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Aufzählung Geschichte, Bedeutung und Aufgaben von Terminbörsen

 

Aufzählung Historischer Überblick über die geschichtliche Entstehung und Entwicklung von Derivatebörsen

Die Existenz von Märkten, auf denen Termin- und Optionsgeschäfte unter geregelten Verhältnissen angebahnt und abgeschlossen werden, stellt eine nichts weniger als neuzeitliche Errungenschaft der Finanzmärkte heutiger Prägung dar, sondern ist in Wahrheit schon von recht ehrwürdigem Alter. Die Anfänge jener modernen Zeitgeschäfte reichen hinauf bis in das Zeitalter der Antike, wo Phönizier und Römer angesichts einer unsicheren Welt im wirtschaftlichen Wandel erste frühzeitliche Termingeschäfte tätigten. Diese galten hauptsächlich der Versicherung überseeischer Schiffsladungen auf Seegefahr, aber auch den Risiken manch anderer Ströme unentbehrlicher Massenhandelsgüter. Zunehmende Unsicherheit über die Zukunft, schwankende Marktpreise und ein wachsender Welthandel mit seinen typischen saisonalen Preiszyklen lenkten somit schon von altersher den Entwicklungsprozess in die Richtung auf organisierte Märkte, welche dann im weiteren Laufe der Geschichte geradewegs in die Schaffung hochorganisierter Zukunftsmärkte, wie wir sie heute kennen, ausmündeten.

Die erste Terminbörse, die – vergleichbar mit den vorgeschrittenen Derivatebörsen der Moderne – den geregelten Handel mit Terminkontrakten (Futures) erstmals möglich machte, entstand den historischen Aufzeichnungen zufolge ausgangs des 17. Jahrhunderts* unserer Zeitrechnung auf japanischem Boden, und zwar in der Region von Osaka. Diese führte anfänglich den Namen "Dojima Reismarkt" ("Dojima Rice Market") und war dann ab 1730, nachdem sie von der japanischen Regierung offiziell anerkannt wurde, unter dem Namen "cho-ai-mai" bekannt. Gehandelt wurde dort seinerzeit in erster Linie mit Terminprodukten auf Reis und Seide. Der einzige augenfällige Unterschied dieser Urform der Terminbörsen zu den gegenwärtig existierenden Terminbörsen für Warenterminkontrakte ("commodities") bestand darin, dass eine physische Lieferung gegen den Kontrakt nicht vorgesehen war. Alle übrigen wesentlichen Strukturmerkmale von Börsentermingeschäften samt dem Vorhandensein einer Clearingstelle konnten sich in der Frühzeit des börslichen Terminhandels aber schon vollends entwickeln und finden sich noch bis heute unverändert erhalten. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass unmittelbare Vorläufer hierzu bereits um Mitte des 16. Jahrhunderts in London mit der Bildung der Produktenbörsen "Royal Exchange" (1566) und der späteren "London Commodity Exchange" ihren Ausgang nahmen.

[* Ein anderes historisches Beispiel für Ansätze eines geregelten Terminhandels der Frühzeit findet sich nebstdem in der legendären Tulpenzwiebel-Spekulation, die sich von 1634 bis 1638 in Holland ereignete.]

 

 

 

 

 

Während im Laufe des frühen 18. Jahrhundert an den Plätzen in Amsterdam (Niederlande) Termingeschäfte längst auf regelmäßiger Basis vorgenommen wurden*, verhalf zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika erst der schwungvolle Handel mit landwirtschaftlichen Produkten sowie das gewaltige Fortschreiten der industriellen Produktion im Mittleren Westen – aufgrund der geographisch günstigen Lage dort mit Handelsschwerpunkt in der Region um Chicago – zur Gründung und später dann zu einem weiteren Ausbau von Warenterminbörsen ("commodity exchanges", Produktenbörsen). Ihr Zweck erfüllte sich vornehmlich darin, Schäden abzuwehren, die auszugehen drohten von unkalkulierbaren Preisschwingungen in den Agrarmärkten. Ganz ähnliche Entwicklungen ließen sich zu jener Zeit im Raum New York City beobachten, welche an den dortigen Handelsplätzen im Jahre 1833 schließlich in ersten "klassischen Geschäften auf Termin" gipfelten. Von 1870 an wurden die daraus hervorgegangenen Futures-Kontrakte an den Terminbörsen "New York Produce Exchange" und "New York Cotton Exchange" notiert und daselbst lebhaft gehandelt. Finanzterminkontrakte ("financial futures") indes waren seinerzeit noch gänzlich unbekannt. Erst, als den Erfordernissen einer sich abermals wandelnden Wirtschaftswelt entsprechend am 16. Mai 1972 auf der Grundlage von zunächst sieben der damals wichtigsten Währungen der Welt die Klasse der Devisen-Futures am International Monetary Market (IMM) in Chicago aus der Taufe gehoben wurde, markierte dies den Anbruch der Ära der Financial Futures, welche im Verlauf der jüngsten Zeit eine immer steigende Bedeutung gewinnen konnten.

