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Was ist ein Spread in Futures?

Das Nebeneinanderstehen verschiedenartiger Futures-Kontrakte mit ihren unterschiedlichen Basisinstrumenten verschiedener Fristigkeiten, in gleicher Linie gehandelt an zahlreichen Terminbörsen rund um den Globus, erweitert das überkommene Entscheidungsfeld der Marktakteure um ein breites Spektrum von neuen, komplexeren Handlungsalternativen in Gestalt von gesonderten Anlagekombinationen: Spreads. Die Vielfalt der daraus hervorgehenden zusätzlichen Anlageformen und Handelsstrategien wird im Prinzip allein begrenzt durch die Sinnhaftigkeit in der reichhaltigen Zahl an Kombinationsmöglichkeiten, die zwischen den einzelnen, an den Terminbörsen weltweit anzutreffenden, unterschiedlich ausgestalteten Futures-Produkten bestehen.

Der besondere Vorzug von Spreads gegenüber einzeln gehaltenen Futures-Posten kommt für den versierten, risikobewussten Trader nun darin zum Ausdruck, dass unter Wahrung der Chancen auf ansehnliche Kursgewinne bei verhältnismäßig geringem Kapitaleinsatz das Risiko von Vermögensverlusten in seinen Ausmaßen besser überschaubar und kalkulierbar wird. Die Gefahr eines Liquiditätsengpasses oder gar jene eines Hineinmanövrierens in existenzgefährdende Situationen verliert damit im Vergleich zu herkömmlichen spekulativen Positionen in Futures stark an Gewicht.

Spreads in Futures zählen zu den anspruchsvolleren spekulativen Techniken im Börsenterminhandel, die ordentlicherweise durch speziell ausgeklügelte Trading-Strategien auch gut fundiert sind. Derartige Verfeinerungen im Trading sind aus dem Gedanken entstanden, Futures sinnvoll miteinander zu kombinieren. Spread-Geschäfte sind demgemäß Doppelgeschäfte, die an den Futures-Märkten eingeleitet werden durch Einnahme einer Kauf- (Long) und parallel dazu, mehr oder minder gleichzeitig, durch Einnahme einer davon unterscheidbaren Verkaufsposition (Short). Zwar tragen die einzelnen zu einem gemeinsamen Werk aufgebauten Long- und Short-Positionen in Futures hinsichtlich ihrer Spezifikationen in aller Regel übereinstimmende ökonomische Züge; beide aber werden in mindestens einem ihrer typischen Merkmale sich klar gegeneinander abgrenzen lassen (= unterschiedliche Futures-Serien*). Während also beispielsweise eine Long-Position in CBOT-Dezember-Weizen und eine daneben aufgerichtet Short-Position in CBOT-Dezember-Mais erkennbar als Spread in Futures daherkommen, kann man das etwa von der eigentümlichen Mischung einer COMEX-Juli-Kupfer-Long-Position und einer ihr zur Seite geschickten NYBOT-Dezember-Kaffee-Short-Position nur schwerlich behaupten. – Nach Begründung eines Spread-Geschäfts durch Herstellung einer gut durchdachten Zuordnung zweier Kontraktarten zu einem zusammenhängenden Ganzen gilt das Hauptaugenmerk nun nicht mehr den Risiken und Kurserwartungen jeder Position für sich allein genommen, sondern vielmehr der Kursdifferenz zwischen den Einzelpositionen eines Spreads (= Größe des Spreads, "Spread-Preis", "premium") und der künftigen Änderung ihres Ziffernwertes, wie im Folgenden noch deutlicher ins Licht gestellt werden soll.

[* Anmerkung: Alle Futures-Kontrakte, die in sämtlichen ihrer Wesensmerkmale und Ausprägungen übereinstimmen, lassen sich in eine einheitliche Futures-Serie ("futures series") einreihen.]

