Trading
und Kalküle mit Spreads
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Zur Berechnung von Spreads
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Aus rechnerischer
Sicht besteht der Spread ganz allgemein im Ausmaß der Kursdifferenz
zwischen den Kursziffern der zu einer Spread-Position zusammengezogenen
Futures-Arten. Letztere bilden die beiden Seiten ("legs") des
Spreads. Im Falle von intertemporalen Spreads ("time spreads",
"calendar spreads") lässt der Spread sich ausdrücken – beim "bull"-Spread
geradeso wie beim "bear"-Spread
– als Preisunterschied zwischen dem
Futureskurs im
zeitnahen Termin und dem Futureskurs im zeitfernen Termin des unterliegenden
Marktes, oder verkürzt gesprochen:
Spread = Kursdifferenz: "früher Terminmonat"
minus "später Terminmonat".
Der ausgerechnete
Spread (die Kursdifferenz) kann im Wertstand positiv, negativ oder allenfalls
zufällig und ausnahmsweise auch gleich null ("pari") sein. Er lässt
sich nicht nur absolut, sondern analog der Konvention zur Schrittgröße
in der Notation bei der Outright-Quotation ebenso gut auch in der Zahl
seiner "ticks" zum Ausdruck
bringen.
Zur
sprachlich konformen Benennung eines in Frage stehenden Spreads von
der Art "calendar spread" wird der
Terminmonat des Futures
der Plusposition (Long-Bestandteil) ordentlicherweise vor dem
Terminmonat des Futures der Minusposition (Short-Bestandteil) gestellt.
Wird bspw. im Futures-Markt für
CBOT-Weizen
der Juli-Termin gekauft und der darauf folgende nächste September-Termin
verkauft, so ist demgemäß von einem "Juli/September-Spread" (der Art
"intramarket-spread") die Rede. Damit liegt zugleich auch fest,
ob es sich bei unserem Weizen-Spread um einen "bull"- oder um einen
"bear"-Spread handelt. Ein "Juli12/September12 CBOT-Weizen-Spread" stellt
offenbar einen
"bull"-Spread
dar, denn ein "bull"-Spread ist, wie an anderer Stelle erörtert, in
der technischen Sprache an den Warenterminmärkten dadurch charakterisiert,
dass ein zeitlich näher liegender Termin, zumeist der "nearby", zum
Kauf und praktisch gleichzeitig nebenher ein späterer Termin
zum Verkauf bestimmt wird. Anders liegen die Dinge etwa bei einem "CBOT-Mais-Juli12/März12-Spread".
Letzterer kennzeichnet ganz offenkundig einen "bear"-Spread; denn der
erstgenannte Juli-Futures ist zum Kauf und der (zeitlich nähere)
März-Futures zum Verkauf gestellt.
Unakkurat,
weil zu Irreführungen einladend, scheint dagegen die allgemeine populäre,
aber übel geratene Redewendung vom "Kauf eines Spreads" zu sein. Selbige
steht weithin als Bezeichnung für die Einrichtung eines "bull"-Spreads,
also für den Sachverhalt, dass Futures im zeitnahen
Termin gekauft (long) und parallel dazu korrespondierende Futures im
zeitfernen Termin verkauft (short) werden. Sinngleich, nur umgekehrt,
trifft dieses Urteil auch die Wortwahl "Verkauf eines Spreads", welche
für einen "bear"-Spread in Verwendung steht, also dafür, dass Futures im nahen Termin verkauft und die dazu passenden
im fernen Termin gekauft werden*. Stattdessen sollte besser von
"Eingehen eines (...-)
Spreads" (engl. "to enter (into) a spread", "to put on
a spread", "to do a spread"), oder vorteilhafter noch, von
"Aufbau einer (...-) Spread-Position"
gesprochen werden.
