Was
ist ein Spread in Futures?
Das
Nebeneinanderstehen verschiedenartiger
Futures-Kontrakte mit ihren
unterschiedlichen Basisinstrumenten verschiedener Fristigkeiten, in
gleicher Linie gehandelt an zahlreichen
Terminbörsen rund um den Globus,
erweitert das überkommene Entscheidungsfeld der Marktakteure um ein
breites Spektrum von neuen, komplexeren Handlungsalternativen in Gestalt
von gesonderten Anlagekombinationen:
Spreads. Die Vielfalt der
daraus hervorgehenden zusätzlichen Anlageformen und Handelsstrategien
wird im Prinzip allein begrenzt durch die Sinnhaftigkeit in der reichhaltigen
Zahl an Kombinationsmöglichkeiten, die zwischen den einzelnen, an den
Terminbörsen weltweit anzutreffenden, unterschiedlich ausgestalteten
Futures-Produkten bestehen.
Der
besondere Vorzug von Spreads gegenüber einzeln gehaltenen Futures-Posten
kommt für den versierten, risikobewussten Trader nun darin zum Ausdruck,
dass unter Wahrung der Chancen auf ansehnliche Kursgewinne bei verhältnismäßig
geringem Kapitaleinsatz das Risiko von Vermögensverlusten in seinen
Ausmaßen besser überschaubar und kalkulierbar wird. Die Gefahr eines
Liquiditätsengpasses oder gar jene eines Hineinmanövrierens in existenzgefährdende
Situationen verliert damit im Vergleich zu herkömmlichen spekulativen
Positionen in Futures stark an Gewicht.
Spreads in Futures zählen zu den anspruchsvolleren spekulativen
Techniken im Börsenterminhandel, die ordentlicherweise durch speziell
ausgeklügelte Trading-Strategien auch gut fundiert sind. Derartige Verfeinerungen
im Trading sind aus dem Gedanken
entstanden, Futures sinnvoll miteinander zu kombinieren. Spread-Geschäfte
sind demgemäß Doppelgeschäfte, die an den Futures-Märkten eingeleitet
werden durch Einnahme einer Kauf- (Long) und parallel dazu, mehr
oder minder gleichzeitig, durch Einnahme einer davon unterscheidbaren
Verkaufsposition (Short).
Zwar tragen die einzelnen zu einem gemeinsamen Werk aufgebauten Long-
und Short-Positionen in Futures hinsichtlich ihrer
Spezifikationen in aller
Regel übereinstimmende ökonomische Züge; beide aber werden in mindestens
einem ihrer typischen Merkmale sich klar gegeneinander abgrenzen lassen
(= unterschiedliche Futures-Serien*).
Während also beispielsweise eine Long-Position in
CBOT-Dezember-Weizen
und eine daneben aufgerichtet Short-Position in
CBOT-Dezember-Mais
erkennbar als Spread in Futures daherkommen, kann man das etwa von der
eigentümlichen Mischung einer
COMEX-Juli-Kupfer-Long-Position
und einer ihr zur Seite geschickten
NYBOT-Dezember-Kaffee-Short-Position
nur schwerlich behaupten. – Nach Begründung eines Spread-Geschäfts durch
Herstellung einer gut durchdachten Zuordnung zweier Kontraktarten zu
einem zusammenhängenden Ganzen gilt das Hauptaugenmerk nun nicht mehr
den Risiken und Kurserwartungen jeder Position für sich allein genommen,
sondern vielmehr der Kursdifferenz zwischen den Einzelpositionen
eines Spreads (= Größe des
Spreads, "Spread-Preis", "premium") und der künftigen Änderung
ihres Ziffernwertes, wie im Folgenden noch deutlicher ins Licht gestellt
werden soll.
[* Anmerkung:
Alle Futures-Kontrakte, die in sämtlichen ihrer Wesensmerkmale und Ausprägungen
übereinstimmen, lassen sich in eine einheitliche Futures-Serie
("futures series") einreihen.]