 

 

 

 

Der Begriff Spread, entlehnt von engl. »ausbreiten, ausstrecken, spreizen; Spanne«: so viel wie Differenzgeschäft (hier aber nicht im rechtstechnischen Sinne zu verstehen), wird in der Fachsprache des Terminhandels oft unterschiedlich benützt. So wird der Name "Spread" im Gegensatz zur Nomenklatur im Rahmen von Optionsgeschäften im Zusammenhang mit gemischten Futures-Geschäften vielfach mit dem Namen "Straddle" synonym verwendet (dt. selten auch: Stellagegeschäft). Der Terminus "Spread" (bzw. "Straddle" oder in den USA mitunter auch "Switch" genannt) bezeichnet ganz konkret ein planvoll kombiniertes Terminkontraktgeschäft, das durch Herstellung einer Long/Short-Relation zwischen Instrumenten, die einander zwar ähnlichen, aber immerhin unterschiedlichen Gattungen angehören, zur Entstehung kommt. Landläufig versteht man im Terminhandel unter einem Spread auch einfach das Ausmaß der Preisdifferenz zwischen den Terminkontrakt-Preisen zweier gesonderter, gleichwohl ökonomisch verwandter Futures (Preis-Spread).*

[* Ebenso treffend ließe sich der Name Basis verwenden. Der Begriff Basis steht demnach in doppelter Hinsicht in Übung. Er kennzeichnet sowohl beim Hedgegeschäft ("Preissicherungsgeschäft") als auch bei kombinierten Terminkontraktgeschäften (Spreads in Futures) die Preisdifferenz zwischen Marktpreisen in den einzelnen Teilpositionen, angewendet auf jeweils ein und denselben beliebigen Betrachtungszeitpunkt.]

Im Kontext von gemischten Futures-Geschäften werden die konstituierenden Elemente eines daraus hervorgehenden Spreads bisweilen auch als "die Beine" eines Spreads bezeichnet, wobei das eine "Bein" jedes Mal aus einer Verkaufs-Position (Short), das andere "Bein" aus einer Kauf-Position* (Long) in Futures besteht. Das Augenmerk richtet sich im Handel mit Spreads, wie soeben erwähnt, vornehmlich auf prognostizierte Änderungen in der Preisdifferenz (= Basisänderungen) "der Beine" eines Spreads – und zwar weitgehend unabhängig vom augenblicklich herrschenden Kursniveau resp. der möglichen Änderung der Grundausrichtung des Marktes.

[* Anmerkung: Die Beine eines Spreads müssen dabei nicht zwangsläufig im Verhältnis der Parität, etwa immer nur linear in der Einzahl ("one-to-one"), zueinanderstehen. Eine Position in Spreads kann sehr wohl dem Größenverhältnis nach sich aus ganz ungleichzahligen Komponenten zusammensetzen ("tailed spread"); sie muss aber zumindest in einem Kontrakt "long" und in einem anderen Kontrakt "short" sein.]

Wenngleich vom Prinzip her ähnlich, unterliegen Spread-Geschäfte grundsätzlich anderen Motiven als Hedgegeschäfte, womit beide im Anwendungszusammenhang mit Strenge voneinander zu trennen wären. Die leitende Idee von Hedging hat ihren Inhalt in der Reduzierung von Preisunsicherheitsursachen, die aus einem bereits bestehenden, offenen Posten im Spotmarkt bzw. einem künftig noch zu tätigenden und vorab zu sichernden Spot- oder Termingeschäft hervortreten, indem diesem eine gegenläufige Position im Terminmarkt als Ergänzungsgeschäft zeitweilig eigens entgegengestellt wird, wohingegen bei Spreads die spekulative Ausnutzung von Preisunterschieden zwischen verschiedenen Futures-Kontrakten der eigentliche Zweck ist. Ein erfolgssicherer Handel mit Spreads stützt sich vorzugsweise auf spezifische, klug ausgewählte Strategien, eingeschlagen in der Absicht, bald durchgreifende strukturelle Änderungen von Wertzusammenhängen, bald vermeintliche Unstimmigkeiten in ökonomisch fundierten Verbindungen, und bald auch empirische Regelmäßigkeiten zwischen verschiedenen Futuresmärkten gewinnbringend auszunützen. Ins Einzelne ausgeführt:

