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Entstehung, Entwicklung und Bedeutung von Aktienindex-Futures
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Aktienindex-Futures sind relativ
jungen Ursprungs. Der Zeitpunkt der Erstaufführung eines Aktienindex-Futures
führt überhaupt nicht viel weiter als ein Vierteljahrhundert zurück,
als am 24. Februar 1982 in den USA an der Terminbörse
Kansas City Board of
Trade (KCBT) der Value Line Composite Index Futures*
auf den Platz trat. Nur knapp zwei Monate später folgte der Index and
Option Market (IOM), eine damals neu gegründete Abteilung der
Chicago Mercantile Exchange
(CME), mit der Vorstellung von Aktienindex-Futures auf den Standard
& Poor's 500. Wenig später, noch im Jahr 1982, wurde dann der
NYSE Composite Index Futures** an der New York Financial
Futures Exchange (ehedem eine Tochtergesellschaft der
New York Stock Exchange)
präsentiert. Zwei Jahre später dann erfolgte die Aufnahme des Futurehandels
im Major Market Index MMI, ein Index, der 20 Aktienwerte von
erstklassigem Standing (Blue Chips) umfasst, welche fast alle zugleich
auch im Dow Jones Industrial Average (DJIA) enthalten sind. Futures
auf den Dow Jones selbst suchte man seinerzeit aber noch vergebens,
da die Inhaberin der Rechte: die
Dow Jones & Company,
die Rechte zum Derivatehandel auf ihr Produkt erst nach langwierigen
Verhandlungen am 6. Oktober 1997 endlich doch freigegeben hat.
[* Der
Value Line Stock Index
ist ein seit vielen Jahren etablierter
Aktienindex, der den Kursverlauf
von rund 1700 nordamerikanischen
Aktien abbildet.]
[** Der seit dem
14. Juli 1966 notierte
NYSE-Index spiegelt den Verlauf aller am "Big Board" der New
York Stock Exchange (NYSE Euronext) gelisteten Aktien wider und repräsentiert
damit ca. 77 % der Gesamtmarktkapitalisierung
aller gehandelten Publikumsgesellschaften in den USA. Der NYSE Composite
Index Futures, ("regular", Produktkürzel: YU) wird gegenwärtig
an der
New
York Board of Trade (ICE Futures U.S., NYBOT) gelistet.]
Die Regulierungsbehörden
für den Wertpapierhandel in den USA, mit maßgebend auch für den Futurehandel
in Aktien- und Aktienindices, verweigerten noch bis ins Jahr 1982 die
Erlaubnis für die Aufnahme des Handels mit Aktienindex-Futures, da befürchtet
wurde, diese Art von modernen Finanzinstrumenten könnten den zugrunde
liegenden Aktienkassamärkten erheblichen Schaden zufügen. Nachdem diese
Bedenken durch allerhand Studien ausgeräumt werden konnten, erhielten
Aktienindex-Futures schließlich dann doch den Segen der Behörden. Schon
recht bald nach ihrer Markteinführung stießen sie allseits auf einen
überaus guten und immerfort zunehmenden Anklang. Ihr alle Erwartungen
übertreffender Erfolg veranlasste in der Folgezeit dann weitere US-amerikanische
ebenso wie eine ganze Reihe internationaler
Terminbörsen zur Schaffung
neuer Aktienindex-Futures auf diverse Indizes, die – nach pflichtgemäßer
Vorlage und Billigung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden – alsdann
dem breiten Publikum zum Handel angeboten wurden. Die meisten dieser
neuartigen Produkte wurden schon kurz nach ihrer Präsentation, zumal
von den institutionellen, mit regem Zuspruch in Gebrauch genommen, konnten
sich später dann aber auch in immer weiteren Kreisen bis hin zu den
Reihen der privaten Investoren durchsetzen. In besonderer Weise getragen
wurde die weltweite Akzeptanz von Aktienindex-Futures in jenen Tagen
von einem mächtigen Wachstum im grenzüberschreitenden Effektenhandel,
verbunden mit dem Wunsch zahlreicher international operierender Institutionen
und multinationaler Unternehmungen nach leicht zu handhabenden Kurssicherungsinstrumenten
gegenüber den im Zuge der zu jener Zeit einsetzenden Deregulierungs-
und Globalisierungsbestrebungen eklatant gestiegenen Kurs-Volatilitäten
auf den globalen Aktienmärkten.
