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Aufzählung

Zum Preisfindungsprozess in den Futures-Märkten

Futureskurse sind rasch wandelbare Größen. Sie befinden sich wahrhaft in einem ständigen Wechsel*. Dies ist eine dem Praktiker wie der Wissenschaft aus dem Börsenleben sattsam bekannte Erfahrungstatsache. Überhaupt gilt vom Futureskurse (der oft auch als Futures-Preis oder Terminkontrakt-Preis bezeichnet wird) dasselbe, was von den Preisen fast aller marktfähiger Handelsobjekte gilt: Sie kommen zustande allein durch Bündelung von Angebot und Nachfrage, das heißt, sie sind das bloße Ergebnis der Kauf- und Verkaufentscheidungen der einzelnen auf den Märkten unabhängig voneinander agierenden Wirtschaftssubjekte. So bildet sich immer dann ein neuer Futures-Preis, wenn einander entsprechende Handelsaufträge (Orders) zweier Marktakteure (Käufer und Verkäufer) sich an der Terminbörse ausführbar gegenüberstehen**. Die Höhe des Kurses, zu welchem der nächste Handelsabschluss sich jeweils vollzieht, lässt sich aber nichts weniger als mit absoluter Gewissheit vorausbestimmen. Dieser kann nämlich ebenso gut höher, tiefer als auch auf gleicher Höhe stehen wie der voraufgehend ausgehandelte Kurs – denn Angebot und Nachfrage sind, wie man weiß, überaus elastische Größen.

[* Im Detail verfolgen lässt sich dieser Befund während der Börsenstunden musterhaft an der Hand eines "tick"-Chart-Bildes, beispielweise eines solchen, das speziell den Kursverlauf des DAX® bzw. DAX®-Futures für jeden einzelnen Indexstand und dessen Änderung wiedergibt.]

[** So etwa im fortdauernden, ordergeleiteten Auktionsmarkt ("fortlaufender Handel"; vgl. hierzu die Typologie der Marktorganisationsformen im Futureshandel).]

Zu den vornehmsten Aufgaben einer Terminbörse gehört es zweifellos, die für einen geregelten Handel notwendigen institutionellen Marktstrukturmerkmale inhaltlich präzise und in einer dem Zweck angemessenen Weise abzustecken, für deren Einhaltung sie im Weiteren auch die Gewähr leisten. Gegenständlich und für jedermann publik gemacht werden selbige durch das Regelwerk der Börse. Darin stellen die Terminbörsen außerdem eine ganze Zahl weiterer minuziös einzuhaltender Regeln und Usancen auf, die in erster Linie dazu veranlagt sind, potentielle Manipulationsspielräume im Börsenterminhandel auf ein Minimum einzuebnen. Diese und andere fest umrissene Rahmenbedingungen bereiten erst einen tragfähigen Unterbau, auf dem sich der Marktprozess fortan frei entfalten kann; Kurse von Futures (und Optionen) können sich hiernach durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in freier beidseitiger Konkurrenz laufend neu bilden. Die Börsen selbst verhalten sich im fortlaufenden Handel passiv. Eigenhändig erzeugen sie Futureskurse nirgends und niemals. Amtlich festgestellte Kurse existieren an den Futuresbörsen ebensowenig. Die Börsenvorschriften legen obendrein fest, dass alle Interaktionen im Kursbildungsprozess den Regeln entsprechend öffentlich stattzufinden haben und zusammen mit dem Umsatz- und Clearingprozess durchgehend aufzuzeichnen und dabei von einer übergeordneten Instanz, der Handelsüberwachungsstelle ("market surveillance"), einer ständigen Kontrolle zu unterwerfen sind (Markttransparenz).

