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Trading: das Spekulationsmotiv im Handel mit Futures
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Tagaus, tagein treffen
Trader, Hedger
und Arbitrageurs,
die dem Wettbewerb sich tätig zu stellen gewillt und gewohnt sind, an
den Finanzmärkten rund um den Erdball zusammen, um zwischen- und untereinander
Handel zu treiben. Hierbei kommen die verschiedensten Handelsformen,
Instrumente und Strategien zum Einsatz. Seine technisch höchste Vollendung
findet der Handelsverkehr wohl an den gut organisierten und hochentwickelten
Terminmärkten
(hauptsächlich Terminbörsen), dessen Objekte gekleidet sind in die Form
der derivaten Finanzmarkttitel. Damit liegt zugleich der Teilnehmerkreis
an den Terminmärkten fest, der sich nach den drei eben benannten Klassen
teilt. Im Mittelpunkt der nachfolgenden Betrachtungen sollen nun die
Handelsaktivitäten des Traders
stehen.
Der englischsprachige
Name Trader bezeichnet einen
Handelsspekulanten, der das Trading betreibt. Unter der Bezeichnung
Trading
versteht man allgemein die unter wiederholtem Einsatz von Risikokapital
eingeschlagene Strategie der willentlichen Übernahme eines Preisänderungsrisikos
auf meist nur sehr kurze Frist in Erwartung von Vermögenszuwächsen aus
einer sich einspielenden Variation in der positiven Differenz zwischen
Kauf- und Verkaufskurs (Preisüberschuss) der gehandelten Finanzmarkttitel
(Handelsspekulation in Form der
Differenzspekulation).
An einer realwirtschaftlichen Bindung an das jeweilige Basisgut,
von dessen Preiswechsel der Ausgang seiner Geschäfte letztlich
abhängt, liegt dem Trader in aller Regel nichts. Es
existiert für ihn nur als Anhängsel auf dem Papier.
Alles dreht sich ihm um die Preisgestaltung. Aber nicht nur in dieser
Hinsicht besteht zwischen der Gruppe der Trader und den übrigen am Marktgeschehen
Anteil nehmenden ein vergleichsweise scharfer Kontrast, wie im Folgenden
noch ersichtlich werden wird.
Ein Blick in die einschlägigen
statistischen Marktberichte (z.B.
in den "Commitments of Traders Report" aus den USA,
COT Report) gibt Zeugnis davon, dass die einzelnen Gruppen der Marktteilnehmer
auf den Zukunftsmärkten im Allgemeinen ganz ungleich stark besetzt sind.
Stellt man etwa die Zahl der Spekulierenden (Trader;
auch weniger vornehm "player" oder "Differenzspieler" genannt)
jenen der anderen auf den Börsenterminmärkten aktiv beteiligten Kreisen
vergleichend gegenüber, so erweist sich, dass die spekulativ orientierte
Partei in etlichen Marktabschnitten wiederholt den überwältigenden Anteil
nimmt. Kraft ihrer Dominanz ist sie ohne Zweifel befähigt, den spürbarsten
Einfluss auf das gesamte Marktgeschehen auszuüben.
Doch selbst dann, wenn
das wechselseitige Häufigkeitsverhältnis der oben bezeichneten Trias
in der großen Mehrzahl der Fälle tatsächlich eine relative Vorherrschaft
der Gilde der Spekulanten hervorbringt, so ist diesem Umstand jenseits
aller ethischer Wertungen dennoch ein nicht gering zu achtender Vorteil
zu verdanken: Der von den zahlreich vertretenen Terminspekulanten ausgehende
breite Zustrom von Risikokapital verteilt sich im großen Ganzen auf
eine relativ überschaubare Zahl von Finanzderivaten. Die Konzentration
der finanziellen Mittel auf Letztere wiederum bewirkt eine Vertiefung
ihrer Märkte mit dem Effekt einer beträchtlichen Hebung ihrer Handelsverkehrsziffern
("volume" und der
Liquidität), was
eine Erhöhung der Aussagekraft der Marktpreise (Informationseffizienz)
ebenso wie eine Steigerung der Stabilität und Nachhaltigkeit*
im Marktsegment für börsennotierte Terminkontrakte zur naturgemäßen
Folge hat. Im Verhältnis zur Gruppe der risikoscheuen Hedger tragen
die risikofreudigeren Spekulanten als Gegenpartei von
Kurssicherungsgeschäften überdies
bewusst das Risiko von mitunter empfindlichen Vermögenswertverlusten
und verschaffen Ersteren hierdurch die erwünschte Versicherungsleistung.