Der
Begriff Spread, entlehnt von engl. »ausbreiten, ausstrecken,
spreizen; Spanne«: so viel wie Differenzgeschäft (hier aber
nicht im rechtstechnischen Sinne zu verstehen), wird in der Fachsprache
des Terminhandels oft unterschiedlich benützt. So wird der Name "Spread"
im Gegensatz zur Nomenklatur im Rahmen von Optionsgeschäften im Zusammenhang
mit gemischten Futures-Geschäften vielfach mit dem Namen "Straddle"
synonym verwendet (dt. selten auch: Stellagegeschäft). Der Terminus
"Spread" (bzw. "Straddle" oder in den USA mitunter auch "Switch" genannt)
bezeichnet ganz konkret ein planvoll kombiniertes Terminkontraktgeschäft,
das durch Herstellung einer Long/Short-Relation zwischen Instrumenten,
die einander zwar ähnlichen, aber immerhin unterschiedlichen Gattungen
angehören, zur Entstehung kommt. Landläufig versteht man im Terminhandel
unter einem Spread auch einfach das Ausmaß der Preisdifferenz zwischen
den Terminkontrakt-Preisen zweier gesonderter, gleichwohl ökonomisch
verwandter Futures (Preis-Spread).*
[* Ebenso treffend
ließe sich der Name Basis verwenden. Der Begriff Basis steht
demnach in doppelter Hinsicht in Übung. Er kennzeichnet sowohl beim
Hedgegeschäft ("Preissicherungsgeschäft")
als auch bei kombinierten Terminkontraktgeschäften (Spreads in Futures)
die Preisdifferenz zwischen Marktpreisen in den einzelnen Teilpositionen,
angewendet auf jeweils ein und denselben beliebigen Betrachtungszeitpunkt.]
Im Kontext
von gemischten Futures-Geschäften werden die konstituierenden Elemente
eines daraus hervorgehenden Spreads bisweilen auch als "die Beine"
eines Spreads bezeichnet, wobei das eine "Bein" jedes Mal aus einer
Verkaufs-Position (Short), das andere "Bein" aus einer
Kauf-Position* (Long) in Futures besteht. Das Augenmerk
richtet sich im Handel mit Spreads, wie soeben erwähnt, vornehmlich
auf prognostizierte Änderungen in der Preisdifferenz
(= Basisänderungen) "der Beine"
eines Spreads – und zwar weitgehend unabhängig vom augenblicklich
herrschenden Kursniveau resp. der möglichen Änderung der Grundausrichtung
des Marktes.
[* Anmerkung:
Die Beine eines Spreads müssen dabei nicht zwangsläufig im Verhältnis
der Parität, etwa immer nur linear in der Einzahl ("one-to-one"),
zueinanderstehen. Eine Position in Spreads kann sehr wohl dem Größenverhältnis
nach sich aus ganz ungleichzahligen Komponenten zusammensetzen ("tailed
spread"); sie muss aber zumindest in einem Kontrakt "long" und in
einem anderen Kontrakt "short" sein.]
