Was
ist ein Spread in Futures?
Das Nebeneinander verschiedenartiger
Futures-Kontrakte von unterschiedlichen
Fristigkeiten mit ihren artenreichen Basisinstrumenten, alle in gleicher
Linie gehandelt an vielnamigen Terminbörsen
rund um den Erdkreis, erweitert das überkommene Entscheidungsfeld der
Marktakteure um ein reichhaltiges Spektrum von neuen, komplexeren Handlungsalternativen
in Gestalt von gesonderten Anlagekombinationen:
Spreads. Der Vielfalt und
Vielgestaltigkeit der daraus hervorgehenden zusätzlichen Anlageformen
und Handelsstrategien sind Grenzen gezogen im Prinzip allein durch die
Sinnhaftigkeit in der reichen Zahl von Kombinationsmöglichkeiten, die
zwischen den einzelnen, an den Plätzen weltweit anzutreffenden, unterschiedlich
ausgestalteten Futures-Produkten bestehen.
Der besondere Vorzug, den Spreads isoliert
gehaltenen Futures-Posten voraus haben, kommt für den sachkundigen,
risikobewussten Trader sofort darin zum Ausdruck, dass unter Wahrung
der Chancen auf ansehnliche Kursgewinne bei verhältnismäßig geringem
Kapitaleinsatz das Risiko von Vermögensverlusten in seinen Ausmaßen
leichter überschaubar und kalkulierbar wird. Die Gefahr eines Liquiditätsengpasses
oder gar jene eines Hineinmanövrierens in existenzgefährdende Situationen
verliert damit im Vergleich zu herkömmlichen spekulativen Positionen
in Futures stark an Gewicht.
Spreads
in Futures geben den Stoff
zu anspruchsvolleren spekulativen Techniken im Börsenterminhandel. Um
im Trading mit Spreads auf
anhaltende Dauer positive Ergebnisse zu erzielen, bedarf es im Ganzen
einer soliden Fundierung durch konsequent ausgeklügelte Trading-Strategien.
Derartige Verfeinerungen in der Planung, Methode und dem Vorgehen sind
allesamt aus dem Grundgedanken geboren, Futures auf geschickte Weise
in eine möglichst nützliche und sinnvolle Verbindung zueinander zu bringen.
Spread-Geschäfte sind demgemäß stets Doppelgeschäfte. Diese werden an
den Futures-Märkten eingeleitet durch Einnahme einer Kauf- (Long)
und, praktisch gleichzeitig und parallel dazu, Einnahme einer davon
unterscheidbaren Verkaufsposition (Short).
Zwar tragen die einzelnen der zu einem gemeinsamen Werk vereinigten
Long- und Short-Positionen in Futures hinsichtlich ihrer Ausgestaltung
(Spezifikation der Kontrakte)
in aller Regel gewisse übereinstimmende ökonomische Züge; beide Seiten
aber werden in mindestens einem ihrer typischen Merkmale sich klar gegeneinander
abgrenzen lassen (= unterschiedliche
Futures-Serien*). Während also beispielsweise eine Long-Position
in CBOT-Dezember-Weizen
und eine nebenher aufgerichtete Short-Position in
CBOT-Dezember-Mais
erkennbar als Spread in Futures daherkommen, kann man das etwa von der
eigentümlichen Mischung einer
COMEX-Juli-Kupfer-Long-Position
und einer ihr zur Seite geschickten
NYBOT-Dezember-Kaffee-Short-Position
nur schwerlich behaupten. – Nach Begründung eines Spread-Geschäfts durch
Herstellung einer gut durchdachten Zuordnung zweier Kontraktarten zu
einem zusammenhängenden Ganzen gilt das Hauptaugenmerk nun nicht mehr
den Risiken und Kurserwartungen jeder Position für sich allein genommen,
sondern vielmehr der Kursdifferenz zwischen den Kursen der Einzelpositionen
des Spreads (= Größe des Spreads,
"Spread-Preis", "premium") und der künftigen Änderung ihres Ziffernwertes,
was im Folgenden noch in ein helleres Licht gestellt werden soll.
