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Aufzählung

Zum Preisfindungsprozess in den Futures-Märkten

Futureskurse sind von Natur aus bildsame, rasch wandelbare Größen. Sie unterliegen gerade im turbulenten Börsenleben der Jetztzeit wahrhaft einem ständigen Wechsel*. Es ist dies eine dem Praktiker wie der Wissenschaft aus der Erfahrung sattsam bekannte Tatsache. Doch auf welche Weise gelangen die Kurse der Futures überhaupt zur Entstehung und welche Kraft hält sie unablässig in Bewegung? Nun gilt vom Futureskurse (der oft auch als Futures-Preis oder Terminkontrakt-Preis bezeichnet wird; "futures prices") dasselbe, was von den Preisen fast aller marktfähiger Handelsobjekte gilt: Sie kommen zustande allein durch Bündelung von Angebot und Nachfrage, das heißt, sie sind das bloße Ergebnis der Kauf- und Verkaufentscheidungen der einzelnen auf den Märkten zusammentreffenden, unabhängig voneinander agierenden Wirtschaftssubjekte**. So bildet sich immer dann ein neuer Futures-Preis, wenn einander entsprechende Handelsaufträge (Orders) zweier Marktakteure (Käufer und Verkäufer) sich an der Terminbörse ausführbar gegenüberstehen. Der Punkt auf der Kursskala aber, auf welchem der Kontraktpreis des jeweils nächsten Handelsabschlusses sich feststellt, lässt sich alles eher als mit absoluter Gewissheit vorausbestimmen. Dieser kann, je nach Gestaltung der augenblicklichen Marktlage, den voraufgehend ausgehandelten Kurs ebenso gut über- wie untertreffen als sich mit ihm auf gleicher Höhe niederlassen – denn Angebot und Nachfrage sind, wie man weiß, überaus elastische Größen.

[* In den aktivsten Märkten können die Kurse sich durchaus um 15- 20000 Mal am Tag ändern – nicht zuletzt im Gefolge des modernen Hochfrequenzhandels ("high frequency trading", vgl. etwa http://www.hftreview.com/). Im Detail verfolgen lässt sich dieser Befund musterhaft an der Hand eines "tick"-Chart-Bildes, beispielweise eines solchen, das während der Börsenstunden den Kursverlauf des E-mini S&P 500 oder auch des DAX® bzw. DAX®-Futures für jeden einzelnen Indexstand und dessen Änderung wiedergibt.]

[** So etwa im fortdauernden, ordergeleiteten Auktionsmarkt ("fortlaufender Handel"; siehe hierüber die Typologie der Marktorganisationsformen im Futureshandel). Bei den Marktakteuren muss es sich nicht notwendig immerzu um natürliche Personen handeln. Auch die von diesen als Behelf eingesetzten elektronischen Handelssysteme ("automated trading systems" ATS) sind ein gewichtiger Bestandteil der Handelswelt unserer Tage.]

Zu den ersten und vornehmsten Aufgaben einer Terminbörse gehört es ganz ohne Zweifel, die für einen geregelten Handelsverkehr notwendigen institutionellen Marktstrukturmerkmale inhaltlich präzise und in einer dem Zweck angemessenen Weise abzustecken, für deren Einhaltung sie dann auch im weiteren Geschäftsverlauf die Gewähr leistet. Gegenständlich und für jedermann publik gemacht werden selbige durch das einschlägige Regelwerk der Börse. In einem solchen führen die Terminbörsen außerdem eine ganze Zahl weiterer minuziös einzuhaltender Regeln und Usancen auf, die in erster Linie dazu veranlagt sind, potentielle Manipulationsspielräume im Börsenterminhandel auf ein Minimum einzuebnen. Diese und andere fest umrissene Rahmenbedingungen bereiten erst einen tragfähigen Unterbau, auf dem sich der Marktprozess fortan frei entfalten kann; Kurse von Futures (und Optionen) können sich daraufhin durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in freier beidseitiger Konkurrenz laufend neu bilden. Die Börsen selbst verhalten sich im fortlaufenden Handel passiv. Eigenhändig erzeugen sie Futureskurse nirgends und niemals. Amtlich festgestellte Kurse existieren an den Futuresbörsen ebensowenig. Die Börsenvorschriften legen obendrein fest, dass alle Interaktionen im Kursbildungsprozess den Regeln entsprechend öffentlich stattzufinden haben und zusammen mit dem Umsatz- und Clearingprozess durchgehend aufzuzeichnen und von Seite einer übergeordneten Instanz, der Handelsüberwachungsstelle ("market surveillance"), einer ständigen Kontrolle zu unterwerfen sind (Markttransparenz).

