 |
Die optimale Laufzeit von Futures bei der Vornahme von Kurssicherungsgeschäften
und "selektives Hedging"
|
Wenden
wir uns im Folgenden der Frage zu, welche der Laufzeiten zur Auswahl
stehender und alternativ einsetzbarer
Termine eines Terminzyklus
von Futures für eine zugedachte Kurssicherung vernunftgemäß zum Einsatz
kommen soll? Bei der Abwägung der Gesichtspunkte liegt wohl der Gedanke
nahe, demjenigen Termin aus einem angebotenen Zyklus von Monatsterminen
innerhalb eines betrachteten Futuresmarktes den Vorzug zu geben, dessen
Fälligkeitszeitpunkt mit dem Zeithorizont des Grundgeschäfts in möglichst
genauer Übereinstimmung steht (Fristenkongruenz). Indes legt ein mehr
nur flüchtiger Blick auf die gängige Praxis Zeugnis dafür ab, dass dort
augenscheinlich weniger Futures mit gegenüber dem Grundgeschäft (annähernd)
gleicher zeitlicher Erstreckung als überwiegend solche mit diese mehr
oder minder übertreffenden Restlaufzeiten für Hedging-Zwecke in Anwendung
stehen. Worin findet dieses Phänomen nun seine Erklärung?
Für
den geschilderten Beobachtungssachverhalt der Praxis mag ein Begründungsversuch,
der gegen den Einsatz kurzlebigerer Kontrakte in der Umsetzung spricht,
zum einen dadurch gegeben sein, dass
Futureskurse
innerhalb ihrer Fälligkeitsperiode zum Laufzeitende nicht selten besonders
starken, unliebsamen und unberechenbaren Schwankungen unterworfen sind.
Zum anderen ist der Sicherungskäufer (Long-Hedger)
innerhalb dieser Zeitspanne von Anfang bis zu Ende dem Risiko ausgesetzt,
die seinem Terminkontrakt zugrunde liegenden Werte ("underlying assets")
– sofern hierfür keine "cash-settlement"-Regelung
zwingend vorgeschrieben ist –
physisch effektiv angedient
zu bekommen, was nicht nur unumgänglich mit reichlich Zeit- und Arbeitsaufwand
verbunden wäre, sondern auch Extrakosten für die Logistik, wie Transport-,
Lagerhaltungs- und Zinskosten, verursachen würde. Außerdem hätte eine
effektive Lieferung unweigerlich eine weitere Liquiditätsbelastung für
die Realbeschaffung von Gütern im Gefolge. Ansonsten können noch unvorteilhafte
Basen bei den nahen
Terminmonaten und daneben auch steuerliche Gründe gegen den Einsatz
von Futures-Kontrakten mit kurz bemessenen Terminfälligkeiten sprechen.
Andererseits
aber lässt sich immer wieder beobachten, dass im Falle der Nutzung von
Futures mit längeren Laufzeiten das
Basisrisiko eines
Hedgegeschäfts mit zunehmendem Unterschied in der Dauer zwischen zeitlicher
Bindung aus dem Grundgeschäft und Lebensdauer des Futures-Kontrakts
regelmäßig ansteigt. Gleichzeitig wird mit zunehmender zeitlicher Kluft
die Preiskorrelation zwischen beiden Märkten stetig abnehmen. Was also
tun? – Als Ausweg aus einem derartigen Dilemma böte sich in Ermangelung
einer überlegenen Methode der Behelf an, ersatzweise auf solche Futures
zurückzugreifen, die zwar längere Laufzeiten aufweisen als durch die
Dauer der Verhaftung an das Grundgeschäfts vorgegeben, deren jeweiliger
Fälligkeitstermin aber zeitlich so nah wie möglich am ins Auge gefassten
Auflösungszeitpunkt des Hedge-Postens seinen Platz findet ("zeitlicher
Cross-Hedge").
Sollte
es dem Disponierenden indes gelingen, bei der Vornahme eines Hedgegeschäftes
den bekannten und fixierten Bedarfstag des Effektivgeschäftes punktgenau
auf das Ende der Restlaufzeit des Futures zu terminieren, wobei zugleich
eine Realbeschaffung gegen den Futures-Kontrakt beabsichtigt ist ("direct
hedge"), so tritt das Basisrisiko in den Hintergrund: Die Liefer-Basis
("maturity basis") ist bekannt, sie wird bei null liegen, und
der vertraglich relevante Preis ist durch den vereinbarten Futureskurs
damit bereits heute festgeschrieben. − In der Wirtschaftspraxis
stößt ein koordiniertes Vorgehen solcher Gestalt meist jedoch auf vertraglich-organisatorische
und/oder markttechnische Hindernisse und kommt demzufolge tatsächlich
nur in einer geringen Minorität von Alltagsfällen vor.