[* In der Praxis
wird hie und da, zumal bei Spreads, die von jeher als eigenständiges
Gebilde aufgefasst werden, wie der TED- oder der NOB-Spread, gleichwohl
von der etwas verfänglichen Wortwahl "Kauf" bzw. "Verkauf" eines Spreads
Gebrauch gemacht, etwa folgendermaßen: "Der Kauf eines Spread bedeutet,
dass eine frühere Komponente ge- und eine spätere verkauft wird". Nach
dieser Auffassungsweise werden den Begriffen "Kauf" und "Verkauf" eine
von der eingebürgerten abweichende Bedeutung unterlegt. Offenbar werden
nach der vorstehenden Redeweise zwei verschiedene Dinge unter einem
Namen zusammengefasst. Denn für bare Münze genommen ist ein Kauf an
sich damit nicht nur ein Kaufgeschäft, sondern für den Käufer gleichzeitig
immer auch ein davon zu trennendes Verkaufgeschäft eines anderen Kaufgutes!
Jeder Kauf wäre demnach ein Doppelgeschäft, dessen eine Hälfte einen
Kauf, die andere einen Verkauf ausmacht. Gleiches gilt dann sinngemäß
für den Verkauf – offensichtlich eine zweideutige, Verwirrung stiftende
und die Unterschiede verwischende Terminologie. Dieser umgeworfene Sprachgebrauch
ist indes ein rein formeller und hat, um langatmige Umschreibungen zu
ersparen, eine – cum grano salis – bloß terminologische Bedeutung. Offenkundig
orientiert Letztere sich vornehmlich nach hypothetischen Nettozahlungsströmen
aus einer kombinierten Position, die im Zeitpunkt ihrer Einrichtung
sich einstellte, falls der frühere Termin den späteren im Preise
übertrifft.]
Wie
oben zur Erörterung gebracht, werden die Preise von Spreads gewöhnlich
ausgedrückt in den Kursdifferenzen zwischen dessen beiden Seiten – gemeinhin
auch bezeichnet als die Größe eines Spreads ("relative strength")
oder auch als hinausgeschobene Basis ("calendar basis"),
oder kurz Spread-Basis. Variationen der Basis (Basisrisiko!)
sind das Resultat eines geänderten Zusammenwirkens ihrer Bestimmungsfaktoren.
Zu den Letzteren zählen im Einzelnen 1.) die Nettofinanzierungskosten
("cost of carry", d.i.
die sogenannte "carry"-Basis), die in Ansatz und Höhe Änderungen
unterworfen sein können, und zwar in Hinsicht auf jede ihrer Komponenten
besonders, vornehmlich also bei den Finanzierungs-, Lagerungs-
u.dgl., Transport-
und Versicherungskosten etc., sowie 2.) die Wertbasis ("value-basis"),
die zu einem sehr namhaften Teil auf nicht quantifizierbaren "psychischen"
Faktoren und anderen "Marktunvollkommenheiten" beruht, und endlich –
indes nur im Falle von verwahrfähigen Konsumgütern – 3.) die sog. "convenience
yield", also der "Vorteilszins", der aus der unmittelbaren
physischen Herrschaft über ein Gut erwächst. Wir erhalten sonach die
folgende Gleichung:
Spread
= Kursdifferenz: "früher Terminmonat" minus "später Terminmonat"
= Differenz der Nettofinanzierungskosten plus Differenz der Wertbasis
plus Differenz der "convenience yield", all das gerechnet auf die
Zeitspanne zwischen den angehenden Terminen im Moment der Aufsuchung
des Spreads.
Ein positiver
Zahlenwert bei einem untersuchten "time"-Spread ist Ausdruck für einen
"umgekehrten
Markt" ("backwardation" im strengen Sinne). Ein solcher erhält
sein Gepräge unzweifelhaft vom Vorwalten eines Vorteilszinses. Ein negativer
Zahlenwert bei einem Spread der benannten Art dagegen ist kennzeichnend
für einen "carry"-Markt von mehr oder minder geringem Einschlag einer
"convenience yield". Im letztgenannten Fall sind es die
Haltekosten, die den maßgeblichen
Faktor abgeben. Der Spread zwischen zwei endlichen Terminen kann jedoch
aus Arbitragegründen nicht beliebig weit divergieren. Der größtmögliche
ziffermäßige Abstand zwischen einem beliebigen späten Terminkurs und
einem beliebigen ihm voraufgehenden Terminkurs innerhalb ein und desselben
untersuchten Futures-Marktes bewahrfähiger Güter gehorcht zu jedem beliebigen
Betrachtungszeitpunkt einmal mehr der "cost of carry"-Beziehung der
Preise. Demgemäß können wir in Anlehnung an die allgemeine
Formel zur
Bepreisung von Futures auf aufspeicherbare Marktobjekte die folgende
Ungleichung aufstellen:
F0,2 ≤ F0,1
(1
+ c)
;
mit F0,1: Futureskurs des frühen Termins; F0,2:
Futureskurs des späten Termins, jeweils zum Zeitpunkt t0;
c: Haltekosten "cost of carry", ausgedrückt als Kostensatz je Einheit,
die entstehen, um das fragliche Gut vom Zeitpunkt t1 bis
zum Zeitpunkt t2 zu bewahren.
