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Hedging von Aktienportfolios mit Index-Futures
Sind nun die Betafaktoren der einzelnen Aktien im Portefeuille bekannt, lässt sich damit auch das Portefeuille-Beta selbst auf einfache Weise berechnen. Es ergibt sich nämlich schlicht aus der mit den Portefeuille-Anteilen gewichteten Summe der individuellen Wertpapier-Betas: Portefeuille-Beta (βip) = XA · βA + XB · βB + XC · βC + XD · βD + XE · βE . Die Zahlen der Tabelle eingesetzt, so erhält man βip = 1,250288 . Ein Indexpunkt im DAX®-Futures entspricht bekanntlich einem Wert von konstant 25 €. Bei einem DAX®-Stand von 3360 Indexpunkten ergibt sich somit ein äquivalenter Marktwert von 84000€ für das hypothetische Indexportfolio, das ein DAX®-Futures ausmacht, das ist, wie man weiß, das ihm zugrunde liegende Portfolio aus 30 deutschen Aktienstandardwerten. Unter Heranziehung der Formel X = (WP / (Ki · pw)) · βip erhalten wir: X = (336000 / 84000 ) · 1,250288 = 5,001152. Das Ergebnis geht hier nicht nach ganzen Kontrakten aus. Der Kurssicherheit Suchende verkauft demnach rund 5 Juni-DAX®-Futures. Mit genau 5,001152 Futures lässt sich an der Börse eine "short"-Position nicht eingehen, weil Futures ihrer mangelnden Teilbarkeit wegen nur in glatten ganzzahligen Einheiten handelbar sind. Da die praktisch vorzufindenden standardisierten Kontraktgrößen sich offenkundig nicht immer mit mathematischer Genauigkeit an individuelle Erfordernisse akkommodieren lassen, geht dies, wie zuzugeben ist, in der Folge regelmäßig mit einer gewissen Einbuße in der Hedge-Effizienz einher. Um nun zu zeigen, dass die Kurssicherung wie gewünscht funktioniert, unterstellen wir beispielhaft das folgende Szenario: Der Zinsfuß für (nominell sicheres) Dreimonatsgeld liegt momentan bei 4 % per annum (bzw. bei 1 % für drei Monate). Bis zum Auflösungszeitpunkt des Hedge, drei Monate später im Mai, fällt der DAX® um 8 %, woraus sich für den betreffenden Zeitraum eine Überschussrendite im DAX® von minus neun Prozent (– 9 %) errechnet (Anmerkung: Die Überschussrendite ist die Differenz zwischen der Rendite des Aktienindex und dem Sicherheitszinssatz, d. h. – 8 % – (+ 1 %) = – 9 %). Bei einem βP von 1,250288 ist für das Aktienportfolio mithin eine Überschussrendite von 1,250288 · (– 9 %) = – 11,2526 % zu erwarten, was äquivalent ist zu einem rund 10,25 %igem Wertverlust. Der faire Kurs des zur Kurssicherung verwendeten DAX®-Futures mit 4-monatiger Restlaufzeit im Zeitpunkt der Einrichtung des Hedge im Februar errechnet sich unter der Annahme stetiger Verzinsung (Momentanverzinsung) wie folgt: 3360 · e (0,04) · 1/3 = 3405 Punkte. [Hinweis: e ist die nach dem Schweizer Mathematiker Leonhard Euler benannte eulersche Zahl e = 2,71828182845904… als Grenzwert der Folge (1 + 1/n)n , mit n → ∞] Zu diesem Futureskurs von 3405 Punkten wurden hier im Beispiel 5 Futures verkauft. Im Mai steht der DAX® annahmegemäß bei 3091,20 Punkte (3360 – 8 % Kursverlust), und der faire Wert des DAX®-Futures mit dann noch einmonatiger Restlaufzeit beträgt: 3091,20 · e (0,04) · 1/12 = 3101,50 Punkte. Als Ergebnis aus dem Engagement in Futures erhält man demnach: (3405 – 3101,50) · 25 · 5 = 37937,50 € Gewinn, wohingegen ein Verlust aus dem Aktienportfolio in Höhe von 0,102526 · 336000 € = 34448,74 € zu verzeichnen ist. Dieser Buchverlust hätte ohne Hedging voll und ganz selbst getragen werden müssen. Das erzielte Nettoergebnis aus dem gesamten Hedge-Posten zum Ende der dreimonatigen Laufzeit beläuft sich folglich per saldo auf 37937,50 – 34448,74 = 3488,76 € (Gewinn)*. [* Margenzahlungen und sonstige Transaktionskosten sowie Steuereffekte blieben hier, wie auch in den anderen Beispielen, der Einfachheit