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Kombinierte und sonstige Orderarten an den Terminbörsen

 

Neben den einfachen limitierten und illimitierten Orderarten gestatten fast alle Terminbörsen auch ganz bestimmte strategisch ausgerichtete kombinierte Aufträge ("strategy orders"). Strategisch kombinierte Orders tragen zur Erhöhung der Planungssicherheit dadurch bei, dass sämtliche der Teil-Orders, aus denen sie sich zusammensetzen, sich in sinnvoller Weise konzeptionell aufeinander abstimmen lassen.

 

Die OCO-Order ("one cancels other-", "order cancels order-" oder "alternative order") setzt sich als solche aus zwei separate Orders von prinzipiell beliebiger Art zusammen, die beide aber auf einem Orderticket als Orderbestandteile einer OCO-Order vermerkt und fortan auch als Einheit gehandhabt werden. Durch eine derart koordinierte Order wird der Broker angewiesen, in jenem Augenblick, in dem eine der beiden Teilorders im Markt Erledigung finden konnte, die andere, übrig gebliebene Order im gleichen Moment selbsttätig zu stornieren. In elektronischen Börsenhandelssystemen sorgt die Börsentechnik für die Aufhebung der erübrigenden Order. Jede von ihnen kann somit immer nur alternativ, nie jedoch kumulativ ausgeführt werden.

Beide Arten von Teilorders als Elemente einer OCO-Order sind grundsätzlich völlig frei gestaltbar und insofern formal unabhängig voneinander. Es spielt demgemäß keine Rolle, ob es sich hierbei um eine Kombination von Kauf-, Verkaufs- bzw. Limit-, Stopp- oder anderer Orderarten handelt. In der Praxis verkörpert jedoch eine der Teilorders regelmäßig eine Limitorder, die andere dagegen eine Stopp-Order oder eine ihrer Varianten.

Auch beim Einsatz kombinierter Orderarten ist dem Erfordernis wiederum Rechnung zu tragen, dass der Stopp-Kurs einer Kauf-Stopp-Order über dem aktuellen Marktpreis, der Limit-Kurs der Kauf-Limitorder unter dem aktuellen Marktpreis liegen muss. Mit umgekehrten Vorzeichen gilt: Der Stopp-Kurs der Verkaufs-Stopp-Order liegt unter dem aktuellen Marktpreis und der Limit-Kurs der Verkaufs-Limitorder über dem aktuellen Marktpreis. Hierzu sei ein Beispiel für eine Hausse-Spekulation unter Verwendung einer OCO-Order angeführt:

Setzen wir den Fall, der Kurs des Oktober2012-Gold-Futures werde in einem angenommen flauen, wenig schwankenden Markt mit derzeit 1580 (US-$ je Feinunze) notiert. Ein Händler, der diesen Markt nun schon seit geraumer Zeit beobachtet, erwartet, dass der Gold-Futures zwar kurzfristig noch etwas nachgeben, auf längere Sicht jedoch im Kurs stark steigen wird. Unser Trader könnte jetzt einfach eine Limitorder erteilen, ausgestattet mit einem Limitkurs knapp unter 1580. Dies birgt indes die Gefahr, dass der Gold-Futures anzuziehen beginnt, ohne dass der Limitkurs vorher noch einmal erreichbar wird, und unser Händler somit erst gar nicht am erhofften Kursaufschwung zu partizipieren vermag. Um eben auch in Lagen einer solchen Eventualität angemessen disponieren zu können, kommt die OCO-Order in Betracht. Der Händler könnte nun folgende OCO-Order formulieren: "Either Buy 5 October12 Gold at 1579 or Buy 5 October12 Gold at 1582, Stop".

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Fällt daraufhin der Oktober-Gold-Futures auf 1579 oder darunter, so gelangt die Limitorder zur Ausführung, und die dazugehörige Stopp-Order wird im gleichen Zuge wunsch- und vorschriftsmäßig gecancelt. Der Händler besäße damit eine Long-Position in Oktober-Gold-Futures zu einem Einstandskurs von 1579. Steigt hingegen der Oktober-Gold-Futures, ohne dabei vorher noch einmal zurückzufallen, auf 1582 oder darüber, so kommt es zur Ausführung der Stopp-Order, und die Limitorder wird automatisch gelöscht. Der Trader hätte damit zu 1582 eine Long-Position in Oktober-Gold-Futures in einem hier annahmegemäß steigenden Markt.