In jenen
Finanzmärkten, in denen weder Lager- oder Versicherungskosten etc. noch
eine Verfügbarkeitsrendite eine große Rolle spielen, gibt der Spread,
prozentual genommen, grob und schlicht den Terminzinssatz ("implied
repo rate") des jeweiligen Referenzzeitraums wider. Freilich, sollte
die maßgebliche Zinsrate erheblich schwanken, erhöht sich auch das Risiko
im betreffenden Spread. Demgegenüber gestaltet sich eine vergleichbare
Analyse und Interpretation von entsprechenden Spreads in den Warenterminmärkten
weitaus verwickelter, da in deren Kreis eine Reihe zusätzlich zu berücksichtigender
Einwirkungsfaktoren aufzunehmen sind. Die Schwierigkeit liegt insbesondere
darin, die Entwicklung der beiden Komponenten Wertbasis und Vorteilszins
halbwegs verlässlich vorauszusehen und gebührend einzukalkulieren. Ihre
Schwankunken bilden den wesentlichen Bestimmungsgrund für die Variabilität
(das Basisrisiko) von Commodity-Spreads. Vom ökonomischen Standpunkt
betrachtet fällt dem Preis-Spread, ebenso wie der Cash-Basis oder dem
Futures-Preis für sich, eine eigene wichtige gesamtwirtschaftlich Funktion
zu: Er vermittelt nämlich der Allgemeinheit einen Anhaltspunkt für den
erwarteten "fairen" Wertverlauf im Markt des betreffenden Bezugsgutes
zwischen den einzelnen Futures-Terminen.
Neben
einem verringerten Bedarf an Margin
sind als besondere Vorteile, die der Handel mit Spreads darbietet, im
Einzelnen hervorzuheben, dass 1.) einem einmal aufgenommenen Trend in
Spreads – wenn und weil in höherem Grade ökonomisch fundiert – die ihn
charakterisierende Erscheinungsform typischerweise mit dauerhafterer
Stabilität anhaftet als dies bei herkömmlichen Solo-Positionen in einem
erkannten Trend eines alleinstehenden Marktes regelmäßig zu beobachten
ist (Nachhaltigkeit und Beharrlichkeit des Trends im Spread eine längere
Zeitspanne hindurch), ohne dass dabei die Notwendigkeit besteht, die
generelle Richtung der Preisentwicklung in den einbezogenen Märkten
vorherzusehen, 2.) ein Trend in Spreads gewöhnlich in "ruhigeren, verlässlicheren
Bahnen" verläuft, als dies von Einzelpositionen behauptet werden kann
(er somit eine geringere Volatilität
bei höherer Persistenz aufweist), was wiederum 3.) zur Folge hat, dass
das Trading nun nicht mehr eine ansonsten notwendige durchgängige, keine
Unterbrechung duldende, oftmals unverhältnismäßig viel Zeit bindende
persönliche Handelsbereitschaft und mechanische Verfolgung von "real-time"-Kursen
abverlangt. Ein Erfolg versprechender Trading-Ansatz ist bei Spreads
mithin sogar allein auf Basis von Tagesschlusskursen möglich. Infolgedessen
lassen Futures sich ganz neuen, selbst längerfristig orientierten Anlegerschichten
nutzbar machen.