[* Anmerkung:
Alle Futures-Kontrakte, die, den Preis ausgenommen, in sämtlichen ihrer
Wesensmerkmale und Ausprägungen übereinstimmen, lassen sich einer einheitlichen
Futures-Serie ("futures series") einreihen.]
Der Begriff Spread, entlehnt von
engl. »ausbreiten, ausstrecken, spreizen; Spanne«: so viel wie
Differenzgeschäft (hier aber nicht im rechtstechnischen Sinne
zu verstehen), wird in der Fachsprache des Terminhandels oft sehr unterschiedlich
benützt. So wird der Name "Spread" im Gegensatz zur Nomenklatur im Rahmen
von Optionsgeschäften im Zusammenhang mit gemischten Futures-Geschäften
landläufig mit dem Namen "Straddle" synonym verwendet
(dt. selten auch: Stellagegeschäft). Der Terminus "Spread" bzw.
"Straddle" (in den USA mitunter auch "Switch" genannt) bezeichnet im
Handel mit Futures ganz konkret ein planvoll kombiniertes Terminkontraktgeschäft
("combination"), das zur Entstehung kommt durch Formierung einer
Long/Short-Relation zwischen Marktinstrumenten, welche zwar unterschiedlichen
Gattungen angehören, die aber immerhin miteinander größere Ähnlichkeit
als Verschiedenheit zeigen. Streng genommen und grundsätzlich versteht
man im Terminhandel unter einem Spread allein das Ausmaß der Preisdifferenz
zwischen den Terminpreisen zweier gesonderter, gleichwohl ökonomisch
verwandter Finanzmarktderivate (Preis-Spread).*
[* Demnach bezeichnet
das Gebilde aus Long- und Short-Position den Straddle, dessen Preisdifferenz
den Spread. Ebenso treffend ließe sich für Letztere aber auch der Name
Basis verwenden. Der Begriff
Basis steht sonach in doppelter Hinsicht in Übung. Er kennzeichnet sowohl
beim Hedgegeschäft ("Preissicherungsgeschäft")
als auch bei kombinierten Terminkontraktgeschäften (Spreads in Futures)
die Preisdifferenz zwischen Marktpreisen in den einzelnen Teilpositionen,
gewendet auf jeweils ein und denselben beliebigen Betrachtungszeitpunkt.]
Im Kontext von gemischten Futures-Geschäften
werden die konstituierenden Elemente eines daraus hervorgehenden Spreads
in der figürlichen Alltagssprache der Händler bisweilen auch als
"die Beine" eines Spreads bezeichnet, wobei bei aller Verschiedenheit
im Einzelnen das eine "Bein" jedes Mal aus einer Verkaufs-Position
(Short), das andere "Bein" jedes Mal aus einer Kauf-Position*
(Long) in Futures besteht. Das Augenmerk richtet sich im Handel mit
Spreads, wie soeben erwähnt, vornehmlich auf prognostizierbare Änderungen
in der Preisdifferenz (=
Basisänderungen) "der Beine" eines Spreads – und zwar weitgehend losgelöst
vom augenblicklich herrschenden Kursniveau resp. des möglichen Ganges
in der Grundausrichtung des betreffenden Marktes selbst.
[* Anmerkung:
Die Beine eines Spreads müssen dabei nicht zwangsläufig im Verhältnis
der Parität, etwa immer nur linear in der Einzahl ("one-to-one"),
zueinanderstehen. Eine Position in Spreads kann sehr wohl dem Größenverhältnis
nach sich aus ganz ungleichzahligen Komponenten zusammensetzen ("tailed
spread"); sie muss aber zumindest in einem Kontrakt "long" und in
einem anderen Kontrakt "short" sein.]