Die Vermittlung durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage* ist nicht allein der Hervorrufung von Futureskursen eigen. Der gleiche Mechanismus findet mit ungeschmälerter Kraft ebenso Anwendung auf die mit diesen in enger Wechselbeziehung stehenden Spotmarkt- bzw. Kassapreise ("cash prices", "spot prices"), wie sie regelmäßig auf herkömmliche Weise im Marktverkehr als Resultante aus Geschäften für prompte Lieferungen hervorgehen. Doch selbst dann, wenn in einem konkreten Betrachtungsfall der Gattung nach gleiche Bezugsgüter den Marktgegenstand bilden, werden Cash- und Futureskurse dennoch stets auf verschobenen Schauplätzen zweier organisatorisch voneinander getrennter Märkte auf der Grundlage der dort jeweils waltenden Kursdeterminanten erzeugt und sich damit im Regelfall der Wirklichkeit zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit eines Futures auch ziffermäßig voneinander unterscheiden.

[* Da nun gar kein Grund zu der Annahme abzusehen ist, warum die Bewegungen der Preise in den Terminmärkten sich nach anderen Prinzipien bestimmen sollten als diejenigen sonstiger Güter, kann es nicht ausbleiben, dass unter geregelten Marktbedingungen dieselben sich generell in derjenigen Höhe einzupendeln tendieren, wo das Verhältnis, in dem die Kontrakte gegeneinander ausgeboten und begehrt werden, sich auf den gleichen Fuß stellt.]

Gleichwohl laufen Cash- und Futureskurse nicht etwa zusammenhangslos und unverbunden nebeneinander her. Sieht man genauer zu, so ist unverkennbar, dass beide unter dem Einfluss besonderer Beweggründe in einer andauernden kausalen Wechselbeziehung zueinander stehen. Sie kommunizieren gewissermaßen untereinander und bleiben dadurch in bestimmbarer Weise markttechnisch aneinander gekoppelt. Das Interesse der Forschung gilt derzeit erhöht der Frage nach der Natur der Wechselwirkung zwischen dem Verlauf der Futures- und Cash-Kurse unter dem Informationsaspekt. Fragen wie: Welche Auswirkungen haben Futures auf die Marktvolatilität und auf das allgemeine Kursniveau, auf das Handelsvolumen und auf die jeweiligen "bid-/ask"-Spreads in den einzelnen Märkten?, haben Futures einen stabilisierenden oder destabilisierenden Einfluss auf die unterliegenden Spot- und Kassamärkte?, schlagen sich neue Informationen rascher in den Futures- oder in den Cash-Preisen nieder? und damit in engem Zusammenhang: Welcher der beiden Märkte ist der bestimmte, und welcher der bestimmende?, folgen Futureskurse den Cash-Kursen nach oder eilen sie ihnen eher umgekehrt voraus, oder aber sind sie abwechselnd Ursache und Folge?, stehen dabei im Mittelpunkt der scientifischen Forschungsbemühungen. Was die letzte Fragestellung anlangt, so gehen die Untersuchungen dahin, dass die Derivatemärkte aufgrund ihrer vorzüglichen Liquidität und relativ geringen Transaktionskosten Informationen im Allgemeinen rascher zu reflektieren vermögen als die Spot- und Kassamärkte mit der ganz natürlichen Folge, dass Cash-Kurse, je nach Markt, den Futureskursen tendenziell um wenige Augenblicke bis zu einigen Minuten hinterherzuhinken neigen ("leading and lagging"). Insgesamt jedoch harrt diese Materie noch der endgültigen Aufhellung.

Beispiel zur Wechselbeziehung zwischen Spotmarktpreis von Mais ("corn") und unterschiedlich terminierten CBOT-Mais-Futureskursen (offizielle Schlusskurse am 18.07.2003):

Terminmonat "settle"
 September   206
 Dezember   211
 März04   219 ½
 Mai04   225 ½
 July04   229 ¼
 Dezember04   235

 

 

 

 

Der Spotmarktpreis für Mais ("corn") möge zum Zeitpunkt der vorstehenden Notierung 200 US-Cent pro Scheffel ("bushel") betragen. Ein Blick auf die Tabelle lässt erkennen, dass hier eine "ansteigende Termintreppe" ("normaler Markt", "carry market") vorliegt, wobei die Preisdifferenz beispielsweise zwischen Spotmarktpreis und Terminnotiz Dezember04 insgesamt 35 US-Cent beträgt. Die Terminprämie ("futures forward premium", "implied repo rate") beläuft sich hiernach auf (235/200 – 1) × 100 = 17,5 %. Ansteigende Termintreppe heißt, je weiter der Erfüllungstermin eines Futures in der Zukunft liegt, desto höher stellt sich der Futureskurs.

