird. Außerdem sind
Geldmarkt-Futures in diesem Punkt ungleich auch von ihrem häufig zitierten
Analogon in herkömmlichen
Termingeschäften, den
sog. "forward rate agreements" (FRAs), die das direkte Ergebnis
von auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene gegenseitige Vertragsabstimmungen
zweier rechtlich gleichgestellter Vertragspartner repräsentieren (individualisierte
Kontrakte). Letzteren gegenüber sind Geldmarkt-Futures aber noch in
einer anderen Hinsicht verschieden, nämlich in ihrer Notierungsweise,
die ganz dem an Terminbörsen gewohnten Preisgedanken verhaftet ist.
Kurzfristige Zins-Futures werden nicht wie FRAs unmittelbar in Terminzinssätzen
("forward rates"), sondern eigens in einer indexierten Form wie
folgt quotiert:
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Futureskurs
von Geldmarkt-Futures =
100 minus annualisierte Termin-Referenzzinsrate.
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Bei dem in der vorstehenden
Formel angeführten Referenzzinsfuß handelt es sich um einen Terminzins,
der nicht verwechselt werden darf mit einer Zinsrate für eine sofortige
Geldveranlagung oder Geldaufnahme (dies wäre der Kassazinssatz, "spot
rate") noch gar mit einer Diskontierung. Nach den geltenden "day
count conventions" wird ein solcher Zinssatz regelmäßig (prominente
Ausnahme: Pfund Sterling, 365 Tage) auf ein Jahr mit 360 Tagen berechnet.
Offensichtlich steht
die Preisfestsetzung in der oben angeführten indexierten Form im Einklang
mit der wohl vertrauten reziproken Beziehung zwischen Zinsniveau und
Marktwert eines Zinstitels: Je höher der Kurs eines Geldmarkt-Futures
steigt, desto geringer beziffert sich der referenzierte Terminzinssatz
und umgekehrt. Das aber heißt: Wird allgemein ein Anstieg des Zinsniveaus
am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve erwartet, so schlägt sich dies
über den Marktprozess nieder in steigenden Termin-Zinssätzen mit der
Folge fallender Futureskurse von "short-term interest rate"-Futures.
Wird dagegen in naher Zukunft allgemein mit einer Krediterleichterung
und einem Rückgang der kurzfristigen Zinsen gerechnet, werden parallel
mit den tatsächlich fallenden Terminzinssätzen die Kurse von STIR-Futures
steigen.
Jeder an der Börse festgestellte
Kontrakt-Preis eines "short-term interest rate"-Futures lässt sich auf
einfache Weise in einen annualisierten Termin-Referenzzinssatz vorstehender
Art (ausgedrückt als Jahreszinsfuß, in Prozentpunkten p.
a.) umrechnen. Liegt der aktuelle Futureskurs eines
3-Monats-EURIBOR-Futures
beispielsweise bei 96,55 Punkten, so errechnet sich, von der abstrakten
Formel "Futureskurs = 100 – Termin-Referenzzinssatz p.
a." ins Praktische übertragen, eine 3-Monats-"futures forward
rate" von: 100 – x = 96,55 bzw. x = 3,45. D.
h. der implizite Referenzzinssatz beträgt hier beispielhaft
3,45
% p. a. Eine Erhöhung
des Zinses auf bspw. 3,70
% p. a. drückte sich aus in
einem Rückgang des Futureskurses auf 96,30, ein Zinsrückgang bspw. auf
3,20 % p.
a. dagegen in einem Anstieg des Futureskurses auf nun 96,80 usf.
[Hinweis: Der so
ermittelte Futures-Terminzinssatz ("futures forward rate") darf
nicht unbesehen mit dem für diese Zinsperiode geltenden Terminzinssatz
("forward rate") identifiziert werden. Wenngleich die Zinsdifferenz
zwischen beiden Sätzen – insbesondere bei kurzfristigen Kontrakten –
sehr gering ausfallen dürfte, kann die Differenz bei längerfristigen
Zins-Futures beträchtlich werden. Die "forward rate" ist durchweg
niedriger als die "futures forward rate". Dies ist zurückzuführen
auf die täglich verbuchten Differenzbeträge auf den
Margin-Konten ("marking to
market"), die ihrerseits auf Anpassungen an geänderte Schlusskurse
und Werte eines Futures zum Vortage und den dadurch bewirkten Vermögenswertänderungen
beruhen.]