Um
auch im Falle von Fristeninkongruenz Hedgegeschäfte mit Futures mit
Aussicht auf befriedigende Ergebnisse durchführen zu können, greift
man aus Gründen der praktischen Zweckmäßigkeit auf folgendes Richtmaß
zurück: Für all jene Kurssicherungsgeschäfte, die in den Monaten September,
Oktober oder November wieder aufzulösen sind (bei einem unterstellten
Zyklus "März, Juni, September und Dezember" im einzusetzenden Futures-Markt),
wäre der folgende Dezember-Terminkontrakt, und für solche Geschäfte,
die sich bis in den Dezember, Januar oder Februar erstrecken, der sich
anreihende März-Terminkontrakt usw. als die beste Wahl unter allen offenstehenden
Kontrakt-Märkten ins Auge zu fassen. Offenkundig ist eine ausreichende
Liquidität in den
Märkten späterer Futures-Termine eine unentbehrliche Vorbedingung dafür,
einer solchen Richtschnur in der Vorgehensweise auch im praktischen
Wirtschaftsleben zu folgen.
Betont
sei an dieser Stelle, dass ein zeitgleicher Aufbau der zusammengehörigen
Positionierungen im Spot- und Terminmarkt weder nottut noch die Regel
bildet. Sofern ihm kein sofortiges Handeln durch die Umstände aufgenötigt
ist, wird ein sachkundiger und besonnener Hedger vielmehr die gegenwärtige
Entwicklung des Preisgefüges zunächst genau sondieren, dieser hernach
einer eingehenden Analyse unterziehen, daraus vernunftgemäß die richtigen
Folgen ziehen, und sich erst dann positionieren, wenn mit Rücksicht
auf ein anstehendes Kurssicherungsgeschäft das Verhältnis von Barpreis
zu Terminkurs (Basis) für die Bewältigung seiner Sicherungsziele in
genügendem Maße aussichtsreich erscheint. In günstigen Fällen lässt
sich aus der Entwicklung der Basis im Zeitablauf auf diese Weise sogar
ein additioneller Ertrag erzielen. Denkbar wäre außerdem die Vornahme
eines sukzessiven Aufbaus der angestrebten Hedge-Position, indem die
einzelnen Bausteine ihr in Teilakten nur zu besonders gelegenen Zeitpunkten
hinzugefügt werden. Allein in außergewöhnlichen Marktsituationen, zumal
dann, wenn auf den betreffenden Märkten mit einem unmittelbar anstehenden
Preisumschwung zu rechnen ist, erweist sich eine zeitgleiche Positionierung
im Termin- und im Markt für prompte Geschäfte als notwendig und zweckmäßig.
Alle
Formen vorstehend erörterter strategischer Vorgehensweisen zur Optimierung
der Hedge-Effizienz mit Hilfe von Futures lassen sich unter dem Oberbegriff
"selektives Hedging" zusammenfassen. Der Begriff des "selektiven
Hedging" steht gewöhnlich dem des "routinemäßigen Hedging" ("routine
hedging") gegenüber, wobei letztere Form von Hedging i.
d. R. weitgehend pauschal erfolgt, unabhängig von alternativ
erwarteten Marktentwicklungen. Typisch und augenfällig für "selektives
Hedging" ist somit offenkundig der hinzutretende bewusst spekulative
Charakter des Ergänzungsgeschäfts.
Bereits
während der ersten Planungsstufen, die im Rahmen der Risikoanalyse beschritten
werden, sollte sich der Kurssicherheit Suchende vergewissern, ob im
ausgewählten Termin des zur Kurssicherung ausersehenen Futuresmarktes
ein Liquiditätsstand von ausreichender Höhe bei gleichzeitig genügender
Markttiefe vorhanden ist. Dies ist insofern nötig und nützlich, weil
erst ein liquider Terminmarkt dafür Gewähr zu leisten vermag, dass bei
Platzierung umfangreicherer Orders, bestimmt etwa zum Aufbau oder zur
Glattstellung größerer Futurespositionen in einem Zuge, auch eine außerordentlich
dringende Ausführung derselben noch zu fairen Preisen und Kosten zu
realisieren ist, ohne dass dabei von den eigenen Handelsaktivitäten
selbst ein praktisch fühlbarer, unliebsamer Einfluss auf den Ausfall
der Preisbildung ausgeht ("market impact"). Ein unerwünschter,
widriger "market impact" könnte das angestrebte Resultat eines Hedgegeschäftes
nicht nur nicht unerheblich ins Mitleiden ziehen, sondern letztlich
sogar ganz zu Fall bringen. In einer vorliegenden Situation eines Marktes
mit schwachem Verkehr bei geringer Liquidität empfiehlt es sich daher
im Allgemeinen – trotz höherer Korrelation im ersteren, dem zunächst
erwogenen Futuresmarkt – gegebenenfalls dem liquideren alternativen
Kontraktmarkt den Vorzug einzuräumen.
