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Neben einfachen limitierten
und unlimitierten Orderarten sind an den meisten Terminbörsen auch ganz
bestimmte strategisch ausgerichtete kombinierte Aufträge ("strategy
orders") ausdrücklich erlaubt. Strategisch kombinierte Orders
tragen zur Erhöhung der Planungssicherheit dadurch bei, dass sich sämtliche
Teil-Orders, aus denen sie sich zusammensetzen, in sinnvoller Weise
konzeptionell aufeinander abstimmen lassen.
Die
OCO-Order ("one cancels other-", "order cancels order-"
oder "alternative order") setzt sich als solche aus zwei separaten
Orders zusammen, die aber beide auf einem Orderticket als deren Orderbestandteile
vermerkt und fortan auch als Einheit gehandhabt werden. Durch eine derart
koordinierte Order wird der Broker angewiesen, in jenem Augenblick,
in dem eine der beiden Teilorders im Markt Erledigung finden konnte,
die andere, nun übrig gebliebene Order im gleichen Moment selbsttätig
zu stornieren.
Beide
Arten von Teilorders als Elemente einer OCO-Order sind grundsätzlich
völlig frei gestaltbar und insofern formal unabhängig voneinander. Es
spielt also keine Rolle, ob es sich dabei um eine Kombination von Kauf-,
Verkaufs- bzw. Limit-, Stopp- oder anderer Orderarten handelt. In der
Praxis verkörpert jedoch eine der Teilorders regelmäßig eine
Limitorder, die
andere dagegen eine Stopp-Order.
Auch
beim Einsatz kombinierter Orderarten ist wiederum dem Erfordernis Rechnung
zu tragen, dass der Stopp-Kurs einer Kauf-Stopp-Order über
dem aktuellen Marktpreis, der Limit-Kurs der Kauf-Limitorder
unter dem aktuellen Marktpreis liegen muss. Mit umgekehrten Vorzeichen
gilt: Der Stopp-Kurs der Verkaufs-Stopp-Order liegt unter
dem aktuellen Marktpreis und der Limit-Kurs der Verkaufs-Limitorder
über dem aktuellen Marktpreis. Hierzu sei ein Beispiel für eine
Hausse-Spekulation unter Verwendung einer OCO-Order angeführt:
Der
Kurs des Oktober2010-Gold-Futures wird in einem angenommen ruhigen,
wenig schwankenden Markt mit derzeit 1080 (US-$ je Feinunze) notiert.
Ein Händler, der diesen Markt schon seit geraumer Zeit beobachtet, erwartet,
dass der Gold-Futures zwar kurzfristig noch etwas nachgeben, auf längere
Sicht jedoch im Kurs stark steigen wird. Unser Anleger könnte nun einfach
eine Limitorder erteilen, ausgestattet mit einem Limitkurs knapp unter
1080. Dies birgt indes die Gefahr, dass der Gold-Futures zu steigen
beginnt, ohne dass vorher der Limitkurs noch einmal erreichbar ist,
und unser Anleger somit erst gar nicht am erhofften Kursanstieg zu partizipieren
vermag. Um auch in Lagen einer solchen Eventualität angemessen zu disponieren,
kommt die OCO-Order in Betracht. Der Händler könnte nun folgende OCO-Order
formulieren: "Either Buy 5 October10 Gold at 1079 or Buy 5 October10
Gold at 1082, Stop".
Fällt
daraufhin der Oktober-Gold-Futures auf 1079 oder darunter, so gelangt
die Limitorder zur Ausführung, und die dazugehörige Stopp-Order wird
gleichzeitig vorschriftsmäßig gecancelt. Der Händler besäße damit eine
Long-Position in Oktober-Gold-Futures zu einem Einstandskurs von 1079.
Steigt hingegen der Oktober-Gold-Futures, ohne dabei vorher noch einmal
zurückzufallen, auf über 1082, so kommt es zur Ausführung der Stopp-Order
und die Limitorder wird automatisch gecancelt. Der Investor hätte damit
eine Long-Position zu 1082 in Oktober-Gold-Futures in einem hier annahmegemäß
steigenden Markt.