Der vorstehende Terminzinssatz
lässt sich wie folgt interpretieren: Mangels direkter Beobachtungsmöglichkeit
zukunftsbezogener Kassazinssätze gibt dieser (gemäß der Erwartungshypothese
zur Erklärung der Zinsstruktur) stellvertretend den Maßstab ab für die
allgemeine Markteinschätzung mit Blick auf den künftig zu erwartenden
3-Monats-Kassazinssatzes auf Euro-Termineinlagen unter Banken, wobei
die referenzierte Zinsperiode mit dem letzten Handelstag des EURIBOR-Futures,
d. h. unmittelbar nach Ablauf
der Vorlaufzeit,
beginnt.*
[* Ein Kuriosum
hierbei ist, dass der Kassamarkt für das unterliegende Geldmarktinstrument
gewissermaßen nur die Lebensdauer einer Eintagsfliege fristet; denn
schließlich ist jedes Mal mit Beginn des nächsten Tages die Laufzeit
um einen Tag abgeschmolzen, sodass es sich damit nun nicht mehr um ein
3-Monats-Instrument, sondern um ein 3-Monats-minus-1-Tag-Instrument
handelt – was offenkundig etwas anderes ist.]
Der Marktwert eines "short-term
interest rate futures" leitet sich auf eindeutig bestimmbare Weise
ab entweder aus den Renditen eines ihm zugrunde liegenden Geldmarktpapiers
oder aber aus der Höhe des bezüglichen Basisreferenzzinssatzes, der
ihm als Underlying dient. Doch wie lässt sich der Marktwert eines Geldmarkt-Futures
bestimmen? – Zur Ermittlung des Marktwertes des "underlying"
eines kurzfristigen Zins-Futureskontrakts (der "Kontraktsumme")
wird der jeweilige in Indexpunkten vorliegende Futureskurs genutzt und
in eine geeignete Formel eingebracht. Beispiel:
Für einen 13-wöchigen (91-Tage)
US
T-Bill Futures der Terminbörse
Chicago Mercantile Exchange
beispielsweise (CME, vgl. hierüber auch das
Regelwerk der CME Group), dem vor Einführung des Eurodollar-Futures
im Jahre 1981 umsatzstärksten Zins-Futures weltweit, beträgt das Nominalvolumen
des Basiswertes standardmäßig 1 Mio. US-$. Notiert der Futures derzeit
an der CME mit 95,750 Punkten, so errechnet sich unter Zugrundelegung
eines 360-Tage-Jahres ein Wert des "underlying" von 989256,94
US-$.
[Hinweis: US-Treasury-Bills
(Schatzwechsel, "Noten") sind bare Diskontpapiere und werden, wie es
weithin üblich ist, auf Basis eines 360-Tage-Jahres gehandelt (Actual/360-Tage-Methode).]
Zur Berechnung kommt
folgende Formel zur Anwendung:
WF = NV – NV × [(100 – F) / 100]
× t / 360
mit
WF
: Kontraktwert eines Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente, hier in
US-$,
NV : Nominalvolumen
des dem Futures zugrunde liegenden Zins-Instruments (hier: 1 Mio. US-$),
F : Kontrakt-Preis
(Futureskurs),
t : vertraglicher
Anlagezeitraum, in Tagen (hier: Laufzeit des Basisinstruments 91 Tage),
wobei der Term (100
– F)/100 den in dezimaler
Schreibweise ausgedrückten Referenzzinssatz (per annum) repräsentiert,
der beim T-Bill-Futures für den impliziten Diskont-Terminsatz steht.
Oder was mit anderen Worten dasselbe besagt: Durch den Kauf eines T-Bill-Futures,
für den eine standardisierte Zinsperiode von 91 Tagen im zugrund liegenden
Instrument gilt, stellt der Käufer sicher, dass er, beginnend mit dem
letzten Handelstag des Futures (entspricht dem Ende der Vorlaufzeit
bei FRAs), für seine Geldanlage von 989256,94
US-Dollar am Ende der Zinsperiode einen Festbetrag im Nennwert von 1
Mio. US-Dollar zurückerhält. Die hierbei erzielte Verzinsung entspricht
bei einem Kaufkurs des Futures zu einem Kurs von 95,750 Punkten 4,25%
p.a. auf Diskontbasis.
