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Aufzählung

Trading*: das Spekulationsmotiv im Handel mit Futures

Tagaus, tagein treffen Trader, Hedger und Arbitrageurs, die gewillt sind, sich dem Wettbewerb tätig zu stellen, an den Finanzmärkten rund um den Erdball zusammen, um zwischen- und untereinander Handel zu treiben. Hierbei kommen die verschiedensten Handelsformen, Instrumente und Strategien zum Einsatz. Seine technisch höchste Vollendung findet der Handelsverkehr wohl an den gut organisierten und hochentwickelten Terminmärkten (hauptsächlich Terminbörsen) in den derivaten Finanzmarkttiteln. Damit liegt zugleich der Teilnehmerkreis an den Terminmärkten fest, der sich nach den drei eben benannten Klassen teilt.

[* Unter Trading (als Form der Spekulation) versteht man allgemein die unter wiederholtem Einsatz von Risikokapital eingeschlagene Strategie der Übernahme eines Preisänderungsrisikos in Erwartung von (zumeist kurzfristigen) Vermögenszuwächsen aus verwirklichten Änderungen in der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Preisüberschüssen) von Finanzmarkttiteln. An einer realwirtschaftlichen Bindung an das jeweilige Basisgut liegt dem Trader in aller Regel nichts. Alles dreht sich ihm um die Preisgestaltung. Aber nicht nur in dieser Hinsicht besteht zwischen der Gruppe der Trader und den anderen am Marktgeschehen Anteil nehmenden ein vergleichsweise scharfer Kontrast, wie im Folgenden noch ersichtlich werden wird.]

Ein Blick in die einschlägigen statistischen Marktberichte (z. B. der "Commitments of Traders Report" in den USA, COT Report) gibt Zeugnis davon, dass an den Zukunftsmärkten die einzelnen Gruppen der Marktteilnehmer im Allgemeinen ganz ungleich stark besetzt sind. Stellt man etwa den Kreis der Spekulierenden (Trader; auch weniger vornehm "player" genannt) den anderen aktiv Beteiligten in den Börsenterminmärkten vergleichend gegenüber, so wird schnell deutlich, dass die spekulativ orientierte Partei in etlichen Marktabschnitten wiederholt den überwiegenden Anteil nimmt – und damit regelmäßig auch den spürbarsten Einfluss auf das allgemeine Marktgeschehen auszuüben imstande ist.

Aber auch dann, wenn das wechselseitige Häufigkeitsverhältnis der oben bezeichneten Trias in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich eine relative Vorherrschaft der Gilde der Spekulanten hervorbringt, so ist diesem Umstand jenseits aller ethischen Wertungen dennoch ein nicht gering zu achtender Vorteil zu verdanken: Der von den zahlreich vertretenen Spekulanten ausgehende Zustrom eines enormen Risikokapitals bewirkt im großen Ganzen eine Konzentration der finanziellen Mittel auf eine relativ überschaubare Zahl von Finanzderivaten – ein Faktor zumal, der zu einer beträchtlichen Erhöhung des Handelsvolumens (der Liquidität) und damit einhergehend zu einer Zunahme der Aussagekraft der Marktpreise (Informationseffizienz) und Steigerung der Stabilität und Nachhaltigkeit* des Marktsegments für börsennotierte Terminkontrakte die Kraft und Fähigkeit mehrfach unter Beweis gestellt hat. Im Verhältnis zur Gruppe der risikoscheuen Hedger tragen die risikofreudigeren Spekulanten als Gegenpartei von Kurssicherungsgeschäften überdies bewusst das Risiko von mitunter empfindlichen Vermögenswertverlusten und verschaffen hierdurch Ersteren die erwünschte Versicherungsleistung.

