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Aufzählung

Trading*: das Spekulationsmotiv im Handel mit Futures

Tagaus, tagein treffen Trader, Hedger und Arbitrageurs, die dem Wettbewerb sich tätig zu stellen gewillt sind, an den Finanzmärkten rund um den Erdball zusammen, um zwischen- und untereinander Handel zu treiben. Hierbei kommen die verschiedensten Handelsformen, Instrumente und Strategien zum Einsatz. Seine technisch höchste Vollendung findet der Handelsverkehr wohl an den gut organisierten und hochentwickelten Terminmärkten (hauptsächlich Terminbörsen) gekleidet in die Form der derivaten Finanzmarkttitel. Damit liegt zugleich der Teilnehmerkreis an den Terminmärkten fest, der sich nach den drei eben benannten Klassen teilt.

[* Unter Trading (als Form der Spekulation) versteht man allgemein die unter wiederholtem Einsatz von Risikokapital eingeschlagene Strategie der Übernahme eines Preisänderungsrisikos in Erwartung von (zumeist kurzfristigen) Vermögenszuwächsen aus verwirklichten Änderungen in der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Preisüberschüssen) von Finanzmarkttiteln. An einer realwirtschaftlichen Bindung an das jeweilige Basisgut liegt dem Trader in aller Regel nichts. Alles dreht sich ihm um die Preisgestaltung. Aber nicht nur in dieser Hinsicht besteht zwischen der Gruppe der Trader und den anderen am Marktgeschehen Anteil nehmenden ein vergleichsweise scharfer Kontrast, wie im Folgenden noch ersichtlich werden wird.]

Ein Blick in die einschlägigen statistischen Marktberichte (z.B. in den "Commitments of Traders Report" aus den USA, COT Report) gibt Zeugnis davon, dass die einzelnen Gruppen der Marktteilnehmer auf den Zukunftsmärkten im Allgemeinen ganz ungleich stark besetzt sind. Stellt man etwa den Kreis der Spekulierenden (Trader; auch weniger vornehm "player" genannt) den anderen auf den Börsenterminmärkten aktiv Beteiligten vergleichend gegenüber, so wird sehr bald deutlich, dass die spekulativ orientierte Partei in etlichen Marktabschnitten wiederholt den überwältigenden Anteil nimmt – und damit ohne Zweifel auch regelmäßig den spürbarsten Einfluss auf das allgemeine Marktgeschehen auszuüben imstande ist.

Aber auch dann, wenn das wechselseitige Häufigkeitsverhältnis der oben bezeichneten Trias in der großen Mehrzahl der Fälle tatsächlich eine relative Vorherrschaft der Gilde der Spekulanten hervorbringt, so ist diesem Umstand jenseits aller ethischer Wertungen dennoch ein nicht gering zu achtender Vorteil zu verdanken: Der von den zahlreich vertretenen Spekulanten ausgehende Zustrom eines enormen Risikokapitals bewirkt im großen Ganzen eine Konzentration der finanziellen Mittel auf eine relativ überschaubare Zahl von Finanzderivaten – ein Faktor allemal, der zu einer beträchtlichen Erhöhung der Handelsverkehrsziffern ("volume" und der Liquidität) und damit einhergehend zu einer Zunahme der Aussagekraft der Marktpreise (Informationseffizienz) und Steigerung der Stabilität und Nachhaltigkeit* des Marktsegments für börsennotierte Terminkontrakte die Kraft und Fähigkeit mehrfach unter Beweis gestellt hat. Im Verhältnis zur Gruppe der risikoscheuen Hedger tragen die risikofreudigeren Spekulanten als Gegenpartei von Kurssicherungsgeschäften überdies bewusst das Risiko von mitunter empfindlichen Vermögenswertverlusten und verschaffen hierdurch Ersteren die erwünschte Versicherungsleistung.

[* Liquide Märkte gelten als Grundvoraussetzung für informationseffiziente, vollkommene Märkte. Der praktische Vorzug effizienter Märkte wiederum liegt darin, dass vermöge einer kontinuierlichen, verlässlichen Marktbewertung Anpassungsentscheidungen an neu eintreffende, kursbeeinflussende Informationen sich über zweckentsprechende Transaktionen ohne Reibungsverluste direkten Weges umsetzen lassen ("reibungsloser Ein- und Ausstieg" in unmittelbarer Aufeinanderfolge).]

