DeiFin – Die Finanzseite

Home Feedback Inhalt Impressum Suchen Content

     Orderarten

Futures
Optionen
Hedging
Märkte
Themen
Rat und Tipps
Bücher
Glossar
Links

 

 

   Stopp-Limitorder ("stop limit order")

 

Durch den Gebrauch einer herkömmlichen Stopp-Order setzt sich der Auftraggeber regelmäßig der Gefahr aus, dass der im laufenden Marktverkehr wirklich erzielte Abschlusspreis sich vom gesetzten Punkt auf der Preisskala, d.i. der vorher in der Order benannte Stopp-Kurs, weiter entfernt als ihm lieb ist. Um eben jene an der Verwendung einer alltäglichen Stopp-Order hängende Unsicherheit über den tatsächlich erzielbaren Kurs am füglichsten in den Griff zu bekommen, wurde die Stopp-Limitorder erschaffen. Diese Letztere zeichnet sich in ihrer äußeren Gestaltung besonders aus durch eine ebenso geeignete wie sinnvolle Verknüpfung einer geläufigen Stopp-Order mit einer einfachen Limit-Order zu einer zusammengehörenden, handlichen Einzelorder.

Zur richtigen, unmissverständlichen Formulierung einer Stopp-Limitorder ist es darum erforderlich und unumgänglich, bei der Vergabe der Order zweierlei Arten von Kursansätzen gesondert aufzuführen, nämlich 1.) einen Stopp-Kurs ("trigger price") sowohl als 2.) einen Limit-Kurs.

Ihrer Wesensbeschaffenheit nach lässt sich eine Stopp-Limitorder an den Terminmärkten grundsätzlich so gut für Kauf- ("long") wie für Verkaufszwecke ("short") verwenden. In der Frage der Aufstellung des Stopp-Kurses im Verhältnis zu dem herrschenden Marktpreis gilt für den Kauf wie für den Verkauf von Terminkontrakten das zur Stopp-Order Gesagte ganz analog: Im Falle einer Verkaufs-Stopp-Limitorder ("sell-stop-limit order") muss der Stopp-Kurs unterhalb des vorliegenden Marktpreises fixiert werden; handelt es sich hingegen um eine Kauf-Stopp-Limitorder ("buy-stop-limit order"), so muss der Stopp-Kurs über den vorliegenden Marktpreis gesetzt werden.

Für die richtige Setzung des Stopp-Kurses einer Stopp-Limitorder in Rücksicht auf das Marktgeschehen greift somit die gleiche förmliche Anweisung durch wie für eine gewöhnliche Stopp-Order. Wieder nichts anders wird bei der Festlegung des Limitkurses einer Stopp-Limitorder abgefordert. Auch für ihn gelten abermals die gleichen Voraussetzungen wie sie von einer herkömmlichen Limitorder uns bereits bekannt sind. Es empfiehlt sich daher, vor dem praktischen Gebrauch einer Stopp-Limitorder sich hinreichende Kenntnisse zu verschaffen sowohl über die Eigenart, die Besonderheiten und Anwendungsvoraussetzungen von Stopp-Orders wie über die von Limitorders. Ein Beispiel:

Gesetzt der Preis des August18 COMEX-Gold-Futures (Produktkürzel: GC) wird derzeit mit 1088 (US-$/Feinunze) notiert. Ein Händler, der diesen Markt aufmerksam beobachtet, erwartet, dass nach Durchbrechen der 1090er-Marke eine Fortsetzung des Kursanstiegs folgen wird. Er erteilt demgemäß die folgende Order: "Buy 3 August18 Gold at 1090 Stop, 1091 Limit". Wie hier an unserem Beispiel nochmals deutlich wird, setzt sich eine Stopp-Limitorder durchweg aus zwei zu unterscheidenden Kursangaben zusammen, nämlich 1.) aus dem Ansatz eines Stopp-Kurses und 2.) eines Limit-Kurses, vereinigt in einem Akt.

Vermag nun der laufende Börsenterminkurs in weiterer Folge die Höhe des vom Händler gesetzten Stopp-Kurses ("trigger price") seiner eingereichten Stopp-Limitorder ziffermäßig ganz zu erreichen oder endlich zu durchkreuzen, so wandelt sich die Stopp-Limitorder augenblicklich und automatisch um zu einer herkömmlichen Limitorder (hier im Falle einer Stopp-Limitorder also niemals zu einer Marktorder!), und zwar so, dass das in ihr vorformulierte preisliche Limit als im Markt wirkender Limitkurs zum Tragen kommt. Das hat zur Konsequenz, dass eine sich hieran schließende Ausführung der Stopp-Limitorder im Marktgeschehen immer nur zum Limitkurs oder zu einem für den Auftraggeber besseren Kurs möglich ist.