Wenngleich vom Prinzip her ähnlich, unterliegen
Spread-Geschäfte im Anwendungszusammenhang grundsätzlich anderen Motiven
als man sie von den mit ihnen in naher Verwandtschaft stehenden Hedgegeschäften
her kennt. Denn beide reflektieren auf streng kontrastierende Ziele.
Die leitende Idee von
Hedging hat ihren
Inhalt in der Reduzierung von Preisunsicherheitsursachen, welche einem
präsenten, für sich allein stehenden offenen Posten im Spotmarkt bzw.
einem künftig erst noch einzurichtenden Spot- oder Termingeschäft eigen
sind, indem einem solchen eine gegenläufige Position in Form eines Ergänzungsgeschäfts
im Terminmarkt zu dessen Sicherung zeitweilig entgegengestellt wird,
während im Falle von Spreads die spekulative Ausnutzung von Preisunterschieden
zwischen verschiedenen Futures-Kontrakten der eigentliche Zweck
ist. Ein erfolgssicherer Handel mit Spreads stützt sich vorzugsweise
auf spezifische, klug ausgewählte Strategien, eingeschlagen in der Absicht,
bald durchgreifende strukturelle Änderungen von Wertzusammenhängen,
bald vermeintliche Unstimmigkeiten in ökonomisch fundierten Verbindungen,
und bald auch empirische Regelmäßigkeiten zwischen verschiedenen Futuresmärkten
gewinnbringend auszunützen. Ins Einzelne ausgeführt:
Der hellsichtige Spread-Trader rechnet
speziell darauf, dass die Kursnotiz des gekauften Terminkontrakts ("long")
steigt, während er wünscht und hofft, dass jene des diesem gegenüberstehenden
verkauften Terminkontrakts ("short") in gleichem Zuge fällt, jedenfalls
aber, dass erstere zum Mindesten in stärkerer Proportion steigt bzw.
in minder starker Proportion fällt als letztere. Mit einem Worte: Die
Long-Seite soll die Short-Seite im Wertzuwachs in einem möglichst hohen
Maße übertreffen. Anders als der Inhaber einer Futures-Position herkömmlichen
Stils ("outright-position", "straight futures", "stand-alone"-Position;
allg.: "Solo-Geschäft", singuläres Derivategeschäft), dessen Beachtung
vorrangig dem absoluten Kursniveau und dessen Änderung gilt, ist der
Trader in Spreads also hauptsächlich an relativen Preisverschiebungen
– d.i. an einer Ausweitung
bzw. Verringerung von Kursdifferenzen – zu seinen Gunsten interessiert.
Für ein einträgliches Spread-Trading (Spreading) kommt demzufolge alles
darauf an, aussichtsreiche Trends in ökonomisch oder markttechnisch
miteinander verflochtenen Märkten rechtzeitig aufzuspüren und geschickt
zu verwerten. Starker Preisausschläge bedarf es dazu nicht. Eine gute
Gewinnaussicht besteht selbst in flauen, eher stationären Marktphasen,
falls beide Marktsegmente sich nur konträr entwickeln. Ein weiterer
recht verheißungsvoller Ansatz im Spreads-Trading ist in einem frühzeitigen
Erkennen von temporären "Ungleichgewichten" zwischen den beobachteten
Kursnotizen verschiedener Futures gelegen, in Erwartung einer Korrektur
der wahrgenommenen Abweichungen und Ineffizienzen ("Anomalien") in unmittelbarer
zeitlicher Folge durch den Markt ("carrying charge spread").
Unter diesem Blickwinkel betrachtet rücken Spread-Strategien in die
Nähe einer Arbitrage,
denen damit indes aus sich heraus betont spekulative Züge anhaften ("Differenzarbitrage",
"Risikoarbitrage"). Der Spread-Trader wird mit ihrem Einsatz zum Risiko-Arbitrageur.
