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Marktorganisationsformen
im Futures-Handel
Die Marktorganisationsform*
eines Marktes als solche umschreibt seine spezifische Beschaffenheit
als auch seine bleibende innere Ordnung. Dies gilt von jedem organisierten
Markt, nicht am wenigsten von den Börsen ("organised exchanges").
Jede einzelne der unter den vielschichtigen, an den
internationalen Terminbörsen
reell anzutreffenden Marktorganisationsformen, soll sie so sachgerecht
als möglich zur Wirkung kommen, beruht darum ganz bewusst auf einem
wohl definierten Marktmodell.
Das Institut eines Marktmodells selbst legt die Gesamtheit an formalisierten
Verfahrensregeln und Prozessen (die Marktstruktur) inhaltlich fest,
wie Aufträge (Ordres) verschiedenster
Auftragsformen an den Börsen zusammengeführt
werden und wie die Preisermittlung vonstatten geht einschließlich Art
und Umfang der Verbreitung entscheidungsrelevanter Informationen. Unter
einem zweckentsprechenden Marktmodell soll insbesondere ein ungetrübtes
und ungehindertes Markthandeln erreicht werden, sodass die Pläne der
einzelnen Marktakteure sich auf möglichst kostengünstige und zugleich
bestmögliche Weise laufend aufeinander abstimmen lassen. Im Kern realisiert
wird dies an Präsenzbörsen unter der Organisationsform des
Rufhandels, an
Computerbörsen durch das
zentrale
Orderbuch
der Börse.
[* Genau besehen
kennzeichnet die Marktorganisationsform die Mikrostruktur des Marktplatzes
Börse, speziell die unterschiedlichen Handelsverfahren, welche die Modalitäten
der Verhandlungen in einem Markt charakterisieren, um zu einer Marktaustauschhandlung
zu kommen, fernerhin die hierbei erzeugten Wissensänderungen bei den
verschiedenen Interessensgruppen und Reflektanten (Koordinationsmechanismus).]
Eine
Reihe von Futuresarten, zumal solche auf Waren des Massenbedarfs ("commodities"),
werden auch in der aktuellen Gegenwart noch, wie am
Beispiel der vorstehenden
Seite des Genaueren erläutert, in der altüblichen Marktkoordinationsform
des "open outcry"-Systems gehandelt: ein bei vor Ort physischer
Präsenz von Brokern und berufsmäßigen Börsenhändlern periodisch wiederkehrender,
fortdauernder und ordergeleiteter Auktionsmarkt* (Präsenzbörse,
Parkettbörse), auf dem während der festgesetzten Börsenzeiten dem Händler
auf dem Parkett die jederzeitige Möglichkeit offensteht, durch Zuruf
oder Handzeichen Abschlüsse mit anderen Händlern – die Letztgenannten
können dabei prinzipiell ebenso gut als "floor broker"**, "floor
trader" oder als "scalper"
fungieren – herbeizuführen. Voraussetzungsbasis für die Unterhaltung
eines "open outcry"-Systems, unter welchem ein Zusammentreffen von Angebot
und Nachfrage durch Mitwirkung zahlreicher "floor broker" an einem Ort
überhaupt erst möglich wird, ist ein kontinuierlicher Auftragseingang
von in ununterbrochener Folge praktisch zeitgleich eintreffenden unbedingten
bzw. vorab eingereichten bedingten
Orders. Da eine notwendige
Vorbedingung für einen Handelsabschluss ("trade") wieder das
rasche Ausfindigmachen eines geeigneten Transaktionspartners ist, kommt
das kontinuierliche Auktionatorprinzip mit Rufhandel hauptsächlich an
solchen Finanzplätzen zum Einsatz, die von einem mehr oder wenig breiten
und stetigen Orderfluss geprägt sind und die sich damit i.
d. R. gleichzeitig auch durch eine durchweg hohe Liquidität und
Transparenz auszuzeichnen pflegen. – Es ist unverkennbar, dass der globale
Terminhandel in Gestalt des Rufhandels an den alteingesessenen Präsenzbörsen
gegenwärtig im Begriffe ist, gewaltig an Bedeutung einzubüßen und allmählich
verdrängt wird, ja angesichts der umwälzenden Entwicklungen der Neuzeit
auf dem Gebiet des computerisierten Börsenhandels fast schon altmodisch
scheint. So kann der elektronische Handel über Globex®
an der weltgrößten Derivatebörse, der CME Group, mittlerweile
deutlich mehr als 80% des Handelsvolumens
auf sich vereinen. Gar mancher mag diese Entwicklung wohl in romantischer
Verklärung bedauern; denn fürwahr ist das große Marktgeschehen nur auf
dem "trading floor" in seiner ganzen Unmittelbarkeit zu verspüren.
