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Die Marktorder ("market order")

 

Die Marktorder ("market order"; schriftl. Abkürzung: "MKT") gehört neben der Limitorder zu den grundlegenden Order-Typen. Die Marktorder verkörpert darum auch als solche einen jener Order-Typen, der in der Terminmarktpraxis für die unterschiedlichsten Zwecke (Trading, Hedging, "roll-over" etc.) mit zu den belangreichsten zählt. Im deutschen Sprachraum – zumal bei Wertpapieren (Effekten) – ist es allgemein üblich, eine Marktorder im Falle eines Kaufauftrags sprachlich durch den Zusatz "billigst", im Falle eines Verkaufauftrags dagegen durch den Zusatz "bestens" zu kennzeichnen. Beispiele für Marktorders bei Futures-Geschäften sind:

"Sell 3 December10 Gold COMEX, at the market". Dies ist eine Verkaufs-Marktorder, ("sell market order") wie sie als solche an den Terminmärkten typisch ist. Mit vorstehender Order wird der Auftrag gegeben, drei Dezember 2010 Gold-Futures an der Terminbörse COMEX in New York (eine Abteilung der CME Group) mit der größtmöglichen Beschleunigung nach gegebener Marktlage bestens zu verkaufen.

"Buy 5 December10 Silver COMEX, at the market"; bei der vorstehenden Order handelt es sich um eine typische Kauf-Marktorder ("buy market order"): Hiernach sind fünf Dezember 2010 Silber-Futures an der genannten Terminbörse vom Fleck weg billigst zu kaufen. – Marktorders enthalten offensichtlich keine Preisangaben in sich, sie erscheinen also immer als preislich unlimitierte Orders und sind von Haus aus zugleich Tages-Orders. Marktorders werden von den Derivatebörsen selbst nur zu deren Handelszeiten entgegengenommen; außerhalb der Handelszeiten werden sie regelmäßig zurückgewiesen, allenfalls vorgemerkt. Doch Achtung: Einmal erteilt und weitergeleitet können "market orders" nicht mehr widerrufen werden, denn sie gelangen an der Börse i. d. R. sofort zur Ausführung!*

[* Dies gilt einschränkend freilich nur für Marktorders, die während des laufenden Handels eingereicht und dabei für einen ausreichend liquiden Markt bestimmt sind. Ist die letztgenannte Bedingung nicht erfüllt, so kann es durchaus eine Zeitlang dauern, bis es auf dem Markt zu einem "matching" kommt; denn im Falle unzureichend liquider Märkte wird unter den verschiedenen Marktmodellen in aller Regel der Versuch unternommen, offene Marktorders erst mit Eintreffen der nächsten passenden Limitorder zusammenzuführen, was mitunter zu erheblichen Verzögerungen in der Erledigung führen kann.]

Eine in Aussicht gestellte Marktorder weist den Broker im Derivatehandel an, eine gewünschte Anzahl von Termin- bzw. Optionskontrakten für den Auftraggeber mit dem höchsten Grade von Dringlichkeit und gleichzeitig für ihn so vorteilhaft wie möglich zu kaufen bzw. zu verkaufen. D. h. mit der Erteilung einer Marktorder ersuchen Sie Ihren Broker, ab dem Zeitpunkt der Orderannahme alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um Ihre Order in jedem Fall und zugleich um den für Sie bestmöglichen Preis an der Börse schnellstmöglich zusammenzuführen: Dies ist im Falle von Kauf-Marktorders der im Markt für den sofortigen Abschluss momentan niedrigste mögliche Kurs (der vorliegende Briefkurs, Angebotskurs, "ask-price", "offered"), bei Verkaufs-Marktorders dagegen der derzeit höchste mögliche Kurs (der vorliegende Geldkurs, Nachfragegebot, "bid-price").

Marktorders werden im Börsenhandel prinzipiell für alle Arten von singulären Terminkontrakten und Optionen entgegengenommen. Jede in Aussicht genommene Marktorder ist dabei selbstverständlich an die dafür vorgesehene Terminbörse weiterzuleiten; eine direkte Ausführung mit dem Brokerhaus als Gegenpartei (Selbsteintritt des Brokers in das Kommissionsgeschäft, Kompensationsgeschäft) ist demgegenüber grundsätzlich unstatthaft und mitunter strafwürdig.