Der Spread-Trader spekuliert vornehmlich darauf, dass die Kursnotiz des gekauften Terminkontrakts ("long") steigt, während er hofft, dass jene des ihm gegenüberstehenden verkauften Terminkontrakts ("short") parallel damit fällt, oder aber, dass erstere zum Mindesten in stärkerer Proportion steigt bzw. in minder starker Proportion fällt als letztere. Mit einem Worte: Die Long-Seite soll die Short-Seite im Wertzuwachs möglichst hoch übertreffen. Anders als der Inhaber einer Futures-Position herkömmlichen Stils ("outright-position", "stand-alone"-Position; allg.: "Solo-Geschäft", singuläres Derivategeschäft), dessen Beachtung vorrangig dem absoluten Kursniveau und dessen Änderung gilt, ist der Spread-Trader damit vornehmlich an relativen Preisveränderungen – d. i. an einer Ausweitung bzw. Verringerung von Kursdifferenzen – zu seinen Gunsten interessiert. Für ein erfolgreiches Spread-Trading (Spreading) kommt demzufolge alles darauf an, aussichtsreiche Trends in ökonomisch oder markttechnisch miteinander verflochtenen Märkten rechtzeitig aufzuspüren und geschickt auszunützen. Ein weiterer einträglicher Trading-Ansatz mit Spreads besteht in einem raschen Erkennen von "Ungleichgewichten" zwischen den beobachteten Kursnotizen verschiedener Futures in Erwartung einer Korrektur der zuvor wahrgenommenen Abweichungen und Ineffizienzen ("Anomalien") in unmittelbarer zeitlicher Folge durch den Markt ("carrying charge spread"). Unter diesem Blickwinkel betrachtet rücken Spread-Strategien in die Nähe einer Arbitrage, aus sich heraus jedoch mit betont spekulativen Zügen ("Differenzarbitrage", "Risikoarbitrage"). Der Spread-Trader wird damit zum Risiko-Arbitrageur.

Das tätige Handeln mit Spreads trägt im Allgemeinen den Charakter einer eher konservativen Trading-Strategie an sich; denn der Inhaber einer Spread-Position* tauscht durch sein koordiniertes Vorgehen, wie wir wissen, das absolute Preisänderungsrisiko einer Singularposition gegen das Risiko einer Änderung in der Kursrelation zwischen zwar verschiedenen, aber innerlich doch zusammenhängenden Futures, das aller Erfahrung nach von deutlich bescheidenerem Umfange ist. Dieser notorische Erfahrungssachverhalt schlägt sich gewöhnlich messbar nieder in einer merklich geringeren Volatilität der Wertänderungen der Gesamtposition. Das Halten eines Spreads ist de facto aber auf lediglich dieser ersten Betrachtungsebene, nicht jedoch notwendigerweise auch auf einer unter geändertem Blickwinkel betrachteten zweiten mit weniger Risiko behaftet als das Halten gewöhnlicher (singulärer) Long- oder Short-Positionen in Futures (Outright-Positionen), wie im Folgenden dargelegt.

[* Anmerkung: Der Begriff Position ist in Bezug auf Spreads nicht im strengen Wortsinne einer singulären, nur nach einer Seite hin offene Position zu verstehen, sondern benennt hier begreiflicherweise die zu einer Einheit zusammengestellte Position als Ganzes.]