wegen außen vor.] Wie das Beispiel zeigt, wächst der Wert der Hedge-Position ungefähr mit einer Rate von 4 % p. a. ((3488,76 / 336000) · 4), d. i. mit jener der risikolosen Anlagemöglichkeit, während potentielle Kursverluste resp. -gewinne, welche das Portefeuille einträgt, durch die Gegenposition in Aktienindex-Futures kompensiert werden. Dies ist kein Zufall; denn andere Szenarien mit anderen Kursverlaufsannahmen des DAX® hätten durchaus eine gleiche oder annähernd gleiche Profitrate hervorgebracht. Im hier dargestellten Beispielsfall wurde ein rechnerisch fairer Wert ("fair value") des DAX®-Futures unterstellt. In der Praxis weicht der Futureskurs indes häufig – wenngleich infolge von Arbitragen nur in eng begrenztem Maße – von seinem fairen Wert ab. Da die meisten Hedgegeschäfte aus organisatorischen oder markttechnischen Umständen statt am letzten Handelstag noch während der Restlaufzeit des Futures wieder aufzulösen sind, werden sich bis zu diesem Zeitpunkt Kursgewinne und Kursverluste allenfalls zufällig exakt ausgleichen. Darüber hinaus wird die Basis im Tagesgeschäft nicht selten von ihrem fairen Wert abweichen. Das dem Hedging anhaftende Risiko (Basisrisiko) besteht demnach darin, dass bei unterschiedlicher Dauer der Laufzeit von Aktienindex-Futures und Planungshorizont der Hedge-Periode die Wertentwicklung des abzusichernden Portfolios nicht vollständig ausgeglichen, die Chance indes darin, dass dieselbe überkompensiert wird (Basisspekulation). Die im Vorstehenden skizzierten Beispiele sind typische Anwendungsfälle eines Sicherungsverkaufs ("short hedge"). Der Sicherungskauf ("long hedge") hingegen käme der Sache nach dann in Betracht, wenn mit einem Mittelzufluss in nächster Zukunft zu rechnen ist, der zur Bildung eines Aktienportfolios Verwendung finden soll. Auf diese Weise wird es möglich, durch jetzigen, quasi stellvertretenden Kauf von Aktienindex-Futures ein gegenwärtig attraktives Kursniveau bis zum tatsächlichen Eingang der Zahlung festzuschreiben.
In Bezug auf die Nützlichkeit eines Sicherungsverkaufs liegt bei manchem vielleicht ein Bedenken nahe, das sich in der Frage ausdrückt: Warum sollte jemand die Mühe und den zusätzlichen Aufwand auf sich bürden, sein gehaltenes Aktienportfolio mit Hilfe von Futures abzusichern, wenn er ebenso gut auch alle Aktien verkaufen und den Erlös davon zur Erzielung einer durchschnittlichen risikolosen Marktverzinsung (hier im Beispiel in normalmäßiger Höhe von 4 % p. a.) leicht in Termingeld investieren könnte? Eine mögliche Antwort darauf lautet: Der Investor ist von der spezifischen Zusammenstellung seines Aktienportefeuilles vollauf überzeugt (seine Überzeugung könnte sich etwa auf ganz bestimmte Informationsvorsprünge stützen). Zwar kalkuliert er kurzfristige Kursrückschläge des breiten Aktienmarktes pauschal mit ein, rechnet jedoch damit, dass seine spezifische Auswahl an Aktien den Gesamtmarkt "auf lange Sicht" letztendlich doch "outperformen" wird. Dies mag deshalb überzeugen, weil Hedging mit Hilfe von Index-Futures zwar das globale ("systematische") Marktrisiko zu eliminieren vermag, das Portefeuille-individuelle ("unsystematische") Preisrisiko indes, d. h. solche Kursschwankungen, die sich nicht auf allgemeine Aktienmarktschwankungen zurückführen lassen, davon unangetastet bleibt*. Das Portefeuille-individuelle Risiko lässt sich dagegen oft durch eine wohldurchdachte und hinreichend breite Streuung der einzelnen Titel bei der Portfolio-Auswahl ausschalten. [* Umgekehrt ließe sich der Leerverkauf ("short sale") von Aktien durch eine Long-Position in Aktienindex-Futures gegen systematische Preisrisiken sichern.] Einen weiteren, auch im Geschäftsleben recht häufig vorkommenden