Erfahrungsgemäß
weisen Finanzterminmärkte überhaupt eine höhere Liquidität auf als Warenterminmärkte,
wobei in den frühen Terminen von Futuresmärkten (abgesehen von einer
kleinen Minorität, wie etwa dem Markt für
Geldmarkt-Futures) wiederum
eine höhere Liquidität herrscht als in den zeitlich nachstehenden. Parallel
dazu ist mit kürzer werdenden Restlaufzeiten eines Futures in aller
Regel eine zunehmend höhere Liquidität festzustellen. Einen im Allgemeinen
recht verlässlichen Anhalt für den Grad der Liquidität und für die Tiefe
eines konkreten für Hedging-Zwecke infrage kommenden Marktes bieten
ausgewählte statistische Kennzahlen, wie z.
B. Umsatzzahlen ("volume"),
das "Offene Interesse" ("open
interest") oder endlich auch zu erwartende
Geld-Brief-Spannen
("bid-/ask spread", Marktspanne) in einem Markt. Akzeptable
"bid-/ask"-Spreads sollten i. d.
R. nicht mehr als drei bis maximal fünf "ticks"
ausmachen. Sofern es einem in die engere Wahl genommenen Futuresmarkt
an einer für Hedging-Zwecke zufriedenstellenden Liquidität mangeln sollte,
erweist sich die Strategie des "rolling the hedge forward", die
ich im Folgenden näher erläutern werde, in einer solchen Situation oftmals
als opportun.
Mitunter
trifft es sich, dass bei der praktischen Umsetzung eines Hedge die abzusichernde
Position im Effektivmarkt einem Kursrisiko von einer Dauer ausgesetzt
ist, deren Ende so fern in die Zukunft reicht, dass sie die maximale
Laufzeit jedes in Frage kommenden Futures-Marktes weit überragt. Ein
Hedgegeschäft unter Beibehaltung ein und demselben Futures-Kontrakts
über einen hierzu passenden längerfristigen Zeitraum ist dem Kurssicherheit
Suchenden somit verwehrt. Doch nicht nur unter dem Aspekt der Fristengleichheit,
sondern auch unter zwei weiteren Aspekten kann der Weg über lang laufende
Futures zeitweilig verschlossen bleiben: nämlich 1.) dem im vorigen
Abschnitt skizzierten Liquiditätsaspekt und 2.) dem eines erhöhten Basisrisikos
im Falle eines Einsatzes zeitferner Terminmonate.
Kommen
dagegen Futures mit Laufzeiten zum Einsatz, deren Ende nicht an den
geplanten Sicherungshorizont heranreichen, so steht der Hedger während
der Dauer seines Hedgegeschäfts ein oder mehrere Male vor der Aufgabe,
eine als Hedge in Verwendung stehende Futures-Position beizeiten zu
schließen, um alsdann im gleichen Markt zeitnah eine neue – bis auf
eine längere Fälligkeit – identische Futures-Position aufzubauen ("contracting
and recontracting"). Dieses Verfahren der einmaligen bzw. sukzessiven
Prolongation einer Hedge-Terminposition wird als "rolling the hedge
forward" bezeichnet*.
[* Weitere Methoden,
um dem Basisrisiko und den Inkongruenzen Herr zu werden, bestehen in
einem sog. "strip"- bzw. "stack and strip"-Hedge, der das gesamte künftige
Exposure auf den jeweils nächsten, liquidesten Termin stapelt, ferner
einem "rolling"-Hedge, "rolling-strip"-Hedge und "one-off"-Hedge.]