Zurückzuführen ist das häufig zitierte herabgesetzte Risiko von Spread-Positionen gegenüber Outright-Positionen offenkundig auf ein aufs Engste verbundene (das ist ein weitgehend reziprokes, sich kompensierendes) Preisgefüge von in ihrer ökonomischen resp. zeitlichen Struktur mehr oder minder gleichartigen Basiswerten. Überhaupt zeigt die Erfahrung, dass die Preisentwicklungen in jenen Futures-Märkten, die miteinander in einer gewissen kausalen ökonomischen Verwandtschaft stehen, dazu tendieren, sich ganz ähnlich zu vollziehen, was bei richtig zusammengepaarten Spreads im konkreten Einzelfall anhand einer typisch hohen positiven statistischen Korrelation (= innige Wechselbeziehung) zwischen den betreffenden Märkten auf das deutlichste zum Ausdruck kommt. Dies führt im Allgemeinen dazu, dass sogar dann, wenn sich die Markterwartungen eines Traders im Nachhinein nicht erfüllen sollten, der aus dem einen Teil der Spread-Position erwachsende Verlust sich oftmals – bis auf Basisänderungen – zu einem guten Teil auffangen lässt durch den Gewinn aus der ihm gegenüberstehenden zweiten Futures-Position ("das andere Bein" des Spreads). Dennoch darf man sich keiner Täuschung darüber hingeben, dass jedes Engagement in Spreads – zumal bei durchschlagendem persönlichem Ungeschick – immer auch die höchst akute Gefahr des völligen Misslingens mit sich bringt. So kann eine Schieflage im Trading mit manch einem Spread das Vermögen des unglücklich arbitrierenden Händlers zuweilen gar empfindlich schmälern, besonders dann, wenn im Ergebnis beide Quoten eines Spreads so arg fehlschlagen, dass jede für sich ganz schwerwiegende Verluste einbringt.

Angesichts einer im großen Ganzen von Spread-Geschäften ausgehenden verminderten Wertgefahr verlangen die einzelnen Börsen (bzw. die kontoführenden Finanzinstitute) für die Öffnung von ausgesuchten Spread-Positionen in Futures im Regelfall deutlich reduzierte Ersteinschüsse ("initial margin"; hierbei meist als "spread-margin" bezeichnet). Die Margin-Leistungen für die geläufigsten Arten von Spreads liegen durchweg selbst unterhalb der Höhe eines herkömmlichen "maintenance margin" (welches bei Spreads ebenfalls niedriger ausfällt), wie es an den Marktplätzen gemeinhin für die einschichtigen spekulativ motivierten Positionen als Puffer veranschlagt wird. Damit rücken Spreads besonders auch in das Interesse von Haltern kleinerer Handelskonten. Doch Achtung: Übertragen auf anderweitige Ebenen wiederum, namentlich auf jene von Investitionssummen und Margin-Renditen, kann das mit Spreads verbundene Verlustrisiko, bedingt durch den verstärkten Hebeleffekt aus dem verringerten Margin-Erfordernis, mit Risiken aus alleinigen Futures-Positionen durchaus vergleichbar werden, wenn nicht gar übertreffen! Entsprechendes gilt nicht am wenigsten von Commodity-Spreads unterschiedlicher Erntejahre oder nicht lagerfähiger Waren.

Ein Spread wird aufgehoben, das Ergebnis realisiert, regelmäßig durch rechtzeitige Glattstellung seiner Teilpositionen ("unwinding", "backspreading"). Praktisch bedient sich der Spread-Trader hierzu der Einfachheit halber des von den Terminbörsen speziell bereitgestellten Orderinstrumentariums für Spreads ("spread order"), das nicht nur einen nahezu gleichzeitigen Aufbau, sondern auch eine gleichzeitige Glattstellung der zusammengepaarten Position direkt in die Wege leitet. Ohnedies ist die Einnahme eines spiegelbildlichen Geschäfts das übliche Verfahren, um das rechtliche Gebundensein an vertraglich auferlegte Pflichten aus einzelnen Futures, wie z. B. dingliche Liefer- und Abnahmeverpflichtungen von Waren oder Wertpapieren (unter Ausgleich der übrig bleibenden Zahlungsansprüche aus Marktwertänderungen über die Clearingstelle), vollständig wieder aufzuheben und das finanzielle Ergebnis aus der Position zu realisieren.