Überprüfung des Ergebnisses: 4,25% × (91/360)
= 1,07431% (gerundet auf 5 Dezimalstellen). D.h. der Abschlag vom Nennwert
in Höhe von 1,07431%, oder in absoluten Beträgen rund 10743,06
US-$, ergibt den Kaufpreis des T-Bills bzw. den Anlagebetrag, welcher
nach Ablauf der Zinsperiode von 91 Tagen einen Rückzahlungsbetrag in
Höhe des Nennwertes von genau 1 Mio. US-$ hervorbringt.
Zu beachten ist, dass
sich der Diskontsatz i. d.
R. vom effektiven Jahreszins unterscheiden wird. Der effektive Jahreszins
bemisst sich nach dem finanziellen Ergebnis, bezogen auf das während
dieser Periode hierfür eingesetzte und gebundene Kapital, hochgerechnet
auf ein Jahr mit der am Geldmarkt üblichen linearen Zinsberechnungsmethode.
Wir erhalten mithin als Rendite:
[(1 Mio. US-$ – 989256,94
US-$) / 989256,94 US-$] ×100
= (10743,06 US-$/ 989256,94
US-$) × 100 = 1,0856%. Diese Rendite wird transformiert in den
effektiven Jahreszins und beträgt: 1,0856% × (365/91) = 4,35433%.
Da T-Bill-Futures derweil
anders als letzthin statt durch effektive Lieferung von US-Schatzwechseln
regelmäßig durch Barausgleich ("cash
settlement") zu erfüllen sind, erhält der Käufer hier in unserem
Beispiel für den Fall, dass der Zins (d.
i. die künftige "spot rate") zu Beginn des intendierten Anlagezeitraums
unter 4,25 % p.
a. liegt, mit dem Geldäquivalent aus der Wertsteigerung des Futures
de facto eine angemessene Kompensation. Die Summe aller Kompensationszahlungen
aus den täglichen Settlement-Zahlungen ist in ihrer Höhe nämlich so
bemessen, dass sie faktisch die Ertragsminderung aus der Zinsdifferenz
zwischen 4,25 % p.
a. und dem am Anfangszeitpunkt der Veranlagung herrschenden niedrigeren
Zinssatz ("spot rate") aufwiegt. Umgekehrtes gilt ganz entsprechend
bei höher notierenden Zinssätzen zur Fälligkeit.
Sämtliche auf Kursänderungen
zurückgehende Ausgleichszahlungen werden bereits während der Laufzeit
des Zins-Futures über die Liquidationskasse
("clearing house") den jeweiligen Kontoinhabern börsentäglich
gutgeschrieben bzw. belastet. Am letzten Handelstag ist die tatsächliche
Referenz-"spot rate" für die jeweilige Zinsperiode (z.B. 90 Tage-LIBOR
für Eurodollar) bekannt, der Wert des Futures wird anhand obiger Index-Formel
abschließend bewertet und im Rahmen des "marking
to market" letztmals entsprechend angepasst. Im Anschluss daran
erfolgt auf dieser Basis ein "cash settlement". Der gewünschte Zinssatz
lässt sich auf diese Weise ohne Notwendigkeit einer daraus resultierenden
Kapitaldisposition gewissermaßen für eine zukünftige Zinsperiode (z.B.
über drei Monate beim 3-Monats-Eurodollar-Futures) bereits im Vorhinein
festschreiben.
Die oben genannte Formel
zur Berechnung des Kontrakt-Gesamtwertes eines kurzfristigen Zins-Futures
lässt sich überdies zur Ermittlung des Wertes eines Basispunktes*
("basis point", pb) heranziehen. Der Wert eines Basispunktes
(= 0,010 Indexpunkte) wird
beispielsweise im Dreimonats-EURIBOR Futures von der Terminbörse
Eurex**
mit konstant 25 € angegeben und errechnet sich bei Geldmarkt-Futures
allgemein wie folgt:
Wert Basispunkt = NV
× (0,01/100) × t/360.