Das tätige Handeln mit Spreads trägt im
Allgemeinen den Charakter einer eher konservativen Trading-Strategie
an sich; denn der Inhaber einer Spread-Position* tauscht durch
sein koordiniertes Vorgehen, wie wir wissen, das absolute Preisänderungsrisiko
einer Singularposition gegen das Risiko einer Änderung in der Kursrelation
zwischen zwar verschiedenen, aber innerlich doch zusammenhängenden Futures,
das aller Erfahrung nach von deutlich bescheidenerem Ausmaß ist. Mögen
die Partikularmärkte auch noch so hastig fluktuieren, wird dies den
Gang des Preisspreads weithin unberührt lassen. Dieser notorische Erfahrungssachverhalt
schlägt sich gewöhnlich messbar nieder in einer merklich geringeren
Volatilität der Wertänderungen
der Gesamtposition. Das Halten eines Spreads ist de facto aber auf lediglich
dieser ersten Betrachtungsebene, nicht jedoch notwendigerweise auch
auf einer unter geändertem Blickwinkel betrachteten zweiten mit weniger
Risiko behaftet als das Halten gewöhnlicher (singulärer) Long- oder
Short-Positionen in Futures (Outright-Positionen), wie noch unten dargelegt.
[* Anmerkung:
Der Begriff Position ist in
Bezug auf Spreads nicht im strengen Wortsinne einer singulären, nur
nach einer Seite hin offene Position zu verstehen, sondern benennt hier
begreiflicherweise das zu einer Einheit zusammengestellte Konstrukt
als Ganzes.]
Zurückzuführen ist das häufig zitierte
herabgesetzte Risiko von Spread-Positionen gegenüber Outright-Positionen
offenkundig auf ein aufs Engste verbundene (das ist ein höchst ausgebreitetes
reziprokes, sich kompensierendes) Preisgefüge von in ihrer ökonomischen
resp. zeitlichen Struktur mehr oder minder gleichartigen Basiswerten.
Überhaupt zeigt die Empirie, dass die Preisentwicklungen in jenen Futures-Märkten,
die miteinander in einer gewissen kausalen ökonomischen Wechselbeziehung
stehen, dazu tendieren, sich über weite Strecken ganz ähnlich zu vollziehen,
was bei richtig zusammengepaarten Spreads typischerweise durch eine
hochgradig positive statistische
Korrelation
(= innige Wechselbeziehung)
zwischen den betreffenden Märkten auch zahlenmäßig auf das sinnfälligste
zum Ausdruck kommt. Dies führt nun im Allgemeinen dazu, dass selbst
wenn der Spread-Trader sich im Nachhinein in seinen Markterwartungen
getäuscht sieht, der aus dem einen Teil der Spread-Position erwachsende
Verlust sich oftmals – bis auf Basisänderungen – zu einem guten Teil
auffangen lässt durch den Gewinn aus der ihm gegenüberstehenden zweiten
Futures-Position ("das andere Bein" des Spreads). Dennoch darf man sich
keiner Täuschung darüber hingeben, dass jedes Engagement in Spreads
– zumal bei mangelnder Kenntnis der Märkte oder durchschlagendem persönlichem
Ungeschick – immer auch die höchst akute Gefahr des völligen Misslingens
mit sich bringt. So kann eine Schieflage im Trading mit manch einem
Spread das Vermögen des unglücklich arbitrierenden Händlers zuweilen
gar empfindlich schmälern, besonders dann, wenn im Schlussergebnis beide
Quoten eines Spreads so arg fehlschlagen, dass jede für sich ganz schwerwiegende
Verluste einbringt.
Angesichts einer im großen Ganzen von
Spread-Geschäften herrührenden verminderten Wertgefahr verlangen die
einzelnen Börsen (und normalerweise auch die kontoführenden Finanzinstitute)
für die Öffnung von ausgesuchten Spread-Positionen in Futures im Regelfall
deutlich reduzierte Ersteinschüsse ("initial
margin"; hierbei meist als "spread-margin" bezeichnet).