Ein Spread ist jedoch nicht untrennbar. Er lässt sich durch Schließung nur einer Anteil nehmenden Ration leicht wieder sprengen ("leg out"). Stellt der Inhaber eines Spreads im Zuge seiner Spekulationsstrategie lediglich Futures eines Teils seiner gesamten Spread-Position glatt, während er den erübrigenden Teil ("das andere Bein") weiterhin aufrechterhält ("to lift one leg"), so hat er zu gewärtigen, dass mit Herbeiführung der Vereinzelung die verbliebene spekulative Einzelposition augenblicklich von ihrem natürlichen Schutz entblößt ist. Denn bei der Letzteren handelt es sich nunmehr um eine ganz gewöhnliche "stand-alone"-Long- bzw. Short-Position in Futures, die notwendig mit dem ihr eigenen üblichen Risikopotenzial einhergeht und mithin angemessen mit der vollen regulären Margin-Summe unverzüglich zu decken ist.

Es sei nicht versäumt, abschließend noch darauf hinzuweisen, dass die Begründung eines Spreads ebenso gut auch sich herbeiführen lässt durch ungleichzeitigen Aufbau seiner einzelnen Bestandteile. Sofern die Umstände dem geschäftsgewohnten und umsichtigen Trader kein sofortiges Handeln abnötigen, wird dieser das gegenwärtige Preisgebäude zunächst einer reiflichen Analyse unterziehen und nach sorgfältigem Bedenken der Marktlage einen Spread allenfalls erst dann vollenden, wenn auf dem Boden der gewählten Trading-Strategie das Verhältnis der angehenden Terminkurse (Basis) zueinander im Moment des Entschlusses ganz besonders aussichtsreich erscheint ("leg into a spread"). In günstigen Marktsituationen lässt sich auf diese Weise nicht etwa nur ein bestehender Buchgewinn sichern, sondern aus der Wahrnehmung einer vorteilhaften Konstellation der Basis letztlich sogar ein zusätzlicher Ertrag ziehen. Andererseits liegt hierin stets eine gewisse Gefahr, durch zu langes Zögern eine an sich vielversprechende Trading-Chance kurzfristig zu verspielen. Für eine solche Form des Taktierens ist offenbar ein ausgesprochen hohes Maß an Geschicklichkeit und Professionalität erforderlich, und sie sei angesichts des damit sich einspielenden größeren Risikos dem weniger kundigen Spread-Trader deshalb auch nicht anempfohlen.

 

Aufzählung

Arten von Spreads:

Im Einzelnen umspannen Spreads in Futures die folgenden Erscheinungsformen:

Intra-Markt-Spread ("intramarket-spread"; auch intertemporaler oder "time"-Spread, "intermonth spread", "calendar spread", "calendar basis trade", "intracommodity-spread", Intra-Kontraktspread, "intracontract-spread" oder "interdelivery-spread" genannt): Diese überaus gebräuchliche und im Börsenleben entsprechend häufig anzutreffende Mischung setzt sich zusammen aus Futures mit Basiswerten ("underlying") von einerlei Art, die zwar jeweils an derselben Terminbörse, dort jedoch in verschiedenen Liefermonaten gehandelt werden. Als Beispiele hierzu lassen sich ein September10/Dezember10 Benzin-Spread an der New York Mercantile Exchange (NYMEX NY Harbor RBOB Gasoline) oder etwa auch ein Juli11/Oktober11 Zucker-Spread an der ICE Futures U.S. (NYBOT Sugar No. 11) anführen. Da jeder Spread der genannten Art sich stets aus einer Long- und einer Short-Position in einem gattungsgleichen "underlying" zusammensetzt, resultieren aus jeder Preisänderung im unterliegenden Markt mit einem Schlag entsprechend hohe Gewinne, denen gleichzeitig in der anderen Teilposition annähernd gleich hohe Verluste gegenüberstehen. Der Halter des nämlichen Spreads erhofft sich seinen Vorteil davon, dass aus bestimmten markttechnisch bedingten Ursachen im Hinblick auf bestehende Laufzeitunterschiede der Kurs der Long-Position stärker steigt bzw. weniger stark fällt als der Kurs der Short-Position. An den meisten Börsen wird diese viel beliebte Art eines Spreads auch als einheitliche Position anerkannt, was den besonderen Vorzug hat, dass er sich kraft einer einzigen Order bequem einrichten und auch wieder schließen lässt. Seine einzelnen Komponenten müssen also nicht extra mittels separater Orders geöffnet bzw. nachher umständlich durch gesonderte Orders extra wieder geschlossen werden.