Marktorders gehören konstruktionsbedingt zur Gruppe derjenigen Orders, die auf dem Börsenparkett als auch unter elektronischen Börsenhandelssystemen (Computerbörsen) bei jedem herrschenden Marktpreis vor allen übrigen Orderarten, die sonst noch der Zusammenführung harren, zuerst auszuführen sind. Ihr Gebrauch sichert dem Händler absoluten Vorrang vor den anderen Orderarten (Orderart mit der höchsten Priorität). Lässt indes die aktuelle Marktsituation die Zusammenführung einer größeren Marktorder in einer Aktion nicht zu, so kann sie – abhängig vom jeweils geltenden Marktmodell der betreffenden Terminbörse – durchaus auch durch mehrere aufeinander folgende Teilausführungen vollendet werden. Wie leicht begreiflich, kann es als (mitunter unerwünschte) Begleiterscheinung hierbei in manchen Fällen sehr wohl zu unterschiedlichen Ausführungskursen kommen.

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Mit Einreichung einer Marktorder geht der Auftragerteilende grundsätzlich keinerlei Ausführungsrisiko ein. Der besondere Vorzug einer "market order" liegt sonach darin, dass – ein hinlänglich funktionierender und liquider Markt vorausgesetzt – der Auftraggeber sicher auf eine Orderausführung ("a fill") rechnen kann*. Als nachteilig bei der Verwendung einer "market order" ist jedoch der Umstand anzusehen, dass wegen fehlender preislicher Limitation der Marktorder erteilende Händler es sich gefallen lassen muss, dass der tatsächlich sich einstellende Kauf- bzw. Verkaufskurs aus seinem Börsengeschäft mitunter erheblich von dem für sich erwarteten Preis abweichen kann ("slippage"-Effekt**, "execution-risk"; Preisrisiko), während er bis zum Erhalt einer verbindlichen Ausführungsbestätigung durch seinen Broker über die genaue Höhe des Abschlusspreises seines Börsengeschäftes im Ungewissen bleibt***. Dies wiegt um so schwerer, als ein Marktorder nutzender Akteur damit prinzipiell die Verpflichtung eingeht, jeden beliebigen der sich nachfolgend einstellenden und ausführbaren Kurse zu akzeptieren, sofern ein solcher mit Rücksicht auf die gegebenen Marktverhältnisse im Zeitpunkt der Orderausführung sich als der bestmögliche erwies, und zwar unbeschadet der vorweg festgestellten Kurse im angehenden Terminmarkt. Gewisse Ausnahmen davon bestehen allerdings an der Terminbörse Eurex und an der CME Group: Hier werden zum Schutze insbesondere vor ruckartigen, unvermittelten Kurssprüngen feste, maximal zulässige Preisspannen für Marktorders (sog. "market order matching range" MOMR, "protection range") bereits durch die Börsenordnung verbindlich vorgegeben. Damit handelt es sich aber nun nicht mehr um eine Marktorder im reinsten Sinne, sondern viel eher um eine sog. "market with protection order".

[* Eine Ausnahme besteht neben der oben bereits erwähnten Marktilliquidität dann, wenn sich der Markt momentan in einer "limit-up"- bzw. "limit-down"-Situation befindet. In Marktlimitsituationen können also selbst Marktorders ihren vorgesehenen Zweck verfehlen und unausgeführt bleiben.]

[** Unter einem "slippage"-Effekt versteht man die unerwünschte Kursänderung zwischen dem Zeitpunkt der Erteilung einer Order und deren schlussendliche Ausführung ("matching").]

[*** Dies gilt nicht, wenn ein Market-Maker direkt kontaktiert und dessen Quote unmittelbar akzeptiert wird.]

Der Marktorder erteilende Investor erwartet demgemäß, dass der aktuell gültige Marktpreis (oder ein für ihn besserer) im Moment der Orderausführung noch besteht, obwohl zusätzliches Angebot bzw. zusätzliche Nachfrage diesen jederzeit zu seinen Ungunsten verändern kann. Mit Rücksicht auf eine mangelnde Kenntnis der exakten Auftragslage im Zeitpunkt der Zusammenführung ("matching") gelingt die sichere Orderausführung also nur um den "Preis" einer Unsicherheit über den Kurs. Grundsätzlich aber lässt sich feststellen: Je breiter und liquider ein Markt sich präsentiert, desto tauglicher scheint der aktuelle Marktpreis im Zeitpunkt der Ordergabe einer "market order" als Indikator für den bei Orderausführung tatsächlich erzielbaren Kurs (indikativer Preis).