Die Margin-Leistungen für die im Marktverkehr geläufigsten Arten von
Spreads liegen durchweg selbst unterhalb des Satzes für ein herkömmliches
"maintenance
margin" (welches sodann für jene Spreads ebenfalls niedriger ausfällt),
wie es gemeinhin an den Plätzen für die einschichtigen spekulativ motivierten
Positionen als Puffer veranschlagt wird. Dies hat nicht nur den Vorteil
einer geringeren Liquiditätsbelastung, sondern ermöglicht auch eine
Verbesserung an Diversifikationsmöglichkeiten der Anlagemittel. Ebendeshalb
rücken Spreads besonders auch in das Interesse von Haltern kleinerer
Handelskonten, die damit zudem die Gelegenheit erhalten, ihre Einzelengagements
breiter zu streuen. Doch Achtung: Übertragen auf anderweitige Ebenen
wieder, namentlich auf jene von Investitionssummen und deren
Margin-Renditen
("return on investment"), kann das mit Spreads verbundene Verlustrisiko,
verstärkt durch den vervielfältigten
Hebeleffekt aus
dem verringerten Margin-Erfordernis, mit Risiken aus alleinigen Futures-Positionen
durchaus vergleichbar werden, wenn nicht gar übertreffen! Entsprechendes
gilt nicht am wenigsten von Commodity-Spreads unterschiedlicher Erntejahre
und ganz besonders von Spreads in nicht lagerfähigen Waren.
Ein bestehender Spread wird aufgehoben,
sein Ergebnis realisiert, regelmäßig durch ordentliche
Glattstellung
seiner Teilpositionen ("unwinding", "backspreading").
Praktisch bedient sich der Spread-Trader hierzu der Einfachheit halber
des von den Terminbörsen speziell bereitgestellten Orderinstrumentariums
für Spreads ("spread
order"). Mit dessen Hilfe leitet er nicht nur einen nahezu gleichzeitigen
Aufbau, sondern auch eine gleichzeitige Glattstellung der zusammengepaarten
Position mit einem Wurf in die Wege. Ohnedies ist die Einnahme eines
spiegelbildlichen Geschäfts das übliche Verfahren, um das rechtliche
Gebundensein an vertraglich auferlegte Pflichten aus den einzelnen Futures,
wie z.B. dingliche Liefer-
und Abnahmeverpflichtungen von Waren oder Wertpapieren, wieder vollständig
aufzuheben und unter Ausgleich der übrig bleibenden Zahlungsansprüche
aus Marktwertänderungen über die eingeschaltete Clearingstelle das finanzielle
Ergebnis aus der Position zu realisieren.
Ein Spread als solcher ist jedoch nicht
untrennbar. Er lässt sich durch Schließung bis auf eine Anteil nehmende
Ration leicht wieder sprengen ("leg out"). Stellt der Inhaber
eines Spreads im Zuge seiner Spekulationsstrategie lediglich Futures
eines Teils seiner Spread-Position glatt, während er den erübrigenden
Teil ("das andere Bein") weiterhin aufrechterhält ("to lift one leg"),
so hat er zu gewärtigen, dass mit Herbeiführung der Vereinzelung die
verbliebene spekulative Einzelposition augenblicklich von ihrem natürlichen
Schutz entblößt ist. In der Letzteren lebt die ganz gewöhnliche "stand-alone"-Long-
bzw. Short-Position in Futures wieder auf, die notwendig das ihr eigene
übliche Risikopotenzial mit sich führt und darum auch im gleichen Augenblick
angemessen mit der vollen regulären Margin-Summe zu decken ist.