 

 

 

Der Wesensunterschied zwischen einer Stopp-Limitorder und einer Stopp-Order liegt demgemäß darin, dass sich eine Stopp-Limitorder – nachdem sie zuvor durch eine entsprechende Marktbewegung ausgelöst worden ist – in eine Limitorder verwandelt, während eine Stopp-Order sich unter dieser Voraussetzung stets in eine Marktorder wandelt. Eine Stopp-Limitorder lässt sich demzufolge auch als "bedingte Limitorder" auffassen.

Konkret gesprochen: Eine Kauf-Stopp-Limitorder, bei der, wie erwähnt, der Stopp-Kurs über dem aktuellen Marktpreis fixiert wird, wandelt sich immer dann zu einer Limitorder, wenn a.) zum genannten Stopp-Kurs Umsatz zustande kommt, oder b.) wenn Nachfrage zu oder über dem genannten Stopp-Kurs entsteht ("bid at or above the stop price"). Zur Orderzusammenführung ("matching") selbst kommt es indes nur unter der Voraussetzung, dass der Marktpreis im Anschluss an die Aktivierung der Stopp-Limitorder den vom Investor gesetzten Limitkurs in seiner Höhe nicht überschreitet.

Eine Verkaufs-Stopp-Limitorder, bei der der Stopp-Kurs stets unterhalb des aktuellen Marktpreises fixiert wird, wandelt sich immer dann zu einer Limitorder, wenn a.) zum genannten Stopp-Kurs Umsatz zustande kommt, oder b.) wenn Angebot zu oder unterhalb des genannten Stopp-Kurses entsteht ("offered at or below the stop price"). Zur Orderzusammenführung selbst kommt es indes nur unter der Voraussetzung, dass der Marktpreis im Anschluss an die Aktivierung den vom Investor gesetzten Limitkurs in seiner Höhe nicht unterschreitet.

Anwendung findet die Stopp-Limitorder – vergleichbar der Stopp-Order – hauptsächlich in folgenden Marktsituationen:

  1. zur Öffnung einer neuen Position,

  2. zur Begrenzung von Verlusten einer bereits bestehenden Position (jedoch weniger empfehlenswert!), und

  3. zur Absicherung eines Buchgewinns aus einer offenen Position,

wobei die Stopp-Limitorder tendenziell öfter in weniger liquiden und/oder stark schwankenden Märkten anzutreffen ist.

Aber auch vor Beginn des Börsenhandels, besonders dann, wenn mit sprunghaften und unberechenbaren Kursbewegungen gerechnet werden muss, verdienen Stopp-Limitorders i.Allg. den Vorzug vor einfachen Stopp-Orders. Doch hier ist zur Vorsicht zu mahnen: Bei plötzlichen, wuchtigen Kursausschlägen in dieser oder jener Richtung, insbesondere bei Eintritt einer "limit-up"- oder "limit-down"-Bewegung, verfehlt die Stopp-Limitorder nicht selten ihre beabsichtigte Wirkung!

Als Faustregel gilt hierbei zudem: Je schneller Sie aus einem Markt heraus wollen (müssen), also je dringlicher eine Position glattzustellen ist, desto weniger empfiehlt es sich, von einer Stopp-Limitorder Gebrauch zu machen. Hierzu folgende Beispiele:

Eine Kauf-Stopp-Limitorder möge lauten: "Buy 1 August18 Gold COMEX at 1090 Stop, 1091 Limit". Solange der August18-Gold-Futures unter 1090 US-$ notiert wird, geschieht zunächst nichts. Kommen jedoch Abschlüsse zu 1090 US-$ oder darüber zur Entstehung, so wird die Kauf-Stopp-Limitorder automatisch aktiviert und tritt damit über in eine Limitorder mit einem Limit-Kaufkurs von 1091 US-$.