[* Alternative
Bezeichnungen für einen ordergeleiteten
Auktionsmarkt sind: "order-driven continuous auction market",
"continous trading", auftragsgetriebener Markt, kontinuierliches
Auktionsverfahren, variabler Handel, laufende Notierungen,
fortlaufender oder Fließhandel; das Pendant hierzu ist
das nicht-kontinuierliche Preissetzungsverfahren:
die "Auktion zu einem festem Zeitpunkt" ("call auction",
"batch auction", Gesamtkursermittlung, Ermittlung von
Einheitskursen). Das kontinuierliche Auktionsverfahren trifft man
sowohl auf ordergeleiteten Märkten wie in Market-Maker-Systemen an.]
[** Ein solcher
"floor broker" fungiert hierbei in einer Vertragsvermittlerfunktion
als Beauftragter (Makler, Agent) für den Investor (Principal), ohne
dabei aber selber als Vertragspartei aufzutreten. Floor-Broker erhalten
als Vergütung für ihre Dienste im Gegenzug eine Vermittlungsprovision
("commission"). Die Vermittlungstätigkeit des "floor brokers"
kann sich erstrecken auf das Ausfindigmachen einer Gegenpartei im Handel
als auch auf das Aushandeln eines Kurses. Berufsmäßige Market-Maker,
oder etwa "specialists" wie an der
New York Stock Exchange
(NYSE Euronext), sucht man auf dem "trading floor" einer Präsenzbörse
für Futures jedoch vergebens.]
Mit Eintritt
in das Informationszeitalter hält, wie soeben erwähnt, der
ordergesteuerte elektronisch geregelte
Handel über Datenleitungen und Bildschirmterminals ("electronic
trading system") allerorten Einzug an den internationalen Derivatebörsen
("Computerbörsen"). Anfangs noch leisteten
die Händler an vielen Börsen der Errichtung des computergestützten Handels
lebhaften Widerstand. Unterdessen aber kann der Computerhandel nicht
nur bei den Financial-Futures, sondern selbst auf den Warenterminmärkten
den Großteil des Börsenverkehrs in Futures auf sich vereinen. Stellt
man die Wesensmerkmale beider Handelsplattformen miteinander in Vergleich,
so ist trotz aller technisch-organisatorischer Verschiedenheiten im
Einzelnen unverkennbar, dass der elektronische Handel vieles mit dem
Parketthandel teilt: Beide Handelsplattformen funktionieren im Wesentlichen
nach dem kontinuierlichen Auktionsprinzip. Beide Male sind es
einheitliche Börsenregeln (wie Börsengesetz, Börsenordnung in Verbindung
mit Handels- und Clearingbestimmungen), die den rechtlichen-institutionellen
Rahmen für die Organisation und die Abwicklung des Marktprozesses verbindlich
abstecken. Die Hauptaufgabe eines traditionellen Systems eines öffentlichen,
kontinuierlichen "auction market" gleichwie eines vollelektronisch organisierten
Marktes erschöpft sich darin – wie weiter oben anhand eines Beispiels
"Wie entstehen Futures?"
in seinen Grundzügen skizziert – auf der Grundlage eines fairen*,
lebhaften Handels, unter Berücksichtigung der jeweils bestehenden Angebots-
und Nachfrageverhältnisse den jeweils bestmöglichen ("markträumenden")
Preis für alle unmittelbar am Geschehen Beteiligten unter größtmöglicher
Transparenz dauerhaft sicherzustellen.
[* Fairness
im Handel schließt unter ethischem Gesichtswinkel die Verhinderung
von Machtmissbrauch Einzelner und bei Walten rein wirtschaftlicher Transaktionsmotive
die Wahrung von Chancengleichheit auf einen Abschluss mit ein. Ein fair
ausgehandelter Börsenpreis spiegelt damit die tatsächliche Marktlage
im Zeitpunkt der Preisfeststellung unmittelbar wider.]