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Trading mit Spreads
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Spreads
in Futures genießen im Allgemeinen den Ruf eines eher konservativen
Tradings; denn diese bieten Zugang zu einer ganzen Zahl von fein nuancierten
Trading-Strategien, denen im Zusammenhalt mit Positionen in alleinstehenden
Finanzderivaten ("outright", "straight") allesamt ein
verhältnismäßig geringes Risiko innewohnend ist. Erste Vorbedingung
für einen soliden und einträglichen Ansatz im Trading mit Spreads sind
fundierte realwirtschaftliche als auch technische Spezialkenntnisse
jener Märkte, in denen Spreads zu handeln beabsichtigt werden. Um die
besonderen Chancen, die der Handel mit Spreads in Aussicht stellt, erfolgreich
wahrnehmen zu können, sollte unzweifelhaft Klarheit darüber bestehen,
welche der erkannten verschiedenartigen, oft vielfach ineinander verschlungenen
ökonomischen, politischen, sozialen usw. Einflussgrößen in der Gegenwartsphase
ursächlich und bestimmend sind für die Interaktion der Preise in den
Partikulärmärkten eines in Aussicht genommenen Spreads – mit besonderem
Augenmerk auf die im Gange befindliche Struktur ("contango",
"backwardation") und den sich an ihr ereignenden relativen Änderungen
im Zeitablauf.
Um zunächst
einen Überblick über bisherige Höchst- und Tiefststände im gewählten
Spread zu gewinnen, und um sich zum Mindesten – a prima vista – einen
pauschalen Eindruck vom Gang der möglichen Preisentwicklungen in den
zu handelnden Märkten zu verschaffen, bietet sich nun als Ausgangspunkt
für die weiteren Überlegungen eine vergleichende Analyse historischer
Kursverläufe anhand geeigneter Chart-Bilder an. Lässt schon der bloße
Eindruck des Augenscheins eine Gleichläufigkeit der Kurse wahrnehmen,
so schließt sich daran eine eingehendere Untersuchung zusammen mit einer
kritischen Würdigung der in Diskussion stehenden Märkte an. Ziel ist
es, mit zureichender Verlässigkeit Preiszusammenhänge ausfindig zu machen,
die sich durch ein längeres Zeitintervall zu bestimmten Perioden mit
einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholt einzustellen pflegen. Ein geeignetes
Mittel dazu bieten bewährte mathematisch-statistische Methoden, von
denen einige im Folgenden näher vorgestellt werden sollen. Vom Ergebnis
der Untersuchung hängt insbesondere ab, ob ein Markt unter Timing-Gesichtspunkten
für ein Spread-Trading derzeit überhaupt in Betracht kommt, und wenn
dies zu bejahen ist, welche
Art von Spread
unter der herrschenden Konstellation an technischen und ökonomischen
Faktoren zweckmäßigerweise in die engere Wahl gezogen werden soll.
[* Die Börsen
selbst verbreiten direkt keine Kurse für Spreads. Diese lassen sich
stattdessen beziehen, entweder von speziellen Marktdatenlieferanten
("data
vendor"), im Internet von Spezialdiensten, wie z.B.
SeasonalFuturesCharts.com oder MRCI, oder lassen sich
in Eigenarbeit zusammenstellen. Dazu bringt man einfach den Kurs der
Short-Seite von dem der Long-Seite in Abzug, mit dem Effekt, dass Gewinne
im Spread sich, wie gewohnt, in ansteigenden Zifferwerten, Verluste
in fallenden Zifferwerten niederschlagen.]
Nähert
die Marklage sich dem Idealfall eines sogenannten "full carrying
charge market" – d.i. eine
Marktsituation, in der die Terminkurse
der bezüglichen Ware ("commodity prices") sämtliche Lagerhaltungs-
und sonstige Finanzierungskosten (= "cost of carry") in voller
Treue unmittelbar widerspiegeln –, so wird mit besonderer Vorliebe
der "bull"-Spread bedacht. Abgesehen von einem jähen Anstieg
der "cost of carry" ist das Verlustrisiko eines Spread-Traders bei dessen
Einsatz insoweit minimal, als ein Kursanstieg über die im Terminkurs
bereits enthaltene Prämie ("premium", "contango") hinaus
als sehr wenig wahrscheinlich gilt*. Somit erhält der Trader
zwar die Chance auf Kursgewinne im Long-Bestandteil seines Spreads,
wohingegen kaum mehr mit einem unerwünschten überverhältnismäßigen Kursanstieg
im späteren Monatstermin, der den Short-Bestandteil des Spreads bildet,
zu rechnen ist. Entwickelt sich aus dieser Situation heraus ein "umgekehrter
Markt", ist die Gewinnaussicht in diesem Spread sogar theoretisch unbegrenzt.