Nach
dem gelungenen Auftakt von 1982 dauerte es reichlich acht Jahre, bis
in deutschen Börsensälen Aktienindex-Futures ebenfalls Einzug hielten.
So notierte am 23. November 1990 erstmals auch an einem deutschen Börsenplatz
ein Aktienindex-Futures: Futures auf den
Deutschen Aktienindex DAX®
an der Deutsche Terminbörse (DTB) in Frankfurt am Main. Mit rund 50,4
Millionen gehandelten Kontrakten im Jahre 2008 gehört der DAX®-Futures
zusammen mit einer ganzen Zahl anderer Aktienindex-Futures, wie bspw.
jene Futures der vornehmlich an Interessen von privaten Investoren ausgerichteten
E-miniTM-Futures-Gruppe der Terminbörse
CME Group mit
dem derzeitigen Umsatzspitzenreiter unter allen Futures: dem
E-mini
S&P 500®* (rund 634 Mio. gehandelte Kontrakte
in 2008) und dem E-mini
NASDAQ-100® (rund 109 Mio.), heutzutage zweifelsohne
zum Kreis der liquidesten und nach Zahl der umgesetzten Kontrakten weltweit
bedeutendsten Terminkontrakten überhaupt. Noch andere derzeit äußerst
rege gehandelte Aktienindex-Futures sind in Asien der S&P CNX Nifty
Futures (NSE,
Indien), der KOSPI 200-Futures (Südkorea), der Nikkei 225-Mini-Futures
(OSE, Japan) und in den USA der
Nikkei 225-Futures
(CME), der CME Mini-sized $5 DJIA, in Europa der RTS-Index-Futures
(Russland), der FT-SE 100-Futures (Großbritannien), der CAC
40 (LIFFE),
der seit dem 22. Juni 1998 notierte und damit noch recht junge
DJ EURO STOXX 50-Futures (mit gehandelten 432,3 Mio. (Vorjahr:
ca. 327 Mio.) Kontrakten im Jahr 2008 aber wiederum der umsatzstärkste
Index-Futures an der Eurex) sowie der
SMI Futures
(Schweiz).
[* Der
S&P 500 ist ein weltweit anerkannter
Leit- und Vergleichsindex (Benchmark-Index), was zugleich durch die
hohen Umsatzzahlen in diesem Kontrakt auch glänzend zum Ausdruck kommt.]
Aktienindices – und
damit auch die darauf gehandelten
Futures – lassen sich angemessen
in zwei Kategorien gliedern: Der einen gehören all jene Aktienindices
an, die den Aktienmarkt eines untersuchten Wirtschaftsraums als Ganzes
abdecken, der anderen solche, die der Werteentwicklung speziell ausgewählter
Marktsegmente oder auch bestimmter Branchen ("subindexes") innerhalb
eines oder auch mehrerer Wirtschaftsräume ihre vorrangige Beachtung
schenken. Jeder Futuresartikel, der auf einen dieser Aktienindices aufbaut,
ist folglich von unterschiedlicher Ausgestaltung, dennoch stets auf
die spezifischen Interessen der einzelnen in Betracht kommenden Anlegergruppen
zugeschnitten. Die zielgenaue Anpassung an konkrete Bedürfnisse und
Interessenlagen im Kreise der infrage kommenden Händler, Absicherer
und Kapitalanleger ("Bedarfstreue") bildet damals wie heute Fundament
und Triebfeder für den weltumspannenden Erfolg und damit letztlich auch
für das erfolgreiche Fortbestehen von Aktienindex-Futures.
Ein ganz wesentlicher
Vorzug von Aktienindex-Futures – und unleugbar ein vorrangiger Bestimmgrund
für die hohe Anerkennung und die breite Resonanz an den internationalen
Terminmärkten – liegt darin, dass ihre eigentümliche, spezifische Kontraktform
das Management auch sehr umfangreicher Aktienportfolios sichtlich einfacher
und wirkungsvoller zu gestalten imstande ist (Portfolio-Management).
Denn offenbar schafft das in den letzten Jahren sprunghaft gestiegene
Wachstum des verwalteten globalen Aktienvermögens ebenso wie die wiederkehrenden
starken Kursfluktuationen an den Kapitalmärkten einen steigenden Bedarf
an zeitgemäßen, eigens darauf ausgerichteten Finanzinstrumenten. So
verkörpern Aktienindex-Futures ein bestens geeignetes Instrument zur
Wertsicherung bereits bestehender wie erst künftig aufzubauender Wertpapierportfolios
(Kurssicherungsgeschäfte, Hedging). Kraft ihrer Assekuranzwirkung
lassen sie sich speziell der planmäßigen
Absicherung gegen sog. "systematische
Risiken"* dienstbar machen. "Systematische Kursrisiken" bei
der Aktienanlage heißen alle jene Unsicherheitsursachen, die sich allein
durch Diversifikation (Streuung der Anlagemittel) mittels
Portefeuillebildung nicht
weiter eliminieren lassen.