Über
die technische Grundlage hinaus trennt Computerbörsen von Parkettbörsen
noch ein ganz anderer Wesenszug. Das Charakteristische aller Derivatebörsen,
die mit einer elektronischen Handelsplattform ausgestattet sind, ist
nämlich darin zu erblicken, dass neben das Auktionsverfahren fallweise
Elemente des Market-Maker-Prinzips
zum Zwecke der Preisbildung unterstützend hinzutreten können. Dies geschieht
in der Absicht, durch zusätzlichen Wettbewerb, der von Seite der im
Wettstreit stehenden Market-Maker ausgeht, sich die Vorteile beider
Verfahren auf flexible Weise gleichzeitig nutzbar zu machen. Jedem Futures-Produkt
werden hierbei zur Kursstabilisierung üblicherweise gleich mehrere Market-Maker
zugeteilt. Über den Rückgriff auf das Market-Maker-Prinzip durch Einschaltung
von Market-Makern soll insbesondere in geschäftsstillen Zeiten der Gefahr
einer nur unzulänglichen
Liquidität als auch
der einer mangelnden Transparenz samt den damit einhergehenden Verzerrungen
in den Märkten wirkungsvoll begegnet* werden. So lässt sich bspw.
das Handelssystem der voll computerisierten Terminbörse
Eurex
praktisch als Mischform von ordergeleitetem kontinuierlichen Auktionsmarkt
("order-driven-market", jedoch ohne Kursmakler) und Market-Maker-Verfahren
("quote-driven-market") auffassen, wobei je nach gerade anzutreffendem
Liquiditätsgrad im Handel mit bestimmten ("designierten") Produkten
durch Einschaltung von Market-Makern das Market-Maker-Prinzip durchaus
das Vorherrschende sein kann (sog. "hybrides System", "quote-and-order-driven-market").
[* Statistische
Untersuchungen deuten allerdings zu wiederholtenmalen darauf hin, dass
Preisspreizungen (Geld-/Brief-Spannen) und die damit einhergehenden
impliziten Börsenhandelskosten in "quote-driven-markets" gegenüber jenen
in "order-driven-markets" tendenziell größer ausfallen können. Andererseits
lässt sich feststellen, dass die Geld-/Brief-Spannen sich tendenziell
verengen, wenn der Markt sich durch eine zunehmende Zahl aktiv teilnehmender
Market-Maker verbreitert.]
Zumal
an den elektronischen Terminbörsen (so auch an der Eurex) wird
der fortlaufende Handel üblicherweise ergänzt um von Zeit zu Zeit stattfindende
"call auctions" ("call market", "Gesamtkursermittlung").
Letzteren fällt das Amt zu, auf der Basis der zu den betreffenden Zeitpunkten
vorliegenden Kauf- und Verkaufaufträge (Quotes und Orders) nach dem
Meistausführungsprinzip* spezielle Einheitskurse, wie beispielsweise
offizielle Eröffnungs- und Schlusskurse, vielfach aber auch andere regelmäßig
ermittelte untertägige Referenzkurse, offiziell hervorzubringen. Das
Verfahren der Gesamtkursermittlung ist somit neben der kontinuierlichen
Auktion und dem Market-Maker-Prinzip das dritte wesentliche Verfahren
zur Preissetzung an den Börsen. Alle drei skizzierte Methoden zur Preisbildung
dienen dem Zweck eines regelgebundenen, ordnungsmäßigen, liquiden Handels
auf organisierten Märkten und kommen dabei in Marktmodellen der Praxis
nicht selten als Kombinationsformen parallel zum Einsatz.
[* Dem Meistausführungsprinzip
gemäß wird derjenige Kurs ermittelt, der zum höchstmöglichen Umsatzvolumen
führt.]
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Elektronischer Handel über Computerbörsen
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Kein Zweifel, seit der Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert sind elektronisch
betriebene Börsen (Computerbörsen) klar im Vormarsch. Waren es mit Auftakt
des geregelten Computerhandels Anfang der 1990er Jahre an der Deutsche
Terminbörse (DTB), der SOFFEX (Schweiz) und 1992 im nachbörslichen
Handel der Chicago
Mercantile Exchange (CME) auch an der Globex®
nur eine Handvoll Futuresmärkte*, auf denen Kontrakte sich auf
elektronischem Wege umsetzten, so sind Letztere gegenüber jenen der
klassisch ausgehandelten Futures mittlerweile eindeutig in der Überzahl.