[* Liquide Märkte gelten als Grundvoraussetzung für informationseffiziente, vollkommene Märkte. Der praktische Vorzug effizienter Märkte wiederum liegt darin, dass vermöge einer kontinuierlichen, verlässlichen Marktbewertung Anpassungsentscheidungen an neu eintreffende, kursbeeinflussende Informationen sich über zweckentsprechende Transaktionen ohne Reibungsverluste direkten Weges umsetzen lassen ("reibungsloser Ein- und Ausstieg").]

 

 

 

Finanzderivate lassen sich je nach gewünschtem und möglichem Verwendungszweig den unterschiedlichsten Bedürfnissen dienstbar machen. So sind etwa die reinen Trader an den Derivatebörsen der überwiegenden Mehrzahl der Hedger oder Arbitragehändler i. e. S. gegensätzlich im Allgemeinen nicht an der Produktion oder Lieferung der den einzelnen Futures- bzw. Optionsgeschäften zugrunde liegenden effektiven Werte ("underlying assets") interessiert. Vielmehr richten Erstere ihr Augenmerk primär auf die mögliche Entwicklung des Kontraktpreises. Um aus dem Wechsel der Preisverhältnisse auf den Märkten Kapital zu schlagen, kaufen sie in Aussicht auf mutmaßlich steigende Kurse Terminkontrakte ("long") für den ungewissen Verkauf bzw. verkaufen in Erwartung sinkender Kurse Terminkontrakte ("short") für den ungewissen Kauf. Über den tatsächlichen Verlauf der Kursentwicklung im betreffenden Terminmarkt lässt sich allenfalls eine vage Vermutung hegen.

Auf die Dauer erfolgbringende Spekulationen in Finanzderivaten beruhen darum vermehrt auf ausgeklügelten Trading-Strategien, die in Aussicht auf eine vorteilhafte Verschiebung der Marktlage fallweise zum Einsatz gelangen. So wird der spekulativ motivierte Händler, der in schicklicher Weise über die verschiedenen Trading-Methoden unterrichtet ist, ganz bewusst danach trachten, durch wohlkalkuliertes, entscheidungsbezogenes Aufsuchen von Marktchancen (und -risiken) kurzfristig mithilfe einer derselben an den Perspektiven der Preisbewegungen von Finanzderivaten gezielt zu partizipieren (Wagnis, Wette; willentliche Erhöhung des "risk exposure" durch Aufbau von offenen Posten; "aleatorische Verträge"); oder um es verkürzt und rundheraus zu sagen: Der verständige Händler wettet nach einem im Voraus festgestellten Plan. Er wettet planmäßig, indem er all sein Wissen mit allem Vorbedacht und in aller Konsequenz in Wetten auf den Terminkurs umsetzt. Seine Zielsetzung geht vorzugsweise darin auf, durch gewagtes, aber geschicktes Tätigwerden an den globalen Terminmärkten aus dem Spiel der Preise in relativ kurzer Zeit möglichst hohe Spekulationsgewinne zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite jedoch steht die niemals zu verkennende Gefahr, aus spekulativen Eigengeschäften auf den Derivatemärkten solcher Art, zumal bei grobem Irrtum über die Marktlage und Eintritt ganz unerwarteter, nicht antizipierter Kursentwicklungen, auf einen Schlag kaum wieder gutzumachende Vermögensverluste anzuhäufen. Mit einem Worte: Chancen und Risiken gehen an den Märkten Hand in Hand. Sie sind geradezu mit prinzipieller Tendenz in einem festen, gleichmäßigen Verhältnis untrennbar miteinander verbunden.