Eine
OCO-Order kommt dem Prinzip nach immer dann zum Zuge, wenn es zweckmäßig
ist, zwei zwar in enger Beziehung zueinander stehende, sich aber gegenseitig
ausschließende Orders zu formulieren. Bei ordnungsgemäßer Ordererteilung
und vom Broker korrekt gehandhabter OCO-Order schließen Sie dadurch
die Möglichkeit einer gleichzeitigen Ausführung beider Orderbestandteile
einer OCO-Order zuverlässig aus. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet,
sind OCO-Orders anwendungstechnisch voneinander abhängige Orders, die
sich selbständig zu koordinieren vermögen.
Achtung:
Wie es im Handelsverkehr bei Limitorders gängige Praxis ist, wird stillschweigend
unterstellt, dass der Händler mit einer
Teilausführung
seiner Limitorder einverstanden ist! Was von Limitorders selbst, gilt
auch von Limitorders als Bestandteil von OCO-Orders. Kommt es hierbei
tatsächlich zu einer Teilausführung der Limitorder als Bestandteil einer
OCO-Order, wird jedoch der Stopp-Order-Teil automatisch um die Anzahl
der bereits georderten Futures-Kontrakte reduziert.
Zu beachten ist letztlich,
dass ebenso wie bei einzelnen Limitorders die Limitkurse eine bestimmte
Mindestanzahl von "ticks"
vom letztgehandelten Futureskurs entfernt sein sollten (meist nur einige
wenige), um von allen Terminbörsen stets sofort und vorbehaltlos als
Limitorders akzeptiert zu werden. Detaillierte Informationen hierzu
erhalten Sie von Ihrem Broker oder der jeweiligen Terminbörsen.
Bei einer
Basis-Order, oder auch "contingent order" oder "If-done-order
Next-order" genannt, handelt es sich ebenso wie bei der
OCO-Order konzeptionell um zwei gedanklich
voneinander gesonderte Orders, indes extra als Einheit vermerkt auf
einem gemeinsamen Order-Ticket. Mit Verwendung einer Basis-Order ersuchen
Sie Ihren Broker darum, jene Teil-Order, die den zweite Bestandteil
bildet, erst dann zu besorgen, wenn zuvor die erste Teil-Order erfolgreich
ausgeführt werden konnte. M. a.
W. die Berücksichtigung der zweiten Order ist abhängig von der
Ausführung der ersten Order. Beispiel: "First Sell 3 December10 Gold
COMEX at 1070 Stop - Contingent - Buy 3 December10 Gold COMEX at 1069".
Erst wenn die erste Order ausgeführt werden konnte,
wird die zweite von ihr abhängige Order dadurch aktiviert. Die zweite,
abhängige Order wird somit auch bei Erreichen ihres Limit- bzw. Stopp-Kurses
nicht ausgeführt werden, solange die erste Order unausgeführt bleibt.
Die "contingent
order" ist ein Spezialfall der CMO-Order ("contingent multiple
orders" oder "combination orders"), einer Sequenz mehrerer
voneinander abhängiger Orders, die der Reihe nach auszuführen sind.
Ist eine der Orders in der Kette nicht ausführbar, werden alle nachfolgenden,
abhängigen Orders automatisch storniert.
AON-Orders
("All-or-None-Orders") sind dadurch charakterisiert, dass sie
stets in einem Handel, zu einem einheitlichen Preis und dabei in vollem
Umfange auszuführen sind; andernfalls ist eine AON-Order zu canceln.
Der FOK-Order vergleichbar
ist die AON-Order insofern als sie prinzipiell keine Teilausführungen
erlaubt.
Der Unterschied
zur FOK-Order liegt dabei in der Zeitkomponente: AON-Orders werden
nicht automatisch storniert, wenn keine unverzügliche und vollständige
Orderausführung erzielbar ist. Der Anleger vermeidet somit, dass seine
Order zu verschiedenen Zeitpunkten und damit einhergehend oftmals zu
unterschiedlichen Kursen ausgeführt wird, ohne sich dabei auf einen
genauen Zeitpunkt zu fixieren.
Der
Nachteil, der einer AON-Order anhaftet, besteht darin, dass dieser Orderart
gewöhnlich nur ein sehr geringer Prioritätsrang beigezählt wird. Sie
steht somit erst dann zur Ausführung an, nachdem alle vorrangigen Orders,
insbesondere also Markt- und Limitorders, zum aktuellen Marktpreis bedient
werden konnten.