Es sei nicht versäumt, abschließend noch
darauf hinzuweisen, dass die Begründung eines Spreads sich prinzipiell
ebenso gut herbeiführen lässt durch ungleichzeitigen Aufbau seiner einzelnen
Bestandteile. Dies wird ohnehin notwendig, wenn für den ausgesuchten
Spread von der Börse Einzelorders nicht akzeptiert wird. Überdies können
taktische Überlegungen einen stufenweisen Aufbau bedingen. Sofern nämlich
die Umstände dem geschäftsgewohnten, umsichtigen Trader kein sofortiges
Handeln abnötigen, wird dieser das gegenwärtige Preisgebäude zunächst
einer reiflichen Analyse unterziehen, und nach sorgfältigem Bedenken
der Marktlage einen Spread allenfalls erst dann zur Vollendung bringen
suchen, wenn auf dem Boden der gewählten Trading-Strategie im Moment
des Entschlusses das Verhältnis der angehenden Terminkurse (Basis)
zueinander die Chancen auf eine Anziehung oder Ausdrehung des Spread-Preises
besonders aussichtsreich erscheinen lässt ("leg into a spread").
Im Falle unterschiedlich liquider Märkte wird er vernünftigerweise denjenigen
Markt zuerst betreten, der sich weniger liquide zeigt, weil der andere
leichter zugänglich ist. In günstigen Marktsituationen lässt sich auf
diese Weise nicht etwa nur ein bestehender Buchgewinn sichern und allmählich
ausbauen, sondern letztlich sogar ein zusätzlicher Ertrag ziehen aus
der prompten Wahrnehmung einer vorteilhaften Konstellation der Basis.
Andererseits liegt hierin stets eine gewisse Gefahr, wegen allzu langen
Zögerns oder mangelnder Marktliquidität eine an sich vielversprechende
Trading-Chance für den Moment jedenfalls verscherzt zu haben. Ein Taktieren
solchergestalt erfordert ganz offenbar ein ausgesprochen hohes Maß an
Geschicklichkeit und Professionalität, und es sei angesichts des damit
erkauften erhöhten Verlustrisikos dem weniger kundigen Spread-Trader
deshalb auch nicht anempfohlen.
Im Einzelnen umspannen Spreads in Futures
die folgenden Erscheinungsformen:
– Intra-Markt-Spread ("intramarket-spread";
auch intertemporaler oder "time"-Spread, "intermonth
spread", "calendar spread", "calendar basis trade",
"intracommodity-spread", Intra-Kontraktspread, "intracontract-spread"
oder "interdelivery-spread" genannt): Diese überaus gebräuchliche
und im Börsenleben entsprechend häufig anzutreffende Mischung setzt
sich zusammen aus Futures mit Basiswerten ("underlying") von
einerlei Art, die zwar jeweils an derselben Terminbörse gehandelt, dort
jedoch in verschiedenen
Liefermonaten eingenommen
werden. Als Beispiele hierzu lassen sich ein an der New York Mercantile
Exchange eingerichteter September12/Dezember12 Benzin-Spread (NYMEX
NY Harbor RBOB Gasoline) oder etwa auch ein an der ICE Futures U.S.
aufgebauter Juli12/Oktober12 Zucker-Spread (NYBOT
Sugar No. 11) anführen. Da jeder Spread der genannten Art sich stets
aus einer Long- und einer Short-Position in einem gattungsgleichen "underlying"
zusammensetzt, resultieren aus jedem Preiswechsel im unterliegenden
Markt mit einem Schlag in der einen Teilposition Gewinne von entsprechender
Höhe, denen in der anderen Verluste auf gleichem Fuß gegenüberstehen.
Der Halter des nämlichen Spreads erhofft sich seinen Vorteil davon,
dass bestimmte markttechnische Kräfte, die in den bestehenden Laufzeitunterschieden
ihre Ursachen haben, den Kurs der Long-Position stärker heben bzw. weniger
stark senken als den Kurs der Short-Position. An den meisten Börsen
wird diese viel beliebte Art eines Spreads auch als einheitliche Position
anerkannt, was wieder den besonderen Vorzug hat, dass er sich mittels
einer einzigen Order bequem
einrichten und auch wieder schließen lässt. Seine einzelnen Komponenten
müssen also nicht extra durch separate Orders geöffnet bzw. nachher
umständlich durch gesonderte Orders extra wieder geschlossen werden.