[* Liquide Märkte
gelten als Grundvoraussetzung für informationseffiziente, vollkommene
Märkte. Der praktische Vorzug effizienter Märkte wiederum liegt darin,
dass vermöge einer kontinuierlichen, verlässlichen Marktbewertung Anpassungsentscheidungen
an neu eintreffende, richtungweisende Informationen sich über zweckentsprechende
Transaktionen ohne Reibungsverluste direkten Weges umsetzen lassen ("reibungsloser
Ein- und Ausstieg" in unmittelbarer Aufeinanderfolge). Dies bewirkt
rein äußerlich, dass potenziell größere Kursfluktuationen sich gehäuft
zahlreicheren kleineren fügen.]
Finanzderivate lassen
sich je nach vorschwebendem und möglichem Verwendungszweig den unterschiedlichsten
ökonomischen Bedürfnissen dienstbar machen: Preisfindungs- und Sicherungszwecken
so gut wie Arbitrage- und Spekulationszwecken. Mit ganz unterschiedlichen
realwirtschaftlichen Auswirkungen. So sind die leibhaftigen Trader an
den Derivatebörsen, der überwiegenden Mehrzahl der Hedger als auch der
Arbitragehändler i. e. S.
gegensätzlich, im Allgemeinen nicht an der physischen Lieferung oder
gar an der Produktion der den einzelnen
Futures- bzw.
Optionsgeschäften
zugrunde liegenden effektiven Werte ("underlying assets") interessiert.
Vielmehr richten Erstere ihr Augenmerk primär auf die mögliche Entwicklung
des Kontraktpreises. Im Bestreben, aus dem Wechsel der Preisverhältnisse
auf den Märkten Kapital zu schlagen, kaufen sie in Aussicht auf mutmaßlich
steigende Kurse Terminkontrakte ("long") für den ungewissen Verkauf,
und verkaufen umgekehrt in Erwartung sinkender Kurse Terminkontrakte
("short") für den ungewissen Kauf (Börsenspiel, Agiotage). Über
den tatsächlichen Verlauf der Kursentwicklung beim Objekt ihrer Differenzspekulation
lässt sich von Anfang bis zu Ende allenfalls eine vage Mutmaßung hegen.
Erst in Nachhinein steht fest, wer gewinnt und wer verliert. Allein
dieser Gesichtspunkt stempelt sie vordergründig zu Spielern ("player").
Andererseits trägt jeder von ihnen durch seine bloßen Handelsaktivitäten
aus sich heraus für jedermann erkennbar zur Bildung der Marktmeinung
bei.
Trader haben das Erhandeln
von Gewinnen sich zum obersten Ziel gesteckt. Um im Streben nach jenem
Wunschziel ihre Engagements nicht völlig ins Ungewisse bauen zu müssen,
setzen sie vermehrt auf ausgeklügelte
Trading-Strategien. Solche
Strategien bestehen aus einem Satz von verhaltens- und finanzspezifischen
Regeln, die den Anspruch in sich aufnehmen, im großen Durchschnitt und
auf die Dauer ("in the long run") weit überlandesübliche Renditen
zutage zu fördern. Ausgewählte Markttaktiken passender Art gelangen
fallweise zum Einsatz, sobald eine mutmaßlich vorteilhafte Verschiebung
der Marktlage in Aussicht steht, für die der Händler eingenommen ist
und die ihn zum Tätigwerden an den Terminmärkten herausfordert. So wird
der spekulativ operierende Händler vom Fach, der in schicklicher Weise
über die verschiedenen Trading-Methoden unterrichtet ist, ganz bewusst
danach trachten, durch wohlkalkuliertes, entscheidungsbezogenes Aufsuchen
von Marktchancen (samt ihren Risiken!) mithilfe einer streng darauf
abgestimmten Strategie an den sich darbietenden Perspektiven der Preisbewegungen
von Finanzderivaten auf kurze Frist gezielt zu partizipieren (Wagnis,
Wette; willentliche Erhöhung des "risk exposure" durch Aufbau
von offenen Posten, "hold and hope"-Strategie; "aleatorische
Verträge"); oder um es ohne Umschweife und rundheraus zu sagen: Der
verständige Händler wettet nach einem im Voraus zurechtgelegten Plan.