Die Vermittlung durch das natürliche Gesetz von Angebot und Nachfrage* ist nicht allein der Hervorrufung von Futureskursen eigen. Der gleiche Mechanismus findet mit ungeschmälerter Kraft ebenso Anwendung auf die mit diesen in enger Wechselbeziehung stehenden Spotmarkt- bzw. Kassapreise ("cash prices", "spot prices"), wie sie regelmäßig auf herkömmliche Weise im Marktverkehr als Resultante aus Geschäften für prompte Lieferungen hervorgehen. Doch selbst dann, wenn in einem konkreten Betrachtungsfall der Gattung nach gleiche Bezugsgüter den Marktgegenstand bilden, werden dessen Cash- und Futureskurse dennoch stets auf verschobenen Schauplätzen zweier organisatorisch voneinander getrennter Märkte auf der Grundlage der dort jeweils waltenden Kursdeterminanten erzeugt und sich damit im Regelfall der Wirklichkeit überwiegend in ungleichen Ziffernansätzen ausprägen.

[* Da nun gar kein Grund zu der Annahme abzusehen ist, warum die Bewegungen der Preise auf den Terminmärkten sich nach irgendwelchen anderen Prinzipien bestimmen sollten als man sie auf den Primärmärkten vorfindet, kann es nicht ausbleiben, dass unter geregelten Marktbedingungen dieselben sich generell auf denjenigen Stand einzupendeln tendieren, wo das Verhältnis, in dem die Kontrakte gegeneinander ausgeboten und begehrt werden, sich auf den gleichen Fuß stellt.]

Gleichwohl schwanken Cash- und Futureskurse nicht etwa wild und zusammenhangslos durcheinander. Sieht man genauer zu, so ist unverkennbar, dass beide unter dem Einfluss besonderer Beweggründe in einer andauernden kausalen Wechselbeziehung zueinander stehen. Sie kommunizieren gewissermaßen untereinander und bleiben dadurch in nachvollziehbarer Weise markttechnisch aneinander gekoppelt. Das Interesse der Forschung gilt derzeit erhöht der Frage über die Natur der Wechselwirkung zwischen dem Verlauf der Futures- und Cash-Kurse unter dem Informationsaspekt. Fragen wie: Welche Auswirkungen hat das Dasein von Futures auf die Marktvolatilität und auf das allgemeine Kursniveau, auf das Handelsvolumen als auch auf die jeweiligen "bid-/ask"-Spreads in den einzelnen Märkten?, üben Futures einen stabilisierenden oder destabilisierenden Einfluss auf die unterliegenden Spot- und Kassamärkte aus?, schlagen sich neue Informationen rascher in den Futures- oder in den Cash-Preisen nieder? und damit in engem Zusammenhang: Welcher der beiden Märkte ist der bestimmte, und welcher der bestimmende?, folgen Futureskurse den Kassa- und Spot-Kursen nach oder eilen sie ihnen umgekehrt doch voraus, oder aber sind sie abwechselnd Ursache und Folge?, stehen dabei im Mittelpunkt der scientifischen Forschungsbemühungen. Was die letzte Fragestellung anlangt, so geht die Mehrzahl der Untersuchungen dahin, dass die Derivatemärkte dank ihrer vorzüglichen Liquidität und relativ geringen Transaktionskosten marktübergreifende Informationen im Allgemeinen rascher zu reflektieren vermögen als die mitunter schwerfälligen Spot- und Kassamärkte mit der ganz natürlichen Folge, dass Cash-Kurse, je nach Markt, den Futureskursen tendenziell um wenige Augenblicke bis zu einigen Minuten hinterherzuhinken neigen ("leading and lagging"). Insgesamt jedoch harrt diese Materie noch der endgültigen Aufhellung.