"Sell 3 September18 Silver at 1800, Stop Limit". In diesem Fall sind Stopp-Kurs und Limit-Preis von gleicher Höhe. Wird der Silber-Futures zu 1800 US-¢ oder zu tieferen Kursen gehandelt, so wird die Verkaufs-Stopp-Limitorder dadurch zu einer Verkaufs-Limitorder mit einem Limit-Preis von 1800 US-¢. Hierbei besteht jedoch die nicht gering anzuschlagende Gefahr, dass die Order zwar in Bereitschaft gesetzt wird, aber zum Missvergnügen des Auftraggebers nimmermehr zur Aufführung gelangt, falls der Marktpreis im weiteren Verlauf nicht wieder an das Limit bzw. einen für den Auftraggeber besseren Kurs heranreicht. Z.B. könnte der Silber-Futures hier "in einem Rutsch" von 1800,5 auf 1799 herabfallen und damit die Stopp-Limitorder sogleich auslösen. Sollte der Kursrückgang sich nun fortsetzen, ohne dass der Limitkurs von 1800 nochmals erreicht wird, so bliebe die Stopp-Limitorder infolge davon unausführbar.

Gemäß den meisten börslichen Marktmodellen besitzen Stopp-Limitorders, ebenso wie Limitorders, einen der niedrigsten Prioritätsränge unter allen verfügbaren Orderarten überhaupt, d.h. sie finden im Marktverkehr an der Terminbörse dann erst Berücksichtigung, nachdem alle sonst noch ausstehenden Markt-, Stopp- und MIT-Orders vorher ausgeführt werden konnten. Ein Händler darf also frühestens dann auf eine Ausführung seines Auftrages rechnen, wenn seine Stopp-Limitorder zuvor im Handel ordnungsgemäß aktiviert wurde und der Markt daraufhin den Limitkurs noch einmal zu über- (bei Verkaufs-Stopp-Limitorders) bzw. zu unterschreiten (bei Kauf-Stopp-Limitorders) vermochte. Für Optionsgeschäfte existieren an den Börsen allerdings keine Stopp-Limitorders.

Fazit: Hinter dem Einsatz einer Stopp-Limitorder steht vielfach die Absicht, den Eintrittsfall eines übermäßigen Abweichens des Ausführungskurses vom gesetzten Stopp-Kurs mit großer Verlässlichkeit zum Scheitern zu bringen. Stopp-Limitorders sind als solche den Stopp-Orders offenbar recht ähnlich, jedoch mit dem trennenden Unterschied, dass sich Stopp-Limitorders bei ihrer Aktivierung statt zunächst in eine Markt- in eine Limitorder wandeln. Im Gegensatz zu einer Stopp-Order ist die Ausführung einer Stopp-Limitorder selbst dann niemals mit Sicherheit gewährleistet, wenn sie durch einen Handel genau zum Stopp-Kurs ausgelöst wird; denn Spielraum für eine Ausführung einer Stopp-Limitorder besteht nur in den engen Grenzen zwischen dem vom Händler zuvor festgesetzten Limitkurs und dem augenblicklichen Marktpreis.

 

Aufzählung

Varianten der Stopp-Order

Trailing Stopp-Order ("Trailing Stop-Loss-Order")

Eine überaus beliebte Variante der Stopp-Order verkörpert die sogenannte Trailing Stopp-Order ("Trailing Stop-Loss-Order"). Bei der Letzteren handelt es sich um eine ansonsten gewöhnliche Stopp-Loss-Order, jedoch mit dem eigentümlichen Unterschied, dass ihr "Stop-Loss"-Kurs nicht fixiert, sondern gewissermaßen im Schlepptau des laufenden Marktpreises liegt. Analog den physikalischen Eigenschaften eines gespannten Seiles folgt jener mechanisch der Anziehung des Terminkurses im Markt, jedoch naturgemäß immer nur in einer Richtung. Bewegungen des Börsenterminpreises auf den "Stop-Loss"-Kurs zu lassen ihn auf dem alten Stand. Die Distanz, in der der "Stop-Loss"-Kurs sich mit dem Marktpreis in der bevorzugten Richtung bewegen soll, kann der Auftraggeber in absoluten Größen oder auch in Prozenten festsetzen. So wandert der "Stop-Loss"-Kurs je nach eingenommener Positionierung entweder mit nach aufwärts (Long) oder nach abwärts (Short). Im Falle einer Verkauf-Trailing Stopp-Order ("sell trailing stop order") wird der Stoppkurs in der bekannten Weise unter den herrschenden Marktpreis gesetzt und schiebt sich mit nach aufwärts, im Falle einer Kauf-Trailing Stopp-Order ("buy trailing stop order") dagegen entsprechend darüber und schiebt sich mit nach abwärts.