Soll
eine Order zwar mit nur einem Handelsakt, aber nicht unbedingt in ihrem
vollen Umfang, sondern lediglich zu einem Mindestvolumen ausgeführt
werden, so käme vorzugsweise die MV-Order
("minimum volume order") zur Anwendung.
Mit Einreichung
einer "discretionary order" überträgt der Kunde (Vollmachtgeber)
vorübergehend oder auch auf Dauer Handelsvollmacht auf einen
Kontenbetreuer ("account executive") des beauftragten Handelshauses.
Der Rückgriff auf eine Vertretungsbefugnis durch Erteilung einer Handelsvollmacht
ist für den Kunden im Allgemeinen immer dann sinnvoll, wenn dieser nicht
willens oder außerstande ist, sich selbst um seine Börsengeschäfte zu
kümmern (z. B. dann, wenn
er vorübergehend selbst zu handeln verhindert ist, etwa weil er anderweitig
beschäftigt ist, oder weil er wegen Urlaub, Krankheit usf. für eine
bestimmte Zeit nicht anzutreffen ist), während er vollständig in den
Sachverstand und die Handelsfähigkeiten der Mitarbeiter des Kommissionshandelshauses
vertrauen kann ("trading on behalf").
Bei
"discretionary orders" unterscheidet man üblicherweise zwischen "full
discretionary orders", auf deren Grundlage das Brokerhaus vollständige
Handelsvollmacht über ein Kundenkonto erhält (Verwaltungsfunktion),
und "limited discretionary orders", welche dem Brokerhaus lediglich
eingeschränkte Handelsvollmacht übertragen, z.
B. nur auf Ausführungsbasis. Letztere Form kann beispielsweise
Bezug nehmen auf vorher getroffene individuelle Vereinbarungen rücksichtlich
ganz bestimmter Orderbestandteile, wie etwa darauf, dass lediglich der
Kurs eines Terminkontraktgeschäfts noch festzulegen ist oder dass das
"timing" von Orders – also der genaue Zeitpunkt der Orderplatzierung
– zur Disposition steht.
Andererseits
können "limited discretionary orders" auf der Grundlage spezieller Konten,
namentlich sog. "limited dicretionary accounts" (auch "controlled
accounts" oder "managed accounts" genannt), erteilt werden.
"Limited dicretionary accounts" sind dadurch charakterisiert, dass der
Kundenbetreuer des beauftragten Brokerhauses zwar uneingeschränkte
Handelsvollmacht besitzt, jedoch keine Befugnis hat, Geld vom Kundenkonto
abzuheben oder darauf einzuzahlen.
Eine
gänzlich andere Art von Handelsvollmacht repräsentiert die "market
not held order" (die manchmal auch "open order", DRT-Order,
"disregard tape-order" genannt wird). Hierdurch erhält der "floor
broker" vom Kunden unter Wahrung seiner Interessen vollständige Handlungsvollmacht,
die verbunden ist mit einem Ermessensspielraum, welcher sich sowohl
auf den anzusetzenden Kurs als auch auf den Zeitpunkt der Ausführung
einer in Frage stehenden Order erstreckt. Die Qualität der Orderausführung
ist damit unweigerlich an die Fähigkeit des Brokers geknüpft, unter
den obwaltenden Marktverhältnissen den richtigen Moment für die Ausführung
adäquat einzuschätzen. Beispiel:
"Sell
2 December10 Euro FX Futures at 1,3810, not held". Danach wird dem
"floor broker" gestattet, auf der Grundlage seiner Einschätzung
des Marktes auf bessere Marktpreise (d.
h. hier: auf höhere Euro-FX-Futureskurse) zu warten, und erst
dann die Orderausführung herbeizuführen. Sollte der Euro-FX-Futureskurs
allerdings wider erwarten nachhaltig unter 1,38 (US-$) fallen, ohne
dass es dem Broker vorher gelang, die fragliche Order im Markt auszuführen,
so kann er dafür anschließend nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Eine
weitere, weniger weit reichende Art von Handelsvollmacht liegt dem folgenden
Beispiel zugrunde: "Buy 3 December10 Heating Oil at 0,9950
with 2 points discretion". Der "floor broker" wird hierdurch autorisiert,
den Kauf von drei Dezember 2010 Heizöl Futures-Kontrakten nötigenfalls
auch zu 0,9952 US-$ pro Gallone zu besorgen, sofern dies seiner Einschätzung
nach in einem entscheidenden Zeitpunkt für eine vorteilhafte Orderausführung
erforderlich werden sollte.