Beispiel zum strukturellen Zusammenhang zwischen Spotmarktpreis von Mais ("corn") und unterschiedlich terminierten CBOT-Mais-Futureskursen (offizielle Schlusskurse am 18.07.2003):

Terminmonat "settle"
 September   206
 Dezember   211
 März04   219 ½
 Mai04   225 ½
 July04   229 ¼
 Dezember04   235

 

 

 

 

Der Spotmarktpreis für Mais ("corn") möge zum Zeitpunkt der vorstehenden Notierung 200 US-Cent pro Scheffel ("bushel") betragen. Ein Blick auf die Tabelle gibt zu erkennen, dass hier eine "ansteigende Termintreppe" ("normaler Markt", "carry market") vorliegt, nach der die Preisdifferenz beispielsweise zwischen Spotmarktpreis und Terminnotiz Dezember04 ganze 35 US-Cent beträgt. Die prozentuelle Terminprämie ("futures forward premium", "implied repo rate") beläuft sich hiernach auf (235/200 – 1) × 100 = 17,5 %. Ansteigende Termintreppe heißt, je weiter der Erfüllungstermin eines Futures in der Zukunft liegt, desto höher stellt sich der Futureskurs.

Die hier am Beispiel verschieden gegriffener Terminpreise klar gemachte Gestaltung der Terminstruktur ist also keinesfalls ein Spiel des Zufalls. Zwischen den Marktsegmenten Spotmarkt und Terminmarkt besteht, und dies gilt von allen Arten dauerbarer Marktgegenstände, die in funktionierenden Märkten auf Termin gehandelt werden, ein auf sogenannten Arbitragebeziehungen beruhender fester ökonomischer Zusammenhang, d.i. eine gegenseitige kausale Abhängigkeit (Interdependenz, Verbund) der Preise, in deren Gefolge die solcherart korrelativ verknüpften Kurse bei fairer (idealer) Bewertung sich stets in ein ökonomisch angemessenes Preisverhältnis zueinander zu stellen wissen*. Dies bedeutet zweierlei: Zum einen werden Cash- und Futureskurse üblicherweise aufeinander abgestimmt auf und nieder schwanken, d.h., steigt mit der Strömung des Tagesgeschäfts der Preis der Wertbezugsbasis ("underlying"), so steigt damit zugleich auch der Futurespreis und umgekehrt**. Zum anderen werden sich die Kurse in beiden Teilmärkten, wenn auch nicht stetig im genauen Einklang, so doch mit abnehmender Restlaufzeit eines Futures nach und nach angleichen (Konvergenzeigenschaft von Futures). Die hierbei in jedem Augenblick festgestellte (positive oder negative) ziffermäßige Differenz zwischen Cash-Kurs und Futures-Preis wird als Basis bezeichnet. – Ein vernünftiger Umgang mit Futures setzt ein grundlegendes Vorverständnis dessen voraus, was diese Zusammenhänge ausmacht und ihnen das Gepräge verleiht.

[* Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass allein die unterschiedliche zeitliche Verfügbarkeit eines der Gattung nach bestimmten ein und desselben Beschaffungsobjektes einen Wertunterschied bewirkt. Ein Beschaffungsobjekt zur prompten Lieferung kann dabei aufgrund besonderer Verhältnisse, auf die im Folgenden noch einzugehen ist, ebenso gut höher oder niedriger im Preise stehen als ein gattungsgleiches zur künftigen Lieferung.]

[** Einen vollkommen exakten Parallelismus der Preisbewegungen wird es an den Märkten jedoch nicht geben. Selbst wenn die Preise im Großen und Ganzen harmonieren, ist es nicht ausgeschlossen, dass Cash- und Futureskurse in einem kurzen Augenblick sich durch Schwankung von Angebot und Nachfrage in entgegengesetzter Richtung bewegen.]

Die zwischen Termin- und Effektivmarkt hervortretende Kursdifferenz (Basis) wird im Laufe der Zeit bis zum Erreichen des Fälligkeitsdatums eines Futures folglich gegen Null konvergieren. Wer heute gleichsam als Ersatz für ein kommendes Kassageschäft einen Futures-Kontrakt eingeht (kauft bzw. verkauft), beseitigt über die heutige Fixierung des Futureskurses im Terminkontrakt fürderhin jede Unsicherheit über den in Zukunft auszulegenden Preis für den Erwerb des unterliegenden Beschaffungsobjekts (nicht jedoch bzgl. des Risikos von Ausbringungsmengen, sofern etwa zur Kurssicherung unbedingte Termingeschäfte abgeschlossen wurden! – Siehe über diese Frage auch: Hedging mit Futures).