Eine OCO-Order kommt dem Prinzip nach immer dann zum Zuge, wenn es zweckmäßig ist, zwei zwar in enger Beziehung zueinander stehende, sich aber gegenseitig in ihrer Realisierbarkeit ausschließende Orders zu formulieren. Durch eine ordnungsgemäße Ordererteilung einer OCO-Order, die vom Broker korrekt gehandhabt wird, schließen Sie die Möglichkeit einer gleichzeitigen Ausführung beider Orderbestandteile der OCO-Order zuverlässig aus. Unter diesem Blickwinkel sind OCO-Orders in ihrer Form voneinander abhängige Orders, die sich anwendungstechnisch selbständig zu koordinieren wissen.

Achtung: Wie es im Handelsverkehr auf den Derivatemärkten bei der Abwicklung von Limitorders gängige Praxis ist, wird stillschweigend unterstellt, dass der Auftraggeber mit einer Teilausführung seiner Limitorder einverstanden ist! Was von Limitorders selbst, gilt auch von Limitorders als Bestandteil von OCO-Orders. Sowie es beim Auftragsvollzug der Sache nach zu einer Teilausführung der Limitorder als Bestandteil einer OCO-Order kommt, wird jedesmal der Stopp-Order-Teil automatisch um die Anzahl der bereits georderten Futures-Kontrakte reduziert.

Zu erwägen ist letztlich noch, dass ebenso wie bei einzelnen Limitorders die Limitkurse eine bestimmte Mindestanzahl von "ticks" vom letztgehandelten Futureskurs entfernt sein sollten (meist nur einige wenige), um von allen Terminbörsen stets sofort und vorbehaltlos als Limitorders akzeptiert zu werden. Detaillierte Informationen hierzu erhalten Sie von Ihrem Broker oder der jeweiligen Terminbörsen.

Eine Spielart der OCO-Order verkörpert die OCA-Order ("one cancels all-order"). Letztere schließt gleich mehrere Teilorders in sich und löscht bei Ausführung einer derselben alle übrigen selbsttätig.

 

  •    Basis Order ("contingent order" und "contingent multiple orders")

Bei einer Basis-Order, oder auch "contingent order" oder "If-done-order Next-order" genannt, handelt es sich ebenso wie bei der OCO-Order konzeptionell um zwei gedanklich voneinander gesonderte Orders, die tatsächlich aber extra der Reihe nach als Einheit auf einem gemeinsamen Order-Ticket vermerkt sind. Mit Verwendung einer Basis-Order ersuchen Sie Ihren Broker darum, jene Teil-Order, die den zweite Bestandteil bildet, erst dann zu besorgen, wenn zuvor die erste Teil-Order hinlänglich ausgeführt werden konnte. M. a. W. die Berücksichtigung der zweiten Order ist abhängig von der Ausführung der ersten Order. Beispiel: "First Sell 3 December12 Gold COMEX at 1570 Stop - Contingent - Buy 3 December12 Gold COMEX at 1569".

Erst wenn die erste Order tatsächlich im Markt ausgeführt werden konnte, wird die zweite von ihr abhängige Order dadurch aktiviert. Die zweite, abhängige Order wird somit auch bei Erreichen ihres Limit- bzw. Stopp-Kurses nicht ausgeführt werden, solange die erste Order unausgeführt bleibt.

Die "contingent order" ist ein Spezialfall der CMO-Order ("contingent multiple orders" oder "combination orders"), einer Sequenz mehrerer voneinander abhängiger Orders, die der Reihe nach auszuführen sind. Ist eine der Orders in der Kette nicht ausführbar, werden alle nachfolgenden, abhängigen Orders automatisch storniert.

 

Eine AON-Order ("All-or-None-Orders") ist dadurch charakterisiert, dass sie stets in einem Handel, zu einem einheitlichen Preis und dabei kumulativ in vollem Umfange auszuführen ist; andernfalls hebt sich die AON-Order aus sich selbst heraus sofort auf. Der FOK-Order vergleichbar ist die AON-Order insofern als sie prinzipiell keine Teilausführungen erlaubt.

Der Unterschied zur FOK-Order liegt dabei in der Zeitkomponente: AON-Orders werden nicht automatisch storniert, wenn keine unverzügliche und vollständige Orderausführung erzielbar ist. Der Anleger vermeidet somit, dass seine Order zu verschiedenen Zeitpunkten und damit einhergehend oftmals zu unterschiedlichen Kursen ausgeführt wird, ohne sich dabei auf einen genauen Zeitpunkt zu fixieren.

Der Nachteil, der einer AON-Order anhaftet, besteht darin, dass dieser Orderart gewöhnlich nur ein sehr geringer Prioritätsrang beigezählt wird. Sie steht somit erst dann zur Ausführung an, nachdem alle vorrangigen Orders, insbesondere also Markt- und Limitorders, zum aktuellen Marktpreis bedient werden konnten.