Das
wiederholte hintereinander Koppeln durch Schließen und Einrichten einer
neuen, nunmehr längerfristigen Futures-Position impliziert – neben erneut
fälligen Brokergebühren – in steter Folge jeweils die Übernahme eines
weiteren Basisrisikos. Das damit einhergehende zusätzliche, nicht vermeidbare
Risiko bei auf längere Zeit aufrechtzuerhaltenden Hedge-Posten heißt
"rollover"-Basisrisiko. An sich spricht nichts dagegen, einen
Hedge-Posten aber- und abermals zu "rollen"; die empfindliche Schwäche
einer solchen Vorgangsweise besteht jedoch erkennbar darin, dass zu
den einzelnen Transaktionszeitpunkten dabei jedes Mal sich erneut die
Gefahr einer sich verschlechternden Basis einstellt. Insoweithin ist
es grundsätzlich anzuempfehlen, ein geeignetes
Orderinstrumentariums in Bereitschaft
zu halten, das einer so beschaffenen Gefahr sofort die Spitze abbricht.
Um also das "rollover"-Basisrisiko, das aus einer Transferierung von
Positionen am Terminmarkt solcher Art entsteht, in möglichst enge Schranken
zu weisen, kann für praktische Orderzwecke beispielsweise der Gebrauch
einer sogenannten
Switch-Limitorder
geprüft werden.
Indes
lässt sich der Nachteil einer sich verschlechternden Basis bei der Transferierung
eines Futures in den darauf folgenden Terminmonat fernerhin auch mit
anderen Mitteln zum Mindesten graduell abmildern. Denkbar wäre so z.B.
die Ausschöpfung eines gewissen Flexibilitätsspielraums in Hinsicht
darauf, zu welchem gewünschten Zeitpunkt ein Hedge-Posten zu "rollen"
ist: Bei unvorteilhafter Basis zu Beginn einer anstehenden "rollover"-Periode
kann der Hedger den "rollover"-Zeitpunkt hinauszuschieben versuchen
in der Hoffnung, dass sich in der Folgezeit die Basis kurzfristig wieder
zu seinen Gunsten verändert ("Timing", Basisspekulation).
Diese Art des Taktierens setzt offensichtlich ein besonders hohes Maß
an fachlicher Erfahrung voraus.
Zur Veranschaulichung
dieses Sachverhalts mag das folgende Beispiel dienen:
Die Prognoserechnung eines Schokoladenfabrikanten
lässt im November 2010 (t0) des laufenden Geschäftsjahres
für das kommende Geschäftsjahr 2011/12 einen Bedarf von insgesamt 20
Tonnen Kakaos erwarten. Diese benötigte Menge an Kakao soll im August
2010 (t2) physisch zugeliefert werden. Um jedoch auf diesem
Felde nichts dem Zufall zu überlassen, beschließt das Management der
Unternehmung, sich mittels Long-Futures rechtzeitig gegen potenziell
steigende Kakaopreise zu schützen (Sicherungskauf, Long-Hedge). Sie
stützt sich bei ihrer Entscheidungsfindung auf eine zuvor durchgeführte
Marktanalyse, die zugleich zu erkennen gegeben hat, dass das
Hedge-Verhältnis h – wie
so oft in den Warenmärkten zu registrieren – sich bequem mit 1 veranschlagen
lässt. Da einem Kakao-Futures
an der
New York Board of Trade (eine Abteilung der ICE Futures U.S.,
IntercontinentalExchange, Inc.) standardmäßig im Ganzen 10 Tonnen
an Rohkakao zugrunde liegen, wären nach den Gesagten genau zwei Long-Futures
erforderlich, um damit das Preisrisiko der Hedge-Position so weit als
möglich herabzumindern. Obwohl zum Entscheidungszeitpunkt bereits entsprechende
Futures mit Laufzeit September 2011 an der ICE gelistet werden, entscheidet
sich die Unternehmung mit Rücksicht auf die mangelnde Liquidität in
den zeitlich entfernteren Kontraktmonaten letztlich doch für die Strategie
eines "rollover-hedge". Mithin werden im November 2010 an der Spitze
zwei März 2009-Kakao-Futures zu einem Terminkurs von
1550 US-$/Tonne gekauft. Der
Spotmarktpreis beläuft sich zum gleichen Zeitpunkt (in t0)
auf 1500 US-$/Tonne. Im Februar
2011 (t1) "rollt" die Unternehmung die März-Kakao-Futuresposition
zu einem dann günstig erscheinenden Zeitpunkt plangemäß in eine September-2011
Kakao-Futuresposition, indem die März-Position in Futures geschlossen
und eine sonst identische, aber nunmehr liquidere Position in September-Kontrakten
neu aufbaut wird.
Betrachten
wir nun die möglichen Folgen der gewählten Sicherungsmaßnahme anhand
eines exemplarischen Szenarios:
Ein denkmögliches Preisszenario wäre z.