Selbst eine alteingeführte Terminbörse des Präsenzhandels, wie der jetzt
zur IntercontinentalExchange
(ICE) gehörende New York Board of Trade (NYBOT), stellte im März
2008 den Parketthandel schließlich komplett ein und wendete sich exklusiv
dem elektronischen Handel zu ("electronic trading").
[* Auch Futures-Optionen
("futures options") konnten dem Zug der Zeit nicht widerstehen
und haben, mit einiger Verzögerung zwar, derweil den Sprung auf die
elektronische Handelsplattform vollzogen oder sitzen dazu bereits in
den Startlöchern. Der verspätete Einzug derselben ist in erster Linie
zurückzuführen auf die für Optionen bezeichnende Vielzahl von Ausübungspreisen
("strike prices") in den
Optionsklassen
der einzelnen Märkten und den daran hängenden tausendfältigen Schwerfälligkeiten.]
Computerbörsen kommen ganz ohne Börsensaal
und Parkett aus. Daran ist überhaupt nichts Verwunderliches; denn der
Umstand, dass die einzelnen zur Herbeiführung von Abschlüssen von Börsengeschäften
aufgestellten Handelsaufträge (Quotes, Orders) nur noch dezentralistisch
in das System einer Computerbörse eingespeist werden müssen, bringt
es mit sich, dass auch die Akteure an den Börsenmärkten, obzwar vor
wie nach ökonomisch präsent, nicht mehr notwendig jeder für sich den
Markt physisch aufsuchen und gegenwärtig vor Ort selbst operieren müssen. Stattdessen
übernimmt der Zentralrechner der Börse stellvertretend für jene die
Aufgabe der Vermittlung zwischen Käufern und Verkäufern von Derivaten
und überhebt sie damit der lokalen Gebundenheit. Dieser Zug – gekoppelt
mit einer für elektronisch organisierte Börsen typischen Integration
von Matching, Clearing, Settlement
und Abwicklung unter ein und derselben Systemplattform – ermöglicht
Computerbörsen zum einen erhebliche Kosteneinsparungen durch Ausnützung
von Synergieeffekten und zum anderen ungleich raschere Transaktionsgeschwindigkeiten*
im Handelsverkehr selbst wie auch bei der nachherigen Abwicklung von
Terminkontrakt- und Optionsgeschäften. Dies und die damit verbundene
technische Erleichterung der Geschäftsabschlüsse haben im Börsenterminhandel
zusammen zu einer beträchtlichen Vermehrung der
Handelsverkehrsziffern („total volume“) geführt.
[* Das gesamte
Börsenhandels- und Abwicklungssystem von Computerbörsen ist schon aus
sich heraus auf höchstmögliche Beschleunigung angelegt. Hohe Transaktionsgeschwindigkeiten
stellen somit ein Gütesiegel gerade von elektronischen Börsen unter
Wettbewerbsbedingungen dar. Im computerisierten Futures-Handel ("e-trading")
liegen die Latenzzeiten ("order latency") heutigentags gehäuft
im unteren Bereich von 2 bis 35 Millisekunden. Durch die Fortschritte
der Technik werden diese noch immer weiter abgekürzt.]
Der Umstand,
dass der Zugang zum Zentralcomputer einer Computerbörse nicht mehr an
einen bestimmten Standort fest gebunden ist, sondern allen Berechtigten
gleichermaßen allerorten in technisch einheitlicher, standardisierter
Form offensteht, stellt einen der gewichtigsten Pluspunkte von elektronischen
Börsenhandelssystemen prinzipieller Art dar. Eine permanente datenmäßige
Anbindung der Nutzer durch vernetzte Computeranlagen an das System zu
den gleichen offenen Bedingungen auf verschiedene Stellen verteilt leistet
die Gewähr dafür, dass der Zugang auf komfortable und transparente Weise
für jedermann praktisch standortunabhängig erfolgen kann und damit auf
das möglichste erleichtert wird. Zu verdanken ist dies dem gescheiten
Aufbau von Computerbörsen. Über die ihnen eigenen Benutzerschnittstellen
sind weltweit eine Vielheit von Handelsterminals (Frontend-Systeme*,
"user devices") angeschlossen, die allesamt nach einheitlichen
technischen Grundformen arbeiten. Überdies erlauben Computerbörsen die
Nutzung und Vermarktung von Software von Drittanbietern über eben diese
gleichgesetzten offenen Standards (Application Program Interface, API).