Soll eine Order zwar mit nur einem Handelsakt, aber nicht unbedingt in ihrem vollen Umfang, sondern lediglich zu einem Mindestvolumen ausgeführt werden, so käme vorzugsweise die MV-Order ("minimum volume order") zur Anwendung.

 

Mit Einreichung einer "discretionary order" überträgt der Auftraggeber (Vollmachtgeber) zeitweilig oder auch auf unbestimmte Dauer Handelsvollmacht fremder Hand. Durch Vergabe einer Handelsvollmacht an einen Kontenbetreuer ("account executive") des beauftragten Handelshauses erhält dieser freie Hand, Börsenaufträge auf Rechnung des Kunden stellvertretend vornehmen zu dürfen. Der Vergabe einer Vertretungsbefugnis durch Ausstellung einer Handelsvollmacht ist für den Kunden im Allgemeinen dann sinnvoll, wenn dieser aus welchen Gründen immer nicht willens oder außerstande ist, sich selbst um seine Börsengeschäfte zu kümmern, während er vollständig in den Sachverstand und die Handelsfähigkeiten der Mitarbeiter des Kommissionshandelshauses vertrauen kann ("trading on behalf"). Dies kann in subjektiven Verhältnissen begründet sein, z.B. wenn der Kunde vorübergehend selbst zu handeln verhindert ist, etwa weil er anderweitig beschäftigt ist, oder weil er wegen Urlaub, Krankheit usf. für eine gewisse Zeit nicht anzutreffen ist, während er in die Sorgfalt des Brokers in der Ausführung vertrauen kann.

Bei "discretionary orders" unterscheidet man üblicherweise zwischen "full discretionary orders", auf deren Grundlage das Brokerhaus vollständige Handelsvollmacht über ein Kundenkonto erhält (Verwaltungsfunktion), und "limited discretionary orders", welche dem Brokerhaus lediglich eingeschränkte Handelsvollmacht übertragen, z.B. nur auf Ausführungsbasis. Letztere Form kann beispielsweise Bezug nehmen auf vorher getroffene individuelle Vereinbarungen rücksichtlich ganz bestimmter Orderbestandteile, wie etwa darauf, dass lediglich der Kurs eines Terminkontraktgeschäfts noch festzulegen ist oder dass das "timing" von Orders – also die Zeitwahl des besten Momentes der Orderplatzierung – zur Disposition steht.

Andererseits können "limited discretionary orders" auf der Grundlage spezieller Konten, namentlich sog. "limited dicretionary accounts" (auch "controlled accounts" oder "managed accounts" genannt), erteilt werden. "Limited dicretionary accounts" sind dadurch charakterisiert, dass der Kundenbetreuer des beauftragten Brokerhauses zwar uneingeschränkte Handelsvollmacht besitzt, jedoch keine Befugnis hat, Geld vom Kundenkonto abzuheben oder Zahlungen anzuweisen.

Eine gänzlich andere Art von Handelsvollmacht repräsentiert die "market not held order" (die manchmal auch als "open order", "worked order", "best efforts", DRT-Order, "disregard tape-order" benannt wird). Hierdurch erhält der "floor broker" vom Kunden unter Wahrung seiner legitimen Interessen vollständige Handlungsvollmacht, die verbunden ist mit einem Ermessensspielraum, welcher sich sowohl auf den anzusetzenden Kurs als auch auf den Zeitpunkt der Ausführung einer in Frage stehenden Order erstreckt. Die Qualität der Orderausführung ist damit unweigerlich an die Fähigkeit des Brokers geknüpft, unter den obwaltenden Marktverhältnissen den richtigen Augenblick für die Ausführung adäquat einzuschätzen. Beispiel:

"Sell 2 December12 Euro FX Futures at 1,2810, not held". Mit der vorstehenden Order wird der "floor broker" ermächtigt, auf der Grundlage seiner Einschätzung der Marktlage auf bessere Marktpreise (d.h. hier: auf höhere Euro-FX-Futureskurse) zu warten, und dann erst die Orderausführung herbeizuführen suchen. Sollte der Euro-FX-Futureskurs allerdings wider erwarten nachhaltig unter 1,28 (US-$) fallen, ohne dass es dem Broker vorher gelungen war, die fragliche Order im Markt auszuführen, so kann er dafür anschließend nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Eine weitere, weniger weit reichende Art von Handelsvollmacht liegt dem folgenden Beispiel zugrunde: "Buy 3 December12 Heating Oil at 1,9950 with 2 points discretion". Der "floor broker" wird hierdurch autorisiert, den Kauf von drei Dezember 2012 Heizöl Futures-Kontrakten nötigenfalls auch zu 1,9952 US-$ pro Gallone zu besorgen, sofern dies seiner Einschätzung nach in einem entscheidenden Zeitpunkt für eine vorteilhafte Orderausführung erforderlich werden sollte.