[* Umgesetzt wurden dort vor allem Getreide, Ölsaaten, Kaffee, Kakao und andere Waren. Aber nicht nur börsliche Termingeschäfte der alten Mode wurden zu jener Zeit vor Ort abgewickelt, auch florierte in dieser Zeitspanne die Spekulation mit Anteilen an staatlichen Kolonial-Schifffahrtsunternehmungen, wie z. B. der im Überseehandel tätigen Britisch-Ostindische-Kompagnie oder auch der Mississippi-Gesellschaft. Die ersten börslichen Wertpapiergeschäfte gab es bereits im Jahre 1602 in Amsterdam, und dann ab 1605 auch mit Inbegriff des Leerverkaufs.]

Zahlreiche weitere Terminbörsen sind seither entstanden. Manche davon haben ihren Betrieb wieder eingestellt, andere haben sich zu Gruppen zusammengeschlossen. Es folgt eine Auflistung jener Terminbörsen, die im Jahre 2008 gemessen am Umsatz ("volume") von Kontrakten in Derivaten (Futures und Optionen) im Weltmaßstab die ersten zehn Plätze eingenommen haben:

  1. die CME Group, bestehend aus vier eigenständigen Abteilungen ("designated contract markets, DCMs"): a). der 1898 gegründeten Chicago Mercantile Exchange (CME; "The Merc"), b.) dem Chicago Board of Trade (CBOT; von ihm nahm in den USA im Jahre 1848 der geregelte Handel mit Terminkontrakten, den sog. "to-arrive contracts" (was so viel heißt wie "Auf gute Ankunft") auf ausgewählte Agrarprodukte überhaupt seinen Ursprung) und c.) der New York Mercantile Exchange (NYMEX) zusammen mit d.) der COMEX, die mit ihrer Übernahme am 22. August 2008 nun auch der CME Group Inc. angehören,

  2. die ausschließlich den vollelektronischen Handel in ausgewählten Finanz- und seit kurzem auch in Warenderivaten ("financial futures") betreibende, zur Deutsche Börse AG und Schweizer Börse SWX gehörende European Exchanges* (Eurex Frankfurt AG) – welche noch von Frühjahr 1999 bis Ende 2004 weltweit insgesamt den höchsten Umsatz in Futures verzeichnen konnte. Ihr reiht sich außerdem noch die International Securities Exchange (ISE) ein;

  3. die Korea Exchange (KRX),

  4. NYSE Euronext** einschließlich Liffe, NYSE Liffe, NYSE Arca Options und American Stock Exchange,

  5. Chicago Board Options Exchange (CBOE) einschließlich CBOE Futures Exchange (CFE),

  6. die Brazilian Mercantile & Futures Exchange (Bolsa de Mercadorias & Futuros, BM&FBOVESPA),

  7. die Nasdaq OMX Group, der auch die Abteilung der Philadelphia Stock Exchange (PHLX) angehört,

  8. die National Stock Exchange of India (NSE),

  9. die JSE Limited in Südafrika und

  10. die Dalian Commodity Exchange (DCE) in China.

(Quelle: Futures Industry Association)

[* Eurex, eine Tochtergesellschaft der Deutsche Börse AG und der SWX Swiss Exchange, ist am 28. September 1998 nach erfolgreicher Zusammenarbeit aus der am 26. Januar 1990 gestarteten Deutsche Terminbörse (DTB) und der Swiss Options and Financial Futures Exchange (SOFFEX) hervorgegangen. Im Jahre 2008 wurden an der Eurex allein rund 2,17 Mrd. Kontrakte (Vorjahr: 1,9 Mrd.) gehandelt und abgewickelt. Dies entspricht einem täglichen Durchschnitt von rund 8,5 Mio. Kontrakten. Hinzu kommt der Umsatz von etwa 1 Mrd. Optionskontrakten der International Securities Exchange, welche seit dem 19. Dezember 2007 der Eurex zugehört.]