Er wettet planmäßig, indem er all sein Kennen und Können mit allem Vorbedacht
im gegebenen Moment in Wetten auf den
Terminkurs umsetzt.
Seine Zielsetzung geht vorzugsweise darin auf, durch gewagtes, aber
geschicktes Tätigwerden an den globalen Terminmärkten allein aus dem
Spiel der Preise in absehbarer Zeit überverhältnismäßig hoch rentierliche
Spekulationsgewinne für sich zu erwirtschaften. Auf der Kehrseite indes
ist jedes der auf den Derivatemärkten unternommene Engagement von vornherein
der niemals zu verkennenden Gefahr ausgesetzt, aus verfehltem Einsatz
spekulativer Eigenmittel, zumal bei grobem Irrtum über die Marktlage
und Eintritt ganz unerwarteter, nicht vorausgewusster oder nicht vorausdurchdachter
(nicht antizipierter) Entwicklungen, auf einen Schlag kaum wieder gutzumachende
Vermögensverluste anzuhäufen. So mancher Futures-Händler ist schon durch
bittere Erfahrung darüber belehrt worden. Mit einem Worte: Chancen und
Risiken gehen an den Märkten Hand in Hand. Sie sind geradezu mit prinzipieller
Tendenz in einem festen, gleichmäßigen Verhältnis eisern ineinander
eingeankert.
Bei genauerem Zusehen
sind gelungene Spekulationen in und zwischen den Terminmärkten, denen
zudem ein begründeter Anspruch auf Nachhaltigkeit beschieden sein mag,
vornehmlich hergeholt von einem zeitigen Auffinden – je eher, je besser
– und gekonnten Ausnutzen der sich auftuenden Marktchancen, d.i.
auf die Fähigkeit der raschen und zutreffenden Antizipation künftiger
Kursentwicklungen und -zusammensetzungen (idealerweise "Gewinne aus
Wissensvorsprüngen")*. Jede Handelsstrategie, die eben darauf
baut, will trotz der Schnelllebigkeit der jeweiligen Chancen vorher
wohl überlegt sein. Sind die für die Stich- und Hiebfestigkeit seiner
Strategie nötigen Denkanforderungen geleistet, wird der Händler mit
nüchternem Kalkül und Verstand, dass der Wissensstand über die Zukunft
sich in einem fort ändern wird, bewusst einen offenen "Risiko-Posten"
zu einem der vorübergehenden Terminpreise aufbauen ("entry",
"naked futures position"), wenn er seine Spekulation für zutreffend
hält und auch das damit aufgenommene Risiko nicht scheut. Bei der Gelegenheit
ist daran gedacht, diesen in einem passenden, aber für den Moment wenigstens
noch weithin ungewissen künftigen Zeitpunkt** zwar zu einem anvisierten,
überhaupt aber noch unbekannten Terminkurs wieder zu schließen ("exit").