Die hier im Beispiel wiedergegebene verschieden gegriffene Gestaltung von Terminpreisen ist also keinesfalls ein Spiel des Zufalls. Zwischen den Marktsegmenten Spotmarkt und Terminmarkt besteht, und dies gilt von allen Arten von dauerbaren Marktgegenständen, die in funktionierenden Märkten auf Termin gehandelt werden, ein auf sogenannten Arbitragebeziehungen beruhender fester ökonomischer Zusammenhang, d. i. eine gegenseitige kausale Abhängigkeit (Interdependenz, Verbund) der Preise, in deren Gefolge sich die solcherart korrelativ verknüpften Kurse bei fairer (idealer) Bewertung stets in ein angemessenes Preisverhältnis zueinander stellen*. Dies bedeutet zweierlei: Zum einen werden Cash- und Futureskurse üblicherweise aufeinander abgestimmt auf und nieder schwanken, d. h., steigt mit der Strömung des Tagesgeschäfts der Preis der Wertbezugsbasis ("underlying"), so steigt damit zugleich auch der Futurespreis und umgekehrt**. Zum anderen werden sich die Kurse in beiden Teilmärkten, wenn auch nicht stetig im genauen Einklang, so doch mit abnehmender Restlaufzeit eines Futures nach und nach angleichen (Konvergenzeigenschaft von Futures). Die hierbei in jedem Augenblick festgestellte (positive oder negative) ziffermäßige Differenz zwischen Cash-Kurs und Futures-Preis wird als Basis bezeichnet. – Ein vernünftiger Umgang mit Futures setzt ein grundlegendes Vorverständnis dessen voraus, was diese Zusammenhänge ausmacht und ihnen das Gepräge verleiht.

[* Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass allein die unterschiedliche zeitliche Verfügbarkeit eines der Gattung nach bestimmten ein und desselben Beschaffungsobjektes einen Wertunterschied bewirkt. Ein Beschaffungsobjekt zur prompten Lieferung kann dabei aufgrund besonderer Verhältnisse, auf die im Folgenden noch einzugehen ist, ebenso gut höher oder niedriger im Preise stehen als ein gattungsgleiches zur künftigen Lieferung.]

[** Einen vollkommen exakten Parallelismus der Preisbewegungen wird es an den Märkten jedoch nicht geben. Selbst wenn die Preise im Großen und Ganzen harmonieren, ist es nicht ausgeschlossen, dass Cash- und Futureskurse in einem kurzen Augenblick sich durch Schwankung von Angebot und Nachfrage in entgegengesetzter Richtung bewegen.]

Die zwischen Termin- und Effektivmarkt hervortretende Kursdifferenz (Basis) wird im Laufe der Zeit bis zum Erreichen des Fälligkeitsdatums eines Futures folglich gegen Null konvergieren. Wer heute gleichsam als Ersatz für ein kommendes Kassageschäft einen Futures-Kontrakt eingeht (kauft bzw. verkauft), beseitigt über die heutige Fixierung des Futureskurses im Terminkontrakt fürderhin jede Unsicherheit über den in Zukunft auszulegenden Preis für den Erwerb des unterliegenden Beschaffungsobjekts (nicht jedoch bzgl. des Risikos von Ausbringungsmengen, sofern etwa zur Kurssicherung unbedingte Termingeschäfte abgeschlossen wurden! – Siehe hierzu auch: Hedging mit Futures).