Genau besehen lassen sich gelungene Spekulationen in und zwischen den Terminmärkten, denen zudem auch Anspruch auf Nachhaltigkeit beschieden sein soll, vornehmlich zurückführen auf ein in aller Regel frühzeitiges Auffinden und gekonntes Ausnutzen der dargebotenen Marktchancen, d. i. auf die Fähigkeit der raschen und zutreffenden Antizipation künftiger Kursentwicklungen und -zusammensetzungen (idealerweise "Gewinne aus Wissensvorsprüngen")*. Jede Handelsstrategie, die darauf baut, will trotz der Schnelllebigkeit der Chancen vorher wohl überlegt sein. Sind die dafür nötigen Vorarbeiten geleistet, wird der Händler mit nüchternem Kalkül und Verstand, dass der Wissensstand in Zukunft sich immerfort ändern wird, bewusst einen offenen "Risiko-Posten" aufbauen, wobei daran gedacht ist, diesen zu einem mutmaßlichen, anvisierten, überhaupt aber noch unbekannten Terminkurs, zu einem gelegenen, heute aber noch weithin ungewissen künftigen Zeitpunkt** wieder zu schließen. Erfüllen sich nun die ursprünglichen Erwartungen durch Verwirklichung der erhofften Preisverschiebungen im Markt, so werden die zuvor errichteten offenen Posten dem Vorhaben gemäß mittels eines dazu gegenläufigen Geschäfts (Gegengeschäft) zum dann herrschenden Marktpreis wieder geschlossen und die angewachsenen Kursdifferenzgewinne auf diese Weise realisiert. Erweisen sich die Prognosen hingegen als grundfalsch, ganz gleich, ob aus bloßem unglücklichem Zufall oder infolge eines Denkfehlers, und die Kurse laufen den Erwartungen arg zuwider, so werden dem Halter der Position unweigerlich daraus schmerzliche Vermögensverluste entstehen. – Über eine vorgelagerte Standardisierung der einzelnen derivaten Produkte an den Terminbörsen werden die nötigen Voraussetzungen geschaffen zum einen für eine jederzeitige Handelbarkeit bei einfachem Marktzugang und zum anderen für eine rasche Abwicklung der Geschäfte zu möglichst geringen Handelsspesen (Transaktionskosten), wodurch die Chancen auf einen Abschluss zu fairen Preisen insgesamt steigen.

[* Die Grundlage für einen einträglichen Ansatz im Trading können einerseits Wissensvorsprünge bilden, die durch Informationsauswertung unter sehr hoher Verarbeitungsgeschwindigkeit gewonnen wurden, also i. d. R. durch die systematische Ausnützung (noch) nicht allen zugänglichen Wissens, und andererseits freilich auch durch einfallsreiches Handeln ("alertness"). Hierbei wird beabsichtigt, in Anbetracht der Gewissheit über die Lückenhaftigkeit des eignen Wissens, aber im Vertrauen auf überlegene Expertise und Informationsverarbeitungsqualität, aus unvollständigem Wissen anderer Kapital zu schlagen.]

[** Derivatehändler stehen hierbei gewöhnlich unter einem gewissen Zeitdruck. Denn im Unterschied zu Kassa- bzw. Spotmarktgeschäften, wo der Realisationszeitpunkt durchaus in ferner Zukunft liegen mag, sind die finanziellen Ergebnisse aus Futures- und Optionsgeschäften meist sehr kurzfristig, d. h. spätestens "zum Termin" zu verwirklichen und endgültig abzurechnen. Vgl. dazu ergänzend: "roll over" mit Futures.]

Spekulativ orientierte Akteure, die auf in nächster Zeit steigende Kurse rechnen, kaufen Terminkontrakte – "gehen long". Im Börsenfachjargon werden solche Marktakteure gemeiniglich als "bulls" bezeichnet, sie sind "bullish" in ihren Markterwartungen (Haussiers). Ihnen stehen Marktbeteiligte gegenüber, die auf fallende Kurse setzen. Sie verkaufen Terminkontrakte – "gehen short". Diese heißen "bears", ihre Markterwartungen sind "bearish" (Baissier). Die Rechnung des Haussiers ist aufgegangen, wenn er bis zum Liquidationstermin des Futures die Gelegenheit findet, seinen Kontrakt zu einem höheren Kurs glattzustellen, jene des Baissiers dagegen, wenn er bis zum Liquidationstermin des Futures die Gelegenheit findet, seinen Kontrakt zu einem niedrigeren Kurs wieder einzudecken.