Im Zeitpunkt des Abschlusses eines Futuresgeschäftes ist der Futureskurs jedes Mal so bemessen, dass der in Geld wiedergegebene Wert des Kontakts selbst sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer stets exakt null beträgt; denn es kostet schließlich nichts, an der Terminbörse einen Futures-Kontrakt einzugehen*. Hierdurch wird weder ein Wert geschaffen, noch räumt eine Partei der anderen damit einen finanziellen Vorteil ein. Erst im Moment der Änderung des Futureskurses erhält der Kontrakt Wert. Ändert sich also der Futureskurs in unmittelbarer zeitlicher Folge auf einen Futureskauf resp. -verkauf, resultieren hieraus, je nach Richtung und Ausmaß der Kursvariation, für die beteiligten Parteien und Inhaber der korrespondierenden Long- bzw. Short-Positionen – verstärkt durch das Wirksamwerden des Hebeleffekts ("Leverage-Effekt" oder auch "leverage-/gearing"-Effekt) – entsprechend hohe Vermögensgewinne resp. -verluste.

[* Der Wert eines Futures-Kontrakts selbst ist strikt zu trennen vom Wert seines zugrunde liegenden Vermögensgegenstandes ("underlying"). Durch Abschluss eines Futuresgeschäftes wird weder unmittelbar Wert geschaffen noch wechselt in diesem Moment dafür Geld die Hände. Margenzahlungen als Ersteinschüsse, die ohnehin keinen Kaufpreis, sondern Einschuss ("Kaution") darstellen, Maklergebühren und andere Handelskosten ändern an diesem grundsätzlichen Sachverhalt nichts. Um den Grundgedanken besser herauszustellen, seien im Folgenden die eben genannten Transaktionskosten der Einfachheit halber ausgeklammert.]

Jede nachfolgende Kursänderung des Futures, erst gegenüber seinem Einstandskurs des Abschlusszeitpunktes ("trade date"), dann gegenüber jedem nächstfolgenden, ruft darum unfehlbar eine Vermögenswertänderung aus dem Kontrakt hervor, welche mit ihr in einem durch den Hebeleffekt eindeutig bestimmten Verhältnis steht: Steigt der Futureskurs, so profitiert der Käufer vom Wertzuwachs des Futures im überproportionalen Verhältnis und der Verkäufer verliert durch Wertminderung desselben um ebenso viel. Fällt der Futureskurs, so profitiert der Verkäufer des Futures vom Wertzuwachs des Kontrakts überproportional und der Käufer verliert der Wertminderung wegen dieselbe Summe (Wette, "bet"). So gesehen addieren sich Gewinne und Verluste – von Kosten des Börsenhandels abgesehen – stets zu null: Ein Mehr hier verkörpert immer einen gleichhohen Verlust aufseiten der Gegenpartei (Nullsummenspiel; symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil von Futures).

Wie die tägliche Anschauung aus dem Börsenleben lehrt, sind Futureskurse fortwährend wechselnde Größen. Sie variieren für gewöhnlich momentweise, mitunter im Sekundentakt. Ein Futureskurs steigt immer dann, wenn das effektive Kaufinteresse derjenigen, die im betreffenden Markt eine Long-Position beanspruchen, das effektive Verkaufsinteresse jener, die eine Short-Position begehren, mehr als aufwiegt. Umgekehrt wird ein Futureskurs fallen, wenn das wirksame Kaufinteresse hinter dem wirksamen Verkaufsinteresse zurückbleibt. Ein Futureskurs wird damit zum zahlenmäßigen Abbild des lebendigen Handelsgeschehens als Resultante der sich auf einem Terminmarkt begegnenden Nachfrage und des ihr gegenüberstehenden Angebots.*

[* Bestimmt wird die persönliche Nachfrage und das persönliche Angebot grundsätzlich von den innerwirtschaftlichen Wertschätzungen Einzelner (d.i. der Grad der Bedeutung, welche der Terminhändler einer unmittelbaren Verfügung über eine bestimmte Positionierung auf dem Terminmarkt beimisst und die Begierde, mit der ihr genüge getan wird), die aus der Perspektive unterschiedlicher Erwartungshaltungen von – je nach Marktbreite und -tiefe – mehr oder weniger zahlreichen Individuen im Verfolg ihrer wirtschaftlichen Ziele ausgehen. Dass die Nachfrage nach Terminkontrakten sich dadurch vom effektiven Begehr, das Angebot an solchen vom effektiven Vorrat der Basisware vollständig zu lösen vermag, sei nur im Vorübergehen erwähnt. Da nun die Preisbildung von Futures dem Prinzip nach den gleichen Gesetzen unterliegt, die auch bei allen übrigen Gütern des Wirtschaftsverkehrs leitend sind, erklären sich Futures-Preise somit im letzten Grunde aus der Gesamtheit der auf dem Markt zusammentreffenden subjektiven (Tausch-)Wertschätzungen.]