Das Verlustrisiko dagegen ist von vornherein ein eng begrenztes, weil
ein Aufpreis über die "full carrying charges" hinaus einen dazu
gegenläufigen Anpassungsvorgang zur sofortigen Folge hätte. Zahllose
Arbitrageure – i. d. R. sind
dies sog. "commercials", die ihre Märkte aus der Nähe kennen und sie
stets mit wachsamem Auge verfolgen – wären nun zur Stelle, um unter
Einsatz erheblicher Summen große Transaktionsmengen ("volume")
von Futures im zeitnahen Termin reaktionsschnell zu kaufen und solche
gleichzeitig im zeitfernen Termin ebenso schnell zu verkaufen, was im
Ergebnis sehr rasch wieder zu einer Verschmälerung ("narrowing")
des Spreads führen würde ("forward cash and carry arbitrage").
Eine derartige (ungleichgewichtige) Marktsituation könnte infolge davon
nicht lange Bestand haben. Der vorstehend beschriebene Typus von Spread
wird nicht zuletzt deshalb füglich auch als "limited risk spread"
bezeichnet.
[* Achtung:
Prinzipiell unbegrenzt ist das Verlustrisiko indes bei "bull"-Spreads
auf nicht-lagerfähige Waren, wie z.B.
auf Flüssigmilch, Eier, lebende Schweine oder
lebende Rinder.
Die diesen Märkten in jedem Moment eigene innere Preisstruktur von Terminen
ist aller Erfahrung nach in einem Maße aufgelockert, dass jeder einzelne
Termin derselben praktisch als eigenständiger Markt in Erscheinung tritt.
So gesehen, wird der Name des "Spread" ad absurdum geführt.]
Der Inhaber eines "bear"-Spreads
trägt im Allgemeinen ein Risiko von deutlich höheren Prozenten als der
Halter eines "bull"-Spreads. Die hinter diesem Umstand liegende Ursache
ist in einem prinzipiell unbeschränkten Verlustrisiko aus offenen Posten
verkaufter Futures-Kontrakte auszumachen. Während die Gewinnchance für
den Halter eines "bear"-Spreads begrenzt ist durch das Erreichen eines
"full carrying charge market", besteht demgegenüber grundsätzlich keine
Begrenzung im Hinblick auf steigende Marktpreise im Spotmonat (d.h.
in der Höhe des Abschlags ("discount") des Futureskurses beim
späteren Termin gegenüber dem Marktpreis im "nearby" bzw. der Höhe der
"convenience
yield" zwischen den Terminen). Hat sich aktuell im Terminmarkt eines
aufspeicherbaren Gutes ein "normaler Markt" ("contango market")
herausgebildet, so ist es mehr denn je ratsam, einen "bear"-Spread hier
nur mit äußerstem Bedacht und unter großer Umsicht einzusetzen.
Doch
aus welchen Gesichtspunkten wird die Wahl unter mehreren zur Auswahl
stehenden Spreads letztlich getroffen werden? – Die Vorgehensweise zur
Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einzelner Spreads knüpft an die Berechnung
ihrer Basen an: "früher Termin minus später Termin". Nachdem
die in die engere Wahl gezogenen Spreads nun in ihren jeweiligen Zahlenwerten
vorliegen, werden diese anschließend zum Zwecke der Vergleichbarkeit
auf einen Monat normiert, d.h.