Ein Engagement an den Börsenterminmärkten setzt i. d. R. die Erbringung eines Ersteinschusses ("initial margin") voraus. Da bekanntlich der Mindesteinschuss für die Teilnahme am Futures-Handel im Verhältnis zum eigentlichen Kontraktgegenwert durchweg gering ausfällt*, resultiert hieraus ein stattlicher Hebeleffekt (Leverageeffekt), der auf beiden Seiten gleichermaßen Wirksamkeit erlangt. Der Hebeleffekt wird dabei umso stärker wirken, je geringer der Bruchteil der Mittel für den Ersteinschuss in Anschlag steht, welche zur Einleitung einer entsprechenden Positionierung im Effektivmarkt aufzubringen wären. Der Hebeleffekt spielt aber nicht allein einer willkommenen Verringerung des Finanzmitteleinsatzes (= Kreditfunktion von Hebelprodukten) in die Hand, sondern führt in letzter Linie regelmäßig auch zu einer Ausweitung des übernommenen Preisrisikos – was indes die Bereitschaft zur spekulativen Teilnahme am Terminhandel offensichtlich befördert und befruchtet.

[* Dies geht mitunter soweit, als im Tagesgeschäft durchaus auch ganz ohne Ersteinschuss mit Futures gehandelt werden darf, sofern eine etwaige verbleibende Nettoposition am Ende einer Handelsphase ("overnight") gedeckt ist.]

Der eigentliche Pfiff von Futures-Geschäften liegt für den von Risikofreude geprägten Investor zumal darin, durch Einsatz eigener Mittel von vergleichsweise geringen Summen bei alles in allem niedrigen Transaktionskosten mit hohen Gewinnaussichten kurzfristig von günstigen Gelegenheiten in den Terminmärkten zu profitieren. So sind manchenorts, besonders in stark schwankenden ("volatilen") Terminmärkten, infolge der beträchtlichen Hebelwirkung von Finanzderivaten auf den hinterlegten Ersteinschuss ("inital margin") bezogene Gewinne von mitunter mehreren 100 Prozent innerhalb kürzester Zeit keine Seltenheit. Mit den jüngsten Zugewinnen an finanzanalytischen Einsichten sowie der Fortentwicklung von elektronischen Handelssystemen, begleitet von üblicherweise relativ geringen An- und Verkaufskosten (Transaktionskosten) und oft begünstigt von zunehmenden Volatilitäten* in den Terminmärkten, wird die allgemeine Bereitschaft zur Teilnahme am Futures-Handel noch zusätzlich verstärkt.

[* Die Volatilität umschreibt Stärke und Häufigkeit von Kursauschlägen in einem Markt. Volatile Märkte schaffen allgemein einen Anreiz zur Spekulation, erhöhen andererseits aber auch vielfach die Notwendigkeit zum Abschluss von Preissicherungsgeschäften ("hedging"). Gleichzeitig ist festzustellen, dass mit steigender Volatilität tendenziell auch die Transaktionskosten steigen.]

Doch Achtung: Diesen verlockenden Gewinnhoffnungen steht als Kehrseite untrennbar die Wertgefahr gegenüber! Anders als bei Optionskäufen etwa, wo äußerstenfalls die bezahlte Optionsprämie ("total premium") verloren gehen kann, können aus unvorteilhaft oder unsachgemäß angewendeten Futuresgeschäften binnen kürzester Frist Verluste entstehen, die in ihrem Ausmaß das gesamte persönliche Vermögen des Disponierenden aufzuzehren ("Substanzrisiko"), wenn nicht weit zu übersteigen imstande sind. Das vermögensmäßige Einstehenmüssen für Verluste aus Futuresgeschäften mit spekulativem Charakter ist im Falle ihres Leerverkaufs (d. h. solche, die als singuläre Short-Futures-Position gehalten werden) bei steigenden Notierungen theoretisch sogar unbegrenzt, während selbiges bei Kaufpositionen (singuläre Long-Futures-Position) und fallenden Kursen in seinem Umfang immerhin durch den gesamten Kontraktgegenwert zum Termin beschränkt ist. Ein grober Fehlgriff bei Futuresgeschäften kann mithin ganze wirtschaftliche Existenzen zugrunde richten!