Wenngleich
vom Prinzip her ähnlich, unterliegen Spread-Geschäfte grundsätzlich
anderen Motiven als Hedgegeschäfte, womit beide im Anwendungszusammenhang
mit Strenge voneinander zu trennen wären. Die leitende Idee von
Hedging hat ihren
Inhalt in der Reduzierung von Preisunsicherheitsursachen, die aus einem
bereits bestehenden, offenen Posten im Spotmarkt bzw. einem künftig
noch zu tätigenden und vorab zu sichernden Spot- oder Termingeschäft
hervortreten, indem diesem eine gegenläufige Position im Terminmarkt
als Ergänzungsgeschäft zeitweilig eigens entgegengestellt wird, wohingegen
bei Spreads die spekulative Ausnutzung von Preisunterschieden zwischen
verschiedenen Futures-Kontrakten der eigentliche Zweck ist. Ein
erfolgssicherer Handel mit Spreads stützt sich vorzugsweise auf spezifische,
klug ausgewählte Strategien, eingeschlagen in der Absicht, bald durchgreifende
strukturelle Änderungen von Wertzusammenhängen, bald vermeintliche Unstimmigkeiten
in ökonomisch fundierten Verbindungen, und bald auch empirische Regelmäßigkeiten
zwischen verschiedenen Futuresmärkten gewinnbringend auszunützen. Ins
Einzelne ausgeführt:
Der
Spread-Trader spekuliert vornehmlich darauf, dass die Kursnotiz des
gekauften Terminkontrakts ("long") steigt, während er hofft, dass jene
des ihm gegenüberstehenden verkauften Terminkontrakts ("short") parallel
damit fällt, oder aber, dass erstere zum Mindesten in stärkerer Proportion
steigt bzw. in minder starker Proportion fällt als letztere. Mit einem
Worte: Die Long-Seite soll die Short-Seite im Wertzuwachs möglichst
hoch übertreffen. Anders als der Inhaber einer Futures-Position herkömmlichen
Stils ("outright-position", "stand-alone"-Position; allg.:
"Solo-Geschäft", singuläres Derivategeschäft), dessen Beachtung vorrangig
dem absoluten Kursniveau und dessen Änderung gilt, ist der Spread-Trader
damit vornehmlich an relativen Preisveränderungen – d.
i. an einer Ausweitung bzw. Verringerung von Kursdifferenzen
– zu seinen Gunsten interessiert. Für ein erfolgreiches Spread-Trading
(Spreading) kommt demzufolge alles darauf an, aussichtsreiche Trends
in ökonomisch oder markttechnisch miteinander verflochtenen Märkten
rechtzeitig aufzuspüren und geschickt auszunützen. Ein weiterer einträglicher
Trading-Ansatz mit Spreads besteht in einem raschen Erkennen von "Ungleichgewichten"
zwischen den beobachteten Kursnotizen verschiedener Futures in
Erwartung einer Korrektur der zuvor wahrgenommenen Abweichungen und
Ineffizienzen ("Anomalien") in unmittelbarer zeitlicher Folge durch
den Markt ("carrying charge spread"). Unter diesem Blickwinkel
betrachtet rücken Spread-Strategien in die Nähe einer
Arbitrage, aus sich
heraus jedoch mit betont spekulativen Zügen ("Differenzarbitrage", "Risikoarbitrage").
Der Spread-Trader wird damit zum Risiko-Arbitrageur.
Das
tätige Handeln mit Spreads trägt im Allgemeinen den Charakter einer
eher konservativen Trading-Strategie an sich; denn der Inhaber einer
Spread-Position* tauscht durch sein koordiniertes Vorgehen, wie
wir wissen, das absolute Preisänderungsrisiko einer Singularposition
gegen das Risiko einer Änderung in der Kursrelation zwischen zwar verschiedenen,
aber innerlich doch zusammenhängenden Futures, das aller Erfahrung nach
von deutlich bescheidenerem Umfange ist. Dieser notorische Erfahrungssachverhalt
schlägt sich gewöhnlich messbar nieder in einer merklich geringeren
Volatilität der Wertänderungen
der Gesamtposition. Das Halten eines Spreads ist de facto aber auf lediglich
dieser ersten Betrachtungsebene, nicht jedoch notwendigerweise auch
auf einer unter geändertem Blickwinkel betrachteten zweiten mit weniger
Risiko behaftet als das Halten gewöhnlicher (singulärer) Long- oder
Short-Positionen in Futures (Outright-Positionen), wie im Folgenden
dargelegt.
[* Anmerkung:
Der Begriff Position ist in
Bezug auf Spreads nicht im strengen Wortsinne einer singulären, nur
nach einer Seite hin offene Position zu verstehen, sondern benennt hier
begreiflicherweise die zu einer Einheit zusammengestellte Position als
Ganzes.]