Erfüllen sich hierauf die ursprünglichen Erwartungen durch Verwirklichung
der erhofften Preisverschiebungen im Markt, so werden die vorgehaltenen
Posten dem Vorhaben gemäß mittels eines gegenläufigen, kompensierenden
Geschäfts (Gegengeschäft)
zum dann herrschenden Marktpreis wieder geschlossen und die bis dahin
angewachsenen Kursdifferenzgewinne auf diese Weise realisiert. Erweisen
sich die Prognosen hingegen als grundfalsch, ganz gleich, ob aus bloßem
unglücklichem Zufall oder infolge eines Denkfehlers, und die Kurse laufen
den Erwartungen arg zuwider, so rächt sich dies unweigerlich durch mitunter
schmerzliche Vermögensverluste, die der Händler aus seinem Engagement
nun hinnehmen muss (Kursdifferenzverlust). Diese allezeit im Zaume zu
halten ist ebenfalls ein essentieller Teil jeder wohlbedachten Handelsstrategie
(Trading-Strategie). – Über eine vorgelagerte
Standardisierung der einzelnen derivaten Produkte an den Terminbörsen
werden die nötigen Voraussetzungen geschaffen zum einen für eine jederzeitige
Handelbarkeit bei schnellem und einfachem Marktzugang und zum anderen
für eine rasche Abwicklung der Geschäfte zu möglichst geringen Handelsspesen
(Transaktionskosten),
wodurch die Chancen auf einen Abschluss zu allseits fairen und angemessenen
Preisen insgesamt steigen.
[* Die Grundlage
für einen einträglichen Ansatz im Trading können einerseits Wissensvorsprünge
bilden, die durch Informationsauswertung unter sehr hoher Verarbeitungsgeschwindigkeit
gewonnen wurden, also i. d.
R. durch die systematische Ausnützung (noch) nicht allen zugänglichen
Wissens, und andererseits freilich auch durch einfallsreiches Handeln
("alertness"). Hierbei wird beabsichtigt, in Anbetracht der Gewissheit
über die Lückenhaftigkeit des eignen Wissens, aber im Vertrauen auf
überlegene Expertise und Informationsverarbeitungsqualität, aus unvollständigem
Wissen anderer Kapital zu schlagen.]
[** Derivatehändler
stehen hierbei gewöhnlich unter einem gewissen Zeitdruck. Denn im Unterschied
von Kassa- bzw. Spotmarktgeschäften, wo der Realisationszeitpunkt durchaus
in ferner Zukunft liegen mag, sind die finanziellen Ergebnisse aus Futures-
und Optionsgeschäften meist sehr kurzfristig, d.h.
spätestens "zum Termin" zu
verwirklichen und abschließend abzurechnen. Vgl. hiezu ergänzend:
"roll over" mit Futures.]
Spekulativ orientierte
Akteure, die auf in nächster Zeit steigende Kurse rechnen, kaufen Terminkontrakte
um des vorteilhafteren Verkaufes willen – sie "gehen
long". Im Börsenfachjargon werden diese Marktakteure gemeiniglich
als "bulls" bezeichnet, sie
sind "bullish" in ihren Markterwartungen (Haussiers). Ihnen stehen Marktbeteiligte
gegenüber, die auf fallende Kurse setzen. Sie verkaufen Terminkontrakte,
um zu ermäßigten Kursen Deckung zu finden – sie "gehen short". Letztere
heißen "bears", ihre Markterwartungen
sind "bearish" (Baissier). Die Rechnung des Haussiers ist im Wesentlichen
dann aufgegangen, wenn er spätestens bis zum Liquidationstermin des
Futures die Gelegenheit findet, seinen Kontrakt zu einem den Einstandskurs
und die Kosten des Börsengeschäfts übersteigenden Kurs glattzustellen,
jene des Baissiers dagegen, wenn sich ihm bis zum Liquidationstermin
des Futures die Gelegenheit bietet, seinen Kontrakt zu einem gegenüber
dem Einstandskurs entsprechend niedrigeren Kurs wieder einzudecken.
Andernfalls muss jeder von ihnen bald Verluste hinnehmen oder aber seine
Position mit ungewissen Aussichten auf einen späteren Termin "rollen"
(potentielle "Rollverluste").