[* "Systematische
Risiken" (Marktrisiken) sind vornehmlich auf allgemeine ökonomische
Einflussgrößen zurückzuführen, wozu insbesondere Wechselkurs- und Zinsänderungsrisiken,
Wirtschaftszyklen und Wachstumsraten, Steuergesetzgebung, Wirtschafts-
und Notenbankpolitik, aber auch Kriegsgefahren oder Naturkatastrophen
zählen. Bei Marktrisiken in diesem Sinne handelt es sich daher um solche
Risiken, die geschlossen von einer Wirtschaftsgemeinschaft im Ganzen
getragen werden müssen.]
Daneben lässt sich das
von Hedging mit Futures her bekannte Prinzip bequem instrumentalisieren
und zum Zwecke einer dosierten Variation des sogenannten
Beta-Faktors eines vorgehaltenen
Aktienportfolios einsetzen, indem – je nach Markteinschätzung und Risikoneigung
– dem Portfolio eine bestimmte Anzahl von Aktienindex-Futures beigemischt
wird. So werden dem Prinzip nach in Aussicht auf einen alsbald bevorstehenden
Kursaufschwung zusätzliche Pluspositionen in Futures aufgebaut (Long),
wohingegen in Erwartung eines Kursabschwungs dem Portefeuille Minuspositionen
(Short) beigesteuert werden. Dabei wird nach einem im Voraus festgestellten
Plan so vorgegangen, dass in Abhängigkeit vom Grad der persönlichen
Risikoaversion die jeweilige Futures-Position in ihrem Umfang die vorher
berechnete risikominimierende Zahl mehr oder weniger unterschreitet.
Hierdurch reduziert bzw. erhöht sich der Beta-Faktor des Portefeuilles
in einem gewünschten, zuvor kalkulierten Verhältnis. Darüber hinaus
machen sich in jüngerer Zeit diverse Finanz- und Bankhäuser Aktienindex-Futures
verstärkt zunutze, um Gewinne unter Dach und Fach zu bringen, die ihnen
aus der Emission von Aktienindex-Zertifikaten und anderen
umstrukturierten Produkten
zugefallen sind.
Ein weiteres Argument
dafür, weshalb "stock-index"-Futures an den internationalen Börsenplätzen
ein derart rascher und nachhaltiger Durchbruch gelang, liefert das
Tradingmotiv: die flexible
und vor allem Kosten sparende Einsatzmöglichkeit von Aktienindex-Futures
bei der kurzfristigen Spekulation zur Nutzung der Marktchancen auf Vermögensmehrung
an den globalen Aktienmärkten. Tritt nämlich nach Aufbau einer darauf
abgestimmten Positionierung die erwartete Marktentwicklung an den Aktienmärkten
tatsächlich ein, vermag der Spekulierende in Indexderivaten mittels
einer in sich geschlossenen Transaktion in gleichem Maße Vermögensgewinne
einzustreichen wie der Halter eines entsprechend aufwendig strukturierten
Aktienportfolios von gleichem Wert – allerdings ohne die sonst sofort
fälligen und nicht gerade gering zu veranschlagenden Summen für den
Erwerb der einzelnen Beteiligungstitel aufbringen und in Anspruch nehmen
zu müssen (Einsparung von Zeit, Mühe und Kosten der Anschaffung für
den Kauf von Aktien, einschl. von Börsenspesen). Die durch ein Futuresgeschäft
hierbei erübrigten Mittel lassen sich dann beispielsweise anderweitig
sicher in Geldmarktinstrumenten, wie etwa Termineinlagen unterbringen.
Verglichen mit einer Direktanlage in Aktienwerten spricht nicht zuletzt
auch die allgemein höhere zeitliche Verfügbarkeit an den Terminbörsen
für den Einsatz von Aktienindex-Futures zu Spekulationszwecken.