So lassen sich etwa mittels einer ganzen Reihe von vernetzten Ein- und
Ausgabeeinheiten, die allesamt mit sinnvoll in Zonen unterteilten Handelsbildschirmen
ausgestattet sind, im Dialogbetrieb
Quotierungen und
Orders bequem einspeisen,
ändern und löschen als auch aktuelle Preis- und Marktinformationen abfragen,
ohne dazu persönlich an einem Börsenplatz körperlich präsent sein zu
müssen. Sämtliche Datenoperationen werden per Datenfernübertragung praktisch
synchron am Ort des Zentralcomputers zusammengeführt und daselbst mit
Hilfe der hauseigenen inneren Technik EDV-mäßig verarbeitet. Erstes
Ziel eines solchen Systems ist es, mit möglichst geringen Transaktions-
und Anbindungskosten allen Börsenteilnehmern gleichermaßen ein Höchstmaß
an Wirksamkeit (Effizienz), Fairness und Markttransparenz im Handel
zuteil werden zu lassen. Wendet man den Blick auf das Ganze, so stellen
die fortschrittlichen Terminbörsen der Jetztzeit schon längst keine
reinen Handelsplattformen ("electronic trading systems") mehr
vor, sondern umspannen darüber hinausgehend in jedem Betracht auch hoch
effiziente Abwicklungs- und Informationssysteme. Der elektronische Börsenhandel
ist damit zum modernen Verkehrsmittel unserer Zeit geworden.
[* Der Börsenort
einer Computerbörse ist immer der Standort des Zentralcomputers. Der
Zugang zum Standort des Zentralrechners der Terminbörse Eurex
in Frankfurt/Main z.B. ist
derzeit möglich über Zugangspunkte ("access points") an weltweit
ca. 700 verschiedenen Standorten. Ihr Zugang zur Handelsoberfläche @X-ceed
erfordert dabei aus Sicherheitsgründen selbstverständlich zuerst die
Eingabe eines persönlichen Identifizierungscodes ("access code").
Auch der Zentralrechner selbst ist gegen technischen Ausfall hinreichend
redundant gesichert.]
Als Handelsobjekte
für an Computerbörsen gelistete Futures und Optionen kommen grundsätzlich
alle gängigen Marktinstrumente gleich welcher Art infrage, Commodities
so gut wie Finanztitel wie sonstige Variablen von wirtschaftlichem Interesse.
Heutzutage läuft der Terminhandel mit Finanzkontrakten (Financial-Futures)
weit mehrheitlich über Computerbörsen ab. Selbst die Warenterminkontrakte,
die bislang noch nach alter Mode hauptsächlich im Rufhandel an den Präsenzbörsen
umgesetzt wurden, holen in dieser Hinsicht gegenwärtig mächtig auf.
Manch jüngere Terminbörse, wie z.B.
die Eurex, kennt mittlerweile gar keinen traditionellen Rufhandel
mehr ("electronic- only"). Und selbst dort, wo der Handel während
der üblichen Börsenzeiten immer noch durch Zuruf auf einem Börsenparkett
nach dem "open outcry"-System abläuft, stellt neuerdings fast jede Terminbörse
parallel dazu ("side-by-side", "hybrid") resp. zwecks
Verlängerung der Abhaltungszeiten gleich anschließend ("after-hours
electronic") die Möglichkeit zum elektronischen Handel bereit, von
der die Händlerschaft nunmehr auch verstärkt Gebrauch macht. So wird
beispielsweise an der weltgrößten Terminbörse, der CME Group,
heutigentags mehr als drei Viertel des dortigen Handelsumsatzes auf
elektronischem Wege herbeigeführt.