Setzen wir für F einen
Futureskurs von bspw. 96,000 in die Formel ein, erhalten wir einen Kontraktwert
von: 1 Mio. € – 1 Mio. € × [(100 – 96,000) / 100] × (90/360) = 990000
€. Steigt der Futureskurs nun um einen Basispunkt auf 96,010, so erhalten
wir folgerichtig einen Kontraktwert von 990025
€, eine Wertsteigerung um 25 € – die der Halter einer Long-Position
in diesem Falle für sich verbuchen könnte. Im Dreimonats-EURIBOR Futures
der Eurex beträgt die geringstmögliche Schrittweite im Handel ("tick")
einen halben Basispunkt = 0,005 Indexpunkte.
[* Hinweis:
Steht der Begriff Basispunkt in direktem Kontext zu einem Zinssatz,
so ist hiermit die geringstmögliche Zinsänderungseinheit des Geldmarktsatzes
in Höhe von 1/100 von einem Prozentpunkt gemeint.]
[** Eurex
ist am 28. September 1998 nach erfolgreicher Zusammenarbeit aus der
1990 gestarteten Deutschen Terminbörse (DTB) und der Swiss
Options and Financial Futures Exchange (SOFFEX) hervorgegangen.]
Der Anfang der jeweiligen
Zinsperiode ist durch die Terminbörsen über die Standardisierungsvorgaben
für Zins-Futures-Kontrakte im Vorhinein festgeschrieben. Bei Eurodollar-Futures
bspw. stehen dem Anleger stets die Kontrakt-Monate des Zyklus März,
Juni, September und Dezember und zusätzlich die nächsten 4 seriellen
Monate ("the whites") zur Verfügung. Der mögliche handelbare
Zeitraum umfasst dabei stets 40 Quartale (10 Jahre). Im EURIBOR-Futures
der Terminbörse Eurex dagegen sind dies die jeweils nächsten
12 Quartalsmonate des Zyklus März, Juni, September und Dezember (max.
36 Monate). Der jeweilige Anfangszeitpunkt einer Zinsperiode fällt zeitlich
mit dem letzten Handelstag des fälligen Futures zusammen; konkret fällt
dieser innerhalb des betreffenden Terminmonats zumeist auf den 3. Mittwoch
eines Kalendermonats. Damit wird der Zeitpräferenzstruktur der Teilnehmergruppen
am Zins-Terminhandel in hinreichendem Maße entsprochen.
Augenfällig ist, dass
sich im Gegensatz zu den übrigen Futuresmärkten in den Geldmarkt-Futuresmärkten
die liquidesten Kontrakte nicht ausschließlich auf den jeweiligen
Frontmonat
("nearby") beschränken, sondern auch die nachfolgenden Termine
mit einbeziehen. Zurückzuführen ist dieser Beobachtungssachverhalt in
erster Linie auf eine größere Bedeutung von Geldmarkt-Futures für Kurssicherungsgeschäfte
(Hedging) gegenüber Zinsänderungsrisiken bei den Geldmarktsätzen und
andererseits auf eine vergleichsweise geringere Preiskorrelation zwischen
den verschiedenen Terminen.
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Beispiel für eine
(gelungene) Spekulation ("Daytrade") in Geldmarkt-Futures an der
CME:
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Wer im Zuge einer Trading-Stratege
Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente kauft ("long geht"), spekuliert
damit auf steigende Futureskurse und – rücksichtlich der inversen
Beziehung zwischen Zins und Kurs – implizit auch auf fallende Zinsen
am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve. Wer dagegen einen Zins-Futures
auf Geldmarktinstrumente verkauft ("short geht"), rechnet mit steigenden
Zinsen am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve und erwartet in deren
Gefolge fallende Futureskurse. Nachfolgend wird anhand eines Beispiels
ein Trade mit CME
Eurodollar-Futures
dargestellt, welcher die Nutzung der Chancen am Geldmarkt in Erwartung
kurzfristig steigender Zinsen bezweckt:
Herr E.D.,
ein passionierter Daytrader*, handelt an einem einzigen Börsentag
zuweilen mehr als hundert Futures-Kontrakte an den großen amerikanischen
Terminbörsen ("heavy trader"). Als Kunde eines
Online-Brokerhauses, bei dem
er ein Trading-Konto unterhält, veranlasst er sämtliche seiner Transaktionen
von Zuhause aus via PC. In Erwartung rückläufiger Kurse (steigender
Zinsen) im Eurodollar-Futures der
Chicago Mercantile Exchange
(CME, eine Abteilung der CME Group) erteilt Herr E.D.