Im Zeitpunkt des Abschlusses eines Futuresgeschäftes ist der Futureskurs jedes Mal so bemessen, dass der in Geld wiedergegebene Wert des Kontakts selbst sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer stets exakt null beträgt; denn es kostet schließlich nichts, an der Terminbörse einen Futures-Kontrakt einzugehen*. Hierdurch wird weder ein Wert geschaffen, noch räumt eine Partei der anderen damit einen finanziellen Vorteil ein. Erst im Moment der Änderung des Futureskurses erhält der Kontrakt Wert. Ändert sich also der Futureskurs in unmittelbarer zeitlicher Folge auf einen Futureskauf resp. -verkauf, resultieren hieraus, je nach Richtung und Ausmaß der Kursveränderung, für die beteiligten Parteien und Inhaber der korrespondierenden Long- bzw. Short-Positionen – verstärkt durch das Wirksamwerden des Hebeleffekts ("Leverage-Effekt" oder auch "leverage-/gearing"-Effekt) – entsprechend hohe Vermögensgewinne resp. -verluste.

[* Der Wert eines Futures-Kontrakts selbst ist strikt zu trennen vom Wert seines zugrunde liegenden Vermögensgegenstandes ("underlying"). Durch Abschluss eines Futuresgeschäftes wird weder unmittelbar Wert geschaffen noch wechselt in diesem Moment dafür Geld die Hände. Margenzahlungen als Ersteinschüsse, die ohnehin keinen Kaufpreis, sondern Einschuss ("Kaution") darstellen, Maklergebühren und andere Handelskosten ändern an diesem grundsätzlichen Sachverhalt nichts. Um den Grundgedanken besser herauszustellen, seien im Folgenden die eben genannten Transaktionskosten der Einfachheit halber ausgeklammert.]

Jede nachfolgende Kursänderung des Futures, erst gegenüber seinem Einstandskurs im Abschlusszeitpunkt ("trade date"), dann gegenüber jedem nächstfolgenden, ruft darum unfehlbar eine Vermögenswertänderung aus dem Kontrakt hervor, welche mit ihr in einem durch den Hebeleffekt genau bestimmten Verhältnis steht: Steigt der Futureskurs, so profitiert der Käufer vom Wertzuwachs des Futures im überproportionalen Verhältnis und der Verkäufer verliert durch Wertminderung desselben um ebenso viel. Fällt der Futureskurs, so profitiert der Verkäufer des Futures vom Wertzuwachs des Kontrakts überproportional und der Käufer verliert aufgrund seiner Wertminderung dieselbe Summe (Wette, "bet"). So gesehen addieren sich Gewinne und Verluste – von Kosten des Börsenhandels abgesehen – stets zu null: Ein Mehr hier verkörpert immer den Verlust eines anderen in gleicher Höhe (Nullsummenspiel; symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil von Futures).

Wie die tägliche Anschauung aus dem Börsenleben lehrt, sind Futureskurse fortwährend wechselnde Größen. Sie variieren für gewöhnlich momentweise, mitunter im Sekundentakt. Ein Futureskurs steigt immer dann, wenn das effektive Kaufinteresse derjenigen, die eine Long-Position im betreffenden Markt einzunehmen wünschen, das effektive Verkaufsinteresse jener, die eine Short-Position begehren, mehr als aufwiegt. Umgekehrt wird ein Futureskurs fallen, wenn das effektive Kaufinteresse hinter dem effektiven Verkaufsinteresse zurückbleibt. Ein Futureskurs wird damit zum zahlenmäßigen Abbild des Handelsgeschehens als Resultante der sich auf einem Markt begegnenden Nachfrage und des ihr gegenüberstehenden Angebots.*

[* Bestimmt wird die Nachfrage und das Angebot als solches von den innerwirtschaftlichen Wertschätzungen Einzelner (d. i. das Maß der Bedeutung und der Begehrlichkeit, welches einer unmittelbaren Verfügung über eine bestimmte Positionierung auf dem Terminmarkt zukommt), die aus der Perspektive unterschiedlicher Erwartungshaltungen von – je nach Marktbreite und -tiefe – mehr oder weniger zahlreichen Individuen im Verfolg ihrer wirtschaftlichen Ziele ausgehen. Da nun die Preisbildung von Futures dem Prinzip nach keinen anderen Gesetzen unterliegt als die Preisbildung von allen anderen Wirtschaftsgütern auf Märkten auch sonst, erklären sich Futures-Preise damit im letzten Grunde aus der Gesamtheit der auf dem Markt zusammentreffenden subjektiven (Tausch-)Wertschätzungen.]