Division des absoluten Spreads durch die Anzahl der Monate zwischen
Long- und Short-Position. Beim Dezember12/August12 Heizöl-"bear"-Spread
wäre beispielsweise durch 4 zu teilen, da zwischen August und Dezember
eines Jahres insgesamt 4 Monate liegen. Um schließlich Aussagen über
die Vorteilhaftigkeit in Hinblick auf eine konkrete Anlageentscheidung
treffen zu können, werden die so berechneten relativen Spreads in einem
letzten Schritt der Größe nach geordnet. Hiernach genießt derjenigen
"bear"-Spread den Vorzug vor allen anderen Spreads gleichen Typs, welcher
den höchsten Wert für den Preisspread (die stärkste Basis) pro
Monat aufweist. Richtet sich das Augenmerk an den Märkten hingegen auf
eine entsprechende Strategie unter Verwendung von "bull"-Spreads, so
fällt die Wahl umgekehrt auf den niedrigsten Preisspread (die
schwächste Basis) pro Monat. Dies sei an einem Beispiel im Detail vorgeführt:
Folgende Terminkurse des Heizöl-Futuresmarktes
(NYMEX Heating Oil
No. 2) liegen vor (alle Angaben in US-Dollar und Cent pro
Gallone):
|
Terminmonat |
Futureskurs |
| Oktober04 |
0,8192 |
| November04 |
0,8215 |
| Dezember04 |
0,8245 |
| Januar05 |
0,8252 |
| Februar05 |
0,8176 |
Berechnung des vorteilhaftesten
"bear"-Spreads unter den folgenden Alternativen:
Nov./Okt.: – 0,0023/1 =
– 0,0023
Dez./Okt.: – 0,0053/2 =
– 0,00265
Jan./Okt.: – 0,0058/3 =
– 0,002
Feb./Okt.: – 0,0016/4 =
– 0,0004
Dez./Nov.: – 0,003/1 =
– 0,003
Jan./Nov.: – 0,0037/2 =
– 0,00185
Feb./Nov.: + 0,0039/3 =
+ 0,0013
Da letzterer "bear"-Spread
mit +0,0013 die stärkste Basis aufweist, ist demnach der Februar05/November04-Spread
hier eindeutig der vorteilhafteste unter den oben aufgeführten Alternativen.
Angenommen, der Spread-Trader geht den Februar05/November04-Spread
zu den oben angeführten Kursen ein: Er kauft 5 Februar05-Heizöl-Futures
zu 0,8176 US-$ und verkauft gleichzeitig 5 November04-Heizöl-Futures
zu 0,8215 US-$. Eine gewisse Zeit später schließt er seine Position
in "bear"-Spreads wieder, wobei im November04-Heizöl-Futures ein Kurs
von 0,8310 US-$ und im Februar05-Heizöl-Futures von 0,8295 US-$ realisiert
wird. Die Brokergebühren für Spread-Geschäfte sind einheitlich mit 7
US-$ pro "round turn"
anzuschlagen. Welches Ergebnis hat der Spread-Trader erzielt?
Lösung:
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Terminmonat |
Kaufkurs |
Verkaufskurs |
Differenz |
| November04 |
0,8310 |
0,8215 |
– 0,0095 |
| Februar04 |
0,8176 |
0,8295 |
+ 0,0119 |
|
Ergebnis:
|
+ 0,0024 |
Der Gewinn aus jenem Spread beträgt demnach 0,0024
US-$ pro Gallone Heizöl. Da ein Heizöl-Futures bekanntlich 42000
U.S. Gallonen (= 1000
Barrels) Heizöl umfasst,
errechnet sich ein Gewinn pro Spread von 42000
× 0,0024 US-$ = 100,80 US-$. Insgesamt wurden 5 Spread-Positionen eingegangen.
Dies ergibt einen Bruttogewinn von 5 × 100,80 US-$ = 504 US-$. Davon
sind Brokergebühren in Höhe von 5 × 7 US-$ = 35 US-$ abzuziehen, wonach
ein Nettogewinn vor Steuern von 469 US-$ ausgewiesen
wird.
Abschließende Bemerkungen:
In Ansehung
der erhöhten Komplexität als auch der eigentümlich komplizierten Natur,
die dem Handel in Spreads unleugbar anhängt, tut der wackere angehende
Spread-Trader gut daran, statt überstürzt frischweg zur wirklichen Tat
zu schreiten sich zunächst mit den Grundlagen gewöhnlicher (isolierter)
Futures-Positionen, vorweg auch noch mit den Besonderheiten bei der
Ordererteilung von Spreads, sorgfältig und umfassend vertraut zu machen.
Von nicht minder hohem praktischem Nutzen für den Einstieg in das Spread-Trading
ist darüber hinaus ein solides, grundlegendes Verständnis des theoretischen
Zusammenhangs zwischen Spotmarktpreis
und der Terminstruktur von Futureskursen. Auf diesen Kenntnissen aufbauend
eignen sich Spreads dann aber auch glänzend selbst für den risikobewussten
Einsteiger und bieten ihm mit etwas Geschick bei verantwortbarem Marktrisiko
beste Trading-Aussichten an den globalen Börsenplätzen.
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