[** NYSE Euronext entstand aus dem Zusammenschluss zwischen NYSE Group, Inc. und Euronext N.V. vom 4. April 2007. Die pan-europäische Börse Euronext umfasst den Wertpapier- und Derivatehandel von acht Börsen an den sechs verschiedenen Handelsplätzen: Amsterdam, Brüssel, London (LIFFE U. K. - London Financial Futures & Options Exchange – wurde im Jahr 2002 von der Euronext übernommen), Lissabon und Paris, sowie die NYSE Arca Options und die American Stock Exchange in den USA. Der Derivatehandel wird an der Euronext über die einheitliche Handelsplattform LIFFE CONNECT® abgewickelt.]

Neben weiteren großen Terminbörsen (allein davon acht alteingesessene in den USA, womit die Vereinigten Staaten von Amerika, nächst London, England, mit Recht als das Zentrum des globalen Futureshandels gelten) existieren zudem in vielen Ländern kleinere Terminbörsen (so etwa die Kansai Commodities Exchange (KANEX) oder die New Zealand Futures Exchange (NZX)) mit überwiegend regional beschränkter Bedeutung. Dienten von der Entstehungszeit bis dahin zunächst ausschließlich lagerfähige Welthandelswaren ("commodities"), und zwar hauptsächlich Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, als Gegenstand von börslichen Termingeschäften, so erweiterte sich Anfang der Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts das Angebot schlagartig mit der Einführung von Futures auf schnell verderbliche Ware – hierbei handelte es sich konkret um Kontrakte auf Schweinebäuche ("pork bellies", 1961), Rinder ("cattle", 1964) und lebende Schweine ("hogs", 1966) – durch die Terminbörse CME.

Doch die Entwicklung ist längst nicht auf demselben Fleck stehengeblieben. Die gegenwärtige Landschaft der Terminbörsen ist geprägt von einem tiefgreifenden Strukturwandel, der sich mehr und mehr dem elektronischen Handel in Finanzderivaten verschrieben hat. Er geht Hand in Hand mit einem strengen Konsolidierungsprozess, in dessen Laufe es in der Futures-Industrie immer wieder zu Übernahmen und Fusionen von Derivatebörsen kam und kommt mit dem Ziel, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Börsen nachhaltig zu stärken. So entstand im Jahre 2007 durch den Zusammenschluss von Chicago Mercantile Exchange (CME) und Chicago Board of Trade (CBOT) zur CME Group Inc. die bis heute größte und breitest diversifizierte Terminbörse der Welt.* Doch scheint es, als sei der Schlussstein dieser Entwicklung noch längst nicht gesetzt.

[* Seit ihrer Übernahme ist nun auch die New York Mercantile Exchange, NYMEX, zu einer Abteilung der CME Group geworden. An Letzterer werden damit täglich rund 15 Millionen Kontrakte gehandelt.]

Lesen Sie auf der nächsten Seite:

Zweck, Bedeutung und Aufgaben einer Terminbörse

 

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Siehe auch:

 

Aufzählung

Wie entstehen Futures?

Aufzählung

Der Handel mit Futures

Aufzählung

Der Futureskurs

Aufzählung

Das Offene Interesse ("open interest") und der Umsatz ("volume")

Aufzählung

Glattstellung offener Positionen: Das Gegengeschäft

Aufzählung

Settlement: Die Erfüllung eines Futures-Kontrakts durch physische Lieferung oder "cash settlement"

Aufzählung

Die Mindestkursänderung ("tick", "minimum price fluctuation")

Aufzählung

Tägliches Kurs-Limit ("daily price limit") – "limit-up" bzw. "limit-down"

Aufzählung

Die Positions-Obergrenze ("position limit"), "accountability rules" und Reportpflicht ("reportable limit")

Aufzählung

Zur Beziehung zwischen Spotmarktpreis und Futureskurs und "cost of carry"

Aufzählung

Devisen-Futures

Aufzählung

Aktienindex-Futures

Aufzählung

Zins-Futures auf Geldmarktinstrumente

Aufzählung

Zins-Futures auf mittel- und langfristige Anleihen

 

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"Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 14. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.