 

 

 

Finanzderivate lassen sich je nach gewünschtem und möglichem Verwendungszweig den unterschiedlichsten ökonomischen Bedürfnissen dienstbar machen. So sind etwa die reinen Trader an den Derivatebörsen der überwiegenden Mehrzahl der Hedger oder Arbitragehändler i. e. S. gegensätzlich im Allgemeinen nicht an der physischen Produktion oder Lieferung der den einzelnen Futures- bzw. Optionsgeschäften zugrunde liegenden effektiven Werte ("underlying assets") interessiert. Vielmehr richten Erstere ihr Augenmerk primär auf die mögliche Entwicklung des Kontraktpreises. Im Bestreben, aus dem Wechsel der Preisverhältnisse auf den Märkten Kapital zu schlagen, kaufen sie in Aussicht auf mutmaßlich steigende Kurse Terminkontrakte ("long") für den ungewissen Verkauf und verkaufen umgekehrt in Erwartung sinkender Kurse Terminkontrakte ("short") für den ungewissen Kauf (Börsenspiel). Über den tatsächlichen Verlauf der Kursentwicklung im betreffenden Terminmarkt lässt sich von Anfang bis zu Ende allenfalls eine vage Vermutung hegen.

Um ihre Engagements nicht völlig ins Ungewisse zu bauen, und damit nach Möglichkeit der Unsicherheit in den Finanzterminmärkten auf die Dauer Herr zu werden, setzen Trader vermehrt auf ausgeklügelte Trading-Strategien, die in Aussicht auf eine vorteilhafte Verschiebung der Marktlage fallweise zum Einsatz gelangen. So wird der spekulativ motivierte Händler vom Fach, der in schicklicher Weise über die verschiedenen Trading-Methoden unterrichtet ist, ganz bewusst danach trachten, durch wohlkalkuliertes, entscheidungsbezogenes Aufsuchen von Marktchancen (und -risiken) kurzfristig mithilfe einer streng darauf abgestimmten Strategie an den Perspektiven der Preisbewegungen von Finanzderivaten gezielt zu partizipieren (Wagnis, Wette; willentliche Erhöhung des "risk exposure" durch Aufbau von offenen Posten; "aleatorische Verträge"); oder um es ohne Umschweife und rundheraus zu sagen: Der verständige Händler wettet nach einem im Voraus festgestellten Plan. Er wettet planmäßig, indem er all sein Wissen mit allem Vorbedacht und in aller Konsequenz in Wetten auf den Terminkurs umsetzt. Seine Zielsetzung geht vorzugsweise darin auf, durch gewagtes, aber geschicktes Tätigwerden an den globalen Terminmärkten aus dem Spiel der Preise in relativ kurzer Zeit möglichst hohe Spekulationsgewinne für sich zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite jedoch steht hierbei die niemals zu verkennende Gefahr, aus solcherart spekulativen Eigengeschäften auf den Derivatemärkten, zumal bei grobem Irrtum über die Marktlage und Eintritt ganz unerwarteter, nicht antizipierter Entwicklungen, auf einen Schlag kaum wieder gutzumachende Vermögensverluste anzuhäufen. Mit einem Worte: Chancen und Risiken gehen an den Märkten Hand in Hand. Sie sind geradezu mit prinzipieller Tendenz in einem festen, gleichmäßigen Verhältnis eisern miteinander verkettet.