B. ein Anstieg des Spotmarktpreises für Kakao bis zum "rollover"-Zeitpunkt
im Februar 2011 (t1) auf
1950 US-$/Tonne und
2000 US-$/Tonne im März 2011-Futures-Kontrakt,
was einem Gewinn von insgesamt 9000
US-$ aus den zwei Futures-Kontrakten ergäbe. Zeitgleich kauft das Unternehmen
zwei Dezember 2011 Kakao-Futures zu einem Terminkurs von
2200 US-$/Tonne. Im August
2011 (t2) schließlich, wenn der Kakao tatsächlich physisch
benötigt wird, möge der Spotmarktpreis bei
2300 US-$/Tonne und der als
Gegenposition verwendete Dezember 2011-Futures bei
2350 US-$/Tonne liegen, d.
h. es entsteht abermals ein Gewinn von jetzt
3000 US-$ aus den Kakao-Futureskontrakten.
Zwar zahlt die Unternehmung für die Beschaffung nun 800 US-$ pro Tonne
Kakao (bzw. 16000 US-$ für
20 Tonnen) mehr als seinerzeit im Juli 2010 (t0) für die
prompte Lieferung hätte gezahlt werden müssen, konnte jedoch 600 US-$/Tonne
(bzw. 12000 US-$ insgesamt)
an Preisanstieg durch "rollover"-Hedging mit zwei Kakao-Futureskontrakten
kompensieren.
Wie
das vorstehenden Fallbeispiel deutlich vor Augen führt, schlittert unser
Süßwarengeschäft infolge verfehlter Preisantizipation in Verluste: Doch
ebenso gut wären auch Szenarien denkbar und wahrscheinlich, die, bei
entsprechend günstiger Entwicklung der Basen und bei zutreffender Antizipation
der Preisentwicklung zu den jeweiligen "rollover"-Zeitpunkten, in summa
einen Gewinn eingebracht hätten.
Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen: Hedging hilft, unerwünschte
Folgen aus Fehleinschätzungen möglicher Preisentwicklungen abmildern,
womit sich ein Wohlfahrtsgewinn einstellt. Praktisch verwirklicht wird
ein Hedge – wie gezeigt – durch Aufbau eines zu einem bestehenden offenen
Posten komplementären Gegenpostens, sodass sich Unsicherheiten bei den
Preiserwartungen durch Risikogegenlauf vermindern. Dem vorauszugehen
hat die Entscheidung, ob bei einem gegebenen offenen Posten Hedging
überhaupt ökonomisch sinnvoll und erwünscht ist, und falls ja, in welcher
Gestalt die Sicherung durch Hedging konkret herbeizuführen ist. Die
vorausgehende Analyse des zweckmäßigerweise als Gegenposten einzusetzenden
Hedge-Instruments hat dann regelmäßig vor dem Hintergrund eines vorgegebenen
Zeithorizonts zu erfolgen. Ziel ist es nun, das Grundgeschäft – auch
im Falle ungleich lang dauernder Restlaufzeiten von Hedge-Objekt und
Hedge-Instrument (hier: Futures) – auf eine vernünftig planbare Kalkulationsgrundlage
zu stellen. Das Ergebnis des Hedge wird hierbei neben zahlreichen anderen
Einflussgrößen entscheidend von zwei Faktoren abhängen: 1.) Inwieweit
lassen sich künftige Kursentwicklungen treffend antizipieren? und 2.)
wie genau stimmt das Ausmaß zeitlicher Bindung aus dem Effektivgeschäft
mit der Laufzeit des Hedge-Instruments überein?. Wie die Auseinandersetzungen
dieser Abhandlung darlegen, sind bislang freilich (noch) keine mustergebenden
generellen Gesetzmäßigkeiten greifbar, Allheilmittel, die es gestatten,
im Hinblick auf die Entscheidung zur optimalen Laufzeit eines Futures
für jeden Einzelfall zweifelsfrei praktisch anwendbare (teleologische)
Verfahrensweisen zu formulieren. Daher empfiehlt es sich, in der Vorbereitungsphase
eines Hedge speziell der Laufzeitplanung einer besonderen Aufmerksamkeit
zu würdigen und derweil insbesondere das Für und Wider verschiedener
Terminfälligkeiten sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Die Möglichkeit,
auch bei signifikanten Unterschieden in der Dauerhaftigkeit zwischen
den Teilpositionen eines Hedge mit relativ einfachen Techniken auf kostengünstige
Weise die gewünschte Versicherungswirkung zu erzielen, erleichtert die
geschäftlichen Kalküle und verleiht so dem Kurssicherungsgeschäft mit
Hilfe von Futures letztlich auch hier einen ganz besonderen Reiz.
|