Zurückzuführen
ist das häufig zitierte herabgesetzte Risiko von Spread-Positionen gegenüber
Outright-Positionen offenkundig auf ein aufs Engste verbundene (das
ist ein weitgehend reziprokes, sich kompensierendes) Preisgefüge von
in ihrer ökonomischen resp. zeitlichen Struktur mehr oder minder gleichartigen
Basiswerten. Überhaupt zeigt die Erfahrung, dass die Preisentwicklungen
in jenen Futures-Märkten, die miteinander in einer gewissen kausalen
ökonomischen Verwandtschaft stehen, dazu tendieren, sich ganz ähnlich
zu vollziehen, was bei richtig zusammengepaarten Spreads im konkreten
Einzelfall anhand einer typisch hohen positiven statistischen
Korrelation
(= innige Wechselbeziehung)
zwischen den betreffenden Märkten auf das deutlichste zum Ausdruck kommt.
Dies führt im Allgemeinen dazu, dass sogar dann, wenn sich die Markterwartungen
eines Traders im Nachhinein nicht erfüllen sollten, der aus dem einen
Teil der Spread-Position erwachsende Verlust sich oftmals – bis auf
Basisänderungen – zu einem guten Teil auffangen lässt durch den Gewinn
aus der ihm gegenüberstehenden zweiten Futures-Position ("das andere
Bein" des Spreads). Dennoch darf man sich keiner Täuschung darüber hingeben,
dass jedes Engagement in Spreads – zumal bei durchschlagendem persönlichem
Ungeschick – immer auch die höchst akute Gefahr des völligen Misslingens
mit sich bringt. So kann eine Schieflage im Trading mit manch einem
Spread das Vermögen des unglücklich arbitrierenden Händlers zuweilen
gar empfindlich schmälern, besonders dann, wenn im Ergebnis beide Quoten
eines Spreads so arg fehlschlagen, dass jede für sich ganz schwerwiegende
Verluste einbringt.
Angesichts
einer im großen Ganzen von Spread-Geschäften ausgehenden verminderten
Wertgefahr verlangen die einzelnen Börsen (bzw. die kontoführenden Finanzinstitute)
für die Öffnung von ausgesuchten Spread-Positionen in Futures im Regelfall
deutlich reduzierte Ersteinschüsse ("initial
margin"; hierbei meist als "spread-margin" bezeichnet).
Die Margin-Leistungen für die geläufigsten Arten von Spreads liegen
durchweg selbst unterhalb der Höhe eines herkömmlichen "maintenance
margin" (welches bei Spreads ebenfalls niedriger ausfällt), wie
es an den Marktplätzen gemeinhin für die einschichtigen spekulativ motivierten
Positionen als Puffer veranschlagt wird. Damit rücken Spreads besonders
auch in das Interesse von Haltern kleinerer Handelskonten. Doch Achtung:
Übertragen auf anderweitige Ebenen wiederum, namentlich auf jene von
Investitionssummen und
Margin-Renditen,
kann das mit Spreads verbundene Verlustrisiko, bedingt durch den verstärkten
Hebeleffekt aus
dem verringerten Margin-Erfordernis, mit Risiken aus alleinigen Futures-Positionen
durchaus vergleichbar werden, wenn nicht gar übertreffen! Entsprechendes
gilt nicht am wenigsten von Commodity-Spreads unterschiedlicher Erntejahre
oder nicht lagerfähiger Waren.
Ein
Spread wird aufgehoben, das Ergebnis realisiert, regelmäßig durch rechtzeitige
Glattstellung
seiner Teilpositionen ("unwinding", "backspreading").
Praktisch bedient sich der Spread-Trader hierzu der Einfachheit halber
des von den Terminbörsen speziell bereitgestellten Orderinstrumentariums
für Spreads ("spread
order"), das nicht nur einen nahezu gleichzeitigen Aufbau, sondern
auch eine gleichzeitige Glattstellung der zusammengepaarten Position
direkt in die Wege leitet. Ohnedies ist die Einnahme eines spiegelbildlichen
Geschäfts das übliche Verfahren, um das rechtliche Gebundensein an vertraglich
auferlegte Pflichten aus einzelnen Futures, wie z.