Grund für den Abschluss eines Hedgegeschäfts liefert in diesem Zusammenhang der folgende Fall: Ein Investor gedenkt, sein Portfolio für längere Zeit aufrecht zu halten. Zwar rechnet er kurzfristig mit einem Kursrückgang an den Märkten, scheut jedoch vor einer Veräußerung seiner Aktien mit einem sich hieran schließenden Rückkauf zu einem späteren Zeitpunkt dann und deshalb zurück, wenn und weil es dem angehenden Aktienmarkt durchgehend an Liquidität mangelt. Er befürchtet nämlich ganz konkret, dass aufgrund des größeren Umfanges seines Aktienbestandes die Marktpreise durch die eigenen Umsatztransaktionen in einer für ihn unannehmbaren, höchst unerquicklichen Weise beeinflusst werden könnten (eine Marktsituation, die zu solchen Befürchtungen Anlass gibt, geht vielfach einher mit relativ weiten "bid"-/"ask"-Spreads, was hohe indirekte Handelskosten verheißt). Außerdem ist er nicht geneigt, die damit verbundenen direkten Transaktionskosten auszulegen – Bank- und Brokergebühren etc., also solche Kosten, die in unmittelbarem Zusammenhang mir der Häufigkeit und Größenordnung von Portfolioumschichtungen stehen. Noch anderweitige denkbare Motive wären etwa die Vermeidung steuerpflichtiger Kursgewinne oder die Mitnahme von in Bälde anstehenden Dividendenausschüttungen oder Bezugsrechten, und zwar unter Lösung vom Marktrisiko. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der taktische Einsatz von Aktienindex-Futures in jedem Falle eine kontinuierliche Marktüberwachung und -analyse des Hedge-Postens erforderlich macht. Dies ist deshalb nötig, um bei einer Änderung relevanter Parameter zu bestimmten diskreten Zeitpunkten, wann immer solche sich einzustellen pflegen, umgehend eine Anpassung der quantitativen Zusammensetzung der Hedge-Position an veränderte Markteinschätzungen vornehmen zu können (sog. "dynamische Anpassung").
Fazit: Kursrisiken sind heutzutage gleichsam als ein handelbares Gut anzusehen. Dies gilt grundsätzlich von Preisrisiken aller marktgängigen Vermögensgegenstände, so auch von Aktien und ihren Konstrukten. Aktienindex-Futures eignen sich rücksichtlich ihrer vorzüglichen Marktliquidität, ihrer geringen Kosten und ihrer Flexibilität in ganz ausnehmendem Maße als ein hochwirksames Instrument zur Kurssicherung individueller Aktienportefeuilles. Die Anwendung von Aktienindex-Futures zur Absicherung erfolgt dabei in systematischer Weise mit Bedacht auf die Struktur aller sonst noch gehaltenen Werte. Ihr gezielter Einsatz bewirkt eine Reduzierung der Volatilität der Renditen, und damit auch des Verlustrisikos des angehenden Aktienportefeuilles insgesamt, die in ihrem Grad selbst über das durch Diversifikation erzielbare Maß weit hinausreichen kann. Des Weiteren ermöglicht es der Einsatz von Aktienindex-Futures, das einem spezifischen Aktienportfolio eigene Risiko auf einfache Weise an ein vorgegebenes individuelles Risikoprofil wunschgemäß anzugleichen – ohne dabei schwerfällige Umschichtungen und die damit verknüpften Transaktionskosten in den Kauf nehmen zu müssen. Kurssicherungsgeschäfte mit Aktienindex-Futures verbessern das finanzielle Gesamtergebnis zwar nicht in einer jeden denkbaren Zukunftslage, da kompensatorische Maßnahmen auch zu Lasten der Verwirklichung von Spekulationsgewinnen gehen können, gestatten es indes, ein gegenwärtig akzeptables Kursniveau in die Zukunft festzuschreiben und bieten dem Disponierenden damit einen wirksamen und zuverlässigen Schutz vor potenziellen Vermögensverlusten aus unerwarteten Kursveränderungen an den Aktienmärkten.
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"Menschen
wissen nicht, welches Wissen ihnen künftig zugehen wird." |
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