Bei genauerem Zusehen sind gelungene Spekulationen in und zwischen den Terminmärkten, denen zudem ein begründeter Anspruch auf Nachhaltigkeit beschieden sein soll, vornehmlich hergeholt von einem in aller Regel frühzeitigen Auffinden und gekonnten Ausnutzen der sich darbietenden Marktchancen, d.i. auf die Fähigkeit der raschen und zutreffenden Antizipation künftiger Kursentwicklungen und -zusammensetzungen (idealerweise "Gewinne aus Wissensvorsprüngen")*. Jede Handelsstrategie, die eben darauf baut, will trotz der Schnelllebigkeit der Chancen selbst vorher wohl überlegt sein. Sind die dafür nötigen Vorarbeiten geleistet, wird der Händler mit nüchternem Kalkül und Verstand, dass der Wissensstand in Zukunft sich in einem fort ändern wird, immer dann bewusst einen offenen "Risiko-Posten" aufbauen, wenn er seine Spekulation für zutreffend hält und auch das aufgenommene Risiko nicht scheut. Dabei ist daran gedacht, diesen zu einem zwar anvisierten, überhaupt aber noch unbekannten Terminkurs, zu einem gelegenen, heute aber noch weithin ungewissen künftigen Zeitpunkt** wieder zu schließen. Erfüllen sich hierauf die ursprünglichen Erwartungen durch Verwirklichung der erhofften Preisverschiebungen im Markt, so werden die vorgehaltenen Posten dem Vorhaben gemäß mittels eines dazu gegenläufigen, kompensierenden Geschäfts (Gegengeschäft) zum dann herrschenden Marktpreis wieder geschlossen und auf diese Weise die bis dahin angewachsenen Kursdifferenzgewinne realisiert. Erweisen sich die Prognosen hingegen als grundfalsch, ganz gleich, ob aus bloßem unglücklichem Zufall oder infolge eines Denkfehlers, und die Kurse laufen den Erwartungen arg zuwider, so werden dem Halter der Position daraus unweigerlich schmerzliche Vermögensverluste entstehen (Kursdifferenzverlust). Diese im Zaume zu halten ist ein essentieller Teil jeder wohlbedachten Strategie. – Über eine vorgelagerte Standardisierung der einzelnen derivaten Produkte an den Terminbörsen werden die nötigen Voraussetzungen geschaffen zum einen für eine jederzeitige Handelbarkeit bei einfachem Marktzugang und zum anderen für eine rasche Abwicklung der Geschäfte zu möglichst geringen Handelsspesen (Transaktionskosten), wodurch die Chancen auf einen Abschluss zu fairen und angemessenen Preisen insgesamt steigen.

[* Die Grundlage für einen einträglichen Ansatz im Trading können einerseits Wissensvorsprünge bilden, die durch Informationsauswertung unter sehr hoher Verarbeitungsgeschwindigkeit gewonnen wurden, also i. d. R. durch die systematische Ausnützung (noch) nicht allen zugänglichen Wissens, und andererseits freilich auch durch einfallsreiches Handeln ("alertness"). Hierbei wird beabsichtigt, in Anbetracht der Gewissheit über die Lückenhaftigkeit des eignen Wissens, aber im Vertrauen auf überlegene Expertise und Informationsverarbeitungsqualität, aus unvollständigem Wissen anderer Kapital zu schlagen.]

[** Derivatehändler stehen hierbei gewöhnlich unter einem gewissen Zeitdruck. Denn im Unterschied von Kassa- bzw. Spotmarktgeschäften, wo der Realisationszeitpunkt durchaus in ferner Zukunft liegen mag, sind die finanziellen Ergebnisse aus Futures- und Optionsgeschäften meist sehr kurzfristig, d.h. spätestens "zum Termin" zu verwirklichen und abschließend abzurechnen. Vgl. hiezu ergänzend: "roll over" mit Futures.]

Spekulativ orientierte Akteure, die auf in nächster Zeit steigende Kurse rechnen, kaufen Terminkontrakte – sie "gehen long". Im Börsenfachjargon werden diese Marktakteure gemeiniglich als "bulls" bezeichnet, sie sind "bullish" in ihren Markterwartungen (Haussiers). Ihnen stehen Marktbeteiligte gegenüber, die auf fallende Kurse setzen. Sie verkaufen Terminkontrakte – sie "gehen short". Letztere heißen "bears", ihre Markterwartungen sind "bearish" (Baissier). Die Rechnung des Haussiers ist im Wesentlichen dann aufgegangen, wenn er spätestens bis zum Liquidationstermin des Futures die Gelegenheit findet, seinen Kontrakt zu einem den Einstandskurs und die Kosten des Börsengeschäfts übersteigenden Kurs glattzustellen, jene des Baissiers dagegen, wenn sich ihm bis zum Liquidationstermin des Futures die Gelegenheit bietet, seinen Kontrakt zu einem gegenüber dem Einstandskurs entsprechend niedrigeren Kurs wieder einzudecken.