"online" über das bereitgestellte Bildschirmhandelssystem eine
Order, 20 Juni-Eurodollar-Futures
zu "shorten" (d. h. zu verkaufen),
"at the market". Der Eurodollar-Futures-Markt ist ein hoch liquider
und sehr lebendiger Markt, so dass Herr E.D.
mit einer prompten Ausführung seiner Order direkt nach Einbringung derselben
eben zum oder angrenzend zum letztgehandelten Futureskurs rechnen kann.
Augenblicklich notiert der Kontrakt 98,04 Punkte. Nachdem er mit einem
prüfenden Blick die Marktlage nochmals überschaut und sich von der Richtigkeit
seiner Order überzeugt hat, bestätigt er Letztere per Tastendruck, womit
diese umgehend in das Order-Routing-System der Terminbörse in Chicago
gelangt, von wo aus sie in Millisekundenschnelle zu einem Futureskurs
von nunmehr 98,03 Punkten im Markt zur Ausführung kommt. – Nur wenige
Minuten später steht der Juni-Eurodollar-Futures im Preise um drei Basispunkte
niedriger bei einem laufenden Kurs von 98,00 Punkten, worauf Herr E.D.
beschließt, seine offene Short-Position jetzt wieder einzudecken. Rasch
verfertigt er eine Kauforder, 20 Juni-Eurodollar-Futures, limitiert
auf 97,99 Punkte, zu kaufen und speist sie in das System ein. Der Handel
kommt einige wenige Augenblicke später zustande, und 20 Juni-Eurodollar-Futures
werden zum spezifizierten Limitkurs gekauft, wonach die Position sodann
geschlossen wäre. Unter Berücksichtigung der (für Futuresgeschäfte typischen
geringen) Brokergebühren von hier 3 US-$ je "round turn" (d.
h. für Kauf und Verkauf eines Futures-Kontrakts zusammen)
bzw. 60 US-$ an Brokergebühren insgesamt, ergibt sich somit folgendes
Bild:
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Verkauf: |
98,030 |
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Kauf: |
97,990 |
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Differenz: |
+ 4 Basispunkte |
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Wert/Basispunkt mal Anzahl: |
$ 25,00 x 4 = $ 100 |
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mal Anzahl Kontrakte: |
20 x $ 100 = $ 2000 |
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abzgl. "commission" ($ 3/Kontrakt): |
$ 3 x 20 = $ 60 |
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Gewinn: |
+ $
1940 |
Herr E. D. verzeichnet demnach aus seiner Spekulation
mit Eurodollar-Futures einen auszahlungsfähigen Reingewinn vor Steuern
in Höhe von – detractis detrahendis –
1940 US-$.
[* Daytrader
sind kurzfristig orientierte Spekulanten, die selten über einen Tag
hinaus disponieren. Zwar handeln sie allgemein in relativ hoher Frequenz;
zu Beginn und am Ende eines Börsentages aber sind sie so gut wie nie
im Besitz von offenen Positionen. Vgl. hierüber auch die anderen
Gruppen der spekulativen
Marktteilnehmer im Futures-Handel.]
Eine
anders gelagerte Form des Einsatzes von Geldmarkt-Futures besteht daneben
in der Spekulation auf Verschiebungen bzw. Verwindungen in der Zinsstrukturkurve
mit Hilfe von Spreads ("yield
curve arbitrage"). Wird beispielsweise erwartet, dass der Zins für
einmonatige Euro-Termineinlagen stärker steigt als der Zins für dreimonatige
Euro-Einlagen, so wird der 1-Monats-EONIA*-Futures verkauft und
parallel dazu der
3-Monats-EURIBOR-Futures
gekauft. Erfüllen sich die diesbezüglichen Erwartungen nachher tatsächlich,
lässt sich mithilfe dieser Strategie davon auf treffliche Weise profitieren.
[* EONIA
= European Overnight Index Average, ein
von der
Europäischen Zentralbank berechneter durchschnittlicher Effektivzinssatz
für Euro-Übernachtgelder im Interbankenhandel. Der Einmonats-EONIA-Futures
ist ein Zins-Terminkontrakt, dem der Durchschnittswert aller während
der Laufzeit von einem Kalendermonat durch die Europäische Zentralbank
ermittelten effektiven Zinssätze für
Euro-Tagesgeld
zugrund liegt. Das Kontraktvolumen eines Kontrakts beläuft sich auf
3000000
Euro.]
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