– Inter-Markt-Spread ("intermarket-spread",
"location spread", "inter-exchange-spread"): Diese Kategorie
eines Spread besteht aus Futures mit (zumindest der Spezies nach) gleichem
Basiswert, welche jedoch an verschiedenen Terminbörsen notiert und gehandelt
werden. Als Beispiel anführen lässt sich der Kauf von September12 Weizen
am CBOT in Chicago bei gleichzeitigem Verkauf von September12 Weizen
an der Börse in Kansas
City (KCBT). Dieser Spread lässt sich ebensowohl auch in Form eines
"calendar spread" aufbauen, sofern er sich dabei auf unterschiedlichen
Termine stützt. Der Gebrauch von "Location"-Spreads beruht im Regelfall
auf bestimmten Arbirtage-Motiven.
Vor dem folgenden Hintergrund: Die Preisunterschiede von generisch bestimmten
Waren ganz gleichen Zuschnitts, die an verschiedenen voneinander geographisch
entfernten Orten gleichzeitig gehandelt werden, dürfen die Transportkosten
zwischen beiden Handelsräumen nicht überschreiten, widrigenfalls sich
sofort gewinnträchtige Arbitragemöglichkeiten eröffneten. – Allerdings
entfallen bei solcherart Spread gemeinhin die für Spreads sonst üblichen
Abschläge bei den Margin-Erfordernissen.
– Inter-Commodity-Spread ("intercommodity-spread",
"intercontract-spread", "inter-product-spread" IPS,
"intermarket-spread", "straddle"): Hierunter versteht man
eine Mischung von Futures, die dadurch charakterisiert ist, dass diese
sich zwar von artverschiedenen, jedoch in einer mehr oder minder nahen
ökonomischen Beziehung stehenden und daher preislich positiv korrelierten
Basiswerten herschreiben. Im Regelfall der Praxis werden seine Elemente
auch an derselben Terminbörse und in demselben Terminmonat gehandelt.
Zweck einer solchen Positionierung ist es, von zeitweiligen (teils auch
vorgezeichnet von saisonbedingten) Preisungleichgewichten zu profitieren.
Beispiel: Kauf von Dezember-Weizen und Verkauf von Dezember-Mais an
der Terminbörse CBOT
der CME Group. Da Mais bei sporadischen Gelegenheiten als Ergänzungs-
oder Substitutionsgut für Weizen Verwendung findet, werden sich die
Preise beider Getreidearten im Allgemeinen relativ gleichförmig entwickeln.
Weitere "horizontale" Mischungsmöglichkeiten wären etwa T-Bills und
Eurodollar, "cattle" und "hogs", "oats" und "corn" bis hin zu "cotton"
und "soybeans". Reduzierte Margin-Erfordernisse bei "intercontract-spread"
kommen praktisch indes nur sehr selten vor.
– Produkt-Spread ("source-product
spread", "product spread", "intercommodity-spread"):
Hierunter fällt der gleichzeitige Kauf und Verkauf von Futures auf eines
bestimmten Rohprodukts und eines oder einer gewissen Anzahl der aus
ihm hergestellten Fabrikate. Beispiele für derartige Spreads, die, wie
man sagt, über "vertikale Produktstufen" laufen, sind (1.) der Sojabohnen-Crush-Spread,
der aus einer Long-Position in Sojabohnen und einer darauf zahlenmäßig
abgestimmten Short-Position in Sojaöl und/oder Sojamehl besteht, oder
der "Reverse Crush-Spread", der umgekehrt aus einer Short-Position
in Sojabohnen und einer Long-Position in Sojaöl resp. Sojamehl besteht;
(2.) der sog. "Crack-Spread" bzw. der invertierte "Crack-Spread"
("reverse crack spread"), die Rohöl und dessen Produkte, wie
beispielsweise Heizöl oder Benzin, oder auch beide zusammen in bestimmten
festen Verhältnissen zur Grundlage haben. Gewöhnlich haben alle Kontrakte
den gleichen Fälligkeitstermin, der bei den Fabrikaten manchmal aber
auch um einen Monat nach vorn versetzt wird. Ein invertierter Crack-Spread
Januar Heizöl (long)/Januar Rohöl (short) etwa wird von spekulativ orientierten
Akteuren oftmals dann verwendet, wenn zu erwarten steht, dass – wie
häufig zu beobachten – die Heizölpreise im Winter relativ stärker steigen
als die Rohölpreise. Auch Produkt-Spreads bekommen von den Börsen in
aller Regel einen Nachlass beim Margin.