Ein Engagement an den Börsenterminmärkten setzt, abgesehen von Optionskäufen, i.d.R. die Erbringung eines Ersteinschusses ("initial margin") voraus. Da bekanntlich der Mindesteinschuss für die Teilnahme am Futures-Handel im Verhältnis zum eigentlichen Kontraktgegenwert durchweg sehr gering ausfällt*, resultiert hieraus ein stattlicher Hebeleffekt (Leverageeffekt), der auf beiden Seiten gleichermaßen Wirksamkeit erlangt. Der Hebeleffekt wird nun aber umso stärker wirken, je niedriger der Bruchteil der Mittel für den Ersteinschuss in Anschlag steht, welche zur Einleitung einer dem entsprechenden Positionierung im Effektivmarkt aufzubringen wären. Doch spielt der Hebeleffekt nicht allein einer willkommenen Verringerung des Finanzmitteleinsatzes (= Kreditfunktion von Hebelprodukten) in die Hand, sondern führt in letzter Linie regelmäßig auch zu einer Ausweitung des übernommenen Preisrisikos – was indes die Bereitschaft zur spekulativen Teilnahme am Terminhandel offensichtlich mehr befördert und befruchtet denn hemmt.

[* Dies geht mitunter soweit, als im Tagesgeschäft durchaus auch ganz ohne Ersteinschuss mit Futures gehandelt werden darf, sofern eine etwaige verbleibende Nettoposition am Ende einer Handelsphase ("overnight") gedeckt ist.]

Der eigentliche Pfiff von Futures-Geschäften liegt für den von Risikofreude geprägten Investor zumal darin, durch Einsatz eigener Mittel von vergleichsweise geringen Summen bei alles in allem niedrigen Transaktionskosten mit hohen Gewinnaussichten kurzfristig von günstigen Gelegenheiten in den Terminmärkten zu profitieren. So sind manchenorts, besonders in stark schwankenden ("volatilen") Terminmärkten, dank der beträchtlichen Hebelwirkung von Finanzderivaten auf den hinterlegten Ersteinschuss ("inital margin") bezogene Gewinne von mitunter mehreren 100 Prozent innerhalb kürzester Zeit keine Seltenheit. Und so kommt es, dass es dem einen oder anderen beschieden ist, praktisch aus dem Nichts ein ansehnliches Vermögen zu schaffen. Mit den jüngsten Zugewinnen an finanzanalytischen Einsichten und der steten Fortentwicklung von elektronischen Handelssystemen ("electronic trading systems"), welche die An- und Verkaufskosten (Transaktionskosten) für die Engagements an den Börsen immer weiter herabmindern, und dabei oftmals begünstigt von zunehmenden Volatilitäten* in den Terminmärkten, wird die allgemeine Bereitschaft zur Teilnahme am Futures-Handel noch zusätzlich verstärkt.

[* Die Volatilität umschreibt Stärke und Frequenz von Kursauschlägen, die auf dem bezüglichen Markt auftreten. Volatile Märkte schaffen allgemein einen Anreiz zur Spekulation, erhöhen andererseits aber auch vielfach die Notwendigkeit zum Abschluss von Preissicherungsgeschäften ("hedging"). Gleichzeitig ist festzustellen, dass mit steigender Volatilität tendenziell auch die Transaktionskosten steigen.]

Doch Achtung! Diesen verlockenden Gewinnhoffnungen steht die Wertgefahr als Kehrseite untrennbar gegenüber! Anders als bei Optionskäufen etwa, wo äußerstenfalls die bezahlte Optionsprämie ("total premium") verloren gehen kann, muss der Disponierende auf Verluste aus unvorteilhaften oder unsachgemäß angewendeten Futuresgeschäften gefasst sein, die in ihrem Ausmaß sein gesamtes persönliche Vermögen binnen kürzester Frist aufzuzehren ("Substanzrisiko"), wenn nicht weit zu übersteigen imstande sind ("Übersubstanzrisiko"). Das vermögensmäßige Einstehenmüssen für Verluste aus Futuresgeschäften mit spekulativem Charakter ist im Falle ihres Leerverkaufs (also solche, die in Gestalt von singulären Short-Futures-Position gehalten werden) bei steigenden Notierungen theoretisch sogar unbegrenzt, während selbiges bei Kaufpositionen (singuläre Long-Futures-Position) und fallenden Kursen in seinem Umfang immerhin durch den gesamten Kontraktgegenwert zum Termin beschränkt ist. Ein grober Fehlgriff bei Futuresgeschäften kann mithin ganze wirtschaftliche Existenzen endgültig zugrunde richten!*