Jedes Mal, wenn auf der Skala der möglichen Terminkontraktpreise die angebotenen und nachgefragten Mengen an Kontrakten sich auf einem Markt die Waage halten und ausführbar gegenüberstehen, geht bei dieser Gelegenheit ein neuer Futureskurs hervor. Wenn bei gleichbleibendem Angebot die Nachfrage daraufhin steigt, dann wird auch der Futures im Kurse steigen; andersrum wird er im Kurse fallen. Hervorgerufen und in Gang gehalten wird dieser Mechanismus des Steigens und Fallens der Kurse im Zeitlauf vor allem durch die Grundtatsache von Wissensänderungen*, die sich ihrerseits wieder auf die verschiedenartigsten tiefer liegenden Faktoren zurückführen lassen. Zu Letzteren gehören – wenngleich die Aufzählung keineswegs restlos erschöpfend – der Gang und Stand allgemeiner makroökonomischer als auch politischer Einflussgrößen, wie Wechselkurs- und Zinsentwicklung, Wachstumsraten und Konjunkturzyklen, Wirtschaftspolitik und Steuergesetzgebung, nebstdem freilich auch psychische Einflussgrößen, wie Stimmungen und Motive, die selbst zum Teil von begründeten, zum Teil von unbegründeten Erwartungen herrühren mögen, und – insbesondere an den Warenmärkten – physisch-psychisch vorzufindende Verbraucherwünsche, technische Innovationen und darüber hinaus Erscheinungsmöglichkeiten jenseits menschlicher Handlungen, wie saisonale und klimatische Bedingungen, z.B. Dürreperioden, Überschwemmungen oder andere Naturereignisse und -katastrophen etc., bis letztlich hin zu Terroranschlägen und Kriegsgefahren. (Vgl. hierüber: Wie entstehen Börsenkurse?)

[* Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Terminpreise kurzfristig variieren, ohne dass der Wissensstand aller die mindeste Änderung erfahren hätte (Rauschen).]

Angesichts der ungeheuren Vielfalt an Kurseinflussgrößen, welche ohne Unterlass auf die Terminmärkte einwirken und sie vorantreiben, überrascht es kaum, dass unzählige Börsenspekulanten (Trader, "player"), die Aussicht auf schnelle Vermögensgewinne vor Augen, danach streben, durch bewusste, kalkulierte Inkaufnahme von Risiken an den zeitlichen Bewegungen der Kurse im Handel mit Derivaten zu partizipieren. Spekulierende, die für einen bestimmten Markt einen Anstieg des Futureskurses prognostizieren, kaufen (nehmen eine Long-Position ein, "gehen long"), andere wiederum, die einen Kursrückgang erwarten, verkaufen (nehmen eine Short-Position ein, "gehen short"). Ein wichtiger Aspekt und notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen von Futuresgeschäften ist hierbei offenkundig eine gegensätzliche Markterwartung von Kauf- und Verkaufslustigen, die sich ihrerseits ableitet aus einer unterschiedlichen Übersetzung von Marktinformationen in persönliche Preisgrenzen; denn beide Teile, die mit einem Futuresgeschäft zu tun haben, werden sich heute nur dann über einen bestimmten Börsenterminkurs handelseinig werden, wenn sie unterschiedliche Einschätzungen über "faire" künftige Kurse vertreten.*

[* Dies impliziert, dass der augenblickliche Börsenpreis von beiden Parteien an einem Futuresgeschäft als Fehleinschätzung des Marktes über den "wahren" Wert des "underlyings" zum Termin aufgefasst wird. So sehr die Markteinschätzungen Einzelner aber auch auseinandergehen mögen, sobald ein Futureskurs sich gebildet hat, wird er richtungweisend für die gesamte Marktlage. Nachhaltig bestimmt wird Letzterer dabei abschließend und unabhängig von ephemeren Schwankungen vom Verhältnis von Bedarf und Deckung, das auf dem Markt des nämlichen Gutes zum Termin das vorherrschende ist. Denn der aus diesem Verhältnis resultierende Preis wird von den Börsen als der maßgebliche für dessen Schlussbewertung herangezogen. Im Nachhinein werden beide klüger sein, doch mit jedem Wechsel der Preislage wird unvermeidlich einer enttäuscht werden.]