Vielerorts schließt sich, wie soeben erwähnt, zur Ausweitung der zeitlichen
Verfügbarkeit der Computerhandel ungesäumt an einen konventionellen
Rufhandel an bzw. begleitet ihn ("dualer Handel"), sodass in den meisten,
wichtigsten Futures ("key contracts") Geschäfte sich auch jenseits
der regulären Handelszeiten ("regular trading hours", RTH) auf
elektronischem Wege durchführen und abwickeln lassen, also selbst dann
noch, nachdem der Parketthandel für den betreffenden Tag bereits abgeschlossen
ist. Faktisch steht der Computerhandel ("electronic trading")
– abgesehen von jedesmaligen kurzen Haltepausen an der Trennungsmarke
zwischen den Handelsphasen (an der Globex® bei Aktienindizes
und NYMEX-Produkten börsentäglich von 16:30 bis 17:00 Uhr CT; "maintenance")
– somit wochentags durchgehend zur Verfügung ("electronic trading
hours", ETH). Einige jüngere Futures-Produkte wurden sogar eigens
für den elektronischen Handel konzipiert ("electronic only"),
wie beispielsweise die E-miniTM-Futures-Gruppe der Chicago
Mercantile Exchange mit dem gegenwärtig nach Zahl der abgeschlossenen
Kontrakte bedeutendsten Index-Futures überhaupt: dem
E-mini
S&P 500®, daneben auch dem
E-mini NASDAQ-100®
oder dem E-mini
S&P MidCap 400*. Die letztgenannten gehören heute mit zu den Umsatzspitzenreitern
unter allen in Verkehr stehenden Equity-Terminkontrakten weltweit.
[* Es wäre ungereimt,
diese mit einer Klasse von Hebelzertifikaten zu verwechseln oder zusammenfallen
zu lassen, die zwar von ihren Schöpfern mit dem Rufnamen "Mini-Futures"
beehrt wurden, die ihn aber beileibe nicht verdienen. Die mit der Äquivokation
"Mini-Futures" bedachten Gebilde sind Produkte eigener Faktur der Banken,
die den Gattungsbegriff Futures
kennzeichnenden Merkmalen überhaupt nicht genügen und darum auch
keinen Anspruch auf ihn erheben dürfen. Beim oben erwähnten E-mini S&P
500®, wie auch beim E-mini NASDAQ-100®-Futures,
handelt es sich dagegen um echte
Futures auf Aktienindizes
in der buchstäblichsten Bedeutung dieses Wortes mit der einzigen Besonderheit,
dass dieselben in einem landläufigen Index-Futures gegenüber quantitativ
nachstehenden Kontraktumfange daherkommen, was eben durch den Zusatz
"E-mini" auch sprachlich zum Ausdruck kommt.]
Wer
die Entwicklungsbahnen der börsengeschichtlichen Entfaltung in den letzten
Jahren aufmerksamen Blickes verfolgt hat, wird nicht verkennen, dass
die Märkte einen staunenswerten Wandlungsprozess durchlaufen haben,
und noch durchlaufen. In Anbetracht der allgemeinen Technisierung und
des computertechnischen Fortschritts im Besonderen, der sich gerade
in der neuesten Zeit in einem geradezu atemberaubenden Tempo vollzieht,
Hand in Hand mit einer immens schnellen Fortentwicklung auf dem Gebiet
der Informationstechnologie hin zu immer leistungsfähigeren Kommunikationsmitteln
bei blitzschneller Nachrichtenübermittlung, ist bereits heute absehbar,
dass das gegenwärtige System größerer und kleinerer örtlicher Börsenhandelsplätze
in nicht allzu ferner Zukunft sich tendenziell bewegen wird in Richtung
auf einen weltumspannenden Terminmarkt, auf dem Mitwirkende aus allen
Nationen – ungeachtet verschiedener
Zeitzonen – in der Lage
sein werden, über dezentrale Terminals ("access point", AP) standortunabhängig
mit Hilfe eines ausschließlich auf Computerbasis arbeitenden Kommunikationssystems,
und einem dadurch ermöglichten unkomplizierten Marktzugang, ganz ohne
Schließzeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit Handel zu treiben ("virtuelle
Finanzzentren"). Ob daneben noch Raum für einen Parketthandel bleibt,
um fortzuleben, oder ob dieser nur noch ein Anachronismus, eine Reminiszenz
an eine Zeit sein wird, die sich schon längst überlebt hat, wird in
letzter Linie nichts anderes als der Markt entscheiden.
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Terminhandel
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