Ein Engagement an den
Börsenterminmärkten setzt, abgesehen von Optionskäufen, i.d.R.
die Erbringung eines
Ersteinschusses
("initial margin") voraus. Da bekanntlich der Mindesteinschuss
für die Teilnahme am Futures-Handel im Verhältnis zum eigentlichen Kontraktgegenwert
durchweg außerordentlich gering ausfällt*, resultiert daraus
ein stattlicher Hebeleffekt (Leverageeffekt),
der auf beiden Seiten gleichermaßen Wirksamkeit erlangt. Der Hebeleffekt
wird eine umso kräftigere Wirkung entfalten, je niedriger der Bruchteil
der Mittel für den Ersteinschuss in Anschlag steht, die aufzubringen
erforderlich wären, eine entsprechende Positionierung im Effektivmarkt
einzuleiten. Der Hebeleffekt ist ein bedeutsamer Beweggrund für eine
Teilnahme am Terminhandel, weil er einer willkommenen Verringerung des
Finanzmitteleinsatzes (= Kreditfunktion
von Hebelprodukten) in die Hand spielt. Am Ende aber ist dieser regelmäßig
erkauft mit einer Ausweitung des übernommenen Preisrisikos – was offensichtlich
in letzter Instanz die Bereitschaft zum Aufbau spekulativer Positionen
mehr befördert und befruchtet denn hemmt.
[* Dies geht mitunter
soweit, als im Tagesgeschäft durchaus auch ganz ohne Ersteinschuss mit
Futures gehandelt werden darf, sofern eine etwaige verbleibende Nettoposition
am Ende einer Handelsphase ("overnight") gedeckt ist.]
Der eigentliche Pfiff
von Futures-Geschäften liegt für den von Risikofreude geprägten Investor
allemal darin, durch Einsatz finanzieller Mittel von vergleichsweise
geringen Summen kraft des Hebeleffekts mit enorm hohen Gewinnaussichten
auf kurze Frist von günstigen Gelegenheiten auf den Terminmärkten zu
profitieren. So ist es dank der beträchtlichen Hebelwirkung und
kaum nennenswerter Transaktionskosten von Finanzderivaten keine Seltenheit,
dass, besonders manchenorts in stark schwankenden ("volatilen") Terminmärkten,
auf den hinterlegten Ersteinschuss ("inital margin") bezogene
Renditen von mitunter mehreren 100 Prozent innerhalb kürzester Zeit
verwirklicht werden. Und so kommt es, dass es dem einen oder anderen
beschieden ist, praktisch aus dem Nichts ein ansehnliches Vermögen zu
schaffen. Mit den jüngsten Zugewinnen an finanzanalytischen Einsichten
und der steten Fortentwicklung von elektronischen Handelssystemen ("electronic
trading systems"), welche die An- und Verkaufskosten (Transaktionskosten)
für die Engagements an den Börsen immer weiter herabmindern, und zudem
oftmals begünstigt von tendenziell zunehmenden
Volatilitäten* in den Terminmärkten,
wird die allgemeine Bereitschaft zur Teilnahme am Futures-Handel noch
zusätzlich verstärkt.
[* Die
Volatilität umschreibt Stärke
und Frequenz von Kursauschlägen, die auf dem bezüglichen Markt auftreten.
Volatile Märkte schaffen allgemein einen Anreiz zur Spekulation, erhöhen
andererseits aber auch vielfach die Notwendigkeit zum Abschluss von
Preissicherungsgeschäften ("hedging"). Gleichzeitig ist festzustellen,
dass mit steigender Volatilität tendenziell auch die Transaktionskosten
steigen.]
Doch Achtung! Diesen
verlockenden Gewinnhoffnungen steht die Wertgefahr als Kehrseite untrennbar
gegenüber! Anders als bei Optionskäufen etwa, wo äußerstenfalls die
bezahlte Optionsprämie ("total premium") verloren gehen kann,
muss der Disponierende in Futures auf Verluste gefasst sein, die bei
einer unvorteilhaften oder unsachgemäßen Anwendung in ihrem Ausmaß sein
gesamtes persönliche Vermögen binnen kürzester Frist aufzuzehren ("Substanzrisiko"),
wenn nicht weit zu übersteigen imstande sind ("Übersubstanzrisiko").