 

  •    CXL-Order ("straight cancel"-Order, Stornierungs-Order)

Gesetzt den Fall, Sie beabsichtigen eine zuvor erteilte Order außer Wirksamkeit zu setzen, sie ersatzlos zu widerrufen, so käme dafür zweckmäßigerweise die CXL-Order zum Zuge. Die CXL-Order ist eine "Gegenorder" (Contreorder). Sie weist den Broker an, eine bereits bestehende und der Ausführung harrende ("working") Order umgehend wieder aufzuheben. Ist dies abschließend geschehen, erhalten Sie hiernach zwei Bestätigungen von Ihrem Kundenbetreuer zurück: Die erste betrifft die ursprünglich zu streichende Order nebst ihrer Ordernummer, die zweite die Stornierungsbestätigung. Beispiel: "This is account no. 13579 ... Straight cancel: Buy 3 November12 Crude-Oil at 104". Hierdurch wird eine vorher erteilte Kauf-Limitorder, drei November 2012 Crude-Oil-Futures zu 104 US-$ je Barrel zu kaufen, ersatzlos wieder aus dem Markt genommen.

CXL-Orders kommen praktisch überwiegend gegen Börsenschluss zum Einsatz, nämlich dann, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Orderausführung jetzt nur noch gering ist bzw. der aktuelle Marktpreis aufgrund der Marktentwicklung nunmehr unvorteilhaft erscheint.

 

Die CFO-Order hat den Zweck, eine zuvor erteilte Order geradewegs zu widerrufen und Letztere in einem Zuge durch eine andere Order zu ersetzen. Beispiel: "Sell 5 September12 Coffee at 135,25 CFO 136,15". Hierdurch wird der Broker beauftragt, eine zuvor erteilte, aber noch nicht ausgeführte Order, nämlich fünf September12-Kaffee-Futures zu 136,15 US-¢/lb zu verkaufen, zu ersetzen durch eine neue Verkaufs-Limitorder, so dass jetzt fünf September Kaffee-Futures zu nunmehr 135,25 US-¢/lb zu verkaufen sind. Selbstverständlich hätte hier auch zunächst eine CXL-Order formuliert und daraufhin die berichtigte Verkaufs-Limitorder erteilt werden können.

Gelegentlich erreicht die ersetzende Order die Börse nicht mehr rechtzeitig, um ihren Zweck zu erfüllen, weil die zu ersetzende Order kurz zuvor bereits ausgeführt werden konnte. In diesem Falle erhält der Auftraggeber eine Ausführungsbestätigung über seine ursprüngliche Order mit dem Zusatz: "Too late to cancel" (TLTC) zurück. Parallel damit wird die ersetzende Order automatisch storniert.

CFO-Orders werden insbesondere von professionellen Marktteilnehmern bevorzugt eingesetzt, da sie generell eine schnellere Abwicklung versprechen und erfahrungsgemäß auch auf ein in sich geschlossenes Trading-Konzept zurückführen.

 

EFP-Orders, die auch als "ex-pit"-, "against actual"- oder "versus cash-orders" bezeichnet werden, umfassen bilaterale Vereinbarungen zweier Parteien über den Austausch von Futures-Kontrakten gegen die jeweils zugrunde liegenden physischen Marktgegenstände, und zwar noch vor Fälligkeit der einzelnen Kontrakte. Hierbei werden sämtliche Vertragseckpunkte, wie bspw. der Preis oder die spezifischen Lieferungsbedingungen, in privaten Unterhandlungen ausgehandelt. Im Anschluss an einen rechtsgültigen Konsens über alle relevanten Vertragspunkte werden sodann sämtliche der börsenrelevanten Vertragsbestandteile der Terminbörse zu Clearing- und Abwicklungszwecken mitgeteilt und von dort aus auch Publik gemacht. Die eigentliche Abwicklung der gesamten Transaktion findet im Gange einer EFP-Orders außerhalb des Einflussbereichs der Terminbörse statt ("off exchange").

Beispiel: "Sell 5 November12 Crude, EFP to ABCD-Corporation".

 

 

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Stand: 01. Februar 2012. Alle Rechte vorbehalten.