Inter-Markt-Spread ("intermarket-spread", "location spread", "inter-exchange-spread"): Diese Kategorie eines Spread besteht aus Futures mit (zumindest der Art nach) gleichem Basiswert, welche jedoch an verschiedenen Terminbörsen notiert und gehandelt werden. Beispiel: Kauf von September10 Weizen am CBOT in Chicago und zugleich Verkauf von September10 Weizen an der Börse in Kansas City (KCBT). Dieser Spread lässt sich ebensowohl auch in Form eines "calendar spread" aufbauen, sofern er sich dabei auf unterschiedlichen Termine stützt. Der Gebrauch von "Location"-Spreads beruht im Regelfall auf bestimmten Arbirtage-Motiven, vor dem folgenden Hintergrund: Die Preisunterschiede von strukturell identischen Waren, die gleichzeitig an verschiedenen voneinander geographisch entfernten Orten gehandelt werden, dürfen die Transportkosten zwischen beiden Handelsräumen nicht überschreiten, widrigenfalls sich sofort gewinnträchtige Arbitragemöglichkeiten eröffneten. – Allerdings entfallen bei solcherart Spread gemeinhin die für Spreads sonst üblichen Reduzierungen bei den Margin-Erfordernissen.

Inter-Commodity-Spread ("intercommodity-spread", "intercontract-spread", "inter-product-spread" IPS, "intermarket-spread", "straddle"): Hierbei handelt es sich um eine Mischung von Futures, die sich von artverschiedenen, jedoch ökonomisch in mehr oder minder naher Beziehung stehenden und daher preislich positiv korrelierten Basiswerten herschreiben und die im Regelfall der Praxis auch an derselben Terminbörse und im selben Terminmonat gehandelt werden. Zweck einer solchen Positionierung ist es, von zeitweiligen (teils auch vorgezeichnet von saisonbedingten) Preisungleichgewichten zu profitieren. Beispiel: Kauf von Dezember-Weizen und Verkauf von Dezember-Mais an der Terminbörse CBOT der CME Group. Da Mais bei sporadischen Gelegenheiten als Ergänzungs- oder Substitutionsgut für Weizen Verwendung findet, werden sich die Preise beider Getreidearten im Allgemeinen relativ gleichförmig entwickeln. Weitere "horizontale" Mischungsmöglichkeiten wären etwa T-Bills und Eurodollar, "cattle" und "hogs", "oats" und "corn" bis hin zu "cotton" und "soybeans". Reduzierte Margin-Erfordernisse bei "intercontract-spread" kommen praktisch indes nur sehr selten vor.

Produkt-Spread ("product spread", "intercommodity-spread"): Darunter fällt der gleichzeitige Kauf und Verkauf von Futures auf eine bestimmte Ware und einer aus ihr abgeleiteten Ware. Beispiele für derartige Spreads, die über "vertikale Produktstufen" laufen, wären (1.) der Sojabohnen-Crush-Spread, der aus einer Long-Position in Sojabohnen und einer Short-Position in Sojaöl resp. Sojamehl besteht, oder der "Reverse Crush-Spread", der umgekehrt aus einer Short-Position in Sojabohnen und einer Long-Position in Sojaöl bzw. Sojamehl besteht; (2.) der sog. "Crack-Spread" bzw. der invertierte "Crack-Spread" ("reverse crack spread"), die Rohöl und jeweils eines seiner Produkte, wie beispielsweise Heizöl oder Benzin, zur Grundlage haben. Ein invertierter Crack-Spread Januar Heizöl (long)/Januar Rohöl (short) wird von spekulativ orientierten Akteuren etwa dann verwendet, wenn erwartet wird, dass – wie häufig zu beobachten – die Heizölpreise im Winter relativ stärker steigen als die Rohölpreise. Auch Produkt-Spreads bekommen von den Börsen einen Nachlass beim Margin.