Das vermögensmäßige Einstehenmüssen für Verluste aus Futuresgeschäften
mit spekulativem Charakter ist im Falle ihres Leerverkaufs (also solche,
die in Gestalt von singulären Short-Futures-Position gehalten
werden) bei steigenden Notierungen theoretisch sogar unbegrenzt, während
selbiges bei Kaufpositionen (singuläre Long-Futures-Position)
und fallenden Kursen in seinem Umfang immerhin durch den mit dem Einstandskurs
ausgemachten gesamten Kontraktgegenwert zum Termin beschränkt ist. Ein
grober Fehlgriff bei Futuresgeschäften kann mithin ganze wirtschaftliche
Existenzen verderben oder endgültig zugrunde richten!*
[* Hier liegt
zugleich auch eine Gefahr in der Natur der menschlichen Psyche, dass
die effektive Leistung einer Zahlung meist wohl überlegt wird, während
die bloße Übernahme einer gleich großen Schuld recht schnell von der
Hand geht.]
Die eigentliche Ursache
für das buchstäblich bis ins Uferlose reichende Verlustpotenzial gerade
bei fehlgeschlagenen Short-Spekulationen besteht darin, dass im Rahmen
von Futuresgeschäften die Verpflichtung des Positionsinhabers – trotz
relativ geringem Ersteinschuss an Margin – sich grundsätzlich auf den
Gesamtwert des bewegten Kontraktumfangs erstreckt (Hebelwirkung)
und der Marktpreis hierbei kein oberes Limit für die Beschaffung der
unterliegenden Werte kennt. Der nach einer Schieflage erlittene Vermögensverlust
der einen Marktseite entspricht bei Geschäften mit Futures – vorbehaltlich
von Transaktionskosten – in seiner Höhe stets dem Gewinn der jeweils
anderen Marktseite ("Nullsummenspiel",
symmetrisches Gewinn-/Verlustprofil).
Die Wahrnehmung der beachtlichen Gewinnchancen an den Futuresmärkten
ist also unentrinnbar mit der höchst gegenwärtigen Gefahr des Misslingens
erkauft. Hohe Verluste können sohin die unerbittliche Folge sein.
Ein weiteres charakteristisches
Motiv für eine spekulative Teilnahme am Terminkontrakthandel folgt aus
der Leichtfüßigkeit, mit der Leerverkäufe (Short) in Futures sich einleiten
und durchführen lassen. In Ansehung der vergleichsweise geringen Kosten
wie auch der flexiblen Handhabung von Short-Positionen in Futures lässt
sich eine schlüssige Strategie der Differenzspekulation auf fallende
Preise oftmals schneller und bequemer durch den Einsatz von Termingeschäften
verwirklichen als über einen Leerverkauf des Basisinstruments im korrespondierenden
Barmarkt selbst (Vgl. hierüber auch:
Wertpapierleihe und Leerverkauf
von Aktien). Es gilt dies naturgemäß umso mehr von Termingeschäften
mit Warencharakter, den
Commodities.
Durch die faktische Gleichrangigkeit von Kauf- (Long-) und Verkaufs-
(Short-) Positionen gewinnen Engagements an den Derivatebörsen, verglichen
mit Spot- und Kassamarktaktivitäten, damit noch zusätzlich an Attraktivität.
[Ohne an dieser Stelle
in die Einzelheiten zu gehen, lassen sich als weitere Nachteile von
Spotmarkttransaktionen gegenüber Operationen am Terminmarkt anführen:
1.) generell höhere Transaktionskosten bei identischen Volumina, 2.)
Refinanzierungsnotwendigkeit, 3.) eine dem gewünschten Risiko-/Ertragsprofil
entsprechende Positionierung lässt sich nicht oder nur schwer realisieren,
4.) steuerliche und administrative Momente, negative Bilanzauswirkungen,
Meldepflichten etc.]
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folgenden Seite:
Die einzelnen Gruppen spekulativer Marktteilnehmer
im Futures-Handel
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