[* Hier liegt zugleich auch eine Gefahr in der Natur der menschlichen Psyche, dass die effektive Leistung einer Zahlung meist wohl überlegt wird, während die bloße Übernahme einer gleich großen Schuld recht schnell von der Hand geht.]

Die eigentliche Ursache für das buchstäblich bis ins Uferlose reichende Verlustpotenzial gerade bei fehlgeschlagenen Short-Spekulationen besteht darin, dass im Rahmen von Futuresgeschäften die Verpflichtung des Positionsinhabers – trotz relativ geringem Ersteinschuss an Margin – sich grundsätzlich auf den Gesamtwert des bewegten Kontraktumfangs erstreckt (Hebelwirkung) und der Marktpreis hierbei kein oberes Limit für die Beschaffung der unterliegenden Werte kennt. Der nach einer Schieflage erlittene Vermögensverlust der einen Marktseite entspricht bei Geschäften mit Futures – vorbehaltlich von Transaktionskosten – in seiner Höhe stets dem Gewinn der jeweils anderen Marktseite ("Nullsummenspiel", symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil). Die Wahrnehmung der beachtlichen Gewinnchancen an den Futuresmärkten ist also unweigerlich mit der höchst gegenwärtigen Gefahr des Misslingens verbunden. Hohe Verluste können die unerbittliche Folge sein.

Ein weiteres charakteristisches Motiv für eine spekulative Teilnahme am Terminkontrakthandel folgt aus der Leichtfüßigkeit, mit der sich Leerverkäufe (Short) in Futures durchführen lassen. In Ansehung der vergleichsweise geringen Kosten wie auch der flexiblen Handhabung von Short-Positionen in Futures lässt sich eine schlüssige Strategie der Spekulation auf fallende Preise oftmals schneller und bequemer durch den Einsatz von Termingeschäften verwirklichen als über einen Leerverkauf des Basisinstruments im korrespondierenden Cash-Markt selbst (Vgl. hierüber auch: Wertpapierleihe und Leerverkauf von Aktien). Dies gilt naturgemäß umso mehr von Termingeschäften mit Warencharakter, den Commodities. Durch die faktische Gleichrangigkeit von Kauf- (Long-) und Verkaufs- (Short-) Positionen gewinnen Engagements an den Derivatebörsen, verglichen mit Spot- und Kassamarktaktivitäten, damit noch zusätzlich an Attraktivität.

[Ohne an dieser Stelle in die Einzelheiten zu gehen, lassen sich als weitere Nachteile von Spotmarkttransaktionen gegenüber Operationen am Terminmarkt anführen: 1.) generell höhere Transaktionskosten bei identischen Volumina, 2.) Refinanzierungsnotwendigkeit, 3.) eine dem gewünschten Risiko-/Ertragsprofil entsprechende Positionierung lässt sich nicht oder nur schwer realisieren, 4.) steuerliche und administrative Momente, negative Bilanzauswirkungen, Meldepflichten etc.]

 

Aufzählung

Die einzelnen Gruppen spekulativer Marktteilnehmer im Futures-Handel

Terminmärkte wären ohne die Mitwirkung von Spekulanten kaum denkbar. Charakteristisch für spekulative Positionierungen in den Terminmärkten ist dabei die Kurzfristigkeit von Engagements. Der Zeithorizont für ein Engagement in Futures kann bisweilen extrem kurzfristig sein: von wenigen Augenblicken oder einigen Minuten ("scalping") über wenige Stunden ("day-trading"), kann aber auch – wenngleich seltener – längere Zeiträume abdecken, die sich alsdann bis über mehrere Tage oder gar Wochen und Monate ausdehnen ("position-trading"). Im Einzelnen lassen sich nach der Fristigkeit ihres Erwerbsstrebens die nachfolgenden Gruppen von Tradern unterscheiden:

Scalper (im blumenreichen amerikanisch-populären Sprachgebrauch so viel wie "kleiner Tagesspekulant", von engl. "scalp", »Kopfhaut«): Scalper handeln i.d.R. als Mitglieder der Börse berufsmäßig in eigenem Namen und auf eigene Rechnung vor Ort auf dem Parkett der Börse ("floor trader"). Infolgedessen erhalten sie eine bessere Kenntnis der momentanen Auftragslage gegenüber Außenstehenden als auch gegenüber manch anderen Preiskonkurrenten am Platze. Sie sind damit insofern gegenüber Letzteren begünstigt, als dieser Umstand ihnen ermöglicht, quasi als "Marktinsider" spezielle Wissensvorsprünge* im gleichen Augenblick ihres Eintreffens ohne Umweg ungehindert umzumünzen. Außerdem gestattet es ihre Stellung, die sonst üblichen Gebühren ("brokarage fees") und Margen ("margin") für die Durchführung von Börsengeschäften einzusparen. Scalper setzen während der Börsenzeiten meist eine ganze Fülle von Terminkontrakten, mitunter in gar beträchtlich großer Zahl, ohne Unterlass in einem fort um. Dabei suchen sie selbst kleinste Kursdifferenzen, die bis zum möglichen Minimum von 1 "tick" herabgehen, dem Markt abzutrotzen ("the edge"). Dies kann zuweilen soweit reichen, dass Scalper – besonders in Phasen wenig überschaubaren und hektischen Handels – quasi gleichzeitig relativ hohe "bids" und relativ niedrige "offers" akzeptieren, womit sie praktisch die Funktion von Arbitrageurs einnehmen (man pflegt sie in dieser Funktion häufig als "locals" bzw. im Computerhandel auch als "independent liquidity providers" zu bezeichnen). In Ausübung ihrer Handelstätigkeit sind sie gemeinhin aber nicht geneigt, einzelne Käufe oder Verkäufe davon durch längere Zeitspannen durchzuhalten. Aufgrund ihrer permanenten Handelsaktivitäten tragen Scalper an den Derivatebörsen, analog den "market-makers" an den Aktienbörsen, in gewichtiger Weise zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage bei und befördern auf diese Art zugleich die Liquidität in den Terminkontraktmärkten ("Market-Making von freien Stücken").

[* Als Scalping bezeichnet man nebstdem auch die (weithin verbotene) Praxis der eigene Positionierung in Kenntnis von richtungsweisenden Marktinformationen unmittelbar vor deren Veröffentlichung ("Insiderinformation", private Information).]

Daytrader ("intraday-trader", Tagesspekulanten) reihen sich ebenfalls der Kategorie der im Eigenhandel tätigen, kurzfristig orientierten Spekulanten ein (Eigenhändler, Proprehändler). Daytrader zeichnen sich als solche zumal dadurch aus, dass sie trotz ihrer im Allgemeinen eifrigen Geschäftigkeit nicht im Sinn haben, über das Ende eines Börsentages hinaus noch an ihren offenen Positionen festzuhalten. Sie gehen, salopp gesprochen, täglich "glatt" von der Börse – und brauchen deshalb auch über Nacht keine Vermögenseinbußen aus offen gebliebenen Engagements mehr zu besorgen. Andererseits muss es ihnen genug oft gelingen, ihre im Trading verfolgte Taktik spätestens bis Handelsschluss mit Erfolg zu vollenden, um auf Dauer bestehen zu können. Daytrader richten ihre Bemühungen typischerweise darauf aus, unter Inkaufnahme von zuweilen recht hohen Risiken die "Augenblickstimmung" durch Ausnützung von kurzlebigen Trends innerhalb einer Handelsperiode ("intra-day") gewinnbringend wahrzunehmen. Daytrader tummeln sich hauptsächlich auf den Futures-, nicht minder aber auch auf den Devisenmärkten. Doch handeln sie weder entfernt in der Häufigkeit, als man dies alltäglich bei der Gruppe der Scalper beobachten kann, noch betreiben sie ihr Trading notwendigerweise an jedem Tage. Daytrader agieren mit der Entwicklung und Verbreitung elektronischer Börsenhandelsplattformen (Computerbörsen) – und damit allgemein sinkender Handels- und Informationskosten – heutzutage zunehmend auch ortsabwesend des Börsenparketts.