Da anders als bei einem Effektengeschäft (wie z.B. bei Aktien- oder Obligationsgeschäften kassa), wo der Preis unmittelbar das Austauschverhältnis bestimmt, der mit Abschluss des Futures-Kontrakts festgestellte Preis nicht sofort bezahlt werden muss (dieser wäre erst später bei einer etwaigen Erfüllung "Ware gegen Geld" auszulegen), dient ein Futureskurs zunächst gänzlich anderen Zwecken. Dem Inhaber einer offenen Position in Futures bspw. dient er vom Zeitpunkt der Begründung an bis hin zur Auflösung derselben in erster Linie als rechnerischer Referenzwert zur dokumentierenden Wert- bzw. Gewinnbemessung.

Fazit: Der Wissensstand im Sinne von Tatsachenwissen auf den Cash- und Futures-Märkten ändert sich von Moment zu Moment. Auf den wohl organisierten, liquiden und hochfuntionstüchtigen (d.h. zumindest annähernd effizienten) Märkten, wie ein gutes Dutzend Terminkontraktmärkte sich uns laufend darbieten, schlagen sich in jedem Zeitpunkt sämtliche öffentlich* zugängliche Informationen (z.B. über die aktuelle und die zu erwartende fundamentale wirtschaftliche Angebots- und Nachfragesituation von Gütern und Finanztiteln) unverzüglich in der Preisbildung nieder (Signal- und Informationsfunktion der Preise, Bewertungseffizienz). Die gewichtigste gesellschaftlich-ökonomische Funktion, die aus dem Informationsgehalt eines augenblicklichen Futureskurses erwächst, besteht in den ("gleichgewichtigen") Märkten vorstehend bezeichneter Art demzufolge darin, dass jene sich frei bildende Preise das gesamte marktbezogene Wissen als ihr Destillat unmittelbar und völlig rein widerspiegeln (Gleichgewichtskurs). So verstanden, vermitteln Futures-Preise als bestmögliche (unbefangene, "unbiased") Schätzung künftiger Spot- bzw. Kassakurse ihren Reflektanten – einerlei, ob selbst am Marktprozess beteiligt oder ihm fern bleibend – einen Anhalt über den angemessenen Wert des Bezugsgutes eines Futures, welcher mit durchschnittlicher Treue zum Termin zu erwarteten ist.** Auch wenn die Voraussicht so gut wie nie mit voller Exaktheit zutrifft, gibt eine vorzufindende positive oder negative Differenz eines Futureskurses zum gegenwärtigen Barpreis einen Hinweis in Form eines Richtungspfeils auf den vermuteten Preis zum Termin. Eine solche ungehinderte Wissensverbreitung, vermittelt durch objektivierte Terminkurse, leistet insofern einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Informationsasymmetrien und – damit eng verknüpft – gemeinwohlfördernd auch zu einer Verstetigung von Produktions- und Konsumverhältnissen in unserer arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft.

[* und bei Gültigkeit der These von der strengen Informationseffizienz auch alle nicht öffentlich zugänglichen Informationen.]

[** Wer den Modellaussagen des Capital Asset Pricing Model (CAPM) der modernen Finanzierungstheorie zustimmt, wird die im Text gemachte Behauptung allerdings nur unter der Bedingung zu bejahen wissen, dass die Korrelation der Renditen des einem Futures unterliegenden Marktgegenstandes mit jenen des Marktportefeuilles sich ziffermäßig genau auf null stellt. Es sei mir gestattet, das für theoretisch-mathematische Einzelheiten sich interessierende Lesepublikum auf Hull, J.C.: "Options, Futures, and Other Derivatives", Seventh Edition, S. 120f. zu verweisen.]

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Futureskurse, "bid-/ask"-Spreads und Transaktionskosten

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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Oscar Wilde (1854-1900), irischer Schriftsteller

 

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Stand: 02. Februar 2012. Alle Rechte vorbehalten.