Die eigentliche Ursache für das buchstäblich bis ins Uferlose reichende Verlustpotenzial gerade bei fehlgeschlagenen Short-Spekulationen besteht darin, dass im Rahmen von Futuresgeschäften die Verpflichtung des Positionsinhabers – trotz relativ geringem Ersteinschuss an Margin – sich grundsätzlich auf den Gesamtwert des bewegten Kontraktumfangs erstreckt (Hebelwirkung) und der Marktpreis hierbei kein oberes Limit für die Beschaffung der unterliegenden Werte kennt. Der nach einer Schieflage erlittene Vermögensverlust der einen Marktseite entspricht bei Geschäften mit Futures – vorbehaltlich von Transaktionskosten – in seiner Höhe stets dem Gewinn der jeweils anderen Marktseite ("Nullsummenspiel", symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil). Die Wahrnehmung der beachtlichen Gewinnchancen an den Futuresmärkten ist also unweigerlich mit der höchst gegenwärtigen Gefahr des Misslingens verbunden. Hohe Verluste können die unerbittliche Folge sein.

Ein weiteres charakteristisches Motiv für eine spekulative Teilnahme am Terminkontrakthandel folgt aus der Leichtfüßigkeit, mit der sich Leerverkäufe (Short) in Futures durchführen lassen. In Ansehung der vergleichsweise geringen Kosten wie auch der flexiblen Handhabung von Short-Positionen in Futures lässt sich eine schlüssige Strategie der Spekulation auf fallende Preise oftmals schneller und bequemer durch den Einsatz von Termingeschäften verwirklichen als über einen Leerverkauf des Basisinstruments im korrespondierenden Cash-Markt selbst (Vgl. dazu auch: Wertpapierleihe und Leerverkauf von Aktien). Dies gilt naturgemäß umso mehr für Termingeschäfte mit Warencharakter, den Commodities. Durch die faktische Gleichrangigkeit von Kauf- (Long-) und Verkaufs- (Short-) Positionen gewinnen Engagements an den Derivatebörsen, verglichen mit Spot- und Kassamarktaktivitäten, damit noch zusätzlich an Attraktivität.

[Ohne in die Einzelheiten zu gehen, lassen sich als weitere Nachteile von Spotmarkttransaktionen im Vergleich mit Operationen am Terminmarkt anführen: 1.) generell höhere Transaktionskosten bei identischen Volumina, 2.) Refinanzierungsnotwendigkeit, 3.) eine dem gewünschten Risiko-/Ertragsprofil entsprechende Positionierung lässt sich nicht oder nur schwer realisieren, 4.) steuerliche und administrative Momente, negative Bilanzauswirkungen, Meldepflichten etc.]

 

Aufzählung

Die einzelnen Gruppen spekulativer Marktteilnehmer im Futures-Handel

Terminmärkte wären ohne die Mitwirkung von Spekulanten kaum denkbar. Charakteristisch für spekulative Positionierungen in den Terminmärkten ist dabei die Kurzfristigkeit von Engagements. Der Zeithorizont für ein Engagement in Futures kann bisweilen extrem kurzfristig sein: von wenigen Augenblicken oder einigen Minuten ("scalping") über wenige Stunden ("day-trading"), kann aber auch – wenngleich seltener – längere Zeiträume abdecken, die sich alsdann bis über mehrere Tage oder gar Wochen und Monate ausdehnen ("position-trading"). Im Einzelnen lassen sich nach der Fristigkeit ihres Erwerbsstrebens die nachfolgenden Gruppen von Tradern unterscheiden:

Scalper (im amerik. populären Sprachgebrauch so viel wie "kleiner Tagesspekulant", von engl. "scalp", »Kopfhaut«): Als Mitglieder der Börse handeln Scalper i. d. R. berufsmäßig in eigenem Namen und auf eigene Rechnung vor Ort auf dem Parkett der Börse ("floor trader"). Infolgedessen erhalten sie auch eine besserer Kenntnis der momentanen Auftragslage gegenüber Außenstehenden als auch gegenüber anderen Preiskonkurrenten am Platze, und sind damit insofern gegenüber Letzteren begünstigt, als dieser Umstand es ihnen ermöglicht, quasi als "Marktinsider" spezielle Wissensvorsprünge* auf geradem Wege ungehindert umzumünzen. Außerdem gestattet es ihre Stellung, die sonst üblichen Gebühren ("brokarage fees") für die Durchführung von Börsengeschäften einzusparen. Scalper setzen während der Börsenzeiten eine ganze Fülle von Terminkontrakte, mitunter gar in beträchtlich großer Zahl, ohne Unterlass in einem fort um, wobei sie gemeinhin nicht geneigt sind, einzelne Käufe oder Verkäufe davon durch längere Zeitspannen durchzuhalten. Hierbei suchen sie selbst kleinste Kursdifferenzen (die bis zu 1 "tick" herabgehen) zu ihrem Vorteil gewinnbringend auszunützen (man pflegt sie in dieser Funktion häufig als "locals" bzw. im Computerhandel auch als "independent liquidity providers" zu bezeichnen). Dies kann zuweilen soweit reichen, dass Scalper – besonders in Phasen wenig überschaubaren und hektischen Handels – quasi gleichzeitig relativ hohe "bids" und relativ niedrige "offers" akzeptieren, womit sie praktisch die Funktion von Arbitrageurs einnehmen. Aufgrund ihrer permanenten Handelsaktivitäten tragen Scalper an den Derivatebörsen, analog zu den "market-makers" an den Aktienbörsen, in gewichtiger Weise zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage bei und befördern auf diese Art zugleich die Liquidität in den Terminkontraktmärkten ("Market-Making aus freien Stücken").

[* Als Scalping bezeichnet man nebstdem auch die (weithin verbotene) Praxis der eigene Positionierung in Kenntnis von richtungsweisenden Marktinformationen unmittelbar vor deren Veröffentlichung ("Insiderinformation", private Information).]

Daytrader ("intraday-trader", Tagesspekulanten) reihen sich ebenfalls der Kategorie der im Eigenhandel tätigen, kurzfristig orientierten Spekulanten ein (Eigenhändler, Proprehändler). Daytrader zeichnen sich als solche zumal dadurch aus, dass sie trotz ihrer im Allgemeinen eifrigen Geschäftigkeit nicht im Sinn haben, über das Ende eines Börsentages hinaus noch an ihren offenen Positionen festzuhalten. Sie gehen, salopp gesprochen, täglich "glatt" von der Börse – und brauchen deshalb auch über Nacht keine Vermögenseinbußen aus offen gebliebenen Engagements mehr zu besorgen. Andererseits muss es ihnen genug oft gelingen, ihre im Trading verfolgte Taktik spätestens bis Handelsschluss mit Erfolg zu vollenden, um auf Dauer bestehen zu können. Daytrader richten ihre Bemühungen typischerweise darauf aus, unter Inkaufnahme von zuweilen recht hohen Risiken die "Augenblickstimmung" durch Ausnützung von kurzlebigen Trends innerhalb einer Handelsperiode ("intra-day") gewinnbringend wahrzunehmen. Daytrader tummeln sich hauptsächlich auf den Futures-, nicht minder aber auch auf den Devisenmärkten. Doch handeln sie weder entfernt in der Häufigkeit, als man dies alltäglich bei der Gruppe der Scalper beobachten kann, noch betreiben sie ihr Trading notwendigerweise an jedem Tage. Daytrader agieren mit der Entwicklung und Verbreitung elektronischer Börsenhandelsplattformen (Computerbörsen) – und damit allgemein sinkender Handels- und Informationskosten – heutzutage zunehmend auch ortsabwesend des Börsenparketts.