Der Rückgriff auf eine Trailing Stopp-Order hat den besonderen Vorteil voraus, dass ein einmal erwirtschafteter Buchgewinn aus einer gehaltenen Terminposition sich in vielen Alltagsfällen auf harmonische Weise sicher behaupten lässt, ohne dabei zugleich die Gewinnaussichten zu beschränken. Mittels einer auf die jeweilige Marktlage wohl abgestimmten Verkauf-Trailing Stopp-Order lassen sich mögliche Verluste aus Kaufpositionen bei fallenden Marktpreisen wirkungsvoll durch den Mechanismus eines eingangs gesetzten und später mit steigenden Preisen automatisch aufwärts versetzten "stopp-loss"-Kurses begrenzen. Zugleich lassen sich durch eben jenes selbsttätige Nachziehen des "stop-loss"-Kurses bei steigenden Kursen zufallende Gewinne in ihrer Höhe offen halten und vor größeren Einbußen sichern. Alles dies gilt spiegelbildlich gleichermaßen für eine Kauf-Trailing Stopp-Order, die eine Short-Position zu sichern bestimmt ist. Eine richtig platzierte Trailing Stop-Loss-Order erspart ihrem Halter auf diese Weise eine unablässige Überwachung seiner offenen Posten, die ihm sonst vielleicht außer allem Verhältnis viel Zeit und Achtsamkeit abverlangen würde. Überdies macht der Rückgriff auf eine Trailing Stopp-Order eine stete Anpassung der betreffenden Position an geänderte Marktverhältnisse weitestgehend überflüssig. Als Schwäche anzurechnen ist einer Trailing Stopp-Order jedoch der Umstand, dass der persönliche Bezug zur obwaltenden Marktsituation und deren konkreten markttechnischen Erfordernissen durch eine unbeaufsichtigt arbeitende Trailing Stopp-Order pauschal übergangen wird. – Schließlich sei nicht versäumt noch zu bemerken, dass die Börsen speziell für Optionsgeschäfte in aller Regel die Abgabe von Trailing Stopp-Orders prompt zurückweisen werden.

Als weitere Spielarten der Stopp-Order treten die "Stop-Close-Only"-Order (SCO-Order) einerseits und die "Stop-Limit-Close-Only"-Order (SLCO-Order) andererseits auf. Bei beiden Varianten handelt es sich im Prinzip um gewöhnliche Stopp-Orders bzw. Stopp-Limitorders, indes mit der Besonderheit, dass die beiden letztgenannten ausschließlich in der sogenannten "closing range" – d.i. in einer offiziell festgelegten Zeitspanne innerhalb der letzten Handelssekunden einer jeden Börsensitzung, an Präsenzbörsen also zwischen "warning bell" und Handelsschluss – zur Ausführung bereitstehen. Ein Durchbrechen des gesetzten Stopp-Kurses vor der Schlussperiode bleibt stets unbeachtlich. Nachteilig ist hierbei, dass in den letzten Handelssekunden nicht selten ein sogenannter "fast-market" (schneller Markt) sich entwickelt mit der denkmöglichen Folge, dass der tatsächlich erzielte Ausführungskurs im Falle einer "Stop-Close-Only-Order" eklatant vom erhofften Kurs abweichen kann bzw. im Falle einer "Stop-Limit-Close-Only-Order" diese oft gar nicht erst, wie beabsichtigt, zur Ausführung kommen wird.

Daneben hat an den Börsenmärkten noch die "Stop with Limit"-Order (SWL-Order) Existenz. Diese Spielart von Order kommt weitgehend der Stopp-Limitorder gleich, jedoch mit dem trennenden Unterschied, dass ihr Limit-Kurs so platziert wird, dass er deutlich vom aktuellen Marktpreis absteht. Hierdurch wird das Gewicht entschieden auf den eigenständigen Charakter des Limit-Bestandteils der Stopp-Limitorder gelegt.

 

 

 

zurück

"Was wir verstehen, können wir nicht tadeln."
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter

 

Futures Optionen Hedging Märkte Themen Rat und Tipps Bücher Glossar Links

 

 

 

 

Diagramm

Home Feedback Inhalt Impressum Suchen Content

 

Ihre E-Mail mit Fragen, Anregungen, Kommentaren oder Verbesserungsvorschlägen zu dieser Webseite an: info-d1@deifin.de 
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verfassers. Bitte beachten Sie auch die Hinweise zum Datenschutz und Urheberrecht
© 2003
2017 Bert H. Deiters
 Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernehme ich keine Gewähr.
Fehler berichtigen.
Stand: 14. November 2017. Alle Rechte vorbehalten.