[Anmerkung: Eher unter dem Blickwinkel der "technischen Analyse" ("technical analysis") werden jene Trader mitunter als Swing Trader bezeichnet, die zwar ebenfalls danach trachten, kurzlebige ("chart-technische") Trends mit vermeintlich großer Verheißung wahrzunehmen, wobei die Haltedauer ("holding period") der in Aussicht genommenen Position hierbei aber nicht zwingend auf lediglich eine einzige Handelsperiode begrenzt sein muss. Genau genommen lässt diese sich nicht spezifizieren und kann bei Täuschung über die Marktlage daher durchaus von langfristiger Dauer sein.]

Position-Trader (auch "long-duration trader" genannt) richten ihre Handelsaktivitäten in den Terminmärkten zuvörderst darauf aus, nach Möglichkeit vollständig von längerfristigen Trends Nutzen zu ziehen, selbst von solchen, die sich über mehrere Tage, Wochen, ja mitunter gar über Monate erstrecken, um auf diese Weise ihre Differenzgewinne zu maximieren. Zum Einsatz kommen dabei entweder gewöhnliche (singuläre) Long- oder Short-Positionen ("Outrightgeschäfte"), oder aber gemischte Positionen in Form von Spreads u.dgl. Angesichts einer Grundorientierung ihrer Handelsaktivitäten auf längere Hand sind die erzielten Gewinne pro vollendetem Geschäft ("round turn") der Position-Trader im Durchschnitt größer als jene der Daytrader oder der Scalper. Demgemäß spielen Transaktionskosten für die Gruppe der Position-Trader regelmäßig eine weniger bedeutende Rolle als für die anderen Gruppen von Tradern. Zur Riege der Position-Trader gehören in erster Linie private oder sonstige institutionelle Anleger, und diese sind darum auch eher selten in Ausübung ihrer Handelstätigkeit persönlich auf einem Börsenparkett anzutreffen.

Die Verhältnisse an den Terminmärkten sind oft überaus verwickelt und vielgestaltig. Nicht selten müssen Trader unter außerordentlich vielschichtigen und in sekundenschnelle sich ändernden Marktbedingungen Entscheidungen von zum Teil folgenschwerer Tragweite treffen. Manchmal ist ihnen dabei kaum ein Atemholen vergönnt. So waren es noch bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich berufsmäßige Börsenhändler und institutionelle Akteure, wie Banken, Investmentfonds, Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen, sowie große Industrie- und Handelsunternehmungen, die – unterstützt durch hoch gezüchtete Handelssysteme – auf regelmäßiger Basis mit Futures operierten ("institutional traders"; im Eigenhandel: "proprietary traders"). Doch hat sich das Bild vermöge der stürmischen Entwicklung des Informationswesens bei insgesamt gesunkenen Kosten zwischenzeitlich grundlegend gewandelt. Mit der Verbreitung des Internet und dem verstärkten Einsatz von Workstations und Personal Computer (PC) machen heutzutage auch kleinere Unternehmungen, ja selbst private Kleinanleger ("retail investor", "retail trader") sich in zunehmendem Maße die Fortschritte der Technik zunutze und agieren an den internationalen Futuresmärkten mit Hilfe hochperfektionierter Ordermodule* dezentral zu erschwinglichen Preisen über Online-Broker – und das offenbar zu so ebenbürtigen Konditionen, die sich mit denen der Berufshändler durchaus messen können.

[* So z. B. das Modul J-trader von Patsystems. J-trader, auch unter PATS bekannt, ist eine Webbrowser-kompatible Software (Java), die im direkten Zugang auf "tick"-Basis arbeitet. Als eine weitere zu nennen wäre bspw. X_TRADER von der Firma Trading Technologies. Derartige Handelssysteme gestatten es, Terminkontrakt- und Optionsgeschäfte bequem von jedem geeigneten Standort aus über das Internet durchzuführen.]