[Anmerkung: Eher unter dem Blickwinkel der "technischen Analyse" ("technical analysis") werden jene Trader mitunter als Swing Trader bezeichnet, die zwar ebenfalls danach trachten, kurzlebige ("chart-technische") Trends mit vermeintlich großer Verheißung wahrzunehmen, wobei die Haltedauer ("holding period") der in Aussicht genommenen Position hierbei aber nicht zwingend auf lediglich eine einzige Handelsperiode begrenzt sein muss. Genau genommen lässt diese sich nicht spezifizieren und kann bei Täuschung über die Marktlage daher durchaus von langfristiger Dauer sein.]

Position-Trader (auch "long-duration trader" genannt) richten ihre Handelsaktivitäten in den Terminmärkten in erster Linie darauf aus, vollständig von längerfristigen Trends Nutzen zu ziehen, selbst von solchen, die sich über mehrere Tage, Wochen, ja mitunter gar über Monate erstrecken, um auf diese Weise ihre Differenzgewinne nach Möglichkeit zu maximieren. Zum Einsatz kommen dazu entweder gewöhnliche (singuläre) Long- oder Short-Positionen ("Outrightgeschäfte"), oder aber gemischte Positionen in Form von Spreads u.dgl. Angesichts einer längerfristigen Grundorientierung ihrer Handelsaktivitäten sind die erzielten Gewinne pro vollendetem Geschäft ("round turn") für Position-Trader im Durchschnitt größer als jene der Daytrader oder der Scalper. Auch spielen Transaktionskosten für die Gruppe der Position-Trader regelmäßig eine weniger bedeutende Rolle als für die anderen Gruppen von Tradern. Zur Schar der Position-Trader gehören i. d. R private oder sonstige institutionelle Anleger und diese sind darum eher selten in Ausübung ihrer Handelstätigkeiten persönlich auf einem Börsenparkett anzutreffen.

Die Verhältnisse an den Terminmärkten sind oft überaus verwickelt und vielgestaltig. Nicht selten müssen Trader unter außerordentlich vielschichtigen und in sekundenschnelle sich ändernden Marktbedingungen Entscheidungen von zum Teil folgenschwerer Tragweite treffen. Manchmal ist ihnen dabei kaum ein Atemholen vergönnt. So waren es noch bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich berufsmäßige Börsenhändler und institutionelle Akteure, wie Banken, Investmentfonds, Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen sowie große Industrie- und Handelsunternehmungen, die – unterstützt durch hoch gezüchtete Handelssysteme – auf regelmäßiger Basis mit Futures operierten. Doch hat sich das Bild vermöge der stürmischen Entwicklung des Informationswesens bei insgesamt gesunkenen Kosten zwischenzeitlich grundlegend gewandelt. Mit der Verbreitung des Internet und dem verstärkten Einsatz von Workstations und Personal Computer (PC) machen sich heutzutage auch kleinere Unternehmungen, ja selbst private Kleinanleger ("retail investor") in zunehmendem Maße die Fortschritte der Technik zunutze und agieren an den internationalen Futuresmärkten mit Hilfe hochwertiger Ordermodule* dezentral zu erschwinglichen Preisen über Online-Broker – und das offenbar zu vergleichbaren Konditionen, die sich mit denen der Berufshändler durchaus messen können.

[* So z. B. das Modul J-trader von Patsystems. J-trader, auch unter PATS bekannt, ist eine Webbrowser-kompatible Software (Java), die auf "tick"-Basis arbeitet. Als eine weitere zu nennen wäre bspw. X_TRADER von der Firma Trading Technologies. Derartige Handelssysteme gestatten es, Terminkontrakt- und Optionsgeschäfte bequem von jedem geeigneten Standort aus über das Internet durchzuführen.]