Gesetzt
den Fall, Sie beabsichtigen eine zuvor erteilte Order ersatzlos zu widerrufen,
so kommt dafür typischerweise die CXL-Order zum Zuge. Die CXL-Order
weist den Broker an, eine bereits bestehende und auf Ausführung harrende
("working") Order umgehend wieder aufzuheben. Ist dies abschließend
geschehen, erhalten Sie hiernach zwei Bestätigungen von Ihrem Kundenbetreuer
zurück: Die erste betrifft die ursprünglich zu streichende Order nebst
ihrer Ordernummer, die zweite die Stornierungsbestätigung. Beispiel:
"This is account no. 13579 ... Straight cancel: Buy 3 March11 Crude-Oil
at 64". Hierdurch wird eine vorher erteilte Kauf-Limitorder, drei
März 2011
Crude-Oil-Futures
zu 64 US-$ je Barrel zu kaufen, ersatzlos wieder aus dem Markt genommen.
CXL-Orders
kommen praktisch überwiegend gegen Börsenschluss zum Einsatz, nämlich
dann, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Orderausführung jetzt nur noch
gering ist bzw. der aktuelle Marktpreis aufgrund der Marktentwicklung
nunmehr unvorteilhaft erscheint.
Die
CFO-Order hat den Zweck, eine zuvor erteilte Order geradewegs
zu widerrufen und Letztere in einem Zuge durch eine andere Order zu
ersetzen. Beispiel: "Sell 5 September10 Coffee at 135,25 CFO 136,15".
Hierdurch wird der Broker beauftragt, eine zuvor erteilte, aber noch
nicht ausgeführte Order, nämlich fünf September10-Kaffee-Futures zu
136,15 US-¢/lb zu verkaufen, zu ersetzen durch eine neue Verkaufs-Limitorder,
so dass jetzt fünf September Kaffee-Futures zu nunmehr 135,25 US-¢/lb
zu verkaufen sind. Selbstverständlich hätte hier auch zunächst eine
CXL-Order formuliert und daraufhin die berichtigte
Verkaufs-Limitorder erteilt werden können.
Gelegentlich
erreicht die ersetzende Order die Börse nicht mehr rechtzeitig, um ihren
Zweck zu erfüllen, weil die zu ersetzende Order bereits kurz zuvor ausgeführt
werden konnte. In diesem Falle erhalten Sie eine Ausführungsbestätigung
über Ihre ursprüngliche Order mit dem Zusatz: "Too late to cancel"
(TLTC). Parallel dazu wird die ersetzende Order automatisch storniert.
CFO-Orders
werden insbesondere von professionellen Marktteilnehmern bevorzugt eingesetzt,
da sie generell eine schnellere Abwicklung versprechen und erfahrungsgemäß
auch auf ein in sich geschlossenes Trading-Konzept zurückführen.
EFP-Orders, die
auch als "ex-pit"-, "against actual"- oder "versus
cash-orders" bezeichnet werden, umfassen bilaterale Vereinbarungen
zweier Parteien über den Austausch von Futures-Kontrakten gegen die
jeweils zugrunde liegenden physischen Marktgegenstände, und zwar noch
vor Fälligkeit der einzelnen Kontrakte. Hierbei werden sämtliche Vertragseckpunkte,
wie bspw. der Preis oder die spezifischen Lieferungsbedingungen, in
privaten Unterhandlungen ausgehandelt. Im Anschluss an eine rechtsgültige
Einigung über alle relevanten Vertragspunkte werden sodann sämtliche
der börsenrelevanten Vertragsbestandteile der Terminbörse zu Clearing-
und Abwicklungszwecken mitgeteilt und dort auch publiziert. Die eigentliche
Abwicklung der gesamten Transaktion findet im Gange einer EFP-Orders
außerhalb des Einflussbereichs der Terminbörse statt ("off exchange").
Beispiel:
"Sell 5 November10 Crude, EFP to ABCD-Corporation".
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