Jedes Mal, wenn die angebotenen und nachgefragten Mengen an Kontrakten auf einem Futuresmarkt sich die Waage halten und ausführbar gegenüberstehen, geht bei dieser Gelegenheit ein neuer Futureskurs hervor. Wenn bei gleichbleibendem Angebot die Nachfrage steigt, dann wird auch der Futures im Kurse steigen; andersrum wird er im Kurse fallen. Hervorgerufen und in Gang gehalten wird dieser Mechanismus des Steigens und Fallens der Kurse im kürzeren Zeitablauf vor allem durch die Grundtatsache von Wissensänderungen*, die sich ihrerseits wieder auf die verschiedenartigsten tiefer liegenden Faktoren zurückführen lassen. Zu Letzteren gehören – wenngleich die Aufzählung keineswegs restlos erschöpfend – der Gang und Stand allgemeiner makroökonomischer als auch politischer Einflussgrößen, wie Wechselkurs- und Zinsentwicklung, Wachstumsraten und Konjunkturzyklen, Wirtschaftspolitik und Steuergesetzgebung, nebstdem freilich auch psychische Einflussgrößen, wie Stimmungen und Motive, die selbst zum Teil von begründeten, zum Teil von unbegründeten Erwartungen herrühren mögen, und – insbesondere an den Warenmärkten – physisch-psychisch vorzufindende Verbraucherwünsche, technische Innovationen und darüber hinaus Erscheinungsmöglichkeiten jenseits menschlicher Handlungen, wie saisonale und klimatische Bedingungen, z. B. Dürreperioden, Überschwemmungen oder andere Naturereignisse und -katastrophen, bis letztlich hin zu Terroranschlägen und Kriegsgefahren etc. (Vgl. hierzu: Wie entstehen Börsenkurse?)

[* Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Terminpreise kurzfristig variieren, ohne dass der Wissensstand aller die mindeste Änderung erfahren hätte (Rauschen).]

Angesichts der ungeheuren Vielfalt an Kurseinflussgrößen, welche ohne Unterlass auf die Terminmärkte einwirken und sie vorantreiben, überrascht es kaum, dass unzählige Spekulanten (Trader, "player"), die Aussicht auf schnelle Vermögensgewinne vor Augen, danach streben, durch bewusste, kalkulierte Inkaufnahme von Risiken an den zeitlichen Bewegungen der Kurse im Handel mit Derivaten zu partizipieren. Spekulierende, die für einen bestimmten Markt einen Anstieg des Futureskurses prognostizieren, kaufen (nehmen eine Long-Position ein, "gehen long"), andere wiederum, die einen Kursrückgang erwarten, verkaufen (nehmen eine Short-Position ein, "gehen short"). Ein wichtiger Aspekt und notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen von Futuresgeschäften ist hierbei offenkundig eine entgegengesetzte Markterwartung von Kauf- und Verkaufslustigen, die sich ihrerseits ableitet aus einer unterschiedlichen Übersetzung von Marktinformationen in persönliche Preisgrenzen; denn beide Teile, die mit einem Futuresgeschäft zu tun haben, werden sich heute nur dann über einen bestimmten Börsenterminkurs handelseinig werden, wenn sie unterschiedliche Einschätzungen über "faire" künftige Kurse vertreten.*

[* Dies impliziert, dass der augenblickliche Börsenpreis von beiden Parteien an einem Futuresgeschäft als Fehleinschätzung des Marktes über den "wahren" Wert des "underlyings" zum Termin aufgefasst wird. So sehr die Markteinschätzungen Einzelner aber auch auseinandergehen mögen, sobald ein Futureskurs sich gebildet hat, wird er richtungweisend für die gesamte Marktlage. Nachhaltig bestimmt wird Letzterer dabei abschließend und unabhängig von ephemeren Schwankungen vom Verhältnis von Bedarf und Deckung, das auf dem Markt des nämlichen Gutes zum Termin das vorherrschende ist. Denn der aus diesem Verhältnis resultierende Preis wird von den Börsen als der maßgebliche für dessen Schlussbewertung herangezogen. Im Nachhinein werden beide klüger sein, jedoch mindestens einer wird zwangsläufig enttäuscht werden.]