Theoretisch lässt sich jede eingenommene Futures-Position trotz von Haus aus limitierter Laufzeit der einzelnen Kontrakte aufrechterhalten, ohne dabei in der zeitlichen Dauer an eine irgendwelche Grenze gebunden zu sein – allerdings nur in gebrochener Linie. Hierzu wird revolvierend der herannahende Terminmonat ("nearby") – für gewöhnlich nahtlos noch vor dem ersten Benachrichtigungstag ("first notice day") – unter gleichzeitigem Aufbau einer neuen Position im nachfolgenden Termin glattgestellt (eine Strategie, die den Namen "roll-over" oder auch "switching" führt), eine bestehende Position hernach immer wieder prolongiert. Wie alle anderen Abschlüsse ("round turns") an der Börse ist jeder "Switch" stets und ausnahmslos verbunden erstlich mit der finanziellen Abrechnung der bis dahin aufgelaufenen Buchgewinne bzw. -verluste ("Rollverluste") und zweitens mit einer Belastung durch zusätzliche Brokergebühren für den erneuten An- und Verkauf ("Rollkosten"). Der auf den Futuresmärkten weitaus häufigere Fall ist jedoch fraglos die fallweise kurzfristige Spekulation ("trade"); zum einen deshalb, weil eine laufende Liquiditätsbelastung aus Nachschüssen bei zuwiderlaufenden Kursbewegungen in Anbetracht des Hebeleffektes einen überaus langen finanziellen Atem erforderte, und zum anderen, weil die Marktliquidität in den zeitlich weiter entfernt liegenden Terminmonaten ("back months") meistenteils sehr gering* auszufallen pflegt.

[* Prominente Ausnahmen hierzu bilden die Futuressmärkte für Geldmarktinstrumente, wie etwa der Eurodollar-Futuresmarkt.]

Neben den oben angeführten, nach der Dauer ihres Engagements unterschiedenen Gruppen von Akteuren im Terminhandel lassen sich die Marktbeteiligten ferner nach der Form der von ihnen eingesetzten Instrumente und Strategien rubrizieren. Nach letzterem Unterscheidungskriterium seien die sogenannten Spread-Trader hervorgehoben. Als Spread-Trader bezeichnet man ebenfalls spekulativ ausgerichtete Marktteilnehmer, deren Hauptinteresse indes weniger den Einzelengagements an und für sich genommen, sondern der Änderung von Kursdifferenzen zwischen zweien oder mehreren ähnlichen, gleichwohl unterschiedlich ausgestalteten Terminmarktprodukten gilt. Der Inhaber einer Spread-Position spekuliert mit Vorliebe darauf, dass vor dem Hintergrund bestehender ökonomischer Kausalzusammenhänge die Kursnotiz des gekauften Terminkontrakts steigt und parallel dazu jene des ihm gegenüberstehenden verkauften Kontrakts fällt, oder aber, dass erstere zum Mindesten stärker steigt bzw. sich weniger stark ermäßigt als letztere.

Fazit: Das gehäufte Auftreten spekulativ motivierter Teilnehmer auf den Terminmärkten bewirkt dreierlei: Es erhöht erstens die Marktliquidität und hilft dadurch die Effizienz der Märkte steigern, es verbessert zweitens die Wissensaufdeckung, die für eine faire Bewertung in den Termin- und Kassamärkten nötig ist (Preisermittlungsfunktion) und ermöglicht drittens Versicherern die Überwälzung von Preisrisiken auf die Gruppe der Spekulanten zu insgesamt fairen Preisen ("Risikoallokation").

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Der Futureskurs: der Börsenpreis von unbedingten (fixen) Terminkontrakten

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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Albert Einstein (1879-1955), Physiker

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 10. März 2010. Alle Rechte vorbehalten.