B. dingliche Liefer- und Abnahmeverpflichtungen von Waren oder
Wertpapieren (unter Ausgleich der übrig bleibenden Zahlungsansprüche
aus Marktwertänderungen über die Clearingstelle), vollständig wieder
aufzuheben und das finanzielle Ergebnis aus der Position zu realisieren.
Ein
Spread ist jedoch nicht untrennbar. Er lässt sich durch Schließung nur
einer Anteil nehmenden Ration leicht wieder sprengen ("leg out").
Stellt der Inhaber eines Spreads im Zuge seiner Spekulationsstrategie
lediglich Futures eines Teils seiner gesamten Spread-Position glatt,
während er den erübrigenden Teil ("das andere Bein") weiterhin aufrechterhält
("to lift one leg"), so hat er zu gewärtigen, dass mit Herbeiführung
der Vereinzelung die verbliebene spekulative Einzelposition augenblicklich
von ihrem natürlichen Schutz entblößt ist. Denn bei der Letzteren handelt
es sich nunmehr um eine ganz gewöhnliche "stand-alone"-Long- bzw. Short-Position
in Futures, die notwendig mit dem ihr eigenen üblichen Risikopotenzial
einhergeht und mithin angemessen mit der vollen regulären Margin-Summe
unverzüglich zu decken ist.
Es sei
nicht versäumt, abschließend noch darauf hinzuweisen, dass die Begründung
eines Spreads ebenso gut auch sich herbeiführen lässt durch ungleichzeitigen
Aufbau seiner einzelnen Bestandteile. Sofern die Umstände dem geschäftsgewohnten
und umsichtigen Trader kein sofortiges Handeln abnötigen, wird dieser
das gegenwärtige Preisgebäude zunächst einer reiflichen Analyse unterziehen
und nach sorgfältigem Bedenken der Marktlage einen Spread allenfalls
erst dann vollenden, wenn auf dem Boden der gewählten Trading-Strategie
das Verhältnis der angehenden Terminkurse (Basis)
zueinander im Moment des Entschlusses ganz besonders aussichtsreich
erscheint ("leg into a spread"). In günstigen Marktsituationen
lässt sich auf diese Weise nicht etwa nur ein bestehender Buchgewinn
sichern, sondern aus der Wahrnehmung einer vorteilhaften Konstellation
der Basis letztlich sogar ein zusätzlicher Ertrag ziehen. Andererseits
liegt hierin stets eine gewisse Gefahr, durch zu langes Zögern eine
an sich vielversprechende Trading-Chance kurzfristig zu verspielen.
Für eine solche Form des Taktierens ist offenbar ein ausgesprochen hohes
Maß an Geschicklichkeit und Professionalität erforderlich, und sie sei
angesichts des damit sich einspielenden größeren Risikos dem weniger
kundigen Spread-Trader deshalb auch nicht anempfohlen.
Im Einzelnen
umspannen Spreads in Futures die folgenden Erscheinungsformen:
–
Intra-Markt-Spread ("intramarket-spread"; auch intertemporaler
oder "time"-Spread, "intermonth spread", "calendar
spread", "calendar basis trade", "intracommodity-spread",
Intra-Kontraktspread, "intracontract-spread" oder "interdelivery-spread"
genannt): Diese überaus gebräuchliche und im Börsenleben entsprechend
häufig anzutreffende Mischung setzt sich zusammen aus Futures mit Basiswerten
("underlying") von einerlei Art, die zwar jeweils an derselben
Terminbörse, dort jedoch in verschiedenen
Liefermonaten gehandelt
werden. Als Beispiele hierzu lassen sich ein September10/Dezember10
Benzin-Spread an der New York Mercantile Exchange (NYMEX
NY Harbor RBOB Gasoline) oder etwa auch ein Juli11/Oktober11 Zucker-Spread
an der ICE Futures U.S. (NYBOT
Sugar No. 11) anführen. Da jeder Spread der genannten Art sich stets
aus einer Long- und einer Short-Position in einem gattungsgleichen "underlying"
zusammensetzt, resultieren aus jeder Preisänderung im unterliegenden
Markt mit einem Schlag entsprechend hohe Gewinne, denen gleichzeitig
in der anderen Teilposition annähernd gleich hohe Verluste gegenüberstehen.