Da anders als bei einem Effektengeschäft (wie z. B. bei Aktien- oder Obligationsgeschäften), wo der Preis unmittelbar das Austauschverhältnis bestimmt, der mit Abschluss des Futures-Kontrakts festgestellte Preis nicht sofort bezahlt werden muss (dieser wäre erst später bei einer etwaigen Erfüllung "Ware gegen Geld" auszulegen), dient ein Futureskurs zunächst gänzlich anderen Zwecken. Dem Inhaber einer offenen Position in Futures bspw. dient er vom Zeitpunkt der Begründung an bis hin zur Auflösung derselben in erster Linie als rechnerischer Referenzwert zur dokumentierenden Wert- bzw. Gewinnbemessung.

Fazit: Der Wissensstand im Sinne von Tatsachenwissen in den Cash- und Futures-Märkten ändert sich von Moment zu Moment. Auf den hoch organisierten, (zumindest annähernd) effizienten Märkten, wie eine ganze Reihe liquider Terminkontraktmärkte sich uns darstellen, schlagen sich zu jedem Zeitpunkt sämtliche öffentlich* zugängliche Informationen (z. B. über die aktuelle und die zu erwartende fundamentale wirtschaftliche Angebots- und Nachfragesituation von Gütern und Finanztiteln) unverzüglich in der Preisbildung nieder (Signal- und Informationsfunktion der Preise, Bewertungseffizienz). Die gewichtigste gesellschaftlich-ökonomische Funktion, die aus dem Informationsgehalt eines augenblicklichen Futureskurses erwächst, besteht in effizienten ("gleichgewichtigen") Märkten vorstehend bezeichneter Art darin, dass jene sich frei bildende Preise das gesamte marktbezogene Wissen, das sie als ihr Destillat abgeben, unmittelbar und völlig rein widerspiegeln (Gleichgewichtskurs). Als bestmögliche (unbefangene, "unbiased") Schätzung künftiger Spot- bzw. Kassakurse vermitteln Futures-Preise somit ihren Reflektanten – einerlei, ob selbst am Marktprozess beteiligt oder nicht – den erwarteten fairen Wert des Bezugsgutes eines Futures zum Termin.** Eine vorzufindende positive oder negative Differenz eines Futureskurses zum gegenwärtigen Cash-Preis gibt folglich einen Hinweis in Form eines Richtungspfeils auf vermutete Preisänderungen. Eine solche ungehinderte Wissensverbreitung, vermittelt durch faire (objektivierte) Terminkurse, leistet insofern einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Informationsasymmetrien und – damit eng verknüpft – gemeinwohlfördernd auch zu einer Verstetigung von Produktions- und Konsumverhältnissen in unserer arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft.

[* und bei Gültigkeit der These von der strengen Informationseffizienz auch alle nicht öffentlich zugänglichen Informationen.]

[** Wer den Modellaussagen des Capital Asset Pricing Model (CAPM) der modernen Finanzierungstheorie zustimmt, wird die im Text gemachte Behauptung allerdings nur unter der Bedingung zu bejahen wissen, dass die Korrelation der Renditen des einem Futures unterliegenden Marktgegenstandes mit jenen des Marktportefeuilles sich ziffermäßig genau auf null stellt. Es sei mir gestattet, das für theoretisch-mathematische Einzelheiten sich interessierende Lesepublikum auf Hull, J.C.: "Options, Futures, and Other Derivatives", Seventh Edition, S. 120f. zu verweisen.]

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Futureskurse, "bid-/ask"-Spreads und Transaktionskosten

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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"Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt."
Oscar Wilde (1854-1900), irischer Schriftsteller

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 14. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.