Durch den spekulativ motivierten
Einsatz von Aktienindex-Futures (Trading) ist es einem Händler prinzipiell
möglich, je nach Markteinschätzung gleichermaßen aus steigenden wie
aus fallenden Kursen an den Aktienmärkten Gewinn zu ziehen, ohne hierbei
titelspezifisch vorgehen zu müssen. Bei der Spekulation mit Aktienindex-Futures
gilt: Der Käufer eines Aktienindex-Futures profitiert gleichgerichtet
von der Entwicklung des zugrunde liegenden Basisindexportfolios, ebenso
wie ein Anleger, der die unterliegenden Aktien eines Index in gewöhnlicher
Manier direkt in seinem Portefeuille hält. Wer also kurzfristig steigende
Aktienkurse erwartet, wird Aktienindex-Futures kaufen (eine "long"-Position
einnehmen). Der Verkäufer eines Aktienindex-Futures profitiert
demgegenüber gegenläufig von der Entwicklung des Basisindexportfolios,
vergleichbar mit einem Leerverkauf
("short sales") aller zugrunde liegenden Aktienwerte ("Spekulation
à la baisse"). Wer also bald sinkende Aktienkurse erwartet, wird Aktienindex-Futures
verkaufen (eine "short"-Position beziehen). Die Spekulation auf
fallende Aktienkurse lässt sich zudem vielfach bequemer und auch schneller
durch den Einsatz von Terminkontrakten bewerkstelligen als über einen
Leerverkauf von Aktien im Kassamarkt selbst.
So kann es nicht im Geringsten
verwundern, dass infolge davon die postnumerando sich verwirklichenden
Monats- oder auch Jahresrenditen, errechnet aus den laufenden Aktienindex-Futureskursen,
sofern den Renditen aus den zugehörigen Index-Ziffern vergleichend gegenübergestellt,
in regelmäßiger Wiederkehr nahezu identisch ausfallen*. Ein weiterer
Vorzug im Handel mit Aktienindex-Futures besteht (nebst dem eines verhältnismäßig
geringeren Kapitalbedarfs) außerdem darin, dass die obligatorischen
Depotgebühren, die von Finanzinstituten für die Wertpapierverwahrung
eines dort gehaltenen Aktienportefeuilles erhoben werden, hierbei gänzlich
in Wegfall kommen.
[* Allerdings lässt
sich häufig beobachten, dass in den Aktienindex-Futuresmärkten eine
höhere Volatilität Platz greifen kann als in den zugeordneten Aktienkassamärkten.]
Der Grundgedanke in
der Sache ist keineswegs neu: Bereits bei den nicht mehr ganz so jungen,
schon länger existierenden Aktienfonds ("stock-index funds")
steht regelmäßig das Moment im Vordergrund, durch eine geschickt bewerkstelligte
Mischung von verschiedenartigen Beteiligungstiteln an der durchschnittlichen
Entwicklung eines Aktienmarktes zu partizipieren, sie möglichst sogar
zu übertreffen (aktives Portfolio-Management). Bei der Spekulation mit
Futures-Kontrakten tritt als eigentümlicher Zug der zur Wirkung kommende
Hebeleffekt noch
hinzu: Weil anders als beim Direkterwerb von Aktien kassa, bei dem die
vollständige Bezahlung praktisch sofort mit Geschäftsabschluss fällig
wird, im Falle von Aktienindex-Futures vorab nur ein relativ geringer
Mindesteinschuss ("initial margin"; nicht zu verwechseln mit
dem Kaufpreis für das "underlying" oder gar mit einer Optionsprämie)
als Garantieposten für den gesamten Kontraktgegenwert zu hinterlegen
ist, erwächst hieraus der Effekt einer mehr oder minder starken Hebelwirkung
(Hebeleffekt, "Leverage-Effekt"), verbunden mit der Aussicht auf Verwirklichung
entsprechend hoher Gewinnchancen innerhalb kürzester Zeit. Im Falle
einer Schieflage indes gehen mit diesen Chancen auf Vermögensgewinne
untrennbar entsprechend hohe Verlustrisiken einher. Praktisch wird ein
nach Schließung der spekulativen Position ("reversing trade")
erwirtschafteter Differenzbetrag zwischen kontrahiertem Abschlusspreis
und Glattstellungspreis multipliziert mit dem Indexmultiplikator sofort
zahlungswirksam und gelangt über die
Verrechnungsstelle der Terminbörse
für den Index-Kontrakt zur Auszahlung.
Nicht zuletzt lassen
sich Index-Futures auch zu Zwecken einer
Index-Arbitrage nutzbar machen,
worauf an anderer Stelle noch gehörig einzugehen ist.
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