Beispiel: Angenommen, Termin-Gold (Ticker-Symbol: GC) an der Börse COMEX in New York wird im Rufhandel augenblicklich mit 1040,10 (US-$/Unze) "bid" zu 1040,20 (US-$/Unze) "ask" quotiert. Eine bei einem Brokerhaus (FCM) zeitgleich damit eintreffende Marktorder eines privaten Händlers, der nach einem vorausgegangenen Beratungsgespräch mit einem Kundenbetreuer einen Gold-Futures schleunigst zu kaufen beabsichtigt ("buy at the market"), wird nun innerhalb weniger Augenblicke vom diesem ohne Umweg per Order-Modul geradewegs auf das Parkett der COMEX an einen "floor broker" weitergeleitet. Letzterer wird sich alsdann nach Kräften bemühen, die ihm zugetragene Order zum "ask"-Preis von (sofern die Quotation für den Gold-Futures im Markt inzwischen sich nicht verändert hat) 1040,20 zusammenführen. Da es jedoch nicht auszuschließen ist, dass der Goldpreis zwischenzeitlich angestiegen ist (auf bspw. 1041 "ask"), muss der Investor in unserem Beispiel freilich auch mit höheren Kaufpreisen für seinen Gold-Futureskontrakt rechnen.

Bei Verwendung von Marktorders ist demzufolge stets auch die Möglichkeit unvermittelter und unerwünschter Kursbewegungen mit ins Kalkül zu ziehen. Dies ist umso nötiger, als im Falle eines sogenannten "fast market" die Börsenkurse sich in hohem Tempo und zum Teil sprunghaft ändern können. Zu beachten ist fernerhin, dass gerade in einem wenig liquiden Markt, der eine entsprechend weite Marktspanne ("bid-/ask-spread") vorführt, Marktorders mit verhältnismäßig hohen impliziten Handelskosten einherzugehen pflegen. Machen Sie also von Marktorders prinzipiell nur dann Gebrauch, wenn Sie einen sehr guten Grund haben, alternative Orderarten nicht zu verwenden. (Ein weiteres Beispiel für Marktorders, diesmal in Bezug auf den Aktienmarkt, finden Sie auf der folgenden Seite.)

Nicht unerwähnt bleiben soll hier, dass statistisch genommen Marktorders nach ihrer zweckbezogenen Häufigkeit bevorzugt dafür eingesetzt werden, um bereits eingeleitete, offene Position wieder zu schließen, statt neue Positionen in Futures oder Optionen aufzubauen.

Eine Variante der Marktorder endlich verkörpert die "market not held order", die auch unter dem Namen DRT-Order ("disregard tape-order") geläufig ist. Hierbei erteilt der Auftraggeber dem "floor broker" eine Handlungsvollmacht über einen Ermessensspielraum, wann genau die betreffende Marktorder auszuführen ist. Die Qualität der Orderausführung ist damit unweigerlich verknüpft mit der Fähigkeit des Brokers, den gelegenen Zeitpunkt für die Ausführung der Order adäquat einzuschätzen.

Fazit: Marktorders vermeiden, dass die Kauf- bzw. Verkaufsabsicht ins Leere läuft, denn das Börsengeschäft kommt mit ihrer Verwendung der Regel nach "um jeden Preis" zustande. Ihr sofortiger Vollzug ist sonach sicher. Das primäre Anliegen eines Akteurs, der eine Marktorder erteilt, ist mithin die prompte Ausführung seiner Order. Welcher konkrete Kurs sich damit zu guter Letzt verwirklichen lässt, darum geht es ihm erst in zweiter Hinsicht. Eine Marktorder ist i. d. R. immer dann am Platze, wenn ein Händler den Unannehmlichkeiten eines Den-Kursen-ständig-Hinterherlaufens durch wiederholtes Nachziehen von Limiten – wie häufig bei Limitorders in beweglichen Märkten zu beobachten – entgehen will, um sich auf der Grundlage des gegenwärtig herrschenden Kursniveaus eine Erfolg versprechende Positionierung möglichst rasch zu sichern. Ihre vorzüglichste Verwendung findet sie darum auch im Day-Trading.

 

 

 

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2010 Bert H. Deiters
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Stand: 12. Juli 2010. Alle Rechte vorbehalten.