Bei allen vorstehend
genannten Spread-Formen lassen sich,
sofern diese auf ungleichen Terminmonaten basieren, stets zwei verschiedene
Typen von Spreads voneinander unterscheiden: 1.) der "bull"-Spread
und 2.) der "bear"-Spread.
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Ein "bull"-Spread ist dadurch
charakterisiert, dass ein zeitlich nahe liegender Termin gekauft
und nebenher ein zeitlich fernerer Termin verkauft wird. Der Spread-Trader
spekuliert mithin darauf, dass im frühen Terminmonat die Kurse stärker
steigen bzw. weniger stark fallen als im gegenüberstehenden zeitfernen
Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich verstärkt
("stengthens").
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Ein "bear"-Spread hingegen
ist dadurch charakterisiert, dass ein zeitlich nahe liegender Termin
verkauft und nebenher ein entfernter Termin gekauft wird. Der Spread-Trader
spekuliert mithin auf im näher liegenden Terminmonat stärker fallende
bzw. weniger stark steigende Kurse als im gegenüberstehenden entfernten
Terminmonat. Der Trader profitiert, wenn der Spread sich abschwächt
("weakens").*
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[* Anmerkung: Die
beiden obigen Definitionen nehmen Bezug auf praktische Verhältnisse
und Erfahrungen an den Märkten. Der Begriff "bull" kennzeichnet bekanntlich
einen Markt, der von allgemein steigenden Kursen geprägt ist. Der Begriff
"bear" dagegen steht für einen Markt von allgemein sinkendem Kursniveau.
Die Rechtfertigung der vorangehenden Auslegung leitet sich her von dem
Erfahrungssachverhalt, dass informationsbedingte Richtungsänderungen
von Kursen, zumal in den Warenmärkten, sich häufig und gerne zuerst
in den liquideren frühen
Terminen niederschlagen
denn in den weiter entlegenen ("Samuelson-Effekt"). Aus theoretischer
Sicht eines "Cost of carry"-Modells,
und gerade in "full-carry"-Märkten von "financial assets", scheint die
entgegengesetzte Definition indes angezeigter.]
– Des Weiteren stößt man zuweilen auf
eine Konstruktion, die unter der Aufschrift Butterfly-Spread
weithin bekannt ist: Hierbei handelt es sich um eine speziell aufeinander
abgestimmte Kombinationsform zweier Spreads. Ein Intramarket-Butterfly-Spread
etwa wird eingeleitet über den "Kauf" eines relativ niedrig bewerteten
Intra-Markt-Spreads, während ein relativ hoch bewerteter Intra-Markt-Spread
"verkauft" wird. Der Spread-Trader in Butterfly-Spreads hält Ungleichgewichte
in den relativen Preisdifferenzen zwischen den zusammengeballten Spreads
für zutreffend und baut in deren Gefolge seine Spekulation auf eine
numerische Angleichung dieser Niveaudifferenzen auf.
Die vorstehende wirtschaftlich-technische
Zusammenstellung der in der Praxis anzutreffenden Hauptformen von Spreads
ist keineswegs abschließend, sondern bietet durchaus weiteren Spielraum
für Mannigfaltigkeit.
Auf der nächsten Seite werden grundlegende
Berechnungsmethoden sowie Beispiele für einige nützliche praktische
Anwendungsfälle von Spreads näher vorgestellt.
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