Bei allen vorstehend genannten Spread-Formen lassen sich, sofern diese auf ungleichen Terminmonaten basieren, stets zwei verschiedene Typen von Spreads voneinander unterscheiden: 1.) der "bull"-Spread und 2.) der "bear"-Spread.

Aufzählung

Ein "bull"-Spread ist dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich nahe liegender Termin gekauft und daneben ein zeitlich fernerer Termin verkauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin darauf, dass im frühen Terminmonat die Kurse stärker steigen bzw. weniger stark fallen als im gegenüberstehenden zeitfernen Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich verstärkt ("stengthens").

 

Aufzählung

Ein "bear"-Spread hingegen ist dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich nahe liegender Termin verkauft und daneben ein entfernter Termin gekauft wird. Der Spread-Trader spekuliert mithin auf im näher liegenden Terminmonat stärker fallende bzw. weniger stark steigende Kurse als im gegenüberstehenden entfernten Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich abschwächt ("weakens").*

[* Anmerkung: Die beiden obigen Definitionen nehmen Bezug auf praktische Verhältnisse und Erfahrungen an den Märkten. Der Begriff "bull" kennzeichnet bekanntlich einen Markt, der von allgemein steigenden Kursen geprägt ist. Der Begriff "bear" dagegen charakterisiert einen Markt von allgemein sinkendem Kursniveau. Die Rechtfertigung der vorangehenden Auslegung leitet sich her von dem Erfahrungssachverhalt, dass informationsbedingte Richtungsänderungen von Kursen, zumal in den Warenmärkten, sich häufig und gerne zuerst in den liquideren frühen Terminen niederschlagen als in den weiter entlegenen ("Samuelson-Effekt"). Aus theoretischer Sicht eines "Cost of carry"-Modells, und gerade in "full-carry"-Märkten von "financial assets", scheint die umgekehrte Definition indes angezeigter.]

– Des Weiteren stößt man zuweilen auf eine Konstruktion, die unter der Aufschrift Butterfly-Spread bekannt ist: Hierbei handelt es sich um eine aufeinander abgestimmte Kombinationsform zweier Spreads. Ein Intramarket-Butterfly-Spread etwa wird eingeleitet über den "Kauf" eines relativ niedrig bewerteten Intra-Markt-Spreads, während ein relativ hoch bewerteter Intra-Markt-Spread "verkauft" wird. Der Spread-Trader in Butterfly-Spreads hält Ungleichgewichte in den relativen Preisdifferenzen zwischen beiden Spreads für zutreffend und baut in deren Gefolge seine Spekulation auf eine numerische Angleichung dieser Differenzen auf.

Vorstehende Auflistung der in der Praxis anzutreffenden Hauptformen von Spreads ist keineswegs abschließend, sondern bietet durchaus weiteren Spielraum für Mannigfaltigkeit.

Auf der nächsten Seite werden grundlegende Berechnungsmethoden sowie Beispiele für einige nützliche praktische Anwendungsfälle von Spreads vorgestellt.

 

 

Lesen Sie auf der folgenden Seite:

Spreads: Berechnung der Vorteilhaftigkeit und Trading in Spreads

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"Das Gewerbe kann auf dreierlei Weise gelehrt und erlernt werden:
erstlich handwerksmäßig, zweitens kunstmäßig, drittens wissenschaftlich."
Albrecht Daniel Thaer (1752-1828), Arzt und Professor der Kameralwissenschaft in Berlin

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 23. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.