Der Halter des nämlichen Spreads erhofft sich seinen Vorteil davon,
dass aus bestimmten markttechnisch bedingten Ursachen im Hinblick auf
bestehende Laufzeitunterschiede der Kurs der Long-Position stärker steigt
bzw. weniger stark fällt als der Kurs der Short-Position. An den meisten
Börsen wird diese viel beliebte Art eines Spreads auch als einheitliche
Position anerkannt, was den besonderen Vorzug hat, dass er sich kraft
einer einzigen Order bequem
einrichten und auch wieder schließen lässt. Seine einzelnen Komponenten
müssen also nicht extra mittels separater Orders geöffnet bzw. nachher
umständlich durch gesonderte Orders extra wieder geschlossen werden.
–
Inter-Markt-Spread ("intermarket-spread", "location spread",
"inter-exchange-spread"): Diese Kategorie eines Spread besteht
aus Futures mit (zumindest der Art nach) gleichem Basiswert, welche
jedoch an verschiedenen Terminbörsen notiert und gehandelt werden. Beispiel:
Kauf von September10 Weizen am CBOT in Chicago und zugleich Verkauf
von September10 Weizen an der
Börse in Kansas City
(KCBT). Dieser Spread lässt sich ebensowohl auch in Form eines "calendar
spread" aufbauen, sofern er sich dabei auf unterschiedlichen Termine
stützt. Der Gebrauch von "Location"-Spreads beruht im Regelfall auf
bestimmten Arbirtage-Motiven,
vor dem folgenden Hintergrund: Die Preisunterschiede von strukturell
identischen Waren, die gleichzeitig an verschiedenen voneinander geographisch
entfernten Orten gehandelt werden, dürfen die Transportkosten zwischen
beiden Handelsräumen nicht überschreiten, widrigenfalls sich sofort
gewinnträchtige Arbitragemöglichkeiten eröffneten. – Allerdings entfallen
bei solcherart Spread gemeinhin die für Spreads sonst üblichen Reduzierungen
bei den Margin-Erfordernissen.
–
Inter-Commodity-Spread ("intercommodity-spread", "intercontract-spread",
"inter-product-spread" IPS, "intermarket-spread",
"straddle"): Hierbei handelt es sich um eine Mischung von Futures,
die sich von artverschiedenen, jedoch ökonomisch in mehr oder minder
naher Beziehung stehenden und daher preislich positiv korrelierten Basiswerten
herschreiben und die im Regelfall der Praxis auch an derselben Terminbörse
und im selben Terminmonat gehandelt werden. Zweck einer solchen Positionierung
ist es, von zeitweiligen (teils auch vorgezeichnet von saisonbedingten)
Preisungleichgewichten zu profitieren. Beispiel: Kauf von Dezember-Weizen
und Verkauf von Dezember-Mais an der Terminbörse
CBOT der CME Group.
Da Mais bei sporadischen Gelegenheiten als Ergänzungs- oder Substitutionsgut
für Weizen Verwendung findet, werden sich die Preise beider Getreidearten
im Allgemeinen relativ gleichförmig entwickeln. Weitere "horizontale"
Mischungsmöglichkeiten wären etwa T-Bills und Eurodollar, "cattle" und
"hogs", "oats" und "corn" bis hin zu "cotton" und "soybeans". Reduzierte
Margin-Erfordernisse bei "intercontract-spread" kommen praktisch indes
nur sehr selten vor.
–
Produkt-Spread ("product spread", "intercommodity-spread"):
Darunter fällt der gleichzeitige Kauf und Verkauf von Futures auf eine
bestimmte Ware und einer aus ihr abgeleiteten Ware. Beispiele für derartige
Spreads, die über "vertikale Produktstufen" laufen, wären (1.) der
Sojabohnen-Crush-Spread, der aus einer Long-Position in Sojabohnen
und einer Short-Position in Sojaöl resp. Sojamehl besteht, oder der
"Reverse Crush-Spread", der umgekehrt aus einer Short-Position
in Sojabohnen und einer Long-Position in Sojaöl bzw. Sojamehl besteht;
(2.) der sog. "Crack-Spread" bzw. der invertierte "Crack-Spread"
("reverse crack spread"), die Rohöl und jeweils eines seiner
Produkte, wie beispielsweise Heizöl oder Benzin, zur Grundlage haben.
Ein invertierter Crack-Spread Januar Heizöl (long)/Januar Rohöl (short)
wird von spekulativ orientierten Akteuren etwa dann verwendet, wenn
erwartet wird, dass – wie häufig zu beobachten – die Heizölpreise im
Winter relativ stärker steigen als die Rohölpreise. Auch Produkt-Spreads
bekommen von den Börsen einen Nachlass beim Margin.
Bei allen vorstehend genannten Spread-Formen
lassen sich, sofern diese auf ungleichen
Terminmonaten basieren, stets zwei verschiedene Typen von Spreads
voneinander unterscheiden: 1.) der "bull"-Spread
und 2.) der "bear"-Spread.
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Ein "bull"-Spread ist dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich
nahe liegender Termin gekauft und daneben ein zeitlich fernerer
Termin verkauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin darauf,
dass im frühen Terminmonat die Kurse stärker steigen bzw. weniger
stark fallen als im gegenüberstehenden zeitfernen Terminmonat. Der
Trader profitiert, wenn der Spread sich verstärkt ("stengthens").
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Ein "bear"-Spread hingegen ist dadurch charakterisiert, dass
ein zeitlich nahe liegender Termin verkauft und daneben ein entfernter
Termin gekauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin auf im
näher liegenden Terminmonat stärker fallende bzw. weniger stark
steigende Kurse als im gegenüberstehenden entfernten Terminmonat.
Der Trader profitiert, wenn der Spread sich abschwächt ("weakens").*
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[* Anmerkung: Die
beiden obigen Definitionen nehmen Bezug auf praktische Verhältnisse
und Erfahrungen an den Märkten. Der Begriff "bull" kennzeichnet bekanntlich
einen Markt, der von allgemein steigenden Kursen geprägt ist. Der Begriff
"bear" dagegen charakterisiert einen Markt von allgemein sinkendem Kursniveau.
Die Rechtfertigung der vorangehenden Auslegung leitet sich her von dem
Erfahrungssachverhalt, dass informationsbedingte Richtungsänderungen
von Kursen, zumal in den Warenmärkten, sich häufig und gerne zuerst
in den liquideren frühen
Terminen niederschlagen
als in den weiter entlegenen ("Samuelson-Effekt"). Aus theoretischer
Sicht eines "Cost of carry"-Modells,
und gerade in "full-carry"-Märkten von "financial assets", scheint die
umgekehrte Definition indes angezeigter.]
– Des
Weiteren stößt man zuweilen auf eine Konstruktion, die unter der Aufschrift
Butterfly-Spread bekannt ist: Hierbei handelt es sich um eine
aufeinander abgestimmte Kombinationsform zweier Spreads. Ein Intramarket-Butterfly-Spread
etwa wird eingeleitet über den "Kauf" eines relativ niedrig bewerteten
Intra-Markt-Spreads, während ein relativ hoch bewerteter Intra-Markt-Spread
"verkauft" wird. Der Spread-Trader in Butterfly-Spreads hält Ungleichgewichte
in den relativen Preisdifferenzen zwischen beiden Spreads für zutreffend
und baut in deren Gefolge seine Spekulation auf eine numerische Angleichung
dieser Differenzen auf.
Vorstehende
Auflistung der in der Praxis anzutreffenden Hauptformen von Spreads
ist keineswegs abschließend, sondern bietet durchaus weiteren Spielraum
für Mannigfaltigkeit.
Auf
der nächsten Seite werden grundlegende Berechnungsmethoden sowie Beispiele
für einige nützliche praktische Anwendungsfälle von Spreads vorgestellt.
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