Theoretisch betrachtet lässt jede eingenommene Futures-Position trotz von Haus aus limitierter Laufzeit der einzelnen Kontrakte sich aufrechterhalten, ohne dabei in der zeitlichen Dauer an eine irgendwelche Grenze gebunden zu sein – allerdings nur in gebrochener Linie. Hierzu wird mit einem Doppelgeschäft revolvierend der herannahende Monatstermin ("nearby") – für gewöhnlich nahtlos noch vor dem ersten Benachrichtigungstag ("first notice day") – unter gleichzeitigem Aufbau einer neuen Position in einem darauf nachfolgenden Termin glattgestellt (eine Strategie, die den Namen "roll-over" oder auch "switching" führt), eine bestehende Position hernach immer wieder prolongiert. Wie alle anderen Abschlüsse ("round turns") an der Börse ist jeder "Switch" stets und ausnahmslos verbunden erstlich mit der finanziellen Aufrechnung der bis dahin aufgelaufenen Buchgewinne bzw. -verluste und zweitens mit einer Belastung durch zusätzliche Brokergebühren für den erneuten An- und Verkauf ("Rollkosten"). Außerdem lässt ein erneuter Kauf, abhängig von der herrschenden Terminstruktur, sich manchmal aber nur zu höheren Kauf- (Report, "contango"), ein erneuter Verkauf zuweilen nur zu tieferen Verkaufskursen (Deport, "backwardation") einrichten ("Rollverluste"), was dann immer eine zusätzliche Verschlechterung der Position herbeiführt. Der auf den Futuresmärkten weitaus häufigere Fall ist jedoch fraglos die fallweise Spekulation auf kurze Frist ("trade"); zum einen deshalb, weil eine laufende Liquiditätsbelastung aus Nachschüssen bei zuwiderlaufenden Kursbewegungen in Anbetracht des Hebeleffektes einen überaus langen finanziellen Atem erforderte, und zum anderen, weil die Marktliquidität in den zeitlich weiter entfernt liegenden Terminen ("back months") meistenteils sehr gering* auszufallen pflegt.

[* Prominente Ausnahmen davon bilden die Futuresmärkte für Geldmarktinstrumente, wie etwa der Eurodollar-Futuresmarkt.]

Neben den oben angeführten, nach der Dauer ihres Engagements unterschiedenen Gruppen von Akteuren im Terminhandel lassen sich die Marktbeteiligten ferner nach der Form der von ihnen eingesetzten Instrumente und Strategien rubrizieren. Nach letzterem Unterscheidungskriterium seien die sogenannten Spread-Trader hervorgehoben. Als Spread-Trader bezeichnet man ebenfalls spekulativ ausgerichtete Marktteilnehmer, deren Hauptinteresse indes weniger den Einzelengagements an und für sich genommen, sondern der Änderung von Kursdifferenzen zwischen zweien oder mehreren ähnlichen, gleichwohl unterschiedlich ausgestalteten Terminmarktprodukten gilt. Der Inhaber einer Spread-Position spekuliert mit Vorliebe darauf, dass vor dem Hintergrund bestehender ökonomischer Kausalzusammenhänge die Kursnotiz des gekauften Terminkontrakts steigt und parallel dazu jene des ihm gegenüberstehenden verkauften Kontrakts fällt, oder aber, dass erstere zum Mindesten stärker steigt bzw. sich weniger stark ermäßigt als letztere.

Fazit: Das gehäufte Auftreten spekulativ motivierter Teilnehmer auf den Terminmärkten bewirkt dreierlei: Es erhöht erstens die Marktliquidität und hilft dadurch die Effizienz der Märkte steigern, es verbessert zweitens die Wissensaufdeckung, die für eine faire Bewertung in den Termin- und Kassamärkten nötig ist (Preisermittlungsfunktion) und ermöglicht drittens Versicherern die Überwälzung von Preisrisiken auf die Gruppe der Spekulanten zu insgesamt fairen Preisen ("Risikoallokation").

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Der Futureskurs: der Börsenpreis von unbedingten (fixen) Terminkontrakten

 

 

Siehe auch:

 

Aufzählung

Was sind Futures?

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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Albert Einstein (1879-1